Auch vom Hamburger SV war die derzeit gut aufgelegte Gladbacher Borussia nicht zu stoppen. Dank des Treffers von Igor de Camargo siegte der VfL gerade aufgrund einer Leistungssteigerung im zweiten Durchgang beim kriselnden Bundesliga-Dino am Ende hochverdient mit 1:0 und setzt somit den Höhenflug fort. Dementsprechend schaute man auch einen Tag danach in zufriedene Gesichter der Protagonisten.
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| Marco Reus und der VfL ließ sich vom HSV kein Bein stellen. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de |
Doch danach, dass nach dem Spiel beim HSV unter dem Strich der vierte Saisonsieg zu Buche steht, hatte es gerade im ersten Durchgang zunächst alles andere als ausgesehen.
Die Borussen standen zwar gewohnt sicher und waren gut organisiert, zeigten sich jedoch im Offensivspiel wenig präsent. »Wir haben uns wenig zugetraut und nicht gut gespielt«, monierte Marco Reus und nahm sich dabei auch nicht aus: »Auch ich war nicht richtig in der Partie«.
Und mit seiner Einschätzung hatte der Nationalspieler, der in die Rolle des verletzten Mike Hanke geschlüpft war, durchaus recht. Denn bis auf einen geblockten Schuss von Juan Arango und einen Distanzschuss von Marco Reus, konnten die Statistiker im ersten Durchgang keine weiteren Möglichkeiten für den VfL notieren.
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Das aber auch, weil der HSV im Zentrum die Räume dicht gemacht hatte. »Hamburg hat im Mittelfeld mit drei 6ern gespielt und da war es schwierig, durch die Mitte zu kommen«, erklärte und befand Marco Reus.
So konnte HSV-Schlussmann Jaroslav Drobný überwiegend ruhige erste 45 Minuten verbringen. Doch das konnte Marc-André ter Stegen auf der anderen Seite auch, denn der HSV hatte bis zum Pausenpfiff nicht eine Gelegenheit.
Das aber auch ,weil der VfL im Defensivverbund eben abermals nichts anbrennen ließ. »Ich hatte generell schon wenig zu tun, aber es zeichnet uns im Moment ja aus, dass wir hinten wenig zulassen«, sagte Borussias Nummer eins, die aufgrund des Trainingsunfalls mit einer Mundschiene spielte.
Irgendwie beeinträchtigt hat ihn diese aber nicht. »Nein, behindert hat sie mich bei meinem Spiel nicht und es hindert mich auch nicht daran, die Null zu halten und ich hatte auch keine Angst, in die Zweikämpfe reinzugehen«, meinte der 19-Jährige. »Das wäre auch fatal für mich und nicht gut für die Mannschaft, wenn sie spüren würde, dass sie keinen sicheren Rückhalt hat. Ich habe es so versucht, wie ich es konnte. Das hat alles ganz gut geklappt«.
Und weil unter dem Strich auf beiden Seiten im ersten Durchgang offensiv wenig geklappt hat, ging es torlos in die Kabinen. »Wie wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, das war nicht das, was wir uns vorgenommen hatten«, unterstich Thorben Marx, der erneut den Vorzug vor Håvard Nordtveit bekommen hatte.
Dementsprechend hatten die Borussen beim Pausentee die Defizite des ersten Durchgangs aufgearbeitet. »In der Pause hat der Trainer dann ruhig und sachlich angesprochen, was wir falsch gemacht haben«, erklärte Marx, der im ersten Durchgang gleich mehrere Schläge auf die Wade bekommen hatte und aufgrund dessen nach 66 Minuten den Platz verließ. »Der Trainer hat in der Halbzeit dann auch gesagt, dass wir uns aufgrund der guten letzen Spiele nicht zu verstecken brauchen«, verriet Reus einen Teil der Halbzeitanalyse.
Und die Borussen hatten sich die Kabinenansprache ihres Trainers zu Herzen genommen, denn mit Beginn der zweiten Halbzeit nahmen sie das Heft in die Hand und setzten Nadelstiche. »Wir sind aus der Kabine gekommen, haben viel besser gespielt und Torchancen kreiert. Da haben wir mehr Druck gemacht«, so Reus. »In der zweiten Halbzeit haben wir das viel besser hinbekommen, dann lief das Spiel natürlich auch besser«, meinte Marx.
Tatsächlich waren die Borussen nun besser, Herr im Haus und erspielten sich kurz nach Wiederanpfiff in den Personen Igor de Camargo, Juan Arango und Roel Brouwers drei gute Möglichkeiten, wären jedoch beinah in Rückstand geraten, wenn Schiedsrichter Sippel ein mögliches Handspiel von Filip Daems geahndet hätte.
Doch zum Glück der Borussen blieb die Pfeife stumm. »Ich habe mir die Szene noch nicht angeschaut. Ich meine, dass ich den Ball aus kurzer Distanz gegen die Hand und den Ellenbogen bekommen habe«, versuchte sich der Kapitän an die Szene zu erinnern. »Manche pfeifen sowas, manche nicht. Vielleicht war auch ein wenig Glück dabei«.
Glück war dann in der 66. Minute nicht von Nöten, als Igor de Camargo den Sieg ebnete. Juan Arango hatte einen Freistoß von der rechten Seite präzise in den Strafraum geschlagen, wo der belgische Nationalspieler zur Stelle war und gekonnt zum 1:0 eingeköpft hatte. »Das war eine super Vorbereitung von Juan Arango, und ich habe beim Kopfball ein gutes Timing gehabt«, freute sich der Torschütze.
»Igor ist ein wichtiger Spieler für uns. Er hat eine lange Leidenszeit hinter sich und es freut mich sehr für ihn, dass er getroffen hat«, sagte Reus und stellte zudem fest: »Die Führung war verdient«.
In der Folgezeit spielte die Führung den Borussen natürlich in die Karten. »Wir haben in einem sehr guten Moment ein Tor geschossen, meinte de Camargo«. Während der HSV rein gar nichts mehr zustande brachte, so versuchte der VfL nachzulegen.
Und bei den Gelegenheiten, die Führung auszubauen, war auch Raúl Bobadilla beteiligt. Der Argentinier betrat unmittelbar vor dem Führungstreffer für Startelfdebütant Patrick Herrmann das Spielfeld. »Wenn ich reinkomme muss ich alles geben und dem Trainer zeigen, dass ich immer und von Beginn an spielen will. Ich hatte ein gutes Gefühl auf dem Platz«, war der Stürmer mit seiner Vorstellung zufrieden.
Zufrieden konnten dann am Ende auch die Borussen sein, denn wenngleich der Sieg am Ende knapp ausfiel, so war er in einer eher mäßigen Partie gerade aufgrund der zweiten Halbzeit unter dem Strich mehr als verdient. »Die Mannschaft hat sehr gut gearbeitet. Wir haben nicht viel zugelassen und verdient gewonnen«, befand Igor de Camargo.
Somit stehen nach sechs Spieltagen bereits dreizehn Punkte auf der Habenseite, womit der VfL weiter in der Spitzengruppe der Fußball-Bundesliga vertreten bleibt. Der Höhenflug geht also erfreulicherweise weiter.
Dennoch wissen die Protagonisten diesen richtig einzuordnen. »Es sind erst sechs Spiele gespielt. Wenn einer vor der Saison gesagt hätte, dass wir 13 Punkte nach 6 Spieltagen haben, dann hätte uns das keiner geglaubt«, freut sich Reus über den guten Saisonstart. »Aber wir haben gesagt, dass wir von Spiel zu Spiel schauen wollen, und dann kommt so etwas dabei raus«.
»Wir sind erst sechs Spieltage weit, aber natürlich haben wir uns diesen Start zusammen erarbeitet und es gut gemacht«, freut sich Filip Daems und nennt somit richtigerweise gerade die mannschaftliche Geschlossenheit und auch die Kompaktheit als zwei wesentliche Schlüssel des derzeitigen Erfolgs. »Aber wir dürfen nicht nachlassen«, mahnt der Kapitän und hat bereits die kommende Aufgabe im Kopf: »Auch gegen Nürnberg wird es schwer«.
Von Spiel zu Spiel denken und jedes positiv gestalten bzw. jedes im besten Fall gewinnen - mit diesem Motto ist es dann durchaus im Bereich des Möglichen, das die „Fohlen" so schnell nicht lahmen. »Es ist alles möglich, aber wir müssen auf dem Boden bleiben«, mahnt Raúl Bobadilla und gibt die Parole aus: »Wir müssen weiter hart arbeiten, Punkte holen und versuchen, so lange wie möglich oben zu bleiben«.
Und damit die Borussen weiterhin oben dabei bleiben, gilt es am nächsten Wochenende im Borussia-Park gegen den 1.FC Nürnberg zu bestehen. »Wir müssen diese Woche hart arbeiten und dann gut vorbereitet in das Spiel gegen Nürnberg gehen«, so Bobadilla. »Da müssen wir wieder als Mannschaft geschlossen sowie kompakt auftreten und zusammen viel arbeiten, das ist wichtig«.






