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»Waren eine Einheit und haben alle zusammen ein Wunder geschafft«

Borussen feierten den Klassenerhalt bis in die frühen Morgenstunden

Nach dem Schlusspfiff kannte der Jubel im ausverkauften Bochumer rewirpower Stadion bei Borussia Mönchengladbach keine Grenzen. Die „Fohlen" hatten durch das 1:1-Unentschieden gegen den VfL Bochum in der Addition der beiden Relegationsspiele den Vergleich gegen den Zweitligisten mit 2:1 gewonnen und somit den Klassenerhalt in der 1. Fußballbundesliga unter Dach und Fach gebracht. Diesen wussten die Borussen ausgelassen zu feiern.

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Die Borussen feierten den Klassenerhalt bis in die frühen Morgenstunden.Foto: Marc Schöne, Fohlen-Hautnah.de

»Gratulation für Borussia Mönchengladbach zum Verbleib in der Bundesliga«, beglückwünschte Bochums Trainer Friedhelm Funkel den VfL. Doch ehe die Borussen den Klassenerhalt ausgelassen feiern und den Partymarathon einleiten konnten, hatten sie gegen den Zweitligisten gerade im ersten Durchgang einen schweren Stand. »Bochum war sehr gut organisiert und sehr gut in den Zweikämpfen. Da haben wir keine Lücke gefunden«, sagte Lucien Favre.

Dazu schafften es die „Fohlen" bis auf die Anfangsminuten nicht, Druck aufzubauen. »Wir haben gut angefangen. Aber dann haben wir durch das Zentrum zu überhastet gespielt«, bemängelte Favre. »Wir haben es probiert, konnten aber nicht«.

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»Wir haben es nicht geschafft nach vorne zu kommen und dort den Ball zu halten«, monierte Marco Reus. Über weite Strecken der ersten Halbzeit änderte sich daran nichts, wenngleich die Gastgeber auch kein Offensivfeuerwerk abbrannten.

Ein Tor lag eigentlich so richtig nicht in der Luft, doch dem Zweitligist reichte ein Konter, um in Minute 24 in Führung zu gehen - bekanntlich allerdings unter Mithilfe von Håvard Nordtveit. »Das 1:0 für Bochum war nicht unverdient«, befand Lucien Favre.

Der VfL Bochum hatte in der Addition gleichgezogen und versuchte nachzusetzten. Die Borussen zeigten sich sichtlich verunsichert und brachten zunächst wenig zustande. »Das 1:0 war ein richtiger Nackenschlag«, sagte Tony Jantschke.

Von diesem erholten sich die „Fohlenelf" dann auch erst kurz vor der Pause so richtig, nach dem sie sich in der Kabine ordentlich Sporen gegeben hatte. »Der Trainer hat eigentlich eine ruhige Halbzeitansprache gehalten, wir Spieler wurden da ein bisschen lauter«, verriet Mike Hanke.

Allen voran Idrissou hätte nach knapp einer Stunde ausgleichen können, zimmerte seinen Kopfball aber an die Querlatte. Im zweiten Durchgang schalteten die Borussen nun einen Gang höher, waren besser in der Partie und kombinierten ansehnlich. »Wir haben uns in der zweiten Halbzeit mehr bewegt und haben den Ball besser laufen lassen«, sagte Marco Reus.

Folgerichtig ergaben sich Torgelegenheiten, zum Erfolg führen sollten diese allerdings noch nicht. Bis zur 72. Minute. Marco Reus netzte nach einem feinen Zuspiel von de Camargo gekonnt zum Ausgleich ein. »Durch den Druck den wir gemacht haben, haben wir es vielleicht auch ein bisschen erzwungen, den Ausgleich zu machen«, erklärte der Jungnationalspieler.

»Wir haben zu einem günstigem Zeitpunkt das Tor gemacht«, meinte Marc-André ter Stegen und hatte damit durchaus Recht. Denn die Borussen agierten nun sicherer und hatten das Geschehen im Griff. »Nach meinem Tor ist uns die Last abgefallen«, stellte Reus fest. »Es war extrem wichtig, dass wir in dieser Situation das Tor gemacht haben«.

Dieses eine Tor war es dann auch, was die Partie zu Gunsten der Borussia entschied. »Mit dem 1:1 war das Ding dann mehr oder weniger erledigt, was man auch an den Bochumer Spielern gesehen hat«, sagte Tony Jantschke und ergänzte: »Im Endeffekt sind wir verdient in der ersten Liga geblieben«.

»Wir sind verdient in der ersten Liga geblieben, weil wir in der Schlussphase der Saison unsere Spiele gewonnen und richtig gut gespielt haben«, resümierte Mike Hanke.

So durften die Borussen am Ende das nicht mehr für möglich gehaltene Fußballwunder Namens Klassenerhalt feiern. Und das taten sie getreu dem Liedtextes des Musik-Duos ‚Frauenarzt & Manny Marc': „Hey das geht ab! Wir feiern die ganze Nacht".

Fast zwei Stunden hatten die Borussen zunächst auf dem Spielfeld mit ihren Anhängern und auch in der Kabine den Klassenerhalt gefeiert und dabei auch Dante seiner Mähne entledigt. »In der Kabine haben wir ausgelassen gesungen und gefeiert«, gab Marco Reus ein paar kleine Einblicke. »Dann erwarten uns im Stadion noch ein paar Fans«.

Als Busfahrer Markus Breuer um kurz nach Mitternacht den Mannschaftsbus in Richtung Mönchengladbach steuerte, warteten dort im Borussia-Park immer noch etwa 5.000 Fans auf ihre Helden, nachdem zuvor rund 12.000 Gladbacher das Spiel per Public Viewing verfolgt hatten.

Um genau 01:03 Uhr erreichte der VfL-Tross den Borussia-Park und betrat fünf Minuten später unter tosendem Beifall über das Spielfeld, vom Platzwart ‚kritisch' beäugt, die Bühne im Borussia-Park. Etwa eine Stunde lang feierten und sangen die Protagonisten mit den Borussen-Fans, gaben Tanzeinlagen zum Besten, ließen die LAOLA-Welle durch Südkurve schwappen und präsentieren sich wie Tobias Levels als Party-Dj's am Mischpult.

Bei alle dem fehlte allerdings Mo Idrissou, der sich leicht angeschlagen nach Hause abgemeldet hatte. Auf der anderen Seite nutze die Mannschaft die Gelegenheit, um die scheidenden Spieler Sebastian Schachten, Michael Fink, Fabian Bäcker und Jean-Sébastien Jaurès zu verabschieden. Hierzu zeigten sich Igor de Camargo und Roman Neustädter federführend.

Auch Retter Lucien Favre trat auf der Bühne zu später Stunde vor die Anhänger und bedankte sich nochmal für die tolle Unterstützung, die den Schweizer gerade auch in den letzten Wochen immer wieder fasziniert hatte. »Wir waren eine Einheit und haben alle zusammen ein Wunder geschafft«, hob Borussias Übungsleiter das gesamte Borussia-Konstrukt der letzten Wochen hervor. »Wir freuen uns schon wieder auf die neue Saison«.

»Wir bedanken uns bei euch. Mit euch haben wir das Wunder geschafft«, fand auch Marco Reus, der nun zur Nationalmannschaft des DFB reisen wird, zu Recht lobende Worte für die Fans des VfL.

Um kurz vor halb drei in der Früh machten sich Teile der Mannschaft auf in die Gladbacher Altstadt, um bis in die Morgenstunden ausgelassen zu feiern, was ein Auslaufen am Donnerstag nahezu unmöglich machte und aufgrund dessen ins Wasser fiel.

Während sich die Fans derweilen auf den Heimweg begaben, so gingen im Borussia-Park langsam aber sicher die Lichter aus. Gott sei Dank galt und gilt das lediglich für das Flutlicht im Stadion, denn auf dem Rasen haben die Borussen den in letzten Wochen gerade das Licht im Tunnel wieder angeknipst und den viel beschriebenen „Worst Case" mit vereinten Kräften und mannschaftlicher Geschlossenheit vermieden.

»Der Druck war unglaublich«, betonte Lucien Favre. Doch genau diesem hielt seine Mannschaft auf beeindruckende Weise stand. Unbeeindruckt von den Geschehnissen neben dem Platz konzentrierten sich die Borussen um Taktik-Fuchs Lucien Favre auf den Klassenkampf.

So kann man sich nun, nachdem man die Mitgliederversammlung am kommenden Sonntag hoffentlich auch erfolgreich hinter sich gebracht hat, in den wohlverdienten Urlaub verabschieden, um sich ab dem 23. Juni mit aufgetanktem Akku auf die kommende Spielzeit in der 1. Fußballbundesliga vorbereiten. Und um dann am Ende gerne wieder zu feiern. Gerne - aber bitte nach Möglichkeit im Bezug auf einen anderen Anlass ...

»Eigentlich ist es schon geiler die Relegation zu gewinnen als, Platz Elf zu erreichen. Wenn man das vorher planen könnte, würde man sagen, bevor man auf Platz Elf steht, macht man die Relegation und gewinnt das«, meinte Tony Jantschke und brachte es im Anschluss auf den Punkt: »Ich glaube aber, das will keiner mehr. Das war in den letzten sechs bis sieben Wochen ein Nervenkostüm, wo auf uns Spieler viel eingeprasselt ist«. Auf Spieler und Fans gleichermaßen. Und genau das gilt es, in der neuen Spielzeit zu vermeiden ...


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