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HomeFohlenelfNews & Hintergründe»Gutes Spiel, nur die Tore haben gefehlt«

»Gutes Spiel, nur die Tore haben gefehlt«

Borussen ärgern sich über die vergebenen Chancen, die den Sieg kosteten

Es war am 25. Februar 1989, als Borussia Mönchengladbach letztmalig ein Heimspiel gegen Bayer Leverkusen gewinnen konnte. Damals hatte man am altehrwürdigen Bökelberg mit 2:0 das bessere Ende für sich. 22 Jahre später war man nah dran am durchaus dann verdienten Sieg, doch in Überzahl fehlten drei Minuten, um diesem Fluch ein Ende zu setzten. Dementsprechend leicht enttäuscht zeigten sich die Protagonisten nach dem Schlusspfiff.

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Patrick Herrmann auf dem Weg zum 2:1-Führungstreffer. Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de

Es war eine bezeichnende Szene, die sich in der zweiten Minute der Nachspielzeit abspielte. Abermals scheiterte der Torschütze zum 1:1-Ausgleich, Marco Reus aus kurzer Distanz am stark parierenden Bayer-Schlussmann Bernd Leno.

Aus fünf Metern zimmerte der Nationalspieler auf die VFB-Leihgabe ein, doch diese vereitelte erneut mit einem starken Reflex und hielt so den einen wohl mehr als glücklichen Punkt für die Werkself fest.

»Was soll ich machen«, zuckte Marco Reus nach dem Spiel verzweifelt mit den Schultern und war sich durchaus bewusst: »Ich hätte heute zwei oder drei Dinger machen müssen«.

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»Aber so ist das im Fußball. Ich muss weiter hart arbeiten, damit ich in den nächsten Spielen vielleicht mal doppelt treffe«, lässt die starke Rakete dennoch richtigerweise den Kopf nicht hängen.

Den Kopf ließen die Borussen allerdings nach dem Schlusspfiff kurzzeitig hängen. Und das nicht zu Unrecht, denn zuvor hatten sie den amtierenden Vizemeister 60 Minuten spielerisch dominiert, Chance um Chance kreiert und am Rande einer Niederlage. Wonach es nach zwanzig Minuten zunächst nicht ausgesehen hatte. »Die ersten 25 Minuten war Leverkusen ganz gut«, stellte Martin Stranzl fest. Da nämlich gingen die Gäste nach einem Eckball durch Stefan Reinartz in Führung.

Der Rückstand war so etwas wie ein Weckruf für die Borussen, die nun richtig Fahrt aufnahmen und auf den Ausgleich drängten. »Dann haben wir besser ins Spiel gefunden und viele Möglichkeiten erspielt«, sagte Stranzl. »Ich denke, auch in der Zeit als wir zurücklagen, haben wir super Fußball gespielt«, befand der starke Patrick Herrmann. »Wir hatten auch weiterhin unsere Chancen und ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass uns der Gegner überlegen war«.

Drückend überlegen war indes der VfL, der durchaus mit einem Remis in die Kabine hätte gehen können, doch sowohl Mike Hanke als auch Marco Reus ließen beste Möglichkeiten liegen. Nach dem Seitenwechsel knüpften die „Fohlen" an der starken Schlussoffensive zum Ende der ersten Halbzeit an und setzten die Bayer-Elf weiter gehörig unter Druck.

»Wir wissen um unsere Qualitäten Leverkusen zu dominieren. Wir haben die Räume sehr eng gemacht und immer früh gestört, dass haben wir sehr gut gemacht. Wir haben Leverkusen nicht ins Spiel kommen lassen und auch unsere Qualität durchgesetzt«, sagte der starke Ballverteiler Mike Hanke. »Nach vorne hatten wir kaum Fehlpässe und haben die Bälle sehr gut gehalten. So kamen wir immer wieder zu guten Möglichkeiten«.

Und münzten in Minute 65 einer dieser zahlreichen in den verdienten Ausgleich um, für den Marco Reus sorgte. Drei Minuten später flog Gonzalo Castro nach Beleidigung des Linienrichters mit glatt Rot vom Platz.

Die Borussen nutzten die numerische Überzahl und brachten sich nach einem schönen Steilpass von Juan Arango in Person von Patrick Herrmann in Führung. »Wenn ich ehrlich sein will, dann wollte ich den Ball erst an Leno vorbei schieben, aber er hat es sehr gut gemacht und hat die Ecke gut verkürzt. Da blieb mir nur noch die Chance zu lupfen, was dann am Ende ja gut geklappt hat«, ließ der Torschütze, der für den verletzten Igor de Camargo in die erste Elf rückte, sein erstes Saisontor Revue passieren.

»Wir haben uns mit Patrick Herrmann schon vor dem Spiel unterhalten und haben ihm gesagt, dass er sich was zutrauen soll. Er ist gut drauf, dass hat er auch schon im Training gezeigt. Ich glaube, er hat ein gutes Spiel gemacht«, lobte Martin Stranzl den Torschützen. »Seine Schnelligkeit gibt ihm gute Voraussetzungen«.

Wenige Minuten später war der Arbeitstag des starken 20-Jährigen, der so eine erfolgreiche Woche gekrönt hatte, zur Verwunderung beendet. »Es war mehr oder weniger abgesprochen, dass ich früher das Spielfeld verlasse«, erklärte Herrmann und begründete: »In den letzten Wochen habe ich ein bisschen muskuläre Probleme. Ich weiß auch nicht woran das liegt, ich nehme schon viel Magnesium«.

So sah der Youngster von der Bank aus, wie seine Mannschaftskollegen die Werkself weiter bearbeitete und mit Sturmläufen unter Druck setzte. Gut und gerne hätten die Borussen den Vorsprung auf dann wohl beruhigende zwei Tore ausbauen können, doch abermals ließ an diesem Nachmittag die Chancenverwertung zu wünschen übrig. »Wir haben auch nach der roten Karte gut gespielt, aber es verpasst, das dritte Tor zu machen. Dann wäre der Sack zu gewesen«, brachte es Mike Hanke auf den Punkt.

»Wir hatten sehr viele Chancen und haben gut kombiniert, aber vielleicht hat im Abschluss die letzte Konsequenz gefehlt, um die Tore zu machen«, sagte Patrick Herrrmann.

»Das Positive daran ist, dass wir viele Chancen kreieren. Aber natürlich müssen wir an der Chancenverwertung noch ein bisschen was machen. Marco hat heute endlich mal wieder sein Tor gemacht, aber wir dürfen nicht immer die Chancen so vergeben«, legte Filip Daems den Finger in die Wunde. »In der Zukunft müssen wir da einfach mehr draus machen«.

So kam es, wie es im Fußball manchmal kommen muss. Während sich die Borussen in den letzten Minuten bemühten, den knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen, so kamen die bis dato offensiv gar nicht zwingend in Erscheinung getretenen Gäste Dank einer schönen Einzelleistung von André Schürrle zum glücklichen und mehr als schmeichelhaften Ausgleich. »Wir sind in Überzahl und bekommen so ein blödes Gegentor, wo wir einfach gepennt haben«, ärgerte sich Marco Reus. »Das darf uns einfach nicht mehr passieren«.

»Schürrle macht es kurz vor Schluss richtig gut. Und wenn man so einen Schuss abliefert, dann kann man da nichts machen«, meinte Filip Daems. »Es ist wegen den drei Punkten natürlich schade, aber wir können nichts daran machen«.

Am Ende blieb den Borussen die Erkenntnis, ein starkes Fußballspiel abgeliefert und zwei Punkte auf der Strecke gelassen zu haben. »Die Freude ist sehr getrübt«, zeigte sich auch Herrmann enttäuscht. »Wenn man ein gutes Spiel macht und dann am Ende nur ein Punkt dabei raus springt, dann ist das sehr ärgerlich«.

»Die Enttäuschung in der Kabine war groß, ich denke das ist normal. Wir haben ein gutes Spiel abgeliefert, nur die Tore haben gefehlt«, gab Filip Daems einen Einblick in die Gefühlslage nach dem Schlusspfiff und brachte es anschließend auf den Punkt: »Wenn man die Chancen sieht, dann hätten wir das Spiel eigentlich mit vier oder fünf Toren gewinnen müssen«.

Somit dürfte abermals einer der schwerpunktmäßigen Trainingsinhalte für die kommende Woche feststehen - das Torschusstraining. »Ich denke, dass wir nächste Woche wieder intensiv Torschussarbeit machen werden Das haben wir in den letzten beiden Wochen auch gemacht, auch wenn es nicht so viel gebracht hat«, vermutete Mike Hanke.

»Ok, es waren zwei Tore, aber es hätten vier oder fünf sein müssen. Von daher arbeiten wir weiter daran. Wir können uns immer weiter entwickeln und haben uns auch heute weiter entwickelt«, so der Angreifer weiter. »Man hat gesehen, dass wir immer besser zusammen harmonieren. Letztendlich fehlt nur noch das letzte Quäntchen und das sind die Tore«.

»Ich glaube vom Spielerischen her, war es in Ordnung. Wir haben heute wieder etwas dazu gelernt, nämlich in Überzahl nicht zu passiv zu spielen und das sollte uns in Zukunft nicht mehr passieren«, resümierte Martin Stranzl. »Natürlich ärgert man sich, dass man die Chancen nicht so nutzt. Ich glaube das ist es, was uns noch so ein bisschen fehlt. Aber das wird kommen, davon bin ich überzeugt«.

Unter dem Strich dürfen die Borussen aber durchaus auf einem hohen Niveau ‚klagen'. Denn wer hätte gedacht, dass man den Vizemeister derart dominiert und nahezu an die Wand spielt?

So werden die Borussen das Positive überwiegten lassen und in der Vorbereitung auf die kommende Aufgabe bei der TSG 1899 Hoffenheim an den Defiziten arbeiten und den Blick nach vorne richten. »Letztendlich ist es sehr enttäuschend aber ich denke, dass wir in den nächsten Tagen nur über das Positive sprechen sollten und da gibt es viel zu reden«, befand Mike Hanke.

Und das ohne Zweifel, denn schließlich rangiert man nach wie vor in der Spitzengruppe der Fußball-Bundesliga. »Wir sind immer noch oben in der Tabelle und ich glaube jeder der heute Abend auf die Tabelle schaut, kann noch ein bisschen lächeln«, so Mike Hanke. Und dürfen dann hoffentlich sowohl im Training als auch in den nächsten Spielen über eine bessere Chancenverwertung lächeln ...


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