Borussias Sportdirektor im Radio 90,1-Interview
Jeden Mittwoch ist beim Mönchengladbacher Radiosender 90,1 Zeit für die Sendung ‚Borussia hautnah'. So auch an diesem, als sich zur letzten Sendung dieser Saison Borussias Sportdirektor Max Eberl den Fragen von Moderatorin Petra Koch stellte. Der 37-Jährige sprach unter anderem über den Saisonverlauf im Verbund mit dem Trainerwechsel, über eventuelle Neuverpflichtungen und über die Relegationsspiele gegen den VfL Bochum. Wir haben das Interview in den Kernpunkten zusammengefasst.
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| Max Eberl zu Gast bei Radio 90,1 - Foto: Katharina Schöne, Fohlen-Hautnah.de |
Petra Koch: Max, bervor wir auf diese doch ereignissreiche Saison ein wenig zurückblicken und natürlich auf die beiden Relegationsspiele vorausblicken, muss ich Marco Reus ansprechen. Er ist nun mal Thema in mehreren Zeitungen. "Reus bleibt", hat er in einem Interview gesagt. Hat er dir das auch geagt?
Max Eberl: Ich bin mit Marco ja auch ständig im Austausch. Nicht das wir uns ständig über seinen Vertrag unterhalten, aber Marco hat sich damals für Gladbach entschieden. Das war für ihn aus unserer Sicht und auch aus seiner, glaube ich, ein sehr guter und sehr wichtiger Schritt in seiner Karriereleiter.
In der Hinrunde dieser Saison haben wir seinen Vertrag noch mal verlängert, weil wir natürlich total von ihm überzeugt sind und er auch von unserem Weg überzeugt ist. Deswegen haben wir gewusst, dass Marco lange bei uns spielen wird.
Natürlich kamen bei unserer schwierigen Situation mit unserem Tabellenplatz und mit seiner Leistung viele Spekulationen auf, aber wir sind davon überzeugt, dass Marco Reus auch in den nächsten Jahren bei uns spielen wird - auch wenn ein dickes Angebot kommt.
Petra Koch: Dann war heute in einer Boulevard-Zeitung der gesamte Vertrag von Marco Reus zu lesen. 18 Millionen - dafür dürfte er nächstes Jahr gehen. Stimmt die Zahl?
Max Eberl: Ich möchte jetzt nicht über Vertragsinhalte sprechen. Marco Reus hat seinen Vertrag bis 2015 verlängert. Das ist momentan Fakt. Wir hoffen, dass wir mit einer guten Leistung die Relegation und damit den Klassenerhalt schaffen. Dann ist das kein Thema.
Petra Koch: So wie ich Marco kennengelernt habe, fühlt er sich ja auch sauwohl ...
Max Eberl: Ich denke, dass spüren auch die Leute im Stadion und das spürt jeder, der mit ihm zu tun hat. Marco ist ein sehr positiver Typ. Er ist ein lustiger Zeitgenosse, der mit seinen Jungs in der Kabine sehr viel Spaß hat. Wenn ich in die Kabine komme, dann läuft immer irgendein Spiel mit Ball. Er hat einen sehr positiven Charakter und wie gesagt, jeder der ins Stadion kommt spürt, wie viel Freude und Spaß er am Sport hat. Und das versprüht er auf sowie neben dem Platz.
Petra Koch: Am Ende der Saison gibt es eine Phase, wo der Sportdirektor richtig aktiv werden muss. Die Transferperiode wird bald eröffnet. Jetzt fängt es so langsam an, das Namen kursieren. Möchtest du schon irgendwelche Namen nennen?
Max Eberl: Mit Beginn der Rückrunde fängst du eigentlich schon an, die Planung für die neue Saison voranzutreiben, auch wenn es in diesem Jahr relativ schwer war, weil man nicht wusste, in welcher Liga es enden wird. Das weiß man jetzt immer noch nicht. Trotzdem redet man viel und macht sich intern mit dem Trainerstab über gewisse Positionen Gedanken. Aber ich denke, dass jetzt der Fokus in den nächsten acht Tagen total auf die beiden Relegationsspiele ausgerichtet ist.
Da sind Namen, die kursieren auch für mich nicht relevant und dazu werde ich mich auch nicht äußern. Wir sind von dem Kader, den wir haben, überzeugt. Dieser hat in der Rückrunde 26 Punkte geholt und hat es ermöglicht, dass wir in die Relegation kommen. Die Jungs haben unser absolutes Vertrauen und unsere Unterstützung.
Petra Koch: Wie schwer war die Arbeit des Sportdirektors denn, wenn man eben nicht weiß, wohin es geht?
Max Eberl: Natürlich ist es schwerer, wenn du mit Spielern und Beratern sprichst und nicht weißt, über welche Liga man eigentlich spricht. Aber unsere Planungen laufen eigentlich so, dass wir nach Spielern für Positionen Ausschau halten, die wir gerne besetzen wollen. Da gibt es dann Spieler, die auch für beide Ligen interessant sind. Natürlich gibt es Topspieler, die nur bei Erstligavereinen spielen möchten, das ist klar.
Aber wir haben ja auch unsere Philosophie, dass wir mit jungen Spielern arbeiten wollen. Die sehen einfach den Verein und die Möglichkeit, sich als junger Spieler zu entwickeln. Da sind wir ein sehr gutes Beispiel und das ist auch ein Schwerpunkt vieler Spieler. Es geht also nicht immer darum, zwingend erste Liga spielen zu müssen, sondern die Spieler wollen auch die Perspektive und ihre eigene Karriere sehen, sprich wo kommen sie am besten zum Zuge.
Petra Koch: Vom Karlsruher SC habt ihr aber so gut wie einen verpflichtet, oder?
Max Eberl: Naja. Matthias Zimmermann hat das nach dem Klassenerhalt des KSC etwas überschwänglich gesagt. Es ist richtig, dass das ein interessanter Spieler ist, der mehrere Positionen spielen kann. Es ist ein junger Spieler, der auch in unser Profil passen würde, aber mehr möchte ich dazu gar nicht sagen. Der Junge hat noch Vertrag beim KSC, auch mit dem Jungen ist noch nichts unterschrieben. Das sollten wir alles zur Seite schieben. Wir haben jetzt zwei Spiele gegen den VfL Bochum und darauf liegt unser Fokus.
Petra Koch: Darüber reden wir gleich auch noch. Wir waren ja gerade schon ein bisschen in der Bilanz der Saison. Du hast die Rückrunde schon angesprochen. Wir müssen schmerzlicherweise auch noch mal einen Blick auf die Hinrunde werfen, die euch schon zu schaffen gemacht hat ...
Max Eberl: Natürlich. Die Hinrunde war für uns eine Katastrophe. Von der Punktausbeute her und auch teilweise von der Art und Weise, wie wir gespielt haben. Die große Analyse dauert jetzt zu lange, aber es gibt natürlich gravierende Gründe, die uns in der Hinrunde wiederfahren sind. Wir hatten, wenn ich an das Spiel in Leverkusen denke, einen sehr guten Start.
Dann kamen mit Frankfurt und Stuttgart zwei auch für uns denkwürdige Niederlagen, wo jedem ein Stückweit die Erklärung gefehlt hat, denn es war fast die identische Mannschaft, die davor Leverkusen geschlagen hat. Dann fing neben der eh schon sportlich kritischen Phase die Personalproblematik mit zahlreichen Verletzungen und den Sperren, die wir zu beklagen hatten, an.
Es waren dann gerade im Defensivbereich teilweise fünf bis sechs Spieler, die uns über Wochen und Monate nicht zur Verfügung standen. Das haben wir natürlich so nicht auffangen können und deswegen sind dann in der Hinrunde leider auch nur zehn Punkte dabei rausgekommen.
Aber ich denke, dass wir im Winter, gerade was die Positionen betroffen hat, dann daraus die richtigen Schlüsse gezogen haben. Wir wollten uns in der Defensive stabilisieren und wussten, dass Verletzte zurückkommen werden. Es ist dann aber wieder genau das eingetreten, was wir befürchtet hatten. Mit Roel Brouwers war wieder ein Stammspieler verletzt. Deswegen waren wir sehr froh, dass wir mit Matin Stranzl und Havard Nordtveit zwei Spieler dazu gewinnen konnten, die uns gerade auf diesen Positionen verstärkt haben.
Petra Koch: Richtig verstärkt haben, wie man jetzt so sagen kann, oder?
Max Eberl: Ja. Sie spielen die ganze Rückrunde sehr, sehr konstant. Gerade Martin mit seiner Erfahrung war auch ein Aspekt, den Transfer zu machen. Eben einen Spieler zu holen, der die Qualität hat, der sich auch schnell in der Bundesliga adaptiert, der sprachlich keine Probleme und hat der Erfahrung hat. Das alles traf auf Martin Stranzl zu. Er hat seine Leistung in der ganzen Rückrunde gebracht.
Mit Havard Nordtveit haben wir einen jungen Spieler verpflichtet, wo auch Stimmen gesagt haben: Warum holst du jetzt einen 20-jährigen für den Abstiegskampf. Aber uns geht es auch um die Qualität und den Charakter. Er hat uns im Mittelfeld stabilisiert. Im Spiel gegen Nürnberg hat er ja auch Innenverteidiger gespielt, sodass wir da also auch mehr Spielraum hatten.
Mit Mike Hanke, der im Jahr zuvor mit Hannover Erfahrung im Abstiegskampf gesammelt hatte, haben wir im Offensivbereich auch Qualität dazu gewonnen. Er ist ein Junge, der immer klar im Kopf ist, der immer positiv ist, der den Kopf oben behält und der auch den jungen Spielern in unserem Kader für diese schwere Rückrunde die Unterstützung gegeben hat.
Petra Koch: Mike Hanke: Ein Tor geschossen, zahlreiche Assists gegeben. Er hat mich insofern überrascht, weil ich immer dachte, er steht gerne vorne und staubt gerne Tore ab. Ich finde aber, er arbeitet viel für das Team ...
Max Eberl: Mike hat natürlich bei Vereinen, wie Schalke und Wolfsburg gespielt, die zu den damaligen Zeitpunkten sehr offensiv gespielt haben. Dort konnte er seine Qualität im Strafraum vielleicht auch mehr einsetzen. Aber er hat auch in der letzten schwierigen Saison in Hannover gezeigt, dass er eben auch ein Spieler ist, der die Mannschaft mitreißen und mit seiner Laufbereitschaft, mit seinem Willen und seinem Engagement unterstützen kann. Deswegen sind wir nicht überrascht, sondern wir sind froh, dass er das gebracht hat, was wir von ihm erwartet haben.
Petra Koch: Dann hat es natürlich den Torwartwechsel gegeben: Den 18-jährigen ins Tor gestellt. Sicherlich auch mit dem Vertrauen, weil man ihn in ja hier die ganze Zeit gesehen und ihn ja auch schon in der Jugend ausgebildet hat. Das ist auch aufgegangen. Und es gibt endlich auch mal ein Torhüter aus den eigenen Reihen ...
Max Eberl: Ja, das ist richtig. Wir haben Marc-Andre ter Stegen vor der Saison ganz bewusst als dritten Torwart mit dazu genommen. Wir wussten, dass er ein außergewöhnliches Talent ist, das über kurz oder lang unsere neue Nummer eins werden kann. Gegen Köln war dann der Zeitpunkt gekommen, wo man ihm eben auch die Möglichkeit geben konnte.
Und das aufgrund dessen, weil wir mit der Niederlage gegen Kaiserslautern zwei Wochen zuvor und mit der Niederlage gegen Bayern München in der öffentlichen Wahrnehmungschon abgestiegen waren. Dann war die Möglichkeit da, einem jungen Torhüter die Chance zu geben. Wir spielten das Derby gegen Köln. Da konnte er nichts verlieren und die Leute hätten ihm verziehen, wenn irgendwas passiert wäre. Die Chance hat er eindrucksvoll genutzt.
Petra Koch: Wie viel Anteil hat Lucien Favre an diesem Endspurt, den die Mannschaft hingelegt hat?
Max Eberl: Ich denke, dass die Entscheidung Lucien Favre zu holen, die richtige war. Es war ein logischer Zeitpunkt, wo wir diese Entscheidung getroffen haben. Lucien Favre hat im Grunde das eingebracht, was wir in einer Analyse festgestellt haben, sprich wo unsere Probleme lagen. Unsere Probleme lagen darin, dass wir in vielen Details Fehler gemacht haben. Wir haben keine großartigen Fehler gemacht, aber kleine Fehler mit großer Wirkung.
Wir wussten, dass Lucien Favre genau in diesem Bereich arbeiten wird und wir wussten, dass er ein sehr akribischer Arbeiter ist, der auch sehr, sehr viel Wert auf diese Details legt. Er hat natürlich einen sehr großen Anteil daran, dass wir noch mal rangekommen sind. Nach dem gefühltem Abstieg gegen Kaiserslautern, hat er dann aber der Mannschaft das Gefühl geben: Hört zu Jungs, der Druck des Abstiegs ist eigentlich weg, weil wir in der öffentlichen Wahrnehmung abgestiegen sind.
Dann trotzdem dran zu bleiben und der Mannschaft trotzdem das Vertrauen zu geben und zu sagen, solange drin zu bleiben wie es möglich ist, weil es noch mal eine kuriose Situationen geben und noch mal die Möglichkeit geben wird, in der wir noch mal auf Schlagdistanz kommen - das hat er mit der Mannschaft gemeinsam gemacht und deswegen hat er natürlich einen Anteil daran, wie viele andere auch. Aber natürlich war der Trainerwechsel zum richtigen Zeitpunkt.
Petra Koch: Zum richtigen Zeitpunkt, oder könnte man vielleicht sagen, ein paar Wochen früher und wir hätten es vielleicht ein bisschen leichter?
Max Eberl: Das weiß ich nicht und das weiß keiner von uns. Dass ist aber doch das schöne im Fußball, dass man im Nachhinein nicht weiß, was wäre gewesen wenn. Keiner weiß, ob wir aus den ersten drei Spielen sechs Punkte geholt hätten, wenn wir im Winter gewechselt hätten. Es sind viele Hypothesen dabei, auf die ich mich nicht einlassen möchte. Wir haben diese Entscheidung im Winter aus voller Überzeugung gefällt, weil wir logische Gründe hatten, die damals nicht nur am Trainer lagen.
Deswegen sind wir mit Michael Frontzeck auch in die Rückrunde gegangen. Es kam dann aber nach den Niederlagen gegen Stuttgart und St. Pauli der Zeitpunkt, wo wir gesagt haben, dass wir uns nicht noch einen langen Negativtrend erlauben können. Der Druck innen wie außen wurde extrem groß, so dass der mögliche Klassenerhalt in Gefahr war. Deswegen hat man zum logischen Zeitpunkt reagiert.
Petra Koch: Schweizer Journalisten haben gesagt, dass Lucien Favre noch nie ein Feuerwehrmann war. Aber nur diesen habt ihr auch nicht unbedingt gesucht ...
Max Eberl: Genau, das ist richtig. Wir haben einen Trainer gesucht, der zu Borussia, zum Kader, zum Verein und zu dem Weg, den wir gehen wollen, passt. Wir haben eine junge Mannschaft, die sehr viel Potenzial hat und die einen Trainer braucht, der ihnen Hinweise gibt und ihnen genau das vorgibt, was sie auch im taktischen Bereich noch braucht. Da haben wir uns bewusst für Lucien Favre entschieden.
Wir wollten keinen Feuerwehrmann holen, weil dass nur die kurzfristige Lösung gewesen wäre. Wir wollten eine Lösung finden, mit der wir noch das Ziel erreichen können und mit der wir trotzdem eine Mannschaft formen und ihr Struktur geben können. Da war Lucien Favre genau der Mann, den wir gebraucht haben.
Petra Koch: Mir ist Lucien Favre als ein sehr ruhiger aufgefallen, der Menschenansammlungen, wie Journalisten, nicht so sehr mag. Auf dem Platz ist er ein ganz anderer, oder?
Max Eberl: Ja, er ist sehr lautstark und aktiv. Er bringt der Mannschaft nah, was er erwartet und er bringt den Spielern nahe, was er in einer Situation von ihnen erwartet. Er macht sehr viel im taktischem Bereich. Die Tafel hat man ja auch schon in den Zeitungen gesehen, die ist ja auch keinem verborgen geblieben. Aber das ist genau seine Philosophie. Er möchte den Spielern etwas beibringen und es sind im Fußball eben wirklich die Kleinigkeiten, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden.
Da ist er sehr akribisch und auch sehr lautstark. Er ist aber auch jedem gegenüber ein sehr respektvoller Mensch und er ist sehr höflich, ein Gentleman. So habe ich ihn kennengelenrt. Aber in seiner Arbeit ist er zu 100 Prozent mit sehr viel Enthusiasmus und mit unglaublich viel Engagement dabei. Das ist eben die gesunde Mischung, die er momentan an den Tag legt.
Petra Koch: Wie hält man den Glauben und den Willen gerade auch nach so einem Spiel wie gegen Kaiserslautern aufrecht?
Max Eberl: Für alle war es kurz nach dem Schlusspfiff ein ganz schöner Nackenschlag. Den mussten wir alle erst mal verdauen. Ich selber habe auch zwei bis drei Tage gebraucht, um damit klar zu kommen, was an dem Tag pasisert ist, weil wir in den Spielen zuvor eigentlich einen sehr ordentlichen Lauf und sehr gute Ergebnisse hatten. Gegen Kaiserslautern wollten wir endlich mal den Schritt machen, ganz an die ominösen Plätze heranzurücken. Für alle, wie auch für mich, war es nicht leicht.
Aber wir haben auch gesagt, dass wir immer noch die Möglichkeit haben, ranzurücken, wenn wir das Wochenende in München mit einer guten Leistung, aber auch mit der Situation, dass der Abstand nicht größer wird, überstehen. Diesen Glauben hatten wir immer und diesen Glauben hatte die Mannschaft auch immer wieder. Das war schon impulsamt, mit welchem Optimismus sie an die Sachen heran gegangen ist.
Den hat der Trainer und den haben auch die Leute um die Mannschaft herum immer wieder verbreitet. Die Liga ist in diesem Jahr so kurios und so verrückt. Da müssen wir unseren Glauben immer aufrecht erhalten und dann werden wir noch mal eine Möglichkeit bekommen. Dafür sind wir zumindest mit dem Relegationsplatz belohnt worden.
Petra Koch: Wenn ein Club so lange auf dem letzten Tabellenplatz steht, dann kommen immer wieder mal Leute, die meinen, dass können wir besser. Ich rede von "Initiativen" und "Offensiven". Wie sehr beschäftigt dich dieses Thema, beschäftigst du dich damit überhaupt im Moment?
Max Eberl: Es begleitet. Zum Leidwesen begleitet uns dieses Thema seit Dezember des letzten Jahres. Es ist ein Thema, was zunächst die Struktur des Vereins betrifft und was sich dann im Laufe des Abstiegskampfes in eine Personalpolitik gewandelt hat. Ich denke, da ist schon so viel drüber gesprochen worden. Mir geht die ganze Geschichte ein bisschen auf den Keks. Ich möchte mich auf den Sport konzentrieren und versuchen, dass wir das große Ding, den Klassenerhalt, zumindest für diese Saison noch schaffen werden.
Wenn man dann die Hinrunde nimmt, dann haben wir in der Rückrunde noch eine sehr gute Leistung erbracht. Darauf liegt unser Fokus und alles andere, müssen dann die Mitglieder entscheiden. Aber wie gesagt, es geht nicht um Eberl oder Effenberg oder um wen auch immer, sondern es geht um Satzungsänderungen des Vereins. Es ist eine Begleiterscheinung, die nicht gerade förderlich war.
Petra Koch: Die Mannschaft scheint das jedenfalls nicht belastet zu haben, weil sie jetzt eigentlich die beste Phase hatte, oder?
Max Eberl: Ja. Es ist der Mannschaft und auch dem Trainer hoch anzurechnen, dass sie sich wirklich aus dieser Sache total rausgehalten haben oder auch raushalten konnten. Die Mannschaft hat sich auf das konzentriert, was sie beeinflussen kann, nämlich die eigene Leistung. Das hat sie gut getan. Mit zehn Punkten aus den letzten vier Spielen haben wir die Punktzahl erreicht, um in der Relegation zu spielen.
Petra Koch: Jetzt kommen diese beiden Relegationsspiele. Hättest du mir vor sechs Wochen gesagt, Relegation, dann hätte ich es sofort unterschrieben. Aber trotzdem war es in Hamburg schon eine komische Stimmung. Keiner hat sich so richtig gefreut ..
Max Eberl: Es war natürlich aufgrund der zweiten Halbzeit auch eine extreme Situation. Wir haben gegen Hamburg 1:0 geführt. Du kommst in die zweite Halbzeit, siehst sofort das 1:0 für Frankfurt und bekommst mit, dass Wolfsburg das Spiel in Hoffenheim gedreht hat. Das ist weder den Spielern, noch uns und noch den Fans verborgen geblieben.
Es war eine sehr komische Stimmung im Stadion. Die Hamburger haben gefeiert, weil es für sie um nichts mehr ging. Wir hatten die Konstellation, dass wir in der ersten Halbzeit den direkten Klassenerhalt geschafft hatten und dann ein paar Minuten auf einem Abstiegsplatz standen. Dann bekommst du das Ergebnis von Dortmund, dass sie zuhause führen, wo ich an der Stelle sagen muss, großen Respekt für Dortmund. Sie waren Meister, sie waren auf eine Feier vorbereitet und haben trotzdem das Spiel bis zum Ende durchgezogen. Das ist nicht selbstverständlich. Da ziehe ich auch den Hut vor.
Deswegen war es für uns aber auch eine sehr anspannende Situation. Du wusstest, wenn der Schiedsrichter jetzt abpfeift, gibt es nichts mehr zu berichtigen, dann ist es das Resultat. Deshalb war es für die Spieler sehr kompliziert. Trotzdem haben sie mit viel Wollen und Willen diesen Punkt festgehalten. Mit dem Sieg von Dortmund haben wir dieses Ziel Relegation geschafft, was auch positiv war.
Natürlich waren die Spieler nach dem Spiel auch unruhig und wussten nicht, was das jetzt eigentlich bedeutet. Aber ich denke, es war angesichts des Drucks in der zweiten Halbzeit einfach auch mal ein Ventil, auf diese zweite Halbzeit zu schimpfen. Was ja auch gut ist, denn sie waren in der Leistung nicht so gut, wie in den Wochen zuvor.
Petra Koch: Jetzt kommt mit der Relegation auch eine Situation, die nicht unkompliziert ist. Ihr müsst euch auf nichts anderes mehr konzentrieren und es kommen auch auf irgendwelchen Anzeigetafeln keine Anzeigen mehr. Trotzdem ist es ja aber schwierig, denn ihr müsst in diesen zwei Spielen eine Topleistung bringen.
Max Eberl: Normal ist es ja so, dass man sagt, du musst als Erstligist in die Relegation. Ich denke, wir können klar sagen, dass wir in die Relegation dürfen. Wir haben 17 Spieltage dafür gekämpft, es in der eigenen Hand zu haben. Am letzten Spieltag hatten wir zumindest die Relegation in der eigenen Hand und wir haben jetzt in den beiden Spielen gegen den VfL Bochum den Klassenerhalt in der Hand. Dafür haben wir hart gekämpft und deswegen gehen wir auch mit einem positivem Gefühl in diese zwei Spiele, die ohne Frage kompliziert werden.
Petra Koch: Ich habe von euch Wochen gehört, in denen ihr gesagt habt, dass es nichts zu verlieren gibt. Jetzt ist die Situation etwas anders, oder hat man auch jetzt nichts mehr zu verlieren?
Max Eberl: Ich denke, wir können jetzt eine sehr gute Rückrunde mit dem Klassenerhalt krönen. Wir haben es ja auch auf den Pressekonferenzen erlebt. Da wurde von Endspielen, Schicksalsspielen und 'Mussspielen' geredet. Es waren in dieser Form ja wirklich siebzehn Spiele für uns. Es ist jetzt kein neues Gefühl. Wir haben jetzt die Situation, dass wir es in der eigenen Hand haben.
Das hat sich kein bisschen geändert. Wir haben jetzt die Situation, dass wir zwei Spiele gegen den den Drittplatzierten der zweiten Liga, den VfL Bochum haben, der letztes Jahr überraschend aus der Bundesliga abgestiegen ist, denn sie hatten damals nach 24 Spieltagen 28 Punkte, waren eigentlich auch schon gerettet, holen aus den letzten zehn Spielen noch einen Punkt und sind abgestiegen. Aber das zeigt einfach, dass diese Mannschaft eben auch Erstligaqualität hat.
Das müssen wir wissen. Es wird ein kompliziertes Spiel. Sie haben einen Trainer, der in diesem Bereich sehr erfahren ist, aber ich denke, mit der Euphorie, die wir uns erarbeitet haben und mit dem positivem Gefühl, welches sich die Mannschaft erarbeitet hat, können wir selbstbewusst in diese Spiele gehen.
Petra Koch: Du sprichst Friedhelm Funkel an. Er ist ein alter Hase in der Bundesliga und kennt auch den Abstiegkampf. Da hat er ja auch schon des Öfteren mit Mannschaften dringesteckt. Er hat euch auf der Pressekonferenz in Bochum gepflegt die Favoritenrolle zugeschoben ...
Max Eberl: Ja klar, da wird hin und her geschoben und taktiert ohne Ende. Fakt ist, was auf dem Platz passiert. Generell sagt man, der Erstligist ist immer Favorit. Ich sage, es sind zwei Spiele, wo Mannschaften auf dem Rasen aufeinandertreffen, die ein Stückweit die gleiche Chance, aus unserer Sicht 50:50, haben. Aber das Geplänkel können wir sein lassen. Entscheidend ist, was die Mannschaft auf den Platz bringt. Da haben wir uns etwas erarbeitet, was wir in den beiden Spielen wieder bringen müssen. Und da bin ich selbstbewusst genug um zu sagen, dass wir den Klassenerhalt schaffen können.
Petra Koch: Bochum hat nichts zu verlieren. Sie werden denken, die zweite Liga haben wir so oder so, wir wollen in die erste. Bei euch ist es so, in den beiden Spielen die erste Liga zu verlieren. Ist das etwas, was die Mannschaft beeinflussen könnte?
Max Eberl: Nein, das glaube ich nicht. Die Mannschaft hat ja im Grunde die ganze Rückrunde über die erste Liga abschreiben können. Für viele war es ja nicht mehr möglich, was wir jetzt geschafft haben. Deswegen ist dieses positive Gefühl auch da. Und dieses nehmen wir jetzt auch mit in die beiden Spiele. Der VfL Bochum hat schon etwas zu verlieren, denn sie haben vor der Saison klar gesagt, dass sie aufsteigen wollen.
Dieses Ziel haben sie jetzt auch vor Augen. In diesen zwei Spielen würde ich dieses Wortgeplänkel gerne bei Seite schieben, weil Fakt ist, was die Jungs auf den Platz bringen. Da haben wir was Gutes vorbereitet, um in diesen beiden Spielen, die vom Kopf her auch einen Druck bedeuten, zu gewinnen.
Petra Koch: Friedhelm Funkel ist nicht bekannt dafür, dass er munter und offensiv nach vorne spielt, sondern seine Mannschaft eher ganz gerne tief stellt. Was glaubst du, wird das für ein Spiel?
Max Eberl: Natürlich wird es Morgen nicht das Spiel sein, wo vorne alle Tore geöffnet und wo alle nach vorne spielen werden. Wir müssen im Heimspiel versuchen kein Gegentor zu bekommen. Die bekannte Europacup-Regel bedeutet, dass bei Gleichstand das Auswärtstor doppelt zählt. Wie hat Otto Rehagel gesagt - kontrollierte Offensive.
Ich denke, wenn wir unsere letzten Heimspiele gegen Köln, Dortmund und gegen Freiburg nehmen, dann zählt diese Leistung am langen Ende und darauf müssen wir uns konzentrieren. Wir haben momentan eine sehr gute Mischung in der Mannschaft. Wir machen Tore und bekommen es hinten sehr gut hin. Die Ordnung und Struktur stimmen und wir helfen uns auch in gewissen Situationen untereinander. Es ist momentan schwer gegen uns ein Tor zu machen und wir sind immer in der Lage eins zu schießen.
Petra Koch: Wenn du die Mannschaften einfach mal vergleichst. Wo liegen eure Vorteile und wo liegen eure Nachteile, oder wo hat Bochum vielleicht auch Vorteile?
Max Eberl: Ich denke, dass Bochum eine Mannschaft ist, die unglaublich strukturiert spielt und die im Grunde in der Defensive kaum etwas zulässt. Im Gegenzug haben sie mit Azaouagh und Federico und vor allem auch mit Aydin und Korkmaz Spieler, die in der Offensive ihre Qualitäten haben und auch schnell ihre Konter zu Ende spielen können. Das war und ist immer ihre Qualität. Zudem haben sie mit Dabrowski, Maltritz und Yahia auch bei Standardsituationen sehr gefährliche Spieler.
Aber ich denke, dass wir mit unserer Spielweise, mit unserem teilweise gutem Kombinationsspiel und mit dem direktem Spiel in die Spitze in ihre Nahtstellen kommen können, um sie eben auch ans Laufen zu bringen. Maltritz und Yahia sind zwei große Innenverteidiger, die nicht so gerne ins Laufduell wollen und das müssen wir schaffen.
Wir wollen es zuhause ruhig angehen lassen, hinten die Null stehen lassen und wenn es geht, zwei Tore machen. 2:0 wäre natürlich ein kleines Traumergebnis, das ich sofort unterschreiben würde. Wir sind aber gut vorbereitet und sind froh, die Relegation spielen zu dürfen. Jetzt wollen wir es Morgen anpacken.
Petra Koch: Max, vielen Dank dass du hier warst. Ich bin diesmal davon überzeugt, dass ihr es schafft. Nach Kaiserslautern war ich auch nicht mehr sicher. Ich drücke die Daumen.
Max Eberl: Vielen Dank.






