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»Das Unentschieden geht in Ordnung«

Borussia nach der Punkteteilung gegen Stuttgart

»Wir müssen um jeden Punkt kämpfen«, wiederholt Borussias Trainer Lucien Favre immer wieder. Und das musste seine Mannschaft auch beim 1:1-Unentschieden gegen den VfB Stuttgart. Es war ein gutes Stück Arbeit für die Gladbacher Borussia, die in der Schlussphase in Unterzahl das am Ende leistungsgerechte Unentschieden festhielten. Womit man unter dem Strich durchaus gut leben kann.

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Die Szene, die zum Elfmeter führte: Marco Reus im Duell mit William Kvist. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de

0:7 und 2:3 hieß es in den beiden Spielen der vergangenen Saison aus der Sicht des VfL. Nicht nur aufgrund dieser beiden herben Niederlagen hatte es zwischenzeitlich so ausgesehen, dass es dieses Kräftemessen vielleicht so schnell nicht mehr geben wird.

Doch der VfL rettete sich bekanntlich über die Relegation in zwei Spielen gegen den VfL Bochum, was auch Stuttgarts Trainer Bruno Labbadia wohlwollend zur Kenntnis genommen hatte.

»Erst mal freue ich mich, dass wir wieder in Gladbach sind. Ich freue mich für den Club, weil es ein schöner Club ist«, eröffnete der VfB-Trainer seine Spielanalyse. »Und wir fahren gerne hier her«.

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Und zu Beginn des Spiels musste sich seine Mannschaft mit einer gut loslegenden „Fohlenelf" auseinandersetzen. Diese marschierte gefällig nach vorne und versuchte, den VfB unter Druck zu setzten. Doch dabei blieb es lediglich bei Halbchancen. Und das gerade auch deshalb, weil der VfB die Räume eng machte und es die Borussen trotzdem versuchten, durch das dichte Mittelfeld zu kombinieren.

»In der ersten Halbzeit haben wir es nicht so gut gemacht. Es gab keine Lücke und wir haben zu viel über das Zentrum anstatt über die Außen gespielt, um dann ein wenig zu atmen«, monierte Lucien Favre.

Kamen die Borussen mal vielversprechend nach vorne, so fehlte es allerdings an Entschlossenheit und Präzision. »Wir haben uns sehr schwer getan, sind nur selten durchgekommen und haben nicht so viel Druck gemacht«, sagte Marco Reus.

Während die Borussen also wenig Mittel fanden, offensive Nadelstiche zu setzen, so nahm der gut organisierte VfB mit zunehmender Spieldauer mehr und mehr das Heft in die Hand. Daraus resultierten zwangsläufig Torgelegenheiten.

»Wir hatten heute in der Defensive einige Probleme und standen insgesamt nicht so kompakt, wie sonst. Deshalb hatten wir einige Probleme«, musste Filip Daems zugeben. »Und Stuttgart hat dann eine Mannschaft, die gute und gefährliche Konter spielen kann. Sie haben immer einen freien Mann gefunden, der den Ball dann vorne reinspielen kann«.

»Es war defensiv wie offensiv nicht optimal, wir hatten zu viele Ballverluste und standen danach zu offen«, analysierte Favre und fügte hinzu: »Zudem waren wir auf der rechten Seite häufig in Unterzahl«.

Doch dass es im Gladbacher Gehäuse dennoch nicht „klingelte", war gerade auch dem erneut gut aufgelegten Marc-André ter Stegen zu verdanken. »Ich versuche immer mein Spiel zu machen und es ist nun mal der Job eines Torwartes immer zu versuchen, alles zu halten«, bleibt ter Stegen bescheiden. Und das tat der 19-Jährige wiedermal mit Bravour.

Auch im zweiten Durchgang blieben die Offensivbemühungen der „Fohlen" eher Stückwerk, dennoch brachten sie sich in Minute 67 in Front. Marco Reus wurde im Strafraum von Kvist zu Fall gebracht. »Wir wollten beide zum Ball, ich war aber einen Tick schneller und er hat mich weg geschoben. Man kann den Elfmeter geben, muss es aber nicht«, schaute Reus auf die Szene zurück.

Vom Punkt aus zeigte sich Schütze Filip Daems gewohnt sicher. »Beim Elfmeter geht mir nicht viel durch den Kopf und ich habe auch kein bestimmtes Rezept. Ich mache mir da nicht so viele Gedanken sondern konzentriere mich darauf, den Ball zu verwandeln«, erklärte der Kapitän. »Bisher hat es gut geklappt und ich kann mich nicht daran erinnern, mal einen Elfmeter verschossen zu haben. Ich hoffe, dass es so bleibt«.

»In der zweiten Halbzeit war Stuttgart sehr gefährlich. Wir waren zu viel in Eins-zu-Eins-Situationen verstrickt. Da war es eine Frage der Zeit, bis wir ein Gegentor bekommen«, stellte Favre fest..

Und so kam es, dass die Führung für den VfL bekanntlich nicht lange Bestand hatte, denn Nationalstürmer Cacau glich nur vier Minuten später für die Schwaben aus. Dem Gegentor vorausgegangen war ein unnötiger Ballverlust von Mike Hanke. »Er hätte den Ball mit links nach vorne schießen sollen, aber das weiß er auch«, erläuterte Favre. »Aber das ist so, können das nicht mehr ändern und müssen es leider akzeptieren«.

Und akzeptieren bzw. verdauen musste seine Mannschaft dann auch den Platzverweis von Roel Brouwers. Der Niederländer flog nach Foulspiel an Martin Harnik mit Gelb-Rot vom Platz. »Wir sind beide zum Ball gegangen und haben uns berührt, nur leider wird so etwas meist zum Vorteil des Angreifers gepfiffen«,schaute Brouwers auf die Szene zurück und meinte: »Das kann man sicherlich so vertreten, aber es war schon eine harte Entscheidung«.

In der Schlussphase erhöhte der VfB nochmal das Tempo, doch der VfL hielt in Unterzahl den einen Punkt fest. Ein gerechtes Unentschieden, mit dem man am Ende sicherlich gut leben kann. »Mit dem Unentschieden bin ich nicht unzufrieden, auch wenn es schade ist, wenn man zwischenzeitlich 1:0 in Führung liegt. Aber wenn man den gesamten Spielverlauf betrachtet, ist das 1:1 korrekt«, war Lucien Favre der Meinung.

»Es ist natürlich ärgerlich, wenn wir 1:0 in Führung gehen und dann so schnell den Ausgleich bekommen. Wir haben heute einzelne Fehler gemacht, die nicht passieren dürfen und die letztendlich zum Tor geführt haben«, resümierte Mike Hanke und meinte: »Vom gesamten Spielverlauf gesehen, war das Spiel ausgeglichen und daher geht das Remis somit auch in Ordnung«.

»Eigentlich bin ich nicht mit dem 1:1 nicht ganz zufrieden. Hätten wir in der Situation besser verteidigt, hätten wir auch 1:0 gewonnen«, meinte Marco Reus.

»Wir hatten das Spiel teilweise im Griff, doch dann hat es Stuttgart wieder gut gemacht. Es war natürlich schade, dass nach dem 1:0 sofort das 1:1 gefallen ist«, resümierte Filip Daems. »Ich denke aber, das Unentschieden geht in Ordnung«.

Womit die Borussen nun mit vier Punkten aus zwei Spielen ordentlich und vielleicht in der Form nicht zwingend erwartet gut in die Saison gestartet sind. »Ich denke, wenn vorher einer gesagt hätte, vier Punkte aus den ersten beiden Spielen, dann hätte dass jeder unterschrieben«, sagte Brouwers. »Optimal wäre es gewesen, heute drei Punkte zu holen heute. Aber mit den vier Punkten, können wir durchaus zufrieden sein«.

»Aus den ersten beiden Spielen gegen Bayern und Stuttgart sind vier Punkte in Ordnung, dass muss man so sagen«, pflichtete Kapitän Daems bei.

Dennoch ist den Borussen durchaus bewusst, dass auch die kommenden Aufgaben keine Selbstläufer werden und noch einiges an Arbeit ansteht bzw. auf sie zukommen wird. »Trotzdem wird es eine enorm schwere Saison für uns, daran ändert dieser Start nichts. Wir müssen auch weiter um jeden Zähler kämpfen«, untermauerte Favre.

»Bis jetzt ist es ganz gut gelaufen, aber wir brauchen nicht zu denken, dass es jetzt die ganze Zeit so weiter geht«, warnt Marc-André ter Stegen. »Wir müssen uns auf unsere Leistung konzentrieren und dann wird es auch so sein, dass wir unsere Spiele gewinnen«.

Und versuchen, diesmal alle Punkte im Borussia-Park zu behalten, wird der VfL in der kommenden Woche im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg. Wohlwissend, dass auch dieses Unternehmen ebenso keine Aufgabe ist. »Dass wird ein genau so harter Kampf«, weiß Filip Daems. Nehmen die Borussen auch gegen den ambitionierten Club aus der VW-Stadt an, dann ist auch dort ein positives Ergebnis durchaus möglich.


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