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Niklas Dams: »Bin realistisch, dass ich nicht von jetzt auf gleich spiele«

Borussias Neu-Profi im Interview

Wenn Borussia Mönchengladbach am Donnerstagmorgen um 10 Uhr auf dem vorderen Trainingsplatz am Borussia-Park in die Saisonvorbereitung startet, werden die aufgrund des Feiertags sicherlich zahlreich anwesenden Zaungäste einige neue Gesichter begutachten können. Darunter auch Youngster Niklas Dams, der ab der kommenden Saison dem Profikader des VfL angehört. Im Vorfeld spricht der 21-jährige Innverteidiger unter anderem über seine Ziele in der ersten Saison als Profi.

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Gehört ab kommender dem Profikader an: Niklas Dams. Foto: Andreas Plum, Fohlen-Hautnah.de

Fohlen-Hautnah: Niklas, der Urlaub befindet sich auf der Zielgeraden, denn am Donnerstag bittet Lucien Favre zum Aufgalopp. Für dich beginnt die Vorbereitung früher als geplant, denn du wirst beim Trainingsauftakt der Profis dabei sein ...

Niklas Dams: Ich freue mich sehr auf diese Herausforderung und darauf, dass ich mich weiterentwickeln kann. Meine Entwicklung ist noch nicht am Ende, sondern es ist noch Luft nach oben. Dementsprechend werde ich im Training Gas geben.

Fohlen-Hautnah: Gefreut hast du dich dazu sicherlich auch, als du vor drei Wochen deinen ersten Profivertrag unterschrieben hast. Es dürfte ein Traum in Erfüllung gegangen sein ...

Niklas Dams: Natürlich. Als kleiner Junge geht man zum Fußball, um Spaß zu haben. Und je weiter man nach oben kommt, desto mehr denkt man sich, dass es toll wäre, Profi zu werden. Dann sieht man den Traum näher kommen und dann wird er Wirklichkeit.

Aber das ist noch kein Grund, um abzuheben. Denn man sagt ja, dass es schwerer ist, sich zu etablieren, als dahin zu kommen. Ich hoffe, dass ich verletzungsfrei bleibe und mir die Chance gegeben wird, mich zu zeigen. Wenn dann alles normal läuft, dann danke und hoffe ich, dass ich mich gut weiterentwickeln kann.

Fohlen-Hautnah: Warum hast du dich generell für das Angebot der Borussia entschieden?

Niklas Dams: Ausschlaggebend war, dass ich zusammen mit einer Bundesligamannschaft trainieren kann und das sich die Möglichkeit bietet, Bundesliga zu spielen. Natürlich ist dieses Ziel sehr hochgesteckt, aber es muss das Ziel eines jeden Spielers sein, so hoch wie möglich zu spielen. Diese Chance wird mir bei Borussia geboten.

Ich kann mich zudem am besten entwickeln, wenn ich mit einer Bundesligamannschaft trainiere. Von daher war für mich sofort klar, dass ich das Angebot annehme. Dazu, dass ich unterschrieben habe, hat natürlich auch Lucien Favre beigetragen, aber für mich war wichtig, dass ich jeden Tag auf höchstem Niveau trainiere.

Dann entwickelt man sich automatisch. Und das denke ich, kann ich bei Borussia am besten, wenn ich eben auf höchsten Niveau trainiere und dann in der Regionalliga Spielpraxis sammel, sollte ich nicht im Profiaufgebot sein.

Fohlen-Hautnah: Dein Vertrag hat zunächst bis zum 30.06.2013 seine Gültigkeit. Warum hast du dich für einen Zweijahresvertrag entschieden?

Niklas Dams: Weil ich realistisch genug bin um sagen zu können, dass ich nicht von jetzt auf gleich spielen werde. Im ersten Jahr muss und werde ich viel lernen. Ich möchte das erste Jahr dafür nutzen, um viel zu lernen und mich an die Mannschaft heran kämpfen. Und dann gilt es das, was ich gelernt habe, im zweiten Jahr umzusetzen und anzugreifen.

Deshalb habe ich mich für zwei Jahre entschieden, weil ich auch denke, dass man ein bisschen Zeit braucht, wenn man aus der Regionalliga- in die Bundesligamannschaft stößt. Gladbach hat das auch so gesehen und ich denke, dass ist eine gute Lösung. Ich bin jedenfalls zufrieden damit.

Fohlen-Hautnah: Du hast gerade in den letzten Wochen unter Lucien Favre im Training der Profis öfters deine Visitenklarte abgeben dürfen. Hat Lucien Favre dir da ein Feedback und vielleicht auch Tipps mit auf den Weg gegeben?

Niklas Dams: Ich hatte mit Lucien Favre ein sehr gutes Gespräch, in dem er mir dargestellt hat, wie er mich sieht, wo er meine Stärken und Schwächen sieht und wie er vor hat, mit mir zu arbeiten. Das war schon sehr hilfreich und es ist immer positiv und gut wenn man weiß, woran man noch arbeiten muss. So hat man klare Ziele und es ist einfacher, an sich zu arbeiten.

Fohlen-Hautnah: An welchen Dingen musst du denn noch arbeiten, sprich was sind deine Schwächen und im Umkehrschluss deine Stärken?

Niklas Dams: Man muss das ein bisschen differenzieren. Ich denke, im Bereich der U23 würde niemand über mein Zweikampfverhalten meckern. In einer Bundesligamannschaft ist das Durchsetzungsvermögen der Stürmer aber noch größer. Da hat auch Lucien Favre gesagt, dass ich da erst mal lernen muss, mitzuhalten und dagegenzuhalten.

Aber wir sind in unserem Gespräch schnell dahin gekommen, dass das ja normal ist, wenn man eben aus einer unterklassigen in eine Bundesligamannschaft kommt. Daran muss ich mich möglichst schnell gewöhnen und zudem auch im Zweikampfverhalten zulegen.

Ich denke und gehe aber davon aus, dass ich dahingehend in den kommenden Wochen schnell lernen werde, wenn ich täglich gegen Spieler, wie Raul Bobadilla und Igor de Camargo spiele. Da werde ich mir Techniken überlegen, wie ich die stoppen kann.

Ansonsten denke ich, dass ich recht kopfballstark bin, ein gutes Stellungsspiel und eine gute Spieleröffnung habe. Im modernen Fußball ist es ja wichtig, dass du die Bälle nicht einfach nur nach vorne spielst und fertig, sondern schon von hinten heraus das Spiel aufbaust. Die heutigen Mannschaften stehen hinten so gut, sodass du mit langen Bällen kaum etwas ausrichten kannst.

Fohlen-Hautnah: Du bist beidfüßig. Kannst du auch auf den Außenpositionen spielen?

Niklas Dams: Ich kann auch Außenverteidiger spielen. Das habe ich ja bereits im Wintertrainingslager der Profis gemacht. Da habe ich gegen Wolfsburg auf der rechten Abwehrseite gespielt. Das kann ich schon. Aber ich fühle mich in der Innenverteidigung etwas wohler, weil ich dort in der letzten Regionalligasaison 33 Spiele gemacht und mich dort eingespielt habe.

Ich kann mir aber auch durchaus vorstellen, ähnlich wie Tony Jantschke, rechter Verteidiger zu spielen. Da ist es mir eigentlich egal, wo ich spiele. Und ich denke, dass ich da früher oder später auch gut spielen würde, wenn ich die Gelegenheit bekäme, mich dort einzuspielen. Ich hoffe, dass alles so klappt, wie ich mir das vorstelle.

Fohlen-Hautnah: Gerade auch in der Innenverteidigung ist die Konkurrenz mit Martin Stranzl, Dante, Roel Brouwers und auch Bamba Anderson sehr groß. Dennoch wirst du angriffslustig sein. Wie groß siehst du die Chance, dass du dennoch zum Zuge kommst?

Niklas Dams: Auf der einen Seite bin ich natürlich froh, dass so Spieler wie Dante und Stranzl da sind. Ich denke, als jüngster Spieler auf dieser Position kann ich von solchen Spielern viel lernen und mir einiges abschauen. Ich habe mir das Ziel gesetzt, mich so schnell es geht in die Mannschaft zu integrieren und vielleicht auch das ein und andere Mal im Kader zu stehen.

Dass ich nicht sofort spielen werde, ist mir klar. Da bin ich Realist genug. Aber das Wichtigste ist, dass ich von den Spielern lernen kann. Und wenn meine Entwicklung stimmt und der Trainer sieht, dass ich mich gut entwickel, dann kommt alles von alleine. Wenn ich meine Leitung bringe, dann bin ich überzeugt, dass Lucien Favre den richtigen Zeitpunkt wählt, um mir eine Chance zu geben.

Fohlen-Hautnah: Du hast sowohl unter Michael Frontzeck als auch schon unter Lucien Favre trainiert. Was hast du da für gravierende Unterschiede festgestellt?

Niklas Dams: Grundsätzlich mal ist es schwer, Trainer zu vergleichen. Jeder hat seine eigene Arbeitsweise und Philosophie. Lucien Favre ist präsent auf dem Platz, macht viel vor und unterbricht oft, wenn ihm etwas nicht gefällt und erklärt viel. Das finde ich gut, denn man lernt am besten, wenn einem sofort seine Fehler gezeigt werden. Was Neues war für mich die Arbeit an der Taktiktafel. Das ist schon sehr hilfreich.

Fohlen-Hautnah: Und die Unterschiede zwischen dem Training der U23 und der Profis?

Niklas Dams: Da gibt es sehr große Unterscheide. Das Tempo bei Bundesligaspielern ist deutlich höher, die Zweikämpfe sind stärker sowie intensiver und die Spieler sind athletischer. Es kommt bei allem noch mal eine Schippe drauf. Ich habe das immer dann gemerkt, als ich nach langer Zeit mal wieder bei den Profis trainiert habe. Da musste ich mich immer erst mal wieder an das Niveau gewöhnen.

Aber nach zwei Wochen war ich dann drin und dann kommt man damit klar. Es ist Gewöhnungssache und ich hoffe, dass ich mich wieder schnell dran gewöhne und meine Leistung abrufen und zeigen kann.

Fohlen-Hautnah: Was du im Stande bist zu leisten, hast du gerade auch in der letzten Saison in der Regionalliga gezeigt. Da warst du an der Seite von Tim Heubach in der Innenverteidigung sicherlich mit dafür verantwortlich, dass die Borussia die viertbeste Defensive gestellt hat. Zudem sind dir in 33 Spielen vier Tore gelungen. Wie bist du mit deiner Leistung in der abgelaufenen Saison zufrieden?

Niklas Dams: Zunächst bin ich glücklich, dass ich weitestgehend verletzungsfrei geblieben bin und so überhaupt diese Spiele machen konnte. Natürlich bin ich mit meiner Leistung in der letzten Saison zufrieden. Ich denke, dass ich wenige Spiele hatte, in denen ich keine Topleistung abgerufen habe.

Man muss aber auch sagen, dass im letzten Jahr vieles zusammengepasst hat. Und so wurde es jedem Spieler relativ einfach gemacht, Topleistungen abzurufen, da wir als Kollektiv gut harmoniert und uns gegenseitig geholfen haben. Jeder konnte sich auf den anderen verlassen.

Es hat in dieser Mannschaft einfach Spaß gemacht. Und wenn das alles der Fall ist, dann ist es auch einfacher, gut Fußball zu spielen. Das hat gut geklappt und ich denke, dass ich mir durch meine Leistung auch den Profivertrag verdient habe. Jetzt hoffe ich, dass ich die Leistung mit in die neue Saison transportieren kann.

Fohlen-Hautnah: »Beide haben eine gute Saison gespielt. Unabhängig davon glaube ich, dass beide mit ihrer Entwicklung noch lange nicht am Ende und gerade auf dem Sprung sind, bei uns Führungsspieler zu werden«, sagt Sven Demandt und meinte damit auch Dennis Dowidat.

Sven Demandt hat dich schon in der U19 betreut, hat dich bis hierhin begleitet und auch gefördert. Somit dürfte er auch einen gehörigen Anteil an deiner stetigen Entwicklung haben...

Niklas Dams: Das sehe ich genauso. Ich habe unter Sven Demandt sowohl in der U19 als auch gerade im letzten Jahr in der U23 sehr viel gelernt. Er hat mir sehr viel Tipps gegeben. Er hat Dennis Dowidat und mich im letzten Jahr zum Führungsspieler gemacht, nachdem er Dennis und mir nach der Verletzung von Michael Stuckmann die Kapitänsbinde gegeben hat. Bei Heimspielen war immer Dennis Kapitän und bei Auswärtsspielen war ich das. Dabei war für mich das Highlight im Spiel bei Preußen Münster. Das war richtig geil.

Fohlen-Hautnah: War das in dich gesetzte Vertrauen, sprich die Rolle als Kapitän, eine zusätzliche „Belastung" oder eher Motivation?

Niklas Dams: Für mich war das noch mal eine besondere Motivation. Daran erkennt man, dass einem vom Trainerteam Vertrauen geschenkt wird. Und das gibt einem im Spiel natürlich noch mehr Sicherheit. Probleme, als Kapitän aufzulaufen, hatte ich nicht. Für mich war das ein super Gefühl und hat noch mehr Spaß gemacht.

Fohlen-Hautnah: Nun geht es also am Donnerstag los. Hast du dich im Urlaub speziell auf den Trainingsauftakt mit den Profis vorbereitet?

Niklas Dams: Wir haben natürlich vor unserem Urlaub Trainingspläne mit an die Hand bekommen. Diese hat der Athletiktrainer von der U23 in Absprache mit Chris Weigl erstellt. An diesen Plan habe ich im Urlaub gehalten und nun denke ich, dass jetzt fit und gut vorbereitet bin.

Fohlen-Hautnah: Wenn du abschließend mal deine Ziele bei und mit Borussia skizzierst ...

Niklas Dams: Zunächst einmal hoffe ich für Borussia, dass so eine Saison, wie die letzte, nicht noch einmal vorkommt. Ich denke, dass wir mit den Neuzugängen das Potenzial haben, im oberen Mittelfeld mitzuspielen. Vielleicht können wir eine ähnliche Saison wie Hannover, Nürnberg oder sogar wie auch Mainz spielen. Mit ihnen hat vor der Saison auch niemand gerechnet. Deutlich besser als wir schätze ich diese Mannschaften auch nicht ein.

Meine Ziele sind erst mal dauerhaft bei den Profis dabei zu sein und im Training von den Spielern zu lernen. Wenn ich die Chance bekomme, täglich mit diesen Spielern zu trainieren, dann werde ich mich auch automatisch weiterentwickeln.

Und wenn der Trainer das sieht, dann kommen die nächste Schritte von alleine. Das heißt, ab und an mal im Kader stehen, und dann vielleicht auch irgendwann das Debüt im Borussia-Park geben. Das wäre natürlich schön. Aber ich bin eben auch Realist genug, um zu sagen, dass das jetzt nicht Schlag auf Schlag gehen wird. Ansonsten hoffe ich, regelmäßig bei der U23 zu spielen, wenn ich nicht im Profikader bin, damit ich mich für die erste Mannschaft empfehlen kann.


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