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»Wir sind noch auf gar keinen Fall durch«

Freude bei Borussia nach Last Second-Sieg gegen Bochum

Es war die erwartet schwere Aufgabe und zähe Veranstaltung im ersten Spiel der Relegation gegen den VfL Bochum. Doch am Ende durfte die Gladbacher Borussia dank des späten Tores des zuvor eingewechselten Igor de Camargo jubeln und ist so dem Klassenerhalt ein gutes Stück näher gekommen. Dementsprechend schaute man nach dem Spiel in durchweg erleichterte und zufriedene Gesichter.

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Borussia steht nach dem 1:0-Sieg gegen Bochum dicht vor dem Fußballwunder, Fakt ist es aber noch nicht. Foto. Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de

Es lief die zweite Minute der Nachspielzeit, als Igor de Camargo einen Rebound nutze, die Kugel aus etwa elf Metern artistisch zum 1:0-Siegtreffer in die Maschen beförderte und die Borussia somit auf die Siegerstraße und den Borussia-Park zum Beben gebracht hatte.

Ausgesehen hatte es danach zuvor allerdings nicht, denn der Tabellendritte aus der zweiten Bundesliga präsentierte sich in den 90 Minuten zuvor als erwartet harte Nuss. Gerade im ersten Durchgang hatte der VfL wenig Zugriff auf den Zweitligisten, der kompakt stehend den Borussen das Leben schwer machte. »Bochum war sehr gut organisiert«, lobte Favre. »Sie hatten im Mittelfeld mit ihrem 4-3-3 immer Überzahl und es war schwer, sie zu beherrschen«.

»Es ist nicht einfach gegen Bochum zu spielen, weil die Defensive sehr gut ist«, pflichtete Håvard Nordtveit bei. »Sie haben im Mittelfeld mit drei Mann agiert und haben so oft Überzahl geschaffen«.

Dennoch besaßen die „Fohlen" mehr Ballbesitz und erspielten sich Möglichkeiten. Dabei scheiterte allen voran Mike Hanke mit seinen Abschlüssen am glänzend aufgelegten Schlussmann Luthe. Gelingen sollte den Borussen dennoch auch deshalb kein Treffer, weil gerade im Vorwärtsgang die spielerische Linie und der Ideenreichtum fehlten. »Wir haben manchmal zu überhastet, zu kompliziert und zu wenig über die Seiten gespielt«, monierte Lucien Favre.

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Auf der anderen Seite versteckten sich die Gäste aus dem Ruhrgebiet nicht, sondern suchte den Zug vor das Gladbacher Gehäuse. »In der ersten Halbzeit war Bochum bei Ballbesitz und bei Kontern sehr gefährlich«, sagte Favre. Und das gerade nach gut zwanzig Minuten, als Maltritz nach einem schnellen Konter im Eins-gegen-Eins gegen Marc-André ter Stegen den Kürzeren zog.

Doch ein Offensivfeuerwerk brannte die Truppe von Friedhelm Funkel aber wahrlich nicht ab und so hatte die Anzeigetafel im Borussia-Park nach 45 Minuten noch keine Tore zu vermelden. Die „Fohlen" wirkten auch im zweiten Durchgang zunächst sichtlich nervös und hatten Schwierigkeiten, sich in Szene zu setzen. Doch da Bochum das nicht auszunutzen wusste, hatte weiterhin das torlose Remis Bestand.

Allen voran die Anhänger der Borussia spürten Mitte der zweiten Halbzeit, dass die Mannschaft ihre Unterstützung gut gebrauchen kann und peischten den VfL wie gewohnt nach vorne. »Die Stimmung war sensationell. Es war unglaublich und hat irrsinnig viel Spaß gemacht«, sagte Martin Stranzl und ergänzte: »Die Fans haben uns gepusht« und »es war Gänsehaut pur«, pflichtete ter Stegen bei. Und auch Lucien Favre war von der Atmosphäre im Stadion begeistert. »Die Stimmung war phantastisch«, befand der Trainer. »Das hat der Mannschaft gerade in der zweiten Halbzeit geholfen«.

Überspringen sollte der Funke von den Rängen auf den Rasen dennoch zunächst nicht, wenngleich die Borussen alles versuchten, um in Führung zu gehen. »In der zweiten Halbzeit haben wir uns mehr Torchancen erarbeitet«, lobte Borussias Trainer und hatte auch gleich die Begründung parat: »Da haben wir mehr Druck gemacht und schneller und mehr über die Seiten gespielt«.

Zum Erfolg führen sollten die Bemühungen allerdings zunächst nicht, was auch daran lag, weil Andreas Luthe im Kasten des VfL Bochum gut aufgelegt war und glänzende Rettungstaten an den Tag legte. »Ich weiß nicht, was Luthe heute für einen Tag hatte«, biss sich gerade auch Mike Hanke an dem Schlussmann die Zähne aus. »Er hat alleine von mir richtig gute Dinger rausgeholt«.

So roch alles nach einem torlosen Remis im Hinspiel, was sicherlich nicht das aller schlechteste Ergebnis gewesen wäre. Doch dann, als das Null zu Null nahezu Bestand hatte, schlug die Stunde von Igor de Camargo.

Der belgische Nationalspieler, in der 67. Minute für Mo Idrissou in die Partie gekommen, ließ den Borussia-Park mit einem Treffer in den Grundmauern erbeben. »Der Ball ist einfach reingegangen«, hatte der 28-Jährige eine einfache Erklärung. Doch zuvor hatte er die Kugel artistisch versenkt, nachdem Luthe erneut stark auf dem Posten war. »Natürlich fühlt sich dieses Tor toll an«, strahlte de Camargo und fügte hinzu: »Aber das ist für die ganze Mannschaft«.

So hatte Lucien Favre bei seiner Einwechslung ein glückliches Händchen. »Es war logisch, Igor zu bringen Man weiß, dass er Tore schießen kann«, meinte der Coach. Ich freue mich für ihn und für die Mannschaft. Dieses Tor ist zwar nicht entscheidend, aber wichtig für uns«.

Ohne Frage hat sich seine Mannschafft durch das späte Tor für das Rückspiel in eine gute Ausgangsposition gebracht, erreicht ist dennoch noch nichts. »Die Chancen stehen immer noch 50:50«, warnte Håvard Nordtveit. »Es ist nur eine Etappe«, mahnte Lucien Favre und verwies auf kommenden Mittwoch: »Der Sieg ist nicht unverdient und das 1:0 ist sehr gut für uns, aber es ist noch ein Spiel. Und das wird sehr schwer«.

In der Tat wird das revierpower Stadion nicht im Vorbeigehen zu erobern sein. »Es ist noch alles offen. Jeder hat gesehen, dass Bochum eine sehr gute Mannschaft ist«, sagte Igor de Camargo. »Wir müssen jetzt auch in Bochum die Geduld haben kein Gegentor zu bekommen und probieren, selber eins zu machen«.

»Wir haben zwar die Null hinten gehalten und haben zuhause den Sieg eingefahren. Das ist für den Kopf gut aber kein Ergebnis für Flausen«, mahnte Martin Stranzl. »Die Konzentration muss hoch bleiben«.

»Bochum wird nächste Woche sicher auch so aggressiv ins Spiel gehen, wie sie es hier auch getan haben. Wir erwarten, dass sie viel Druck machen werden«, sagte Marc-André ter Stegen. »Wir müssen die Sache konzentriert angehen und uns auf uns konzentrieren. Der Rest ist eigentlich egal«.

»Wir sind noch auf gar keinen Fall durch«, hob Marco Reus, hinter dem für das Rückspiel ein Fragezeichen steht, den Finger. »Wir haben noch ein schweres Spiel vor der Brust und das wird nicht einfach«.

Dazu werden sich die Borussen nach dem trainingsfreien Samstag ab Sonntag akribisch und mit voller Konzentration auf das Rückspiel vorbereiten. »Jetzt müssen wir uns erholen, das ist wichtig. Dann werden wir uns ab Sonntag auf Mittwoch vorbereiten«.


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