Nach der Erfüllung der DFB-Pokalaufgabe beim SSV Jahn Regensburg startet Borussia Mönchengladbach am kommenden Sonntag mit dem Spiel beim FC Bayern München in die 49. Bundesligasaison. Eine erfreuliche Tatsache, an die man noch vor Monaten zwar gehofft, jedoch nicht so richtig geglaubt hatte. Nicht zuletzt auch deshalb warnt Borussias Trainer Lucien Favre vor allzu großer Euphorie.
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| Borussias Trainer Lucien Favre prophezeit eine schwere Saison. Foto: Andreas Plum, Fohlen-Hautnah.de |
In zwei engen Aufeinandertreffen gegen den VfL Bochum konnte sich die Borussia in den beiden Relegationsspielen am Ende den Klassenerhalt sichern. »Es war schwer gegen Bochum«, schaut Lucien Favre auf das ‚Nachsitzen' zurück.
Dabei stand nach einer nervenaufreibenden Saison unter dem Strich ein Happy-End, das zwischenzeitlich in weite Ferne gerückt war. Borussia rangierte nahezu abgeschlagen am Tabellenende der Ersten Bundesliga und hielt sich zumeist mit Durchhalteparolen über Wasser.
Zu schwer schien der Rucksack aus der Hinrunde, die man mit lediglich zehn Punkten und einem Torverhältnis von minus 21 abschloss. Fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz und sieben auf das gänzlich rettende Ufer standen zu Buche.
Daran, dass das Fußballwunder doch noch Wirklichkeit wurde, hatte sicherlich Borussias Trainer gehörigen Anteil. Mit Akribie und großer Fachkompetenz hatte es der ‚Taktikfuchs', der das Zepter von Michael Frontzeck übernahm, geschafft, seine Mannschaft auf Erstligakurs zu bringen bzw. zu halten und ihr seinen Stempel aufgedrückt. »Die Mannschaft war von Beginn an sehr konzentriert und aufnahmefähig. Alle Spieler haben sehr schnell verstanden, was ich von ihnen wollte«, sagt Favre. »Das war das Wichtigste für mich«.
»Als ich im Februar gekommen bin, habe ich nur kollektiv gearbeitet. Ich denke, dass wir dann das Maximum erreicht haben. Und da müssen wir die Wahrheit sagen: Besser ist unmöglich. Wenngleich es auch unter dem Schweizer Rückschläge im „Überlebenskampf" zu verzeichnen gab, so präsentierten sich die „Fohlen" unter Druck dennoch recht gefestigt.
Und gerade im Schlussspurt hatten es die Borussen mit dem Rücken zur Wand stehend geschafft, sich mit geschlossenen Mannschaftsleistungen aus dem Abstiegssumpf zu befreien. »Das war jeden Tag und jedes Wochenende kämpfen um zu leben, oder sterben«, erklärt Favre. »Ich übertriebe jetzt ein wenig, denn es ist und bleibt nur Fußball, aber es war so«.
»Aber ich denke, die Mannschaft hat schon seit Mitte März sehr gut gespielt, mehr als sein Bestes gegeben und so den Abstieg vermieden«.
Ein Kraftakt, der dem Fußballlehrer bei der Wahl zum Trainer des Jahres des ‚Kicker-Sportmagazins' den dritten Rang einbrachte. »Ich freue mich darüber und bin damit sehr zufrieden, das ist klar«, sagt der Schweizer. »Aber ich als Trainer vergesse nie, dass du sowas alleine nicht erreichst. Du brauchst Spieler, eine Mannschaft, einen guten Staff und ein Umfeld, um das zu erreichen«.
Erreicht hat Borussias Trainer mit dem Klassenerhalt ein nicht mehr für möglich gehaltenes Ziel. Womit man doch durchaus Selbstvertrauen mit in die neue Saison nehmen kann. »Natürlich ist das eine positive Sache. Die Mannschaft hat in den letzten 3,5 Monaten bewiesen, dass es schwierig sein kann, gegen Gladbach zu spielen. Aber trotzdem ist es jetzt eine ganz andere Situation, die mit diesem Abstiegskampf nichts mehr zu tun hat«, betont Favre. »Diesmal ist die Situation anders. Es ist ein Neuanfang, bei dem wir und alle Mannschaften bei null anfangen. Das hat auch psychologisch nichts mehr mit der letzten Saison zu tun«.
»Ein wenig können wir vom dem guten Saisonende profitieren, weil eine große Euphorie da war. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir Tabellensechzehnter waren«, warnt Favre vor zu hohen Erwartungen und prophezeit: »Es wird eine enorm schwere Saison bei der wir von Anfang an um jeden Punkt kämpfen müssen«. Und gerade deshalb lässt er sich auch keine Prognose im Bezug auf das Saisonziel entlocken, sondern untermauert stattdessen: »Nochmal: Alle Spiele werden für uns extrem schwer und wir müssen von Anfang an um jeden Punkt kämpfen«.
Neben dem Ziel, sich von der Gefahrenzone fern zu halten wird der Fußballlehrer mit der gewohnten Intensität und Akribie auch daran arbeiten, seine Mannschaft stetig weiterzuentwickeln.
Eine oder gerade die Aufgabe, warum man ihn seinerzeit an den Borussia-Park geholt hat. »Mein Job ist es immer, jeden Spieler zu fördern und weiterzuentwickeln«, sagt er. »Es gibt viele Spieler, die Potenzial haben, aber dieser Prozess, sie individuell zu verbessern, braucht viel Zeit. Du musst langsam die Details korrigieren«.
Und das wird er vornehmlich mit dem bewährten Personal tun, denn auch Leistungsträger wie Dante und Marco Reus stehen dem 53-Jährigen erfreulicherweise weiter zur Verfügung. »Ich denke, es ist ein gutes Signal, dass die Mannschaft nicht auf fünf oder sechs Positionen verändert wurde«, meint Favre.
Lediglich in Oscar Wendt wurde ein gestandener Spieler nach Gladbach gelockt, der Stand heute jedoch nicht an Kapitän Filip Daems vorbei kommt und somit zumindest vorerst den Platz auf der Auswechselbank einnimmt.
Gleiches kommt wohl auch auf die anderen Neuen, wie Lukas Rupp, Matthias Zimmermann, Mathew Leckie, Yuki Otsu und Joshua King zu, die allesamt mit Potenzial ausgestattet Perspektive haben. »Wir haben uns für viele junge Spieler entschieden, die Zeit brauchen, um sich in das System zu integrieren und um das Tempo der Bundesliga zu beherrschen«, sagt Favre und wird die jungen „Burschen" behutsam an seine Truppe heranführen.
So würde man sich wohl nicht die Augen reiben, wenn beim Ligaauftakt gegen den FC Bayern München genau die Elf von Beginn an in der Allianz Arena auf dem Platz steht, die in der Relegation für den Klassenerhalt gesorgt hatte. »Vielleicht ist es Sonntag der Fall, dass genau die Mannschaft spielt. Aber ich bin mir da noch nicht sicher«, lässt sich der Schweizer noch nicht in die Karten schauen.
Voraussetzung dafür ist generell auch, dass sich Juan Arango nach seinem Einsatz bei der Copa América mental und körperlich fit fühlt. Genau das scheint bei dem Venezolaner der Fall zu sein. »Juan hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Er ist frisch und fit zurückgekommen. Das war eine positive Überraschung«, so Favre. »Und er war sehr froh, wieder da zu sein und mit der Mannschaft trainieren zu können. Das alles habe ich an seinem strahlenden Gesicht gesehen«.
Bei der ‚Copa' wusste der Kapitän der venezolanischen Nationalmannschaft in den Spielen für sein Heimatland mit starken Leistungen zu überzeugen. Nicht zuletzt aufgrund dessen würde Favre auf der linken Mittelfeldseite wohl nur ungern auf ihn verzichten wollen. »Arango ist effizient und taktisch gut«, lobt Favre.
Und so wäre es wohl auch keine Überraschung, wenn der 31-Jährige gegen den FC Bayern in der Startelf stünde. »Nein, wahrscheinlich nicht. Aber ich kann das noch nicht sagen«, hält sich der Trainer noch bedeckt. »Er ist zurückgekommen und klar, normalerweise wird er auch wieder spielen. Aber wie gesagt, ich bin mir da noch nicht sicher. Da muss man die Trainingseinheiten abwarten«.
Abwarten ist derzeit auch die Devise bei Martin Stranzl. Der Österreicher plagt sich derzeit mit Wadenproblemen herum und setzte aufgrund dessen diese Woche an zwei Tagen mit dem Training aus. »Ich weiß nicht, ob es für ihn reicht. Da müssen wir die kommenden Tage abwarten«, sagte Favre am Mittwoch. »Wenn er ausfällt, können wir es nicht ändern und werden es versuchen aufzufangen«. Was heißen würde, dass Roel Brouwers Gewehr bei Fuß steht.
Kein Fragezeichen gibt es hingehen bei Marco Reus. Borussias ‚Rakete' zündete bereits im Spiel gegen Regensburg und hatte mit einem Tor und einer Vorlage gleich gehörigen Anteil am Weiterkommen des VfL. »Marco ist ein unglaublicher Spieler, der unheimlich viel mitbringt. Er bleibt immer cool und auch seine Persönlichkeit ist wichtig. Und auch seine Ausstrahlung ist wichtig«, lobt Favre seinen Schützling.
»Zudem hat er noch Potenzial, sich zu verbessern. Und da ist es auch mein Job, ihn zu überzeugen, wo und in welche Richtung er sich verbessern kann. Das weiß er«, erklärt der 53-Jährige. »Klar ist er sehr wichtig, wie jeder andere Spieler auch. Aber darüber möchte ich nicht so viel sprechen. Es geht um das Kollektiv«.
Und genau dieses wird nun zum Ligaaustakt am kommenden Sonntag versuchen, gegen den deutschen Rekordmeister ein positives Ergebnis zu erzielen. Ein Spiel, wo die Rollen zumindest auf dem Papier klar verteilt sind. »Bayern München ist mit Dortmund und Leverkusen einer der Favoriten auf den Titel. Sie sind in Deutschland und auch überall in der Welt eine Topmannschaft«, weiß Favre um die Schwere der Aufgabe und ergänzt: »Wir respektieren alle Gegner, aber wir wollen auch unser Spiel machen«.
Alles was bisher war, ist ab sofort Makulatur. Ab jetzt zählt's. Und dabei sollte es durchaus machbar sein und es ist für eine ruhigere Saison zwingend von Nöten, die magere Ausbeute von zehn Punkten der Hinrunde der letzten Saison zu knacken. Alleine schon der Nerven wegen und damit die Borussen-Seele nicht im negativen Sinne brennt ...






