Keine Frage. Auch Borussias Trainer Lucien Favre zeigte sich nach dem 2:2-Unentschieden seiner Mannschaft gegen Bayer Leverkusen ein stück weit enttäuscht, doch unter dem Strich ließ der Schweizerrichtigerweise das Positive überwiegen und hob zudem erneut hervor, wo Borussia Mönchengladbach noch vor Monaten stand.
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| Lucien Favre bleibt weiter Realist. Foto: Andreas Plum, Fohlen-Hautnah.de |
»Das ist schon gut, finde ich«, stimmte Lucien Favre einem Journalisten zu, der die enttäuschte Stimmung der Borussen ob des Unentschieden und trotz dem zweiten Tabellenplatzes im positiven Sinne als »nicht zu fassen« befand.
»Wir waren schon nach Freiburg sehr, sehr enttäuscht. Heute sind wir ebenso enttäuscht, weil wir dieses Spiel hätten klar gewinnen können«, resümierte Favre.
Dennoch sah der Schweizer zu Recht keinen Anlass, mit seinen Schützlingen allzu hart ins Gericht zu gehen. »Wir haben keinen Grund, sauer zu sein und müssen die positiven Dinge sehen«, sagte Favre.
»Wir haben gut und mit Tempo gespielt und waren auch in der ersten Halbzeit mit Elf gegen Elf besser als Leverkusen«, begründete der Fußballlehrer.
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Womit der 53-Jährige bedingt Recht hatte. Denn seine Mannschaft brauchte eine gute halbe Stunde, bis sie so richtig loslegte und sich mit Tempofußball Chance um Chance erarbeitete. Und das mit einem knappen, aber nicht gänzlich unverdienten 0:1-Rückstand im Nacken, für den Reinartz nach einem Eckball gesorgt hatte.
Ein Gegentreffer, der durchaus zu verhindern gewesen wäre. »Wir wussten, dass sie gut bei Standards sowie bei Ecken sind und haben uns auch darauf vorbereitet«, sagte Favre. »Aber manchmal sind es eben Details und wir mussten viel umstellen, weil uns auch ein kopfballstarker Spieler, wie Igor de Camargo fehlte«.
Doch was den Borussen nicht fehlte war, dass sie auch nach dem Rückstand alles andere als nervös zu Werke gingen. »Es war schwer für uns, dennoch haben wir nach dem überraschenden 0:1 in Ruhe weiter gespielt und klare Torchancen kreiert«, befand Favre. »Das ist sehr, sehr positiv für mich und für die Mannschaft«.
Gut gespielt und gerade in der Schlussviertelstunde des ersten Durchgangs durchaus viele Chancen kreiert, aber eben keine dieser in einen Torerfolg umgemünzt. »In der Halbzeitpause haben wir gesagt, genau so weiter und noch schneller nach vorne spielen«, verriet Favre einen Teil seiner Halbzeitansprache.
Seine Mannschaft hielt sich dran, denn sie hörte da auf, wo sie in den ersten 45 Minuten aufgehört hatte. Der VfL produzierte weiter Möglichkeiten, vergab sie allerdings auch. Bis zur 65. Minute, wo Marco Reus endlich den verdienten Ausgleich erzielte. »Wir hatten viele klare Torchancen. Ich bin froh, dass Marco sein Tor gemacht«, viel auch Favre erleichtert.
Und während Castro wenige Minuten später mit Rot vom Platz flog, so nutzten die „Fohlen" die Überzahl und brachten sich durch einen wunderbaren Treffer von Patrick Herrmann in Front. »Vor dem Tor ist Patrick sehr gut. Man sieht das regelmäßig im Training. Er ist schnell und macht die Tore«, lobte Favre den 20-Jährigen.
Weitere Tore hätten die Borussen auch nach der verdienten Führung erzielen können, doch entweder agierte man zu hektisch, oder die Möglichkeiten wurden zu leichtfertig vergeben. »Wir waren mit einem Mann mehr nicht konzentriert genug und haben zu überhastet nach vorne gespielt, anstatt den Ball zirkulieren zu lassen und den richtigen Moment abzuwarten, um eine klare Torchancen zu kreieren«, sieht Favre noch genügend Verbesserungspotenzial. »Anstatt die klare Torchance zu kreieren, wollten wir zu schnell nach vorne spielen«.
Die Borussen hatten die Bayer-Elf weitestgehend im Griff und ließen defensiv wie gewohnt gut geordnet auch nahezu nichts zu, passten jedoch drei Minuten vor dem Abpfiff einen Moment nicht auf und mussten so den Ausgleich durch Schürrle hinnehmen. »Gegen solche Leute muss man zu 100 Prozent verteidigen«, gab Favre zu. »Aber das ist Fußball. Wir müssen das einfach mal akzeptieren. Wir können nicht das ganze Spiel beherrschen und werden auch immer Fehler machen«.
Und damit diese nach Möglichkeit und im besten Fall gen Null tendieren, wird Lucien Favre mit seinen Mannen in der täglichen Trainingsarbeit weiter akribisch arbeiten. Gerade auch was das Verwerten von Torchancen betrifft. »Wir müssen weiter den Torabschluss trainieren - das ist die einzige Lösung«, sagt Favre. »Aber wir haben endlich mal mehr als ein Tor gemacht«, freute sich der Fußballlehrer.
Unter dem Strich stand ein Remis gegen den amtierenden Vizemeister, womit man weiter auf dem zweiten Tabellenplatz rangiert. »Wir dürfen nicht übertreiben und müssen sehen, wo wir herkommen und wo wir vor wenigen Monaten noch standen«, wird Favre nicht müde zu erwähnen, dass eben auch genau die Mannschaft auf dem Platz steht, die in der Relegation gegen Bochum den Klassenerhalt geschafft hat.
»Wir sind ballsicherer geworden, bleiben ruhig und spielen mit Tempo. Ob es möglich ist, besser zu spielen, ist die große Frage«, sieht Favre seine Mannschaft nach wie vor am Limit.
»Wir haben für mich bis jetzt ziemlich gute Leistungen gebracht«, zieht Favre ein positives Fazit der ersten neun Spieltage und ergänzte: »Wir müssen weiter so machen. Jetzt kommt Hoffenheim. Das wird schwer genug, denn sie haben 2:0 in Stuttgart verloren. Aber noch einmal: Wir müssen die positiv denken und die positiven Dinge sehen. Wir haben 17 Punkte, das ist gut. Und wir nehmen Spiel für Spiel...«.






