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Filip Daems: »Für eine ruhige Saison müssen 40 Punkte unser Ziel sein«

Borussias Kapitän vor dem Spiel gegen Schalke im Radio 90,1-Interview

Eigentlich immer mittwochs vor Heimspielen ist es in dieser Saison beim Mönchengladbacher Radiosender 90,1 Zeit wieder Zeit für die Sendung ‚Borussia hautnah'. Doch den mehr als guten Saisonstart nahm der Sender nun zum Anlass, eine ‚Ausnahme' zu machen. Und so stand gestern Filip Daems Rede und Antwort. Mit Moderatorin Petra Koch sprach Borussias Kapitän unter anderem eben über die derzeitige Tabellenführung und über das kommende Auswärtsspiel beim FC Schalke 04. Fohlen-Hautnah hat das Interview an der Stelle zusammengefasst.

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Für Borussias Kapitän sind zunächst 40 Punkte das Ziel. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de

Petra Koch: Filip, momentan dominiert ihr die Bundesliga. Wie schön ist es denn, von oben auf die anderen Mannschaften zu schauen?

Filip Daems: Es ist natürlich ein schönes Gefühl, aber es sind erst drei Spieltage absolviert und von daher sollte man die Tabelle auch nicht überbewerten. Natürlich sind wir gut gestartet, was immer besser ist, wie unten drin zu hängen.

Petra Koch: Klar, es ist erst der dritte Spieltag und da muss man nicht in Größenwahn verfalle, aber wenn man sich mal anschaut, wie viele Spiele ihr übergreifend nicht verloren habt, dann zeigt dass schon eine gewisse Stabilität, oder?

Filip Daems: Ja, das stimmt. In der letzten Saison haben wir eine ordentliche Rückrunde gespielt. In der neuen Saison wollten wir da anknüpfen, wo wir aufgehört haben. Bis jetzt hat das gut geklappt. Und ich denke auch, dass wir die Spiele nicht nur mit Glück, sondern auch mit gutem Fußball gewonnen haben.

Petra Koch: Ich finde, im letzten Spiel habt ihr Wolfsburg eigentlich deklassiert. Das hatte etwas von einem Rausch, oder?

Filip Daems: Das war natürlich ein richtig toller Fußballabend. An einem Freitagabend so ein Spiel abzuliefern, war richtig schön. In der Woche zuvor gegen Stuttgart, haben wir uns sehr schwer getan, was irgendwo ja auch an den Stuttgartern lag. Gegen Wolfsburg sind wir auch schwer ins Spiel gekommen, aber nach dem Ausgleich haben wir die gesamte Partie mit schönem Fußball dominiert.

Petra Koch: Was war der Grund dafür, dass es gegen Wolfsburg am Anfang nicht so gut lief, ihr dann aber den Schalter umgelegt habt?

Filip Daems: Erst mal ist es wichtig, dass man weiter versucht, das Spiel zu machen und nicht nervös wird. Dann hatten wir natürlich ein bisschen das Glück, dass Kjaer ausrutscht und wir dann sofort das 1:1 machen. Danach hatten wir noch ein paar gute Möglichkeiten und wenn man dann kurz vor der Halbzeit noch das 3:1 macht, dann muss man versuchen, das Spiel in der zweiten Halbzeit auszuspielen. Und ich denke, das haben wir dann richtig gut gemacht.

Petra Koch: Wenn man sich überhaupt mal die Spiele anschaut, dann steht ihr wesentlich kompakter und ihr habt die Gegentorflut abgestellt. Im Endeffekt greift ein Rad ins andere. Liegt das daran, dass die Mannschaft jetzt einfach länger zusammen ist, dass sie besser eingespielt ist, oder an was? Was sagt der Kapitän dazu?

Filip Daems: Vielleicht ein Teil davon aber eben auch, dass wir seit der Rückrunde viel mit der gleichen Mannschaft spielen. Auch wenn mal einer verletzt oder gesperrt ist, dann haben wir Jungs, die das richtig gut machen, auch wenn sie zuvor wenig gespielt haben. Wie beispielsweise Thorben Marx, Raul Bobadilla oder Roel Brouwers.

Die Jungs machen es richtig gut und das ist die Stärke unseres Kaders. Wir sind richtig gut besetzt. Auch der Erfolg Klassenerhalt und der Trainer, der jeden Tag hart daran arbeitet, uns auch im taktisch Bereich zu verbessern, sind mit ein Grund für den jetzigen Erfolg. Da müssen wir jetzt weiter machen.

Petra Koch: Ist es so, dass alle 24 Mann im Kader an einem Strang ziehen und sie das „One-Man-Team sind?

Filip Daems: Die Stimmung in der Mannschaft hängt natürlich viel mit den Ergebnissen zusammen, das ist überall so. Aber trotzdem hält die Mannschaft richtig gut zusammen. Das war letztes Jahr eigentlich auch so, auch wenn es Zeiten gab, wo es nicht so gut gelaufen ist. Es ist natürlich wichtig, dass wir uns untereinander gut verstehen. Dass hat uns stark gemacht.

Petra Koch: Du bist der Dienstälteste Borusse und mit 32 auch der „Oldie". Und du hast eigentlich einen Stall voller Jugendlicher ...

Filip Daems: Ja, das stimmt natürlich. Wenn du schon lange dabei bist, dann bist du auf einmal der Älteste in der Mannschaft. Aber ich fühle mich zwischen den jungen Spieler auch selber noch ganz jung.

Petra Koch: Wenn du eine Vorbereitung ohne Verletzungen durchstehst, dann bist du immer topfit, durchtrainiert und sehr gut in Form, oder?

Filip Daems: Es ist immer wichtig, eine ganze Vorbereitung mit zu machen. Diese Vorbereitung hat es aber bei der ganzen Mannschaft gut geklappt, wir hatten nur sehr wenige Verletzungen. Wenn man dann alles mitmachen kann, kommt man auch fit in die Saison. Natürlich muss man dann immer noch abwarten, wie die Saison dann los geht. Auf der anderen Seite müssen wir aber natürlich auch alles daran setzen, so fit wie möglich in die Saison zu starten.

Petra Koch: In der letzten Saison hast du jedes Spiel gespielt. Da hat es auch mal andere Zeiten gegeben. Ist es da nicht schön, wenn man jetzt verletzungsfrei alles mitmachen kann? Denn du hast hier ja auch schon eine Leidenszeit hinter dir ...

Filip Daems: Ja natürlich, die Leidenszeit ist aber auch schon länger her. 2006 mit meiner Fersen-OP und vor 2,5 Jahren dann noch mal mit meinem Knie. Das ist zum Glück alles vorbei, aber dass gehört zum Fußball dazu. Ich hoffe, dass es so bleibt.

Petra Koch: Und dann habe ich gegen Wolfsburg gedacht: Schnell ist er mit seinen 32 Jahren auch noch ...

Filip Daems: Das hängt natürlich davon ab, wie man sich fühlt. Ich denke, dass ich von der Schnelligkeit mit den Jungs immer noch mithalten kann. Ich denke nicht, dass das ein Problem ist.

Petra Koch: Was auch richtig gut klappt ist die Zusammenarbeit mit deinem Vordermann Juan Arango. Es hat ein bisschen gedauert, bis ihr euch so richtig eingespielt habt. Aber es sieht gut aus ...

Filip Daems: Ja. Da hat uns der Trainer aber auch gut eingestellt, dass wir auch als gesamte Mannschaft in der Defensive gut funktionieren müssen. Das funktioniert gut. Jeder weiß, was er machen muss, oder was der Trainer verlangt. Das bringen wir auf den Platz. Wir können zusammen gut verteidigen, aber auf der anderen Seite versuchen wir natürlich auch gemeinsam Druck auf den Gegner zu machen und die Bälle früher zu erobern.

Petra Koch: Aber ich glaube, einem Südamerikaner ist es ja manchmal nicht so einfach beizubringen, dass er die Mittellinie auch mal nach hinten überschreiten muss, um auch mal zu verteidigen. Das hat ja gut geklappt und ist für dich natürlich auch ein bisschen einfacher, wenn man dann weiß, dass der andere auch nach hinten geht, wenn ich mal nach vorne gehe, oder? Das scheint jetzt richtig zu funktionieren.

Filip Daems: Ja, das funktioniert gut. Juan Arango macht seine Sache in der Defensive richtig gut, so wie jeder andere Spieler auch. Dann kann man natürlich zusammen auch mal was nach vorne machen. Wenn der Abstand zwischen Juan und mir nicht so groß ist, dann ist es viel einfacher, auch eine Kombination zu spielen.

Petra Koch: Jetzt hat Juan gegen Wolfsburg mal die Seite gewechselt. Macht es dem Spielfluss nichts aus, wenn Juan dann auch mal die Seite wechselt und dürft ihr das einfach so, oder war das so abgesprochen?

Filip Daems: Ich glaube nicht, dass das abgesprochen war. Ich weiß es nicht, aber man hat gesehen, dass es kein Problem war, sondern beim Gegner ein bisschen für eine Überraschung gesorgt hat. Und ich denke, das ist auch eine unserer Stärken.

Petra Koch: Macht ihr das jetzt im jedem Spiel, dass Marco Reus die Elfermeter raus holt und du sie rein machst?

Filip Daems: Klar, vor mir aus kann das so weiter gehen.

Petra Koch: Du bist ein sicherer Elfermeterschütze. Du hast gesagt, dass du noch nie einen daneben geschossen hast ...

Filip Daems: Das stimmt, bis jetzt nicht. Ich hoffe, dass es so bleibt. Ich habe da auch kein Geheimnis wie ich das mache. Einfach konzentriert sein und versuchen, dass Ding rein zu machen.

Petra Koch: Das hat bisher wunderbar funktioniert. Wenn man dir Ende letzter Saison gesagt hätte, dass ihr einfach so startet, wie ihr aufgehört habt. Hättest du gesagt: Ja klar, machen wir?

Filip Daems: Wir wussten natürlich, dass das Auftaktprogramm sehr schwer ist. Wir haben es bisher gut hinbekommen und haben sieben Punkte. Aber das ist kein Grund sich jetzt zurückzulegen.

Petra Koch: Ihr nicht. Ich glaube, der Trainer und der Trainerstab werden immer dafür sorgen, dass keiner von euch anfängt zu träumen. Einige Fans sind aber sehr euphorisch und sagen, dass diese Mannschaft es schafft, einen guten Mittelfeldplatz in dieser Saison zu erreichen. Das ist in Ordnung und so dürfen die Fans träumen, oder?

Filip Daems: Klar, die Fans dürfen natürlich träumen. Es muss natürlich realistisch bleiben, denn alles hängt so nah zusammen. Ein paar Mannschaften, wie Dortmund, Leverkusen und Bayern haben eine extra Qualität. Dass hat man in der letzten Saison gesehen. Und viele Mannschaften sind auf Augenhöhe und da kann natürlich viel passieren.

Die Saison ist aber noch zu jung, um jetzt über Tabellenplätze zu reden. Wir als Mannschaft müssen von Spiel zu Spiel schauen und immer versuchen das abzuliefern, was wir in den letzten Wochen abgeliefert haben. Aber natürlich dürfen die Fans weiter träumen und denken, dass dieses Jahr mehr drin ist.

Petra Koch: Wie viel Anteil hat der Trainer an diesem bisherigen Erfolg?

Filip Daems: Ich denke natürlich viel. Seit dem er gekommen ist, hat er sofort sehr hart gearbeitet, um die Mannschaft besser auf den Platz zu bringen und neu einzustellen. Das hat natürlich am Anfang nicht immer geklappt. Aber wenn man sieht, was wir die letzten Monate bis jetzt geleistet haben, dann hat der Trainer daran natürlich einen großen Anteil.

Petra Koch: Es hat zwei Abstiegsjahre gegeben, da hat Borussia auch mal kurzfristig am Tabellenanfang gestanden. Ich habe heute gehört, dass du einer großen Boulevard-Zeitung gesagt hast, dass das diesmal nicht passieren wird. Ich habe es nicht gelesen. Was hast du denen denn gesagt und warum steigt ihr dieses Jahr nicht ab?

Filip Daems: Ich habe es auch nicht gelesen, ich lese diese Zeitung nicht. Das sind natürlich Statistiken, die vielleicht immer für ein bisschen Unruhe sorgen sollen, ich weiß es nicht. Ich denke aber nicht, dass wir absteigen, weil wir jetzt über Monate diese Leistung bringen und wenn wir so weiter machen, ist es auch für unsere Gegner nicht so einfach, gegen uns zu gewinnen. Wir haben eine gut eingespielte Mannschaft und jeder ist lange genug dabei, um nicht zu träumen, sondern jede Woche an seine Leistung anzuknüpfen.

Petra Koch: Du bist seit 2005 bei Borussia und daher auch der Dienstälteste. Du hast schon unter einigen Trainer trainiert. Es hat sicher Zeiten gegeben, wo es weniger Spaß gemacht hat. Wenn du das mal so Revue passieren lässt, was in sechs Jahren so passieren kann, dann ist dass eine ganze Menge, oder?

Filip Daems: Das stimmt, dass ist eine ganze Menge. Es gab in dieser Zeit von Trainern und Spielern viel Kommen und Gehen. Der Verein hat in den letzten Jahren versucht, mehr Stabilität in den Verein zu bekommen und nicht jedes Jahr sechs, sieben Spieler abzugeben und neue zu holen. Ich denke, das hat gut geklappt. Wenn ich daran denke, dass Marco Reus und Dante geblieben sind, dann hat uns das einfach nur stärker gemacht.

Petra Koch: Du hast noch ein Jahr Vertrag. Was kommt dann, Filip? Würdest du bleiben, wenn der Verein sagt, dass man dich gerne noch länger hätte?

Filip Daems: Oh, darüber zu reden, ist es jetzt noch ein bisschen zu früh. Es sind noch zwei Jahre. Ich versuche natürlich so lange wie ich mich gut fühle, Fußball zu spielen. Natürlich weiß man nicht, was in zwei Jahren passiert, aber es macht mir jeden Tag Spaß, auf dem Platz zu stehen. Das möchte ich natürlich so lange wie möglich weiter machen.

Petra Koch: Deine Familie lebt in Belgien, du musst also ein bisschen hin und her fahren. Ihr habt euch da aber gut arrangiert, oder?

Filip Daems: Ja doch. Als ich am Anfang hier war, war ich sehr viel in Gladbach. Irgendwann muss man dann aber gerade im Bezug auf unsere beiden Kinder, wo sie zur Schule gehen, eine Entscheidung treffen. Wir haben uns dazu entschieden, dass sie in Belgien zur Schule gehen. Der Abstand ist auch nicht allzu groß um die Strecke zu fahren. Ich habe aber für den Fall, dass es zu viel wird oder wir viel trainieren, auch noch eine kleine Wohnung in Gladbach. So finden wir da eine gute Balance.

Petra Koch: Filip, „Auf Schalke". Die Jungs müssen sich auch warm anziehen, wenn ihr kommt, oder?

Filip Daems: Die wissen natürlich auch, dass wir eine gute Mannschaft haben. Aber wir wissen natürlich auch, dass es ganz schwierig sein kann, wenn man „Auf Schalke" spielt. Sie haben die letzten beiden Spiele auch gewonnen. Aber wir wollen da natürlich etwas holen da. Wenn wir an unsere zuletzt gute Leistung anknüpfen können, dann ist auch da etwas drin.

Petra Koch: Was erwartest du für ein Spiel? Richtet ihr euch überhaupt nach einem Gegner? Ich habe manchmal den Eindruck, ihr versucht einfach euer Ding zu machen. Zwar schon mit Hinblick auf den Gegner, aber nicht euer Spiel zu verändern, oder?

Filip Daems: Das nicht. Natürlich will der Trainer, dass wir unser Spiel machen, dabei aber auch die Schwächen des Gegners finden. Wir haben immer auch ein Auge auf den Gegner und bereiten und mit Videoanalyse gut vor. Und das auch noch einen Tag vor dem Spiel. Schalke hat auch eine gute Mannschaft, die wir ernst nehmen müssen.

Petra Koch: Wie viele DVDs schaut ihr so? Der Trainer lacht selbst und sagt: Kai Schmitz, der bei euch die Videos zusammen schneidet sagt, dass er noch nie so viel zu tun hatte, wie jetzt. Da ist er schon sehre akribisch, oder?

Filip Daems: Ja, das ist auch gut so, weil es natürlich auch etwas bringt. Wir haben heute lange DVDs geschaut und machen das vor dem Spiel auch noch mal. So weiß natürlich jeder, was auf ihn zukommt. Danach wollen wir unser Spiel gestalten und beim Gegner die Lücken finden..

Petra Koch: Jetzt ist es immer schwer, Prophet zu sein. Was ist bei euch in dieser Saison drin, wenn alles gut läuft? Ist zumindest drin, dass wir alle nicht bis zum Ende zittern müssen?

Filip Daems: Das hoffe ich und unser erstes Ziel ist es natürlich, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Wir haben aber auch erst drei Spieltage gespielt und ich denke, dass man noch nicht viel über die Tabelle reden kann. Es ist schwer zu sagen, weil viele Mannschaften auf Augenhöhe sind und jeder gegen jeden gewinnen kann. Aber wir wollen natürlich eine andere Saison spielen, als letztes Jahr.

Petra Koch: Das wäre sehr schön. Es wäre doch mal schön, wenn man mal die 40 Punkte knacken würde, oder?

Filip Daems: Das wäre schön, klar. Letztes Jahr haben wir 36 Punkte geholt. Bis zu den 40 Punkten ist es dann nicht mehr so weit. Und die müssen natürlich unser Ziel sein. Wenn wir eine ruhige Saison spielen wollen, dann müssen wir natürlich über die 40 Punkte gehen.

Petra Koch: Dein Tipp für Schalke?

Filip Daems: Ich tippe nicht, das mache ich nie.

Petra Koch: Okay. Vielen Dank, das du hier warst. Ich drücke euch „Auf Schalke" die Daumen und das die Saison so läuft, wie ihr euch das vorstellt.

Filip Daems: Vielen Dank.


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