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Favre: »Wir müssen nicht übertreiben«

Borussias Trainer warnt weiter vor zu hohen Erwartungen

Dass Borussia Mönchengladbach in der Fußball-Bundesliga auch mal ein Spiel verlieren wird, dürfte nicht ‚nur' jedem Borussen-Anhänger klar sein. Doch zweifelsohne war die knappe 0:1-Niederlage beim SC Freiburg eine unnötige. Und das auch gerade deshalb, weil die Borussen allen voran im zweiten Durchgang einige gute Tormöglichkeiten auf der Strecke ließen.

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Nach wie vor kein Grund abzuheben: Lucien Favre mahnt weiter. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de

»Klar, diese Niederlage war unnötig. Wir hätten einen Punkt und vielleicht auch mehr erreichen können«, brachte es Lucien Favre auf den Punkt. »Wir sind enttäuscht, aber wir können es nicht mehr ändern«.

Zeit, dies zu ändern, hatte seine Mannschaft indes in 92 Minuten im Badenova-Stadion genug. Und die Borussen wehrten sich auch gegen die drohende Niederlage, versäumten es aber abermals, aus den zahlreichen vielversprechenden Tormöglichkeiten Kapital zu schlagen.

Gerade im ersten Durchgang hatte der VfL gegen die präsenten Freiburger ihre Mühen und kam nur schwer in die Gänge. »In der ersten Halbzeit waren wir viel zu passiv und haben mit viel zu wenig Tempo gespielt«, monierte Favre.

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Oftmals agierten seine Schützlinge zu überhastet und verloren demzufolge im Vorwärtsgang zu schnell den Ball. »Wir müssen unsere Torchancen besser und mit mehr Geduld vorbereiten«, sagte Favre. »Und im richtigen Moment beschleunigen und den letzten Pass besser spielen«.

Gerade in der Anfangsviertelstunde zeigten sich die Borussen im sonst so starken Defensivverbund verunsichert und verloren zunehmend die Linie. Und hatten nach 19 Minuten den Rückstand zu verdauen. Thorben Marx fälschte den Schuss von Johannes Flum derart unglücklich ab, sodass Marc-André ter Stegen nahezu keine Abwehrmöglichkeit hatte.

Doch diese hätte es für Borussias Schlussmann durchaus geben können, wenn Freiburgs Stürmer Cédric Makiadi nicht im passiven Abseits gestanden und dem 19-Jährigen so eindeutig die Sicht versperrt hätte. Ein Treffer also, der so nicht seine Anerkennung hätte finden dürfen. »Das Tor hätte nicht zählen dürfen, denn Makiadi stand im Abseits«, war auch Favre einen Tag später der Meinung. »Auf der Bank habe ich das nicht gesehen, aber nachher anhand der Fernsehbilder«.

Eine ebenso durchaus strittige und diskutierbare Entscheidung, wie die Szene in der 10. Minute. Tony Jantschke nämlich, wurde bei seinem Flankenversuch im Fünfmeterraum von Papiss Demba Cissé derart zu Fall gebracht, dass ein Elfmeterpfiff durchaus angebracht gewesen wäre.

Alles andere als angebracht war auf der anderen Seite die gelbe Karte für Raúl Bobadilla in den Schlussminuten. Der Argentinier soll den Freiburger Pavel Krmaš zu Fall gebracht haben. Doch es war eher umgekehrt und da der Tscheche bereits verwarnt war, hätte er hier früher duschen gehen müssen.

»Es gab zwei, drei komische Entscheidungen, muss ich sagen«, haderte Favre ein wenig mit dem Schiedsrichter, ließ die strittigen Entscheidungen aber nicht als Ausreden gelten. »Das ist trotzdem keine Entschuldigung«.

Verständlich, denn schließlich hatte seine Mannschaft genügend Gelegenheiten, um zum Torerfolg zu gelangen. Was gerade im zweiten Durchgang der Fall war, denn hier zeigten sich die Borussen deutlich präsenter. »Die zweite Halbzeit war besser«, sagte Favre. »Da haben wir ordentlich und viel nach vorne gespielt. Torchancen waren da, aber leider haben wir das 1:1 nicht gemacht«.

Welches gerade auch Igor de Camargo und Marco Reus auf dem Fuß hatten. »Marco ist immer extrem gefährlich. Er provoziert und kreiert viele Torchancen. Was er macht, ist schon enorm viel für uns. Manchmal ist sein Weg von rechts aber zu lang«, lobte Favre den Nationalspieler und überlegt wohl auch, die 'Rakete' gänzlich nach vorne zu beordern. »Aber er braucht noch ein wenig Zeit und hat noch zu lernen. Für mich ist sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft«.

Nicht gut ausgeschöpft haben die Borussen im Breisgau indes zum wiederholten Male ihre Tormöglichkeiten. »Klar wäre es besser, ein wenig mehr Chancen zu verwerten«, weiß Borussias Trainer. »Aber wichtig ist, dass sie da sind. Und das ist schon gut«.

Aber die Chancenverwertung war eben nicht gut genug, um an diesem Tag mit einem positiven Ergebnis die Heimreise anzutreten. So stand am Ende die zweite Saisonniederlage zu Buche.

»Wir haben zwar nicht schlecht, aber auch nicht optimal gespielt. Wir hatten einige Möglichkeiten, aber die Aktionen waren für mich zu wenig spielerisch vorbereitet«, resümierte Favre und befand: »Aber trotzdem muss ich sagen, dass Freiburg ein wenig Glück gehabt hat«.

Auch das Glück des Tüchtigen eben, was den Borussen an diesem Tag gefehlt hat. Der Höhenflug des VfL wurde im Breisgau also erst einmal gestoppt. Und für die Borussen, die nun in die zweiwöchige Länderspielpause gehen, gibt es noch einiges an Arbeit. »Wir haben noch viel zu tun«, weiß Favre.

Das betrifft gerade die Chancenverwertung, die sicherlich besser werden muss, um gegen die kommenden Gegner, die da Leverkusen, Hoffenheim, Hannover, Hertha und Bremen heißen, bestehen und positive Ergebnisse erzielen zu können. »Jetzt kommen andere Kaliber«, warnt Favre. »Wir respektieren jeden Gegner. Aber es wird schwer gegen sie, weil sie besser sind als unsere bisherigen Gegner - ich spreche da nicht von Bayern«.

Da wird sich dann mehr und mehr zeigen, wohin es für den VfL in dieser Spielzeit geht. Eine Spitzenmannschaft, wie es auch Freiburgs-Trainer Marcus Sorg nach dem Spiel sagte, oder gegen den Abstieg? »Ich sage nicht, dass es gegen den Abstieg geht sondern seit langem, das es eine schwere Saison wird«, so Favre, der weiter vor zu hohen Erwartungen warnt: »Wir haben gegen Freiburg gespielt, die vorher vier Punkte hatten, und haben verloren. Punkt. Wir müssen nicht übertreiben«.

»Wir spielen mit genau der gleichen Mannschaft, die gegen Bochum gespielt und mit Mühe den Klassenerhalt geschafft hat. Das heißt, dass nicht in ein paar Wochen oder Monaten plötzlich ein weiteres Wunder passieren kann«, ordnet Favre den derzeitigen guten dritten Tabellenplatz realistisch ein«. »Der Klassenerhalt war gut, aber wir können nicht in ein paar Wochen und Monaten mit der gleichen Mannschaft plötzlich jetzt einfach so weiterspielen. Das ist total unmöglich«.

»Wir haben diese 16 Punkte, die gut sind, verdient geholt. Wir hätten sowohl weniger, aber vielleicht auch mehr holen können«, so Favre. »Aber wir dürfen nicht vergessen, dass es für uns schwer und manchmal hart war. Das heißt, dass wir nicht nur die 16 Punkte betrachten dürfen, sondern auch jedes Spiel für sich analysieren müssen...«.

Das werden die Borussen nun in den kommenden vierzehn Tagen in Abwesenheit der Nationalspieler wohl auch tun, durchschnaufen sowie die Kräfte bündeln und zudem weiter am Torabschluss arbeiten. Denn für ein spitzenteam fehlt dem VfL derzeit noch einiges. Dann darf man gespannt sein, wie der VfL nach der Pause im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen aus den Startlöchern kommt.


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