Mit dem durchaus verdienten 1:0-Sieg gegen den 1.FC Kaiserslautern hat Borussia Mönchengladbach bereits nach fünf Spieltagen so viele Punkte auf der Habenseite, wie nach siebzehn Spielen in der abgelaufenen Spielzeit. Und hat sich damit vorerst in der Spitzengruppe der Fußball-Bundesliga festgesetzt. Darüber freute sich auch Trainer Lucien Favre, hob jedoch erneut hervor, dass es nach wie vor noch viel zu tun und keinen Grund zum Abheben gibt.
| Hat weiterhin viel zu tun: VfL-Coach Lucien Favre. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de |
Es war eine weitere Reifeprüfung, die die Borussen gegen die „Roten Teufel" zu bewältigen hatten. Nämlich genau diese, gegen einen zumindest von der Papierform vermeintlich schwächeren Gegner zu bestehen und die Punkte einzuheimsen.
Das schafften bzw. diese Prüfung meisterten sie mit dem knappen 1:0-Sieg gegen den Tabellenvorletzten aus der Pfalz zwar, hatten dabei aber gerade im Bereich der spielerischen Komponente einiges an Sand im Getriebe.
»Es war sehr eng und sehr, sehr schwer, aber nach 90 Minuten ist der Sieg verdient«, befand Lucien Favre nachher und schien sichtlich erleichtert. Denn nicht nur die brütende Hitze hatte den Fußballlehrer ins Schwitzen gebracht.
|
Verwandte Themen: » »Klar im Kopf bleiben und nicht einen Prozent nachlassen«» Juan Arango zwingt "Rote Teufel" in die Knie |
Denn ehe er und seine Mannschaft zwar als knapper aber durchaus verdienter Sieger den Borussia-Park verlassen konnten, hatten sie bei extrem hohen Temperaturen einiges an Arbeit zu verrichten.
Und für das Unternehmen zweiter Heimsieg hatte der Schweizer zwar nicht wie von ihm im Vorfeld in Erwägung gezogen sein System, aber seine Startformation umgestellt. Roel Brouwers verteidigte trotz des wieder einsatzbereiten Martin Stranzl an der Seite von Dante, und Thorben Marx erhielt etwas überraschend den Vorzug vor Håvard Nordtveit.
»Martin Stranzl hat zehn Tage trainiert, mir haben da noch die letzten fünf Prozent gefehlt«, begründete Favre und lobte in einem Atemzug dessen Vertreter: »Roel hat bisher gut gespielt, dass muss ich ganz klar sagen«. Und auch gegen die „Roten Teufel" zeigte der Niederländer mit 100 Prozent angekommenen Pässen eine konzentrierte und gute Leistung.
»Es war so«, antwortete der 53-Jährige indes kurz und knapp auf die Frage, warum er sich bei der Besetzung der „Doppel-6" für Marx entschieden hatte. »Ich habe Vertrauen in beide Spieler und sie sind auch sehr wichtig für die Mannschaft. Heute haben die beiden gespielt und wir werden sehen, was die Zukunft bringen wird«.
»Ich habe nicht damit gerechnet, nominiert zu werden. Ich habe es erst am Samstagmorgen erfahren«, erklärte Thorben Marx und strahlte: »Es freut mich natürlich das Vertrauen von so einem super Trainer zu bekommen. Und mit dem Ergebnis denke ich, hat der Trainer dann auch alles richtig gemacht«.
Allerdings machte er seinen Schützlingen somit auch klar, dass sich keiner seiner Sache sicher sein kann und darf, sprich eine Stammplatzgarantie gibt es bei dem Schweizer nicht. »Ja, das war auch ein Signal an die Mannschaft«, so Favre. »Wir brauchen alle Spieler«.
Und seine elf Spieler, die gegen den FCK begonnen hatten, machten ihre Sache zunächst gut. Denn da erarbeiteten sich die Borussen zwei, drei gute Möglichkeiten, um früh in Führung zu gehen. »Wir haben sehr gut angefangen, die erste Viertelstunde war sehr gut«, war Favre mit dem Beginn zufrieden.
Doch mit zunehmender Spieldauer dürfte der Fußballlehrer das ein und andere Mal die Stirn gerunzelt haben denn seine Mannschaft verlor mehr und mehr den Faden. »Da haben wir zu überhastet, zu kompliziert und zu viel durchs Zentrum gespielt. Und wir haben zu früh die Lösung gesucht und den Ball zu einfach verloren«, monierte Favre. »Da war eine Mauer und wir wollten mit dem Kopf durch die Wand«.
»Wenn man unnötige Ballverluste hat, dann verlierst du langsam dein Selbstvertrauen. Dann kommt der Gegner besser ins Spiel. Wir haben bei Balleroberung zu einfach den Ball verloren. Dann passiert so etwas, weil wir auch unbedingt drei Punkte erreichen wollten«, lieferte Favre eine Begründung für den plötzlichen Einbruch des Kombinationsspiels. »Wir wissen, dass es für uns gegen jeden Gegner schwer wird. Egal, gegen wen, wir müssen da mit mehr Geduld spielen«.
Vorne mit dem Kopf durch die Wand, aber hinten präsentierten sich die Borussen wie in den vergangenen Wochen im Defensivverbund stabil sowie konzentriert und ließen gegen den besser ins Spiel kommenden FCK nichts anbrennen. »Das war sehr, sehr wichtig. Denn wenn Kaiserlautern hier in Führung geht, kann es sehr schwer für uns werden«, wusste Favre.
»Kaiserslautern konnte zwar nicht viele Torchancen kreieren, aber man muss dennoch immer aufpassen«, erklärte Borussias Trainer. »Sie haben vorne schnelle Spieler, die auch alleine etwas kreieren können. Und auch über Standartsituationen kann immer etwas passieren«.
Doch es passierte auch dahingehend nichts, weil die Truppe von Marco Kurz offensiv so gut wie gar nicht stattfand. In den zweiten Durchgang starteten die Borussen genauso schwungvoll wie zu Beginn des Spiels.
Wenngleich es bei den Bemühungen allerdings lediglich bei Halbchancen blieb, legten die Borussen nun die Brechstange beiseite und marschierten nicht mehr überwiegend durch die Mitte. »In der zweiten Halbzeit wurde unser Spiel wieder besser. Da haben wir mit mehr Geduld, mit mehr Tempo und mehr über die Seiten gespielt«, so Favre.
Und eben genau mit einem solchen Spielzug über die Außen brachte sich der VfL in Front. »Eine gute Flanke und ein super Tor«, lobte Favre den Vorlagengeber Tony Jantschke und Torschütze Juan Arango. »Und das 1:0 war dann auch verdient«
Die einzige dicke Möglichkeit der Gäste machte dann Marc-André ter Stegen mit einer ganz starken Parade zunichte, in dem er einen Fallrückzieher von Tiffert aus dem Winkel fischte. »Er hat vorher nicht viel zu tun gehabt und dann hat er sehr gut reagiert, das war sehr wichtig«, lobte Favre seinen Torwart.
Letzte Zweifel über einen Sieg der Borussen hätte Raúl Bobadilla ausräumen können, doch der Argentinier vergab freistehend vor FCK-Torhüter Trapp. »Wichtig war, dass er diese Chance alleine kreiert hat, leider hat er sie nicht genutzt. Das nächste Mal wird er treffen«, sprach Favre seinem Stürmer Mut zu und war unter dem Strich mit ihm nicht unzufrieden: »Raúl hat ein gutes Spiel gemacht, sein Einsatz war sehr gut und er hat die Bälle sehr gut gehalten. Daher war es sehr positiv, was er gemacht hat«.
So gingen die Borussen am Ende als knapper aber unter dem Strich verdienter 1:0-Sieger vom Platz und durften mit zehn Punkten auf der Habenseite den besten Saisonstart nach 16 Jahren feiern. Und gegen den FCK stellten die Borussen mit 22 Torschüssen in einem Spiel auch einen neuen Saisonrekord auf.
Somit grüßt der VfL nach Abschluss des fünften Spieltags von Platz 3 drei Fußball-Bundesliga. Für Lucien Favre dennoch alles andere als ein Grund, um in überschwängliche Jubelarien auszubrechen. »Wir wollten heute unbedingt drei Punkte erreichen, was nach der Niederlage gegen Schalke für den Kopf sehr wichtig war, das haben wir geschafft. Jetzt haben wir zehn Punkte, mehr nicht«, freute sich Favre und trat gleich auf die Bremse.
Und hatte dabei eben auch noch die abgelaufenen 93 Minuten vor Augen. »Das war heute nicht einfach sondern sehr, sehr schwer«, analysierte Favre und weiß, wo er in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten noch den Hebel ansetzten muss: »Wir haben noch enorm viel zu tun. Wir müssen jetzt weiter sehr hart an uns arbeiten und uns bei der Ballannahme, den Pässen in den Lauf und in der Bewegung verbessern«.
»Und noch mal: Wir haben zehn Punkte. Damit ich bin sehr zufrieden, aber ich bestätige auch noch mal, dass es eine extrem schwierige Saison wird«, wird der Schweizer mit seiner Prognose nicht müde. »Die Tabelle sagt zwar aus, dass wir mit oben stehen, aber wenn du nur einmal verlierst, bist du schon wieder auf Platz Zehn oder Zwölf. Wir müssen weiter hart kämpfen«.
Bisher jedenfalls, halten sich die Borussen an diese Vorgabe ihres Trainers. Und machen sie das weiter und verbessern sich zudem noch, dann kann man in dieser Spielzeit vieles - zittern gehört dann aber nicht dazu...





