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»Wir haben uns in einen Rausch gespielt«

Reaktionen nach dem überzeugenden Sieg gegen Wolfsburg

Es war wahrlich ein Fußballfest, welches die Zuschauer da am Freitagabend im Borussia-Park miterleben und genießen durften. Mit einer deutlichen 4:1-Niederlage schickte Borussia Mönchengladbach den VfL Wolfsburg zurück in die VW-Stadt. Und das auf eine beeindruckende Art und Weise, die einen mit der Zunge schnalzen ließ.

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Juan Arango und die Borussen ließen den "Wölfen" keine Chance. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de

Als Schiedsrichter Markus Schmidt nach 90 Minuten die Partie im Borussia-Park abpfiff, kannte der Jubel unter den Borussia-Fans keine Grenzen. Kein Wunder, denn soeben hatte der VfL gegen den aus der VW-Stadt mit 4:1 gewonnen. Und das mit einer Galavorstellung, die man lange nicht gesehen hatte.

Ausgesehen hatte es danach zunächst aber nicht, denn schließlich gingen die ambitionierten Wolfsburger mit dem ersten Angriff in Führung. Doch das warf die „Fohlen" alles andere aus der Bahn, sondern schlugen postwendend zurück.

»Wir haben uns nach dem Rückstand nicht verunsichern lassen«, sagte Thorben Marx und Roman Neustädter meinte: »Nach dem 0:1 haben wir uns nach vorne gepeitscht«.

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Zwar glichen die "Fohlen" mit ‚freundlicher' Unterstützung der Gäste aus, aber gerade Raúl Bobadilla war eben hellwach, nutzte den Fehler von Kjær und legte mustergültig für Marco Reus auf, der aus kurzer Distanz zum Ausgleich einschob. »Sicherlich war das 1:1 ein bisschen glücklich, weil Wolfsburg da einen Fehler gemacht hat, aber darauf haben wir spekuliert«, sagte Mike Hanke.

»Vielleicht war es gut für uns, dass 0:1 zu bekommen, denn wir haben sofort perfekt reagiert und den Ausgleich gemacht. Das war sehr wichtig und hat uns geholfen«, stellte Lucien Favre nach dem Spiel fest und befand: »Danach waren wir klar die bessere Mannschaft«.

Womit der Schweizer mehr als Recht hatte, denn in der Folgezeit war seine Mannschaft tatsächlich spielbestimmend und machte Druck. »Die Mannschaft hat dann mit viel Selbstvertrauen weiter nach vorne gespielt und dabei mit guten Kombinationen mehrere Chancen kreiert«, lobte Favre.

Gladbach war deutlich überlegen und ging nach gut einer halben Stunde folgerichtig in Führung. Nach einem zügig und schön nach vorne getragenen Angriff über Hanke war Reus im Strafraum lediglich mit einem Foul zu stoppen, was einen Elfmeter zur Folge hatte. Zu diesem trat Filip Daems an und der Kapitän verwandelte auch diesen sicher.

Eine verdiente Führung für die „Fohlen", die in der Folgezeit das Tempo hochhielten und dabei den „Wölfen" wenig Raum zur Entfaltung gaben. Noch gegen Stuttgart vor einer Woche spielten die Borussen im Vorwärtsgang oftmals zu kompliziert und auch zu häufig durch das Zentrum.

Gegen die Gäste aus der VW-Stadt machten sie es diesmal besser und machten das Spielfeld breit. »Marco Reus und Juan Arango waren diesmal ganz weit außen, sodass wir sie immer anspielen konnten«, sagte Neustädter. »Somit waren auch die Löcher in der Mitte viel größer und es war für einen Mittelfeldspieler einfacher, in diese reinzugehen«.

Und kurz vor der Pause ging dann auch die nächste Chance rein. Bobadilla krönte seine im ersten Durchgang starke Leistung und köpfte nach Eckball von Arango aus kurzer Distanz zur 3:1-Pausenführung ein.

Eine mehr als verdiente Führung für die Gladbacher Borussia, die nach dem Rückstand nicht aufsteckte, schnell zurückkam und in den Minuten bis zum Halbzeitpfiff das Geschehen klar diktierte. »Ich denke, dass die Mannschaft den ganzen Borussia-Park in Verzückung gespielt hat«, schwärmte Rainer Bonhof in der Halbzeitpause im Interview mit ‚Sky'.

»Aber wir haben eben noch 45 Minuten zu spielen und müssen diese noch überstehen«, mahnte Borussias Vize-Präsident und gab gleichzeitig die Marschrichtung für den zweiten Durchgang vor: »Wir sollten so weiterspielen, wie wir in der ersten Halbzeit agiert haben. Wir haben Druck gemacht, früh nach vorne gespielt und haben Wolfsburg, außer beim ersten Tor, nicht unbedingt entwickeln lassen«.

Und an diese Maßgabe hielten sich die Borussen. Schwungvoll kamen sie aus der Kabine und nahmen gleich wieder Fahrt auf. Die Truppe von Trainer Lucien Favre spielte sich förmlich in einen Rausch und bot dabei gerade im Offensivdrang fußballerische Feinkost, die sich durchaus sehen lassen konnte.

Die „Fohlen" galoppierten weiter mutig nach vorne und erspielten sich durch ein mehr als ansehnliches Kombinationsspiel weitere - teils erstklassige - Torgelegenheiten. Allerdings blieben zahlreiche dieser, auch aufgrund des stark parierenden Wolfsburger Schlussmanns Diego Benaglio, ungenutzt.

Auf der anderen Seite ließen die Borussen auch hinten nach wie vor nichts anbrennen. »Wir haben über 90 Minuten in der Defensive wenig zugelassen und taktisch sehrt gut gespielt«, lobte Mike Hanke.

So dauerte es bis zur 67. Spielminute, ehe der Ball zum vierten Mal im Netz der Gäste zappelte. Und das abermals mit einem klasse Spielzug. Nach dem öffnenden Pass von Neustädter auf Arango flankte der Venezolaner von der rechten Seite mit dem Außenrist auf den am langen Pfosten postierten Reus, der volley ins kurze Eck einnetzte.

Ein Sahnespielzug der Borussen, die so alles klar machten. »Ich glaube, das vierte Tor von Marco Reus hat gezeigt, was bei uns überhaupt möglich ist und was noch in der Truppe drin steckt«, strahlte Roman Neustädter.

Bis zu diesem Zeitpunkt sprach die Statistik in Hälfte zwei mit 6:0 Torschüssen für die Gastgeber eine eindeutige Sprache. Der Borussia-Park bebte und peitschte die Borussen weiter nach vorne. »Wir haben uns hinterher mit den Fans im Rücken in einen Rausch gespielt«, meinte Marco Reus und bedankte sich bei der abermals fantastischen Unterstützung.

»Wir haben uns schon in einen kleinen Rausch gespielt«, pflichtete Thorben Marx bei und ergänzte: »Im Moment läuft es einfach und wir müssen schauen, dass wir diesen Rausch noch lange halten können. Dann hoffe ich, dass wir eine erfolgreiche Saison spielen werden«.

»Heute hat fast alles geklappt«, sagte Filip Daems. »Wie wir die Tore herausgespielt haben, besser kann man es fast nicht machen«. Und es hätten durchaus weitere folgen können, ja wenn nicht müssen. Dies gelang jedoch nicht. Auch deshalb, weil die Borussen in Durchgang zwei einige Bälle zu leicht verschenkten. »Ich bedauere ein paar Ballverluste in der zweiten Halbzeit«, hatte Lucien Favre an diesem Abend den einzigen Kritikpunkt ausgemacht.

Doch am Ende durften sich Mannschaft, Trainer und Fans über einen deutlichen und hochverdienten Sieg freuen. »Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung der Mannschaft und muss ihr auch ein Kompliment machen«, lobte Lucien Favre. »Über 90 Minuten kann man sagen, dass der Sieg absolut verdient war. Wir waren klar die bessere Mannschaft, es hätte durchaus auch höher als 4:1 ausgehen können«.

Ein verdienter 4:1-Sieg, der zumindest für eine Nacht die Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga zur Folge hatte. Und das wohlwissend, dass dies nach drei Spielen wenig Aussagekraft hat.

»Natürlich ist der Blick auf die Tabelle ein schönes Gefühl. Das ist jedoch nur eine Momentaufnahme«, sagte Mike Hanke und meinte: »Wir können uns noch enorm steigern, weil noch sehr viel Potenzial in der Mannschaft ist. Das werden wir nächste Woche weiter machen und dann nach Schalke fahren«.

»Es ist natürlich ein schönes Gefühl, wenn man freitags so ein Spiel gewinnt und sich in Ruhe die anderen Spiele anschauen kann. Das wir in der Tabelle oben stehen, ist natürlich schön und auch eine tolle Sache. Man schaut jetzt natürlich lieber auf die Tabelle, als letzte Saison«, strahlte Thorben Marx und mahnte auf der anderen Seite zur Bescheidenheit: »Aber das spielt nach drei Spieltagen keine Rolle«.

Und dabei werden die Borussen gerade auch den Verlauf der vergangenen Saison noch in nicht allzu guter Erinnerung haben. »Wir dürfen die letzte Saison nicht vergessen und müssen weiter hart an uns arbeiten«, mahnte Dante und weiß: »In dieser Liga kann es sehr schnell gehen«.

»Wir haben in und aus der letzten Saison sehr viel gelernt«, so der Brasilianer weiter. »Wir müssen jetzt ruhig bleiben, so weitermachen und nächste Woche wieder hart arbeiten. Da haben wir mit Schalke eine schwere Aufgabe vor uns«.

Auf das Spiel „Auf Schalke" werden sich die Borussen ab kommenden Dienstag vorbereiten. Und dürfen bis dahin die Sonne und den Platz an der selbigen genießen ...


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