Durch den 1:0-Sieg gegen den 1.FC Kaiserslautern hat sich Borussia Mönchengladbach vorerst in der Spitzengruppe der Fußball-Bundesliga festgesetzt. Doch ehe dieses Fakt war, kamen die Borussen in den 90 Minuten plus drei Minuten Nachspielzeit nicht nur aufgrund der Hitze gehörig ins Schwitzen. So schnauften die Protagonisten am Ende erst mal durch und zeigten sich erleichtert. Und wussten zudem den derzeitigen Tabellenplatz richtig einzuordnen.
| Thorben Marx und die Borussen hatten gegen den FCK viel Arbeit zu verrichten. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de |
»Es war gegen einen zähen Gegner ein hartes Stück Arbeit, es war ein reines Krampfspiel«, analysierte Marco Reus den Arbeitssieg. Und hatte damit sicherlich den Nagel auf den Kopf getroffen. Doch danach, dass die Borussen am Ende eine menge Arbeit zu verrichten hatten, hatte es gerade zu Beginn nicht zwingend ausgesehen.
Denn der VfL startete schwungvoll in die Partie und erarbeitete sich in den Anfangsminuten gute und vielversprechende Möglichkeiten. Es schien lediglich eine Frage der Zeit zu sein, bis sich die Gastgeber verdient in Führung bringen. Wozu allen voran Igor de Camargo und Marco Reus hätten für sorgen können.
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Doch die Borussen ließen die Möglichkeiten liegen und hatten mit den dann mitspielenden und besser organisierten Pfälzern immer mehr Schwierigkeiten, ihr Spiel aufzuziehen. »Die Lauterer haben es richtig gut gemacht, sie standen sehr kompakt«, begründete Tony Jantschke.
Dabei ließen die Borussen allen voran im Aufbauspiel Präzision und Kreativität vermissen. Demzufolge blieb FCK-Keeper Kevin Trapp im ersten Durchgang weitestgehend arbeitslos. »Wir hatten am Anfang zwei Chancen, danach war relativ viel Leerlauf im Spiel«, gab Jantschke zu.
»Wir haben uns heute nicht ganz so gut bewegt, wie wir es eigentlich hätten machen müssen, um vielleicht noch mehr Chancen zu kreieren«, legte Thorben Marx den Finger in die Wunde.
So verflachte die Partie im ersten Durchgang mit zunehmender Spieldauer. Aber auch deshalb, weil die „Roten Teufel" gegen die in der Defensive gewohnt gut organisierten und dicht gestaffelten Borussen keine Lücken fanden.
Borussia war in dem zähen Spiel zwar besser, konnte sich vor dem Tor der Gäste aber nicht mehr zwingend in Szene setzten. Lediglich ein strammer Distanzschuss von Thorben Marx nach gut einer halben Stunde sorgte noch für etwas Torgefahr.
So ging es torlos in die Kabinen. Und dort holten auch die Borussen nicht zuletzt aufgrund der hohen Temperaturen erst einmal Luft. »Die Hitze war schon brutal. Unter der Woche hattest du so ein scheiß Wetter und dann diese plötzliche Hitze, dass war schon brutal«, sagte Jantschke. »In der Halbzeit haben schon einige geschnauft, ich auch, und daher war es enorm schwer«.
Nach dem Seitenwechsel waren es zwar ebenso die Borussen, die die Initiative ergriffen, quälten sich dabei aber zu häufig durch das Zentrum, agierten beim Spielaufbau einfach zu überhastet und leisteten sich zudem unnötige Ballverluste. »Kaiserslautern war heute sehr schlecht und hat kaum etwas getan. Wir haben es aber nicht verstanden ruhig zu bleiben und vernünftig einen Spielaufbau zu gestalten. Wir wollten zu schnell nach vorne, hätten aber etwas ruhiger spielen müssen«, monierte Mike Hanke und ergänzte: »Über diese Fehler müssen wir sprechen«.
Die Borussen taten sich schwer und brachten im Vorwärtsgang nur wenig zustande. Das auch deshalb, weil Mike Hanke nicht wie gewohnt als Ballverteiler agierte - und nach 60 Minuten ausgewechselt wurde. »Ich bin nicht zufrieden mit meiner Leistung. Ich habe zu viele Fehlpässe gemacht und zu viele einfache Bälle verloren«, grummelte der Angreifer. »Darüber habe ich mich nach der Auswechslung auf der Bank richtig geärgert«.
Gerade auch die VfL-Anhänger hatten sich über das stotternde Offensivspiel geärgert, ausgepfiffen haben sie ihre Schützlinge aber nicht. »Klar, es ist doch normal, dass bei einem einfachen Ballverlust ein Raunen durchs Stadion geht«, zeigte Hanke Verständnis und fügte hinzu: »Aber die Fans standen immer wieder hinter uns und das ist auch gut so«.
Und durften zwei Minuten vor der Auswechslung des Angreifers die 1:0-Führung bejubeln. Bis dato hatte sich der VfL an den kompakten und dicht gestaffelten Pfälzern die Zähne ausgebissen, bohrte in der 58. Minute aber ein Loch in den Beton. Und zwar endlich mal mit einer schönen Kombination über die Außen.
Juan Arango hämmerte das Leder mit einem technisch hochklassigen Schuss ins kurze Eck. »Juan hat heute wieder gezeigt, welche Qualität in ihm steckt. Das Ding hat er super und mit viel Gefühl rein gemacht«, lobte Filip Daems. Den Venezolaner mit einer tollen Flanke von der rechten Seite in Szene gesetzt, hatte Tony Jantschke. »Endlich habe ich mal eine Flanke zum Mitspieler gebracht, der sie dann auch rein macht«, freute sich der Vorlagengeber.
»Es freut mich für den Tony, dass er endlich mal eine Flanke gebracht hat, die zum Tor geführt hat«, sagte Marco Reus. »Nicht alle Spielzüge die zum Tor führen, sind einstudiert. Aber dass Tony mal eine Flanke bringt, gehört dann schon dazu«.
»Das Tor war eine große Erleichterung für uns, denn in so einem Spiel musst du erst mal in Führung gehen«, sagte Thorben Marx. »Dann wird es vielleicht einen ticken einfacher. Aber es war heute schon ein hartes Stück Arbeit«.
Und beinah hätte die Führung der Borussen lediglich vier Minuten Bestand gehabt, doch Marc-André ter Stegen war auf der Hut und fischte den Fallrückzieher von Christian Tiffert mit einer Glanztat aus dem Winkel. »Marc hält diesen Fallrückzieher natürlich perfekt. Er hatte nicht so viel zu tun. Und hat es dafür überragend gemacht«, lobte Filip Daems. »Wir haben einen Marc, der im Moment in einer super Form ist«, sagte Thorben Marx.
Für endgültige Entscheidung hätte indes Raúl Bobadilla sorgen müssen. Der Argentinier, für Mike Hanke nach einer Stunde ins Spiel gekommen, setzte das Leder aus kurzer Distanz aber neben den Pfosten. »Raúl macht das sehr gut. Es ist sehr schade für ihn, dass der Ball nicht reingeht, dann wäre das Spiel gelaufen gewesen«, meinte Borussias Kapitän.
So mussten die Borussen bis zum Ende für den Sieg hart arbeiten. Und das taten sie mit vereinten Kräften und brachten den knappen Vorsprung über die Zeit. Auch eine ‚neue' Qualität der Borussen, die es gerade in der vergangenen Spielzeit wenig bis gar nicht zu beobachten gab. »Ich denke, letzte Saison hätten wir das Spiel nicht gewonnen«, meinte Marco Reus. »Da haben wir uns auch weiterentwickelt. Wir bewahren die Ruhe und spielen weiter. Wir lassen den Ball laufen und bekommen dann irgendwann auch unsere Chancen, die wir dann nutzen«.
»Ich nehme mit, dass wir auch solche Spiele gegen unangenehme Gegner gewinnen können. Das haben wir vorher fast nie geschafft und das ist eine neue Qualität von uns, die uns auszeichnet«, sagte Filip Daems. »Es war eine gute Leistung von uns. Wir haben hinten wenig bis gar nichts zugelassen, was auch wichtig war«.
»Kaiserslautern hatte wirklich ganz wenige Torchancen, denn wir haben 90 Minuten gut gestanden«, resümierte Marco Reus. »Wir können mit unserer Leistung zwar nicht ganz zufrieden sein, aber es war mit dieser Hitze auch ein schweres Spiel. Solche Spiele muss man dann auch erst mal gewinnen. Das haben wir geschafft«.
Den zweiten Heimsieg geschafft und nach fünf Spieltagen bereits zehn Punkte auf der Habenseite - womit man sich in der Spitzengruppe festgesetzt hat. »Es ist schön, nach fünf Spielen zehn Punkte zu haben. Für jeden der Borussia liebt, ist das wunderschön«, strahlte Filip Daems.
Dennoch bietet dieser Sieg noch genügend Verbesserungspotential bzw. Luft nach oben. »Wir haben jetzt zehn Punkte, worüber wir uns alle sehr freuen, aber es hat heute wieder gezeigt, dass wir noch weit davon weg sind, wie wir gegen Wolfsburg gespielt haben«, hob Marco Reus den Finger und fügte hinzu: »Aber solche Spiele hat man auch mal, daraus lernt man am meisten. Wir müssen weiter hart an uns arbeiten«.
»Klar wollen wir oben bleiben, dass ist besser als unten. Wir denken von Spiel zu Spiel, können uns aber sicher noch steigern, dass hat man heute auch wieder gesehen«, war Mike Hanke gleicher Meinung. »Spielerisch können wir es viel, viel besser. Wir müssen weniger Fehler machen. Dann kommen die Punkte von alleine«.
»Wir sind sicherlich auf einem guten Weg und haben alle nichts dagegen, wenn es so weiter geht. Wir haben genug Qualität, sind alle in einer sehr guten Verfassung und wollen den Lauf so lange wie möglich fortsetzten«, sagt Thorben Marx und weiß, dafür zwingend von Nöten sein wird: »Aber wir müssen klar im Kopf bleiben und keiner darf auch nur einen Prozent nachlassen, weil wir dann nicht mehr so erfolgreich spielen werden«.
Derzeit aber spielen die Borussen durchaus erfolgreich und bringen eben auch solche „Schweinespiele" erfolgreich nach Hause. Ein Sieg gegen einen vermeintlichen Gegner auf Augenhöhe bzw. einen Mitkonkurrenten. Eine neue und erfreuliche Qualität der Borussen. Mit der auch eine ähnliche Saison ,wie sie beispielsweise Hannover 96 im vergangenen Jahr hingelegt hat, durchaus im Bereich des Machbaren liegt.
»Wir haben bis jetzt den Schwung mitgenommen, so wie Hannover letzte Saison, das habe ich live miterlebt«, kann Mike Hanke dahingehend aus dem Nähkästchen plaudern. »Bei den Fans und dem Umfeld hier ist einfach so eine Zusammengehörigkeit und das schweißt zusammen. Alle zusammen können wir was Großes erreichen«.
Und in der kommenden Woche wartet dazu auf den VfL mit dem Auswärtsspiel beim Hamburger SV eine neue Prüfung, die es zu bestehen gilt und wo sich auch zeigen wird, wie weit die Borussen derzeit schon sind.
Nämlich ein Spiel gegen einen Gegner, der mit lediglich einem Punkt aus fünf Spielen bereits mit dem Rücken zur Wand steht. In solchen Spielen hatte der VfL in der Vergangenheit oftmals als sogenannter ‚Aufbaugegner' fungiert.
Doch aktuell präsentieren sich die Borussen gefestigt und wenn sie den Schwung mit in die Hansestadt nehmen, dort erneut alles in die Waagschale legen und hinten abermals den Laden dicht machen, dann wird zu der derzeitigen Qualität eine weitere hinzukommen...





