Gegen Bayer Leverkusen musste Marc-André ter Stegen zwar zweimal hinter sich greifen, war aber bei den Gegentreffern machtlos und war ansonsten ein wie gewohnt starker Rückhalt von Borussia Mönchengladbach. Wir sprachen mit Borussias Nummer eins unter anderem über das Spiel gegen die Werkself, über seine Person und über die kommende Aufgabe bei der TSG 1899 Hoffenheim.
![]() |
| Starker Rückhalt und auf dem Boden bleibend: Marc-André ter Stegen. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de |
Fohlen-Hautnah: Marc, wenn du das 2:2 gegen Bayer Leverkusen noch mal Revue passieren lässt - wie bewertest du dieses Remis?
Marc-André ter Stegen: Wir haben das Spiel mit dem Ausgleich in der 87. Minute eigentlich aus der Hand gegeben. Wir hätten eigentlich drei Punkte verdient gehabt. Aber so ist nun mal der Fußball und sowas passiert. Wir müssen schauen, dass wir so eine Führung dann auch über die Zeit bringen und drei Punkte einsacken.
Fohlen-Hautnah: Was ist gegen die Werkself grundlegend nicht so gelaufen, wie ihr euch das vorgestellt habt, sprich warum hat es nicht zu den zweifelsohne hochverdienten drei Punkten gereicht?
Marc-André ter Stegen: Wir haben das Spiel kontrolliert, haben aber aus 23 Torschüssen lediglich zwei Tore gemacht. Leverkusen macht zwei Tore aus drei Torschüssen - das war der Unterschied. Wir hatten insgesamt viel vom Spiel und hätten es verdient gehabt zu gewinnen, weil wir uns die besseren Chancen erarbeitet haben, aber wir haben es versäumt, mehr aus den Chancen zu machen und am Ende die Führung über die Zeit zu bringen.
Fohlen-Hautnah: Demzufolge kann man mit der Chancenverwertung wiederholt nicht zufrieden sein ...
Marc-André ter Stegen: Natürlich nicht. Wir hatten 23 Torschüsse und haben es einfach nicht hinbekommen, mehr Tore zu machen. Wir müssen einfach schauen, dass wir von Anfang an auf der Höhe sind, wir diese Chancen besser verwerten und die Tore machen, sodass wir auch in Führung gehen und das Spiel kontrollieren können.
Fohlen-Hautnah: Wenn du noch mal auf die beiden Gegentore schaust - beim ‚Sonntagsschuss' von Schürrle warst du ja machtlos ...
Marc-André ter Stegen: Beim 0:1 durch Reinartz haben wir es bei der Ecke natürlich nicht gut gemacht. Wir wussten, dass sie eventuell auf den zweiten Pfosten verlängern, weil sie das schon öfters gemacht haben. Es ist natürlich scheiße, dass wir ein Gegentor genau nach so einer Standardsituation bekommen. Wenn ein Ball so an den zweiten Pfosten kommt, ist es für mich natürlich auch schwer. Nachher haben wir es bei den Standards generell besser gemacht. Aber so ein Tor passiert, wir können es nicht mehr ändern.
Beim zweiten Tor ist es so, dass wir Schürrle nach innen ziehen lassen. Und dann hat er natürlich die individuell Klasse, nimmt den Ball mit und haut das Ding einfach rein. Es ist einfach auch eine Qualität, dass man auch mit zehn Mann so eine Chance bekommt und sie dann auch rein macht. Da müssen wir beim nächsten Mal versuchen, dass wir dann ruhiger agieren und so ein Spiel dann über die Zeit bringen.
Fohlen-Hautnah: Aber immerhin kann man sagen und festhalten, dass man den Vizemeister spielerisch dominiert hat, was in der Vergangenheit nicht immer der Fall war ...
Marc-André ter Stegen: Natürlich ist Leverkusen eine sehr starke Mannschaft, die viel individuelle Qualität hat. Sie sind auf jeden Fall ein Spitzenmannschaft. Wir haben es hinbekommen, dass Spiel zu kontrollieren sowie zu dominieren und uns eine Vielzahl von Torchancen zu erarbeiten. Dass es dann für uns am Ende nicht zu einem Sieg gereicht hat, ist natürlich bitter. Allerdings kann man auch sagen, dass man 2:2 gespielt hat und eigentlich besser war.
Wir nehmen natürlich die positiven Aspekte aus dem Spiel mit und müssen daran arbeiten, dass wir vorne aus unseren Möglichkeiten mehr machen. Dann sehe ich auch kein Problem, dass wir weiterhin so kompakt stehen und Spiele gewinnen.
Fohlen-Hautnah: Welche positiven Aspekte sind das konkret?
Marc-André ter Stegen: Wir haben ein Spiel gegen Leverkusen absolut dominiert, haben unser Spiel gespielt, haben uns zahlreiche Chancen erarbeitet und hätten auch gewonnen, wenn wir eine Chance mehr verwertet hätten. Natürlich ist es so, dass wir mit einem 2:2 in letzter Sekunde enttäuscht sein können, aber es ist gut, dass wir enttäuscht sind und uns nicht ausruhen.
Fohlen-Hautnah: Wenn man dann nun auf die Tabelle schaut, dann stehen da nach neun Spieltagen siebzehn Punkte zu Buche, die momentan den zweiten Platz bedeuten. Was sagt das in deinen Augen aus bzw. wie ordnest du das ein?
Marc-André ter Stegen: Wir müssen das auf jeden Fall realistisch einordnen. Wir haben einen sehr guten Start erwischt und es ist natürlich gut, dass wir auf dem zweiten Platz stehen. Aber der Tabellenplatz hat nach dem neunten Spieltag noch keine allzu große Aussagekraft und man kann ihn auch nicht richtig einschätzen, weil uns auch bewusst ist, dass die Saison noch jung ist. Wir müssen auf uns schauen und wollen einfach schauen, dass wir weiter unsere Punkte sammeln und Spiele gewinnen. Dann werden wir auch eine ruhige Saison haben.
Fohlen-Hautnah: Es hätte auch durchaus der eine und andere Punkt mehr sein können ...
Marc-André ter Stegen: Natürlich. Aber es ist jetzt so, wie es ist. Wir müssen schauen, dass wir weiter Punkte sammeln und dann werden wir auch keine Probleme bekommen. Die Liga ist sehr eng beisammen und wir müssen Woche für Woche kämpfen, dass wir Punkte einfahren. Daran wird sich nichts ändern.
Unsere siebzehn Punkte kann uns keiner mehr nehmen und wir machen Schritt für Schritt und schauen von Spiel zu Spiel. Dann hoffe ich, das wir uns weiter oben festsetzten können.
Fohlen-Hautnah: Kann man denn schon ein bisschen sagen, wohin die Reise in dieser Saison geht bzw. gehen kann?
Marc-André ter Stegen: Nein, ich denke auf keinen Fall. Es sind wie gesagt erst neun Spieltage absolviert. Wir wollen natürlich so schnell wie möglich unsere Punkte sammeln, damit wir eine ruhige Saison spielen können. Dahingehend haben wir schon gut angefangen, aber wir müssen schauen, dass wir jetzt nicht nachlassen, sondern konzentriert weiter arbeiten und Punkte holen.
Wenn wir weiter von Woche zu Woche und von Spiel zu Spiel denken, dann denke ich, dass wir auch so weiter machen können. Aber es wird auf jeden Fall weiter eine schwere Saison, in der uns jetzt schwere Aufgaben erwarten. Die gilt es zu bestehen und dann schauen wir mal, wohin es geht.
Fohlen-Hautnah: Du hast die kommenden Aufgaben schon angerissen. Da wartet am Wochenende die Auswärtsaufgabe bei der TSG Hoffenheim auf euch. Was erwartest du für ein Spiel und wie müsst ihr zu Werke gehen?
Marc-André ter Stegen: Das wird ein sehr schweres Spiel für uns. Hoffenheim hat 0:2 in Stuttgart verloren und hat natürlich was gut zu machen. Aber wir müssen auf uns sowie auf unser Spiel schauen und versuchen, das Spiel zu kontrollieren und am Ende zu gewinnen - egal wie.
Wir müssen schauen, dass wir kompakt stehen und uns Chancen erarbeiten - so wie in den anderen Spielen auch. Und dann müssen wir am Ende unsere Chancen, die wir haben, auch nutzen. Denn es wird nicht immer so sein, dass wir in jedem Spiel so viele Chancen wie z.B. gegen Leverkusen haben. Dann wollen wir mal schauen, ob wir hoffentlich die drei Punkte mitnehmen. Aber ich bin da guter Dinge, dass wir auch in Hoffenheim punkten können.
Fohlen-Hautnah: Wie lautet dein Tipp?
Marc-André ter Stegen: Wir gewinnen 2:0.
Fohlen-Hautnah: Kommen wir mal auf deine Person zu sprechen. Du hast fünfzehn Bundesliga- und zwei Relegationsspiele auf dem Buckel. Wenn du jetzt mal so ein kleines Fazit ziehen würdest - wie zufrieden bist du mit dir?
Marc-André ter Stegen: Natürlich ist es in der letzen Zeit schnell gegangen. Ich bin als Nummer eins in die Saison gegangen und bin natürlich froh, dass wir momentan auf dem zweiten Tabellenplatz stehen. Dazu hat jeder seinen Teil beigetragen. Aber es ist immer eine Mannschaftsleistung.
Auch wenn ich jetzt lediglich erst ein Gegentor kassiert hätte, dann ist es auch immer eine Mannschaftsleistung, weil es ein Spieler alleine nicht macht. Wenn die ganze Mannschaft sowohl für die Defensive als auch für die Offensive arbeitet, dann hat man auch als Mannschaft Erfolg. Und genau dass ist ja das, was wir wollen.
Fohlen-Hautnah: Dennoch, du bist in deinen Leistungen konstant stark und holst dir auch zurecht Lob von allen Seiten ab - gerade auch diesbezüglich, dass du auf einem recht guten Weg in die A-Nationalmannschaft bist ...
Marc-André ter Stegen: Es ist schön, dass das gesagt wird. Aber für mich ändert sich die Tatsache nicht, dass ich weiter an mir arbeiten und Woche für Woche meine Leistung bringen muss. Die versuche ich zu bringen, um der Mannschaft ein starker Rückhalt zu sein. Dann ist es vielleicht auch mal so, dass Lob kommt.
Das freut mich natürlich, nehme das für mein Selbstvertrauen mit und spiele weiter das Spiel, was ich sonst auch spiele. Ich versuche weiter meine Leistungen zu bringen und mich stetig zu verbessern. Dann hoffe ich, dass es so weiter geht und dass wir als Mannschaft weiter Erfolg haben. Alles andere wird sich dann zeigen und ergeben.
Fohlen-Hautnah: In der letzten Woche warst du erstmalig bei der U21-Nationalmannschaft, bei dem du mit Uwe Gospodarek einen Ex-Borussen als Torwarttrainer hast. Wie war das für dich?
Marc-André ter Stegen: Es war wichtig, um die Mannschaft kennenzulernen und um zu sehen, dass ich dran bin und es war gut, dass ich mit ihr trainieren konnte. Es ist natürlich auch schön, dass mit Uwe einer da ist, den ich ja noch aus Gladbach kenne. Ich hoffe, dass ich jetzt angreifen kann und meine Leistungen auch in der U21-Nationalmannschaft zeigen darf.
Fohlen-Hautnah: Am derzeitigen Erfolg hast du sicherlich auch gehörigen Anteil. Da ist es nahezu selbsterklärend, dass man mit dir verlängern und deinen Vertrag entsprechend deinen Leistungen anpassen möchte, wie es Max Eberl sagte. Wie ist da der derzeitige Stand der Dinge - kannst und möchtest du dazu etwas sagen?
Marc-André ter Stegen: Darüber möchte ich eigentlich gar nicht reden. Das ist Sache meines Beraters und Max Eberl. Ich möchte mich auf die Dinge, die ich jetzt gerade beeinflussen kann, konzentrieren - nämlich darauf, tagtäglich und in jedem Spiel meine Leistung zu bringen. Natürlich sind wir in Gesprächen, dass ist klar. Aber alles Weitere regelt eben mein Berater.






