Nach insgesamt sieben Jahren Vereinszugehörigkeit kehrt Fabian Bäcker Borussia Mönchengladbach am Saisonende den Rücken. Der Durchbruch gelang dem Stürmer bei den „Fohlen" in dieser Zeit aber nicht. Diesen möchte der 21-Jährige jetzt in Aachen bei der Alemannia schaffen. Vor dem Trainingsbeginn in der Kaiserstadt blickt er dennoch auf eine schöne Zeit in Mönchengladbach zurück.
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| Fabian Bäcker wurde gebührend verabschiedet und verlässt den VfL in Richtung Aachen.Foto: Marc Schöne, Fohlen-Hautnah.de |
Fohlen-Hautnah: Fabian, wobei „stören" wir dich gerade ...?
Fabian Bäcker: Beim Ausräumen der Umzugskartons und Einrichten meiner Doppelhaushälfte, die ich erst am Freitag bezogen habe. So lebe ich zwar jetzt noch ein wenig aus Kisten, aber das geht schon.
Fohlen-Hautnah: Dass heißt, du hast dich schon soweit häuslich niedergelassen. Wo genau?
Fabian Bäcker: In Aldenhoven, etwa eine Viertelstunde von Aachen entfernt.
Fohlen-Hautnah: Du hattest also seit dem Rückspiel der Relegation alles andere als Urlaub...
Fabian Bäcker: Nicht wirklich. Aber ich war ja zuvor schon ein bisschen außer Gefecht, weil ich angeschlagen war. So hatte ich zumindest sportlich eine freie Zeit. Wegfahren konnte ich zwar aufgrund des Umzuges nicht, aber ich konnte schon mal einige Dinge klären. Natürlich bin ich damit noch nicht fertig und muss einiges zwischendurch regeln. Aber ich habe dabei auch tatkräftige Unterstützung seitens meiner Freundin und der Familie.
Fohlen-Hautnah: Dem Umzug nach Aldenhoven ging der Wechsel in die Zweite Bundesliga zu Alemannia Aachen voraus, für den du dich Anfang April entschieden hast. Wann hast du dich generell für eine neue Herausforderung entschieden?
Fabian Bäcker: Nach der Winterpause hat sich relativ schnell angedeutet, dass ich mir eine andere Herausforderung suchen muss. Da stand ich knapp zehnmal im Kader und hatte keinen Einsatz. Wir lagen oft hinten und da fragt man sich als Stürmer natürlich, wann du denn mal reinkommst. Irgendwann reift dann der Gedanke, dass man sagt: Okay, hier geht es anscheinend nicht weiter. Wieso auch immer.
Das kann dann mehrere Gründe haben. Vielleicht deshalb, weil man anders gesehen wird als man sich selber sieht, oder weil es vielleicht auch nicht reicht. Dass kann ich nicht sagen. Ich habe dann überlegt. Und das auch, weil Borussia mir keine Anzeichen gegeben hat, mit mir verlängern zu wollen. Mein Vertrag lief aus, ich hatte lediglich Regionalligaspiele und musste dann schauen, einen guten Verein zu finden.
Fohlen-Hautnah: Der kam dann mit Alemannia Aachen. Was hat den Ausschlag für die Alemannia gegeben?
Fabian Bäcker: Als dann das Angebot von Aachen kam, habe ich mich riesig darüber gefreut. Der Verein wollte mich unbedingt haben. Die ersten Gespräche mit Trainer Peter Hyballa und mit Manager Eric Meijer sind gut verlaufen, und als ich mir das ganze Umfeld inklusive Stadion angeschaut habe, war ich relativ schnell von dem Konzept überzeugt. Dann habe ich mich dafür entschieden, bin sehr zufrieden damit und freue mich auf die Aufgabe.
Fohlen-Hautnah: Schauen wir noch mal ein bisschen zurück. Nicht ganz zwei Wochen ist es her, als Borussia im Relegationsrückspiel beim VfL Bochum den Klassenerhalt realisiert hat. Bei den anschließenden Feierlichkeiten ging es rund. Und du wurdest auf der Bühne im Borussia-Park verabschiedet. Sicherlich schöne Momente, an die du dich gerne zurückerinnerst?
Fabian Bäcker: Natürlich behalte ich diese Momente in schöner Erinnerung, auch wenn man festhalten muss, dass mir in den letzten beiden Jahren der große Durchbruch, aus welchen Gründen auch immer, nicht gelungen ist. Aber ich war sieben Jahre in Gladbach und hatte eine lange und auch eine gute Zeit. Sonst wäre ich auch nicht so lange da gewesen.
Klar ist der Nichtabstieg ein Erfolgserlebnis, auch wenn ich nicht in der Truppe war. Trotzdem fühlt sich man sich der Truppe zugehörig, denn man arbeitet ja jeden Tag mit den Jungs. Dementsprechend freut man sich da genauso wie der, der jedes Spiel gemacht hat. Es war auf jeden Fall ein sehr emotionaler Moment. Nach meinem Tor gegen Bochum gar der emotionalste Moment.
Es war auf jeden Fall schön, mal so etwas zu erleben. So eine Saison, wie davor, muss man zwar nicht erleben, aber wenn man sie dann noch so rumreißt, ist es auf jeden Fall schön.
Fohlen-Hautnah: Du hast es eben schon angesprochen. Sieben Jahre hast du für die Borussia gespielt. Wenn du diese Zeit jetzt mal Revue passieren lässt: Was waren deine schönsten und weniger schönsten Momente, und gehst du mit einem lachenden und weinenden Auge ...?
Fabian Bäcker: Ich habe meine ganze Jugend in Gladbach verbracht. Wir haben in der Jugend fast jedes Jahr immer oben mit gespielt und Titel gewonnen. Daran erinnert man sich immer gerne. Ich habe in dem Verein, in dem ich in der C-Jugend angefangen habe, geschafft, einen Profivertrag zu bekommen.
Und ich habe es geschafft, in der Bundesliga zu spielen und darüber hinaus ein Tor zu schießen. Sportlich gesehen war es natürlich der größte Moment, im ersten Bundesligaspiel für Gladbach ein Tor zu schießen. Als Team war es sicherlich der Klassenerhalt aber auch die Hinserie mit der U23.
Es war schon toll, was wir da für einen Zusammenhalt und Spaß miteinander hatten. Dazu haben wir guten Fußball gespielt. Das war auch etwas Besonders und ist auch hängen geblieben, weil es einfach sehr viel Spaß gemacht hat. Ich gehe, trotz dass ich es mir sicherlich gerade im letzten Jahr anders vorgestellt und erhofft habe, mit einem lachenden und weinenden Auge.
Fohlen-Hautnah: Dennoch hast du, wie du es bereits angesprochen hast, den Durchbruch nicht so richtig geschafft. »Fabian Bäcker ist schon seit zwei Jahren als Nachwuchsstürmer im Profikader und hat unter verschiedenen Trainern in diesen Zeitraum den Durchbruch nicht geschafft. Für ihn und Borussia ist es deshalb eine logische Entwicklung, dass er jetzt versucht, woanders den Schritt zu machen«, sagte Max Eberl...
Fabian Bäcker: Unter verschiedenen Trainern hört sich so an, als hätte ich fünf gehabt. Ich hatte zwei. Michael Frontzeck, bei dem ich zum ersten Mal fest dabei war und der mir auch die zwei Einsätze geschenkt hat, und Lucien Favre. Unter ihnen gehörte ich fest zum Profikader. Warum es so ist, dass nicht mehr als zwei Kurzeinsätze herausgesprungen sind, kann man von verschiedenen Seiten sehen und beurteilen. Fakt ist, dass ich in meinem ersten Spiel ein Tor geschossen habe und danach noch ganze acht Minuten ran durfte. Schon ein paar Spieltage später stand ich gar nicht mehr im Kader.
Damals und auch heute ist es für mich eigentlich nicht zu erklären, warum das so gewesen ist. Das ich jung bin hin oder her. Patrick Herrmann war jünger und wurde immer wieder eingewechselt. Aber das war damals einfach so und ist auch sehr schade. Darüber habe ich mir sicherlich meine Gedanken gemacht, aber man kann es nicht ändern.
Ich bin für die Einsätze, die ich hatte, sehr dankbar. Die zwei Bundesligaeinsätze und das eine Tor nimmt mir keiner mehr. Warum es nicht zu mehr gereicht hat, weiß ich nicht. Aber das ist abgehakt. Nun versuche ich bei Aachen einen neuen Schritt zu machen. Da will ich eine andere Rolle spielen.
Fohlen-Hautnah: Zudem hast du auch außerhalb des Platzes Freundschaften geschlossen, die du auch in Zukunft zu pflegen versuchst...
Fabian Bäcker: Absolut. Heute (Sonntag, d. Red.) hat mich Marco Reus in meinem neuen Haus besucht. Zu ihm habe ich einen sehr guten Kontakt. Aber auch zu den anderen Jungs. Ob das jetzt Roman Neustädter, Tony Jantschke oder Jens Wissing sind. Natürlich auch die Jungs der U23, wie beispielsweise Dennis Dowidat und Eric Schaaf, die ich schon seit der C-Jugend kenne.
Man hat mit den Jungs eigentlich immer Kontakt. Ob das jetzt SMS, ein Anruf oder sonst was ist. Das ist schon toll. Ich kenne so viele schon so lange und da ist es dann auch mehr als nur eine Fußballfreundschaft. Man kennt sich in und auswendig und dementsprechend ist die Bindung natürlich besser.
Natürlich werde ich versuchen, die Freundschaften zu pflegen. Ob es funktioniert, sieht man immer erst dann, wenn man sich nicht mehr jeden Tag sieht. Ich bin da aber eigentlich relativ optimistisch und auch überzeugt davon, dass es so sein wird. Aldenhoven ist ja nicht so weit weg von Mönchengladbach. Da kann man sich mal gegenseitig einen Besuch abstatten.
Fohlen-Hautnah: Also würdest du deine Zeit bei der Borussia unter dem Strich als schön bezeichnen ...
Fabian Bäcker: Absolut. Wenn man die sieben Jahre insgesamt sieht, dann möchte ich die auf keinen Fall missen. Die Zeit im Jugendinternat und in den verschiedenen Mannschaften mit den vielen Trainern hat mir sehr viel Lebenserfahrung mit auf den Weg gegeben. Das ist schon etwas besonders und wird auch immer etwas besonders sein, wenn ich Sky schaue und Borussia spielt.
Ich werde natürlich auch öfters mal im Stadion sein und mir Borussia anschauen, wenn es die Zeit erlaubt. Dass ist ganz klar und da wird die Verbindung auch bleiben. Wie gesagt: sportlich habe ich mir das in den letzen zwei Jahren natürlich anders vorgestellt, aber so ist es im Sport einfach. Da gehen die Wege auch mal auseinander. Aber ich hatte eine schöne Zeit und gehe auf keinen Fall im Groll.
Fohlen-Hautnah: Und bereits am 04. Juli gibt es im Derby-Cup auf dem Tivoli ein Wiedersehen mit den alten Mannschaftskollegen ...
Fabian Bäcker: Es ist in der Tat eine verrückte Geschichte, dass man sich quasi in vier Wochen auf dem Platz wiedersieht. Darauf freue ich mich. Ich habe Marc-Andre schon gesagt, dass er sich ärgern wird, wenn er gegen mich spielen muss. Wäre schön, wenn ich ihm ein oder auch zwei einschenken könnte.
Fohlen-Hautnah: Bei der Alemannia läufst du zukünftig im Trikot mit der Rückennummer Elf auf. Eine Nummer, die du dir gewünscht hast und die eine besondere Bedeutung hat, oder die dir „einfach so" zugeteilt wurde?
Fabian Bäcker: Ich bin gefragt worden, ob ich eine Wunschnummer habe. Die Nummer 29 wollte ich nicht mehr und die Nummer Zehn und Elf waren frei. Die Elf hatte ich auch als Jugendspieler bis zur A-Jugend. Damit hatte ich immer Erfolg und habe viele Tore geschossen. Also so ein wenig ‚Back to the rootes'.
Fohlen-Hautnah: Du musstest in den letzten Wochen aufgrund einer Reizung im Kniegelenk pausieren. Ist diese nun soweit abgeklungen, dass du voll einsteigen und angreifen kannst?
Fabian Bäcker: Ja. Die ist jetzt soweit auskuriert, dass ich normal einsteigen kann. Dann hoffe ich, dass das alles so funktioniert, wie ich das möchte.
Fohlen-Hautnah: Nun beginnt also das Abenteurer Alemannia Aachen. Wie gehst du abschließend an die Sache heran und was nimmst du dir vor, sprich was sind deine Ziele?
Fabian Bäcker: Ich versuche relativ locker an die Sache heran zu gehen. Mein Ziel ist es natürlich, fester Bestandteil der Mannschaft zu werden und regelmäßig zu spielen. Dann wäre es natürlich auch mein Job, ein paar Tore zu schießen. Das sind erst mal so die groben Vorstellungen. Dafür werde ich arbeiten. Ich weiß, was ich kann und dass ich mich nicht verstecken muss. Wie es dann läuft, wird man sehen.
Aber ich werde jetzt mit Sicherheit nicht sagen, dass ich zwanzig Tore oder so schieße. Solche Kampfansagen habe ich nie gemacht und werde ich auch nie machen. Ich lasse es einfach auf mich zu kommen und dann wird man sehen, was dabei rauskommt.






