Immer mittwochs vor Heimspielen ist es beim Mönchengladbacher Radiosender 90,1 Zeit wieder Zeit für die Sendung ‚Borussia hautnah'. Und so stand vor dem kommenden Heimspiel gegen den 1.FC Kaiserslautern Roman Neustädter Rede und Antwort. Mit Moderatorin Petra Koch sprach der 23-Jährige unter anderem über den guten Saisonstart, über seine Rolle im defensiven Mittelfeld und über das kommende Heimspiel gegen die „Roten Teufel". Fohlen-Hautnah hat das Interview an der Stelle zusammengefasst.
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| Einer der "6er" im Mittelfeld: Roman Neustädter. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de |
Petra Koch: Roman, wenn man sich die sportliche Entwicklung des Clubs anschaut, kann man nur sagen: Respekt. Das hätte nicht jeder erwartet...
Roman Neustädter: Ich glaube auch, als der neue Trainer kam, hätte das anfangs keiner gedacht. Er hat eine ganz andere Philosophie als der alte Trainer und er hat Dinge von uns verlangt, die wir so vorher noch nicht kannten. Aber es ist auch genau das Richtige für unsere Mannschaft und für unser Spiel. Wir können nur Dankeschön an unseren Trainer sagen.
Petra Koch: Diese berühmte Philosophie, kann man die einmal in Worte fassen?
Roman Neustädter: Er legt viel Wert auf Ballbesitz. Wir sollen den Ball und den Gegner laufen lassen, sehr geduldig spielen und wenn es sein muss, auch hinten rum vier bis fünf Mal spielen, bis sich dann Lücken ergeben. Einfach so, wie es im Spiel gegen Wolfsburg geklappt hat.
Das ist ein Spiel, das wir oft als Beispiel nehmen. Auch in der zweiten Halbzeit, wo wir das Spiel ganz breit auseinander gezogen und hinten rum verlagert haben. Die Wolfsburger mussten immer laufen und wenn irgendwo eine Lücke war, haben wir nach vorne gespielt. Genau das verlangt er von uns.
Petra Koch: Kommen wir mal zu deiner Person. Im April bist du noch sehr häufig kritisiert worden, jetzt sind die Kritiker stumm...
Roman Neustädter: Ich bin jetzt auch sehr zufrieden mit mir, weiß aber auch, dass ich an einigen Sachen noch sehr hart arbeiten muss.
Petra Koch: Du spielst jetzt schon sehr lange mit Håvard Nordtveit auf der 6er-Position. Da ist es ja schon sehr wichtig, wenn man sich richtig zusammen einspielen kann...
Roman Neustädter: Ja. Ich glaube aber, dass es nicht nur auf dieser Position wichtig ist. Wichtig ist, dass wir alle eingespielt sind. Das sieht man gerade jetzt auch bei uns, weil wir den Schwung mitgenommen haben.
Die Mannschaft ist größernteils zusammengeblieben und von daher ist es im Allgemeinen wichtig. Es funktionieren so viel mehr Automatismen in der Mannschaft, die Stimmung ist super und man sieht auch, dass die Jungs die hinten dran sind, in die Mannschaft rein wollen und drängen.
Beispielsweise sieht man auch, dass wenn mal einer wie Martin Stranzl einer ausfällt und dann Roel Brouwers reinkommt, dass sich nicht viel verändert. Jeder Spieler hat das Spiel, das der Trainer will, verinnerlicht. Und das ist die Hauptsache.
Petra Koch: Im Testspiel gegen den MSV Duisburg hast du ein wunderschönes Freistoßtor verwandelt. Wirst du jetzt auch noch zum Freistoßschützen?
Roman Neustädter: ‚Heimi' hat eben noch in der Kabine gesagt, dass ein guter Torwart diesen hält. Ich hoffe, ich habe mich jetzt zusammen mit Juan Arango und Marco Reus für das Freistoßschießen qualifiziert. Mal sehen, wer jetzt demnächst schießen darf.
Petra Koch: Wie ist es dazu gekommen, hast du gesagt ich mache das, oder haben die Jungs gesagt, mach du das?
Roman Neustädter: Mike Hinke wollte zuerst schießen, weil er zuvor die beiden anderen auch geschossen hat. Dann hat er gesehen, dass die Mauer aus acht Spielern bestand und da hat er gesagt, dass er deshalb nicht schießen kann und ich das machen muss.
Petra Koch: Wann hast du gemerkt, irgendwas hat sich geändert, ich bin angekommen und bereit, Stammspieler zu werden?
Roman Neustädter: Eigentlich nach meiner ersten Saison. Die war sehr lehrreich für mich, da habe ich viele Fehler gemacht. Zum Glück habe ich schnellstmöglich daraus gelernt und dann habe ich im zweiten Jahr in der Sommervorbereitung eine sehr gute Vorbereitung gespielt.
Mir war aber eigentlich auch klar, dass Thorben Marx und Michael Bradley vor mir waren, da sie eine starke Saison gespielt haben. Ich musste mich hinten anstellen und genau das habe ich gemacht. Ich habe sehr geduldig weiter trainiert und hart an mir gearbeitet. Ich habe immer gehofft eine Chance zu bekommen und als sie dann da war, habe ich sie genutzt.
Petra Koch: Ändert sich, wenn man Stammspieler wird, der Stellenwert in der Mannschaft, nimmt man sich mehr heraus?
Roman Neustädter: Ja, in gewisser Weise schon. Man hat mehr Erfahrung, man möchte den jungen Spielern immer etwas weiter geben. Gerade bei den Jungs, die auf der gleichen Position spielen. Wie beispielweise auch beim Testspiel, man versucht den Jungs zu helfen. Bei mir war es genau so, dass mir die älteren Spieler geholfen haben, als ich hier neu war.
Aber ich glaube auch, dass jeder bei uns seine Meinung frei sagen kann, auch die, die ein bisschen hinten dran sind. Wenn denen etwas nicht passt, dann sagen sie es genau so wie die, die jetzt spielen. Wir haben ein super Klima in der Mannschaft und das merkt man glaube ich auch auf dem Platz.
Petra Koch: Du hast eben gesagt, du kannst noch eine Menge lernen. Was ist das und was kann der Trainer dir noch beibringen?
Roman Neustädter: Das kann man nicht so genau sagen. Ich glaube, dass ich in allen Bereichen noch zulegen kann. Noch fitter werden, körperlich robuster und noch intelligenter spielen. Aber das kommt sicherlich auch mit weiterer Erfahrung. Wenn ich weiterhin so spiele, dann hoffe ich, dass ich mich so auch weiterentwickel.
Petra Koch: Ab wann hat man seine Spielerpersönlichkeit gebildet?
Roman Neustädter: Das kommt glaube ich von selbst. Manche können das in ganz jungen Jahren. Zum Beispiel Nuri Şahin. Eer war Denker und Lenker in Dortmund. Meiner Meinung nach fehlt er jetzt auch so ein bisschen in Dortmund. Ich denke, auf der Position ist es sehr wichtig in die Rolle eines Führungsspielers reinzuschlüpfen.
Von Spiel zu Spiel und von Training zu Training versuche ich das immer weiter zu machen. Irgendwann bin ich da drin. Ich bin jetzt 23 Jahre alt, habe jetzt eine Rückrunde sowie den Teil der Hinrunde gespielt und versuche die ganze Saison fit zu bleiben. Dann wird man sehen, wohin der Weg führt.
Petra Koch: Kann man das so sagen, dass du mit deiner Freundin jetzt in Mönchengladbach heimisch geworden bist, oder hängt dein Herz noch in Mainz?
Roman Neustädter: Nein, wir fühlen uns hier sehr wohl. Auch an freien Tagen versuchen wir die Zeit hier zu verbringen. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal in Mainz war. Als wir drei Tage frei hatten, waren wir in Paris und an den letzten drei freien Tagen waren wir in Antwerpen. Wir wollen uns hier ein bisschen was anschauen. Meine Eltern waren beim Spiel gegen Wolfsburg hier, von daher brauche ich auch nicht nach Hause fahren.
Petra Koch: Ist dein Vater, der auch Fußball gespielt hat, immer noch Ratgeber was den Fußball angeht?
Roman Neustädter: Nein, er sieht mich ja nicht mehr jeden Tag. Damals, als ich noch bei den Amateuren in Mainz gespielt habe schon, aber jetzt sieht er ja nur noch die Spiele. Er sagt dann auch seine Meinung dazu, aber er weiß ja auch nicht, was wir hier vorher besprechen und welche Aufgaben jeder einzelne hat. Von daher mischt er sich da nicht mehr so ein, so wie es früher der Fall war.
Petra Koch: Ist das gut, dass auch der Papa ein bisschen loslässt?
Roman Neustädter: Ja schon. Er sieht mich nicht mehr als seinen Sohn Fußballspieler, sondern als Spieler von Borussia Mönchengladbach und so kritisiert oder lobt er mich auch. Er macht es nicht mehr so, wie ich noch als Sohn bei ihm gespielt habe. Ich glaube aber auch, dass es so besser ist.
Petra Koch: Deine Freundin studiert Psychologie. Hat sie auch das richtige Händchen für dich in gewissen Situationen oder sagst du, komm mir nicht damit?
Roman Neustädter: Nein, wir kennen uns ja schon richtig lange. Ich glaube eher, das sie jetzt durch ihr Studium weiß, wann sich mich eher mal ein bisschen in Ruhe lassen muss, oder das sie halt mal sagt, wie ich mich schneller abreagieren kann.
Petra Koch: Gibt es noch Kontakt zu Fabian Bäcker?
Roman Neustädter: Ja natürlich. Ich werde ihn sicher auch bald besuchen. Er hatte bisher aufgrund seiner Verletzung wenig Zeit, aber wir werden das nachholen. Und wenn das Wetter dann hoffentlich etwas besser ist, auch zusammen grillen.
Petra Koch: Ist immer doof, wenn einer aus der Clique geht, oder?
Roman Neustädter: Ja ist schon komisch. Wir waren fast zwei Jahre immer aufeinander, sind immer zusammen essen gewesen und haben abends zusammen Playstation gespielt. Dann ist er nach der Sommerpause von jetzt auf gleich nicht mehr da. Man merkt schon, dass da einer fehlt. Er war immer ein sehr lustiger Typ und hatte immer Witze auf Lager. Es ist schade, dass er weg ist.
Petra Koch: Wie ist das mit Freundschaften aus anderen Bereichen, die nichts mit Fußball zu tun haben? Schwierig, weil die Zeiten ja auch ein wenig anders sind?
Roman Neustädter: Ja, das ist schon schwierig. Wenn wir frei haben und ich dann Freunde einlade, können die einfach nicht, weil sie entweder in die Uni gehen, oder arbeiten müssen.
Petra Koch: Jetzt kommt Kaiserslautern mit zwei Punkten im Gepäck. Letztes Jahr war dieses ein Spiel, das ihr hättet nie verlieren dürfen. Ich kann mir vorstellen, dass wird kein leichtes Spiel...
Roman Neustädter: Die Tabelle täuscht. Wir haben uns heute Kaiserslautern angeschaut und haben gesehen, dass jedes Spiel eigentlich sehr eng war. Auch gegen Bayern, wo sie laut Papier deutlich verloren haben, war es auch sehr eng und hatten auch da ihre Chancen. Wir müssen genau so gut wie gegen Wolfsburg spielen, um drei Punkte einzufahren.
Wir sind gut vorbereitet, alle sind fit, haben von der Länderspielpause keine angeschlagenen Spieler und haben jetzt noch zwei Tage Zeit, um uns vorzubereiten. Wir freuen uns jetzt auf Samstag. Wir erwarten auch wieder viele Fans und hoffen, dass die Hütte voll ist und wollen wieder Vollgas geben.
Petra Koch: Der Trainer sagt immer, wir schauen auch auf den Gegner, müssen aber unser Spiel spielen.
Roman Neustädter: Ja natürlich. Der Trainer setzt seine Philosophie durch, aber natürlich müssen wir auch auf den Gegner schauen um zu sehen, wo ihre Schwächen und Stärken liegen. Das dürfen wir nicht außer Acht lassen, um nicht überrascht zu werden. Aber natürlich wollen wir in erster Linie unser Spiel durchziehen.
Petra Koch: Roman es war schön das du hier warst. Vielen Dank und viel Erfolg für Samstag.
Roman Neustädter: Vielen Dank.






