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»Alles was mit hinten zu tun hat und die Null halten ist mein Job«

Tony Jantschke im Radio 90,1-Interview

Immer mittwochs vor Heimspielen ist es beim Mönchengladbacher Radiosender 90,1 Zeit wieder Zeit für die Sendung ‚Borussia hautnah'. Und so stand vor dem kommenden Heimspiel gegen Hannover 96 Tony Jantschke Rede und Antwort. Mit Moderatorin Petra Koch sprach der 21-Jährige allen voran über seine Person und über das kommende Heimspiel gegen den Europa League-Teilnehmer. Wir haben das Interview an der Stelle zusammengefasst.

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Sieht sich in der Defensive als flexibel einsetzbar: Tony Jantschke. Foto: Dirk Päffgen, für Fohlen-Hautnah.de

Petra Koch: Tony Jantschke: Eigentlich der Dauerbrenner. Gegen Heidenheim waren wir überrascht... Du nicht so?

Tony Jantschke: Die Trainer sprechen ja auch mit. Ich habe bisher alle Spiele gemacht, auch bei der Nationalmannschaft fast alle über 90 Minuten.

Ich denke, dass mir der Trainer da einfach mal eine Pause geben wollte, was auch absolut okay ist. Jetzt werden wir sehen, ob er mich am Samstag wieder aufstellt.

Petra Koch: Wie findest du, hat es Kollege Martin Stranzl gemacht?

Tony Jantschke: Martin hat es ja schon mal in einem Testspiel, wo er glaube ich auch getroffen hat, ganz ordentlich gemacht.

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Martin kann das. Vor allem defensiv ist er hinten drin ja eh ein Baum - das ist eigentlich kein Problem. Ich war absolut zufrieden. Wir haben ja mehrere Spieler, die dort spielen können. Auch Matthias Zimmermann, der diesmal zu Hause geblieben ist, macht es ordentlich. Da haben wir eigentlich genug Alternativen.

Petra Koch: Aber jetzt mal ehrlich: Wenn man 120 Minuten auf der Bank hockt, wird man wahnsinnig, oder?

Tony Jantschke: Auf jeden Fall. Auf der Bank sitzen ist nicht nur vom Mitfiebern her sondern generell, wenn man nicht spielt, viel schlimmer, als wenn man selber spielt. Im Spiel merkt man das gar nicht so extrem, aber wenn man als Spieler als Zuschauer auf der Bank sitzt, ist das irgendwo schon ein krasses Kribbeln. Man hofft die ganze Zeit, dass doch einer reinrutscht. Wir haben es ganz spannend gemacht, aber Marc hat ja zum Glück zwei Elfmeter gehalten.

Petra Koch: Der Elfmeterkiller ...

Tony Jantschke: Ja: Im Training aber nicht. Da muss ich sagen, verwandel ich die meisten gegen ihn, aber gestern hat er es super gemacht.

Petra Koch: Finde ich auch. Aber trotzdem fragt man sich ja: Was ist denn los? Ich habe mir von vornerein gedacht, dass es ein zähes Spiel wird, weil es für so ein Drittligist das Spiel des Jahres ist. Aber trotzdem dachte ich, dass ihr irgendwo die Lücke findet ...

Tony Jantschke: Wir hatten ja auch trotzdem genügend Chancen. Es war ein bisschen mit dem Spiel in Regensburg zu vergleichen. Da haben wir allerdings schnell die Tore gemacht. Dann geht so ein Spiel natürlich in deine Richtung und dann hast du es natürlich ein stück weit leichter.

Aber wenn natürlich mal keiner durchrutscht und du kein Glück hast, dann ist das typisch Pokal. Dann wachsen die Gegner über sich hinaus. Heidenheim hat dann mit alle Mann verteidigt und haben dann kurz vor Schluss noch eine riesen Chance.

Aber trotzdem sind wir im Grunde genommen verdient weiter. Was Marc heute gesagt hat, ist schon richtig. In zwei Wochen fragt keiner mehr nach, wie du weiter gekommen bist. Deswegen zählt nur, dass wir eine Runde weiter sind.

Petra Koch: Genau. Und darum freuen wir uns alle, dass wir mit Spannung auf den Sonntag gucken können, wenn die Auslosung ist. Was wünschst du dir denn?

Tony Jantschke: In München oder in Dortmund wäre nicht so toll. Am liebsten natürlich immer ein Heimspiel, ganz klar. Ein Heimspiel und dann ist es eigentlich relativ egal - da können wir eigentlich jeden schlagen.

Petra Koch: Heißt das ein Derby gegen Düsseldorf? Zu Hause natürlich.

Tony Jantschke: Warum nicht. Das wäre auch nicht so schlecht. Da kennen wir ja auch ein paar Spieler von und hätte auch was.

Petra Koch: Wenn man im Endeffekt jetzt noch vier Spiele schön durchspielt, dann wäre das nicht so verkehrt. Man sagt ja immer: Das ist der kürzeste Weg ins internationale Geschäft, ne?

Tony Jantschke: Ja, so ist es. Man hört ja auch immer von anderen Vereinen, dass es eine Zielsetzung ist, so weit wie möglich zu kommen. Das sind ja auch Einnahmequellen, etc. Wir wollen auf jeden Fall im Pokal überwintern und das heißt, dass wir noch eine Runde weiterkommen müssen.

Petra Koch: Wenn wir uns die bisherige Saison angucken, dann kann man ja durchaus nicht meckern. Ihr seid hervorragend gestartet und ihr habt 17 Punkte auf dem Konto - da hätten wir in der letzten Saison von geträumt. Alles läuft gut. Ihr schießt ein bisschen wenig Tore, aber ihr spielt effizient - meistens zumindest. Trotzdem hat man so die letzten Spiele den Eindruck, dass es nicht mehr so ganz selbstverständlich und souverän ist ...

Tony Jantschke: Das ist ja klar. Wir sind letztes Jahr fast abgestiegen und haben uns gegen Bochum in der Relegation, die ziemlich schwierig war, so gerade gerettet. Wir sind gut gestartet. Das weckt natürlich irgendwo Interessen bei Fans und bei Leuten, die drum herum sind.

Aber wir wissen schon, wo wir her kommen und das wir ganz ruhig weiter arbeiten wollen. Wir haben jetzt 17 Punkte - das ist natürlich schon sensationell. Klar ist das ein bisschen ärgerlich, wenn man die letzten drei Spiele betrachtet. Gerade das Spiel gegen Leverkusen, was wir hätten gewinnen müssen.

Die zwei Auswärtsspiele können vorkommen. Hoffenheim war ein 0:0-Spiel und in Freiburg hatten wir die Chancen, um drei Punkte mitzunehmen. Aber gut - das kreiden wir uns an und daran arbeiten wir. Das wollen wir am Samstag auf jeden Fall besser machen.

Petra Koch: Über Hannover 96 reden wir gleich noch, reden jetzt aber mal ein bisschen über Tony Jantschke. Du bist jetzt seit dem du 16 bist bei der Borussia. Du bist jetzt 21 - deine zweite Heimat?

Tony Jantschke: Die dritte würde ich fast sagen. Ich komme ja gebürtig aus Hoyerswerda - das ist natürlich meine Heimat. Dann habe ich in Dresden fünf Jahre meiner Jugend verbracht.

Petra Koch: Wenn du dir anguckt, was bei dir im letzten Dreivierteljahr so passiert ist: Dann ging das auch sehr rasant, oder?

Tony Jantschke: Natürlich. Die ganze Entwicklung, mich eingeschlossen, ist positiv. Ich habe mich zum Stammspieler entwickelt, in der Mannschaft funktioniert alles und wir verstehen uns super. Die Mischung zwischen Jung und Alt passt einfach. Wir haben mit Martin, Mike, Filip und etlichen mehr genug Erfahrung.

Und wir haben mit Marco, obwohl er schon 70-80 Bundesligaspiele hat, und mit Marc, der noch ganz jung ist, aber auch viele junge Spieler. Das passt einfach und es macht Spaß. Was wir auch gemerkt haben, wo es nicht so lief. Da schert keiner aus und beklagt sich über den anderen, sondern alle bleiben zusammen.

Das ist der Weg, den wir weitergehen müssen. Das haben wir immer gesagt und das haben wir als Mannschaft vermittelt. Da wollen wir jetzt weitermachen und dann wollen wir mal schauen, was dabei rumkommt.

Petra Koch: Kann ich mir das so vorstellen, dass die erfahrenen Spieler so eine Gruppe bilden, oder mischt ihr euch doch ein bisschen?

Tony Jantschke: Ich denke schon, dass sich das gut mischt. Wir machen auch etwas mit den älteren Spielern. Zwei Tage vor dem Spiel gegen Heidenheim waren wir noch zusammen mit Marco, Martin und Roman frühstücken. So was macht man immer mal wieder. Auch in der Kabine gibt es nicht Alt oder Jung, sondern das mischt sich alles. Und wie ich schon gesagt habe: Das passt in der Truppe, was aber auch wichtig ist.

Petra Koch: Ist denn der Ton von den älteren Spielern hart aber herzlich, oder eher pädagogisch wertvoll?

Tony Jantschke: Beides würde ich sagen. Die Mischung macht's. Es gehört einfach dazu, dass die Älteren auch mal ganz knallhart ihre Meinung sagen. Dann müssen wir jungen Spieler auch ganz klar den Weg mitgehen, ganz einfach.

Petra Koch: Geht ihr den mit oder sagt man auch irgendwann mal, wenn man einen bestimmten Punkt erreicht hat, jetzt reicht's?

Tony Jantschke: Klar gibt es Diskussionen, auf jeden Fall. Das sollte aber auch so sein. Man senkt da nicht den Kopf runter und geht einfach, sondern man kann sich da schon austauschen. Man muss sich halt nur nicht im Ton vergreifen und es muss eine ordentliche Grundlage sein. Und dann ist das auch kein Problem mit dem Älteren zu diskutieren.

Petra Koch: Sollte auch so sein. Wenn ich mir jetzt eure jungen Spieler, wie Marco Reus, Roman Neustädter und dich, angucke. Ich hatte letztens Roman Neustädter hier und der sagte: Am besten einkaufen kann ich mit Marco Reus und mit Tony Jantschke nicht. Warum – hast du da keinen Bock drauf?

Tony Jantschke: Nein. Ich glaube, die Zwei sind da ein bisschen wie Frauen (lacht). Wenn die shoppen, dann sind die von 13 Uhr bis irgendwann abends um 19 Uhr irgendwo in Düsseldorf, Köln oder auch mal in Gladbach unterwegs. Wenn ich was brauche, dann fahre irgendwo hin, wo ich weiß, dass es da das Teil gibt. Dann gehe ich hin, passt es oder passt es nicht. Wenn es passt, nehme ich es mit, wenn nicht, lasse ich es liegen und fertig.

Petra Koch: Was machst du dann lieber?

Tony Jantschke: Unterschiedlich. Ich schaue zu Hause gerne DVDs. Wenn ich dann mal nicht mit den Jungs zocken gehe, dann kommt auch schon mal ein dummer Spruch. Ansonsten bin ich auch für jeden Scheiß zu haben. Ich chille auch mal gerne zu Hause, lege die Beine hoch und fertig.

Petra Koch: Beim letzten Mal hast du mir erzählt, dass PlayStation nicht mehr aktuell ist. Ist es bei diesem Status geblieben?

Tony Jantschke: Ich habe jetzt das neue FIFA12 mal probiert, aber nach zwei Spielen war mir schon wieder klar, dass das nichts wird. Ich habe zwar Marco geschlagen, dann aber gegen Roman relativ deutlich verloren. Dann habe ich es auch wieder gelassen weil es einfach keinen Sinn macht. Dinge, die man nicht kann, sollte man dann einfach weglassen.

Petra Koch: Hast du nicht gesagt, dass du gedacht hast, der Beste zu sein?

Tony Jantschke: Ja, das dachte ich. Aber das war leider ein Trugschluss.

Petra Koch: Dann habe ich gelesen. Lieblingsessen Pommes?

Tony Jantschke: Ja, mit Schnitzel. Und das ab und an mal an freien Tagen, sonst eigentlich weniger.

Petra Koch: Da zu ein Bierchen dazu?

Tony Jantschke: Ja, sehr gerne.

Petra Koch: Kannst du kochen?

Tony Jantschke: Nicht wirklich. Nudeln kann ich machen. Wenn meine Kumpels aus Hoyerswerda mal da sind, dann ist es schon ein Ritual, dass wir Nudeln mit Tomatensauce machen. Aber irgendwie gelingt uns das allen nicht und da bin ich ganz froh, dass ich da nicht der Einzige bin, der sich da ein bisschen dämlich anstellt.

Petra Koch: Aber du musst schon ein bisschen Hausmann sein, oder?

Tony Jantschke: Ja. Ich wohne alleine und dadurch wird man dazu ein bisschen gezwungen. Das ist auch eigentlich kein Problem. Außer Staubwischen, da habe ich es so ein bisschen mit der Regelmäßigkeit. Ansonsten ist es kein Problem. Meine Wohnung sauber halten mache ich, aber das Kochen ist nicht so mein Fall.

Petra Koch: Rechtsverteidiger Tony Jantschke. Vor ein paar Jahren hättest du wahrscheinlich gesagt: Nein, ich mache meine Karriere sicher nicht als Rechtsverteidiger, sondern als sogenannter „6er", oder?

Tony Jantschke: Ja, auf jeden Fall. Das war immer so meine Lieblingsposition. Ganz früher habe ich in Dresden sogar noch offensiver gespielt. Aber irgendwann habe ich mich damit angefreundet und war eigentlich auch glücklich damit, bis mich dann Heiko Herrlich in der Nationalmannschaft nach rechts gesetzt und Michael Frontzeck daran festgehalten hat. Jetzt bin ich Rechtsverteidiger.

Petra Koch: So viele Trainer können sich ja nicht irren, oder?

Tony Jantschke: Nein, denke ich auch.

Petra Koch: Aber du bist ja nicht nur Links- sondern auch Rechtsverteidiger. In der Nationalmannschaft spielst du nämlich jetzt links...

Tony Jantschke: Genau. Aber ich habe schon öfters gesagt, dass ich da kein Problem sehe. Man sollte eigentlich auch mit links einen Pass spielen können und deswegen ist das nicht so das Problem.

Petra Koch: Und es ist schön, wenn man polyvalent ist, um mal mit den Worten deines Trainers zu sprechen, ne?

Tony Jantschke: Genau.

Petra Koch: Innenverteidiger wäre dann auch noch was?

Tony Jantschke: Ja. Das habe ich auch öfters schon gespielt. Auch damals in der U20 und bei Testspielen der Profis. Auf jeden Fall auch kein Problem. Alles, was mit hinten und die Null halten zu tun hat, ist mein Job.

Petra Koch: Dann reden wir bald vom defensiven Allrounder ...

Tony Jantschke: Ja, auf jeden Fall.

Petra Koch: Gut. Du hast vor anderthalb Wochen deinen Vertrag verlängert. Das heißt, es war von vornerein klar, dass du das wolltest und ihr wart euch relativ einig, oder hast du schon überlegt, ob du vielleicht etwas anderes machst?

Tony Jantschke: Wir haben uns zusammengesetzt, Max Eberl hat mich vor fünf Jahren aus Dresden hier her geholt. Wir kennen uns jetzt schon eine ganze Zeit, da ist dann eine gewisse Vertrauensbasis vorhanden. Max weiß wie ich ticke, und ich weiß ein bisschen, wo die Interessen von Max liegen.

Dann haben wir uns zusammengesetzt und haben uns gegenseitig ausgetauscht. Dann war es eigentlich relativ schnell fix, da gibt es auch nichts zu pokern oder so. Wir waren beide eigentlich zufrieden damit, haben uns die Hand gegeben und dann war das Ding erledigt.

Petra Koch: Na klar. Du hast gesagt: Pass auf, ich bin jetzt Stammspieler und jetzt müssen wir erst mal gucken ... (lacht).

Tony Jantschke: So ist es nicht. Der Verein hat seine Vorstellung und ich hatte meine Vorstellungen. Ich bin da auch nicht erpicht auf irgendwelche Beträge zu zocken, sondern wenn ich eine gewisse Wertschätzung erfahre, die ich denke ich bekommen habe, dann ist das recht schnell in trockenen Tüchern gewesen.

Petra Koch: Was ist in dieser Saison jetzt anders?

Tony Jantschke: Das ist manchmal nicht zu erklären. Wir haben ja schon vor zwei Jahren eine richtig gute Saison gespielt. Dann sind wir letztes Jahr in einen Sumpf geraten. Aber das ist im Fußball so. Jedes Jahr versuchen die Mannschaften, die unten sind, das zu erklären, aber irgendwie findet man keine Erklärung.

Das sind einfach Dinge, bei denen das eine Zahnrädchen ins andere greift. Und dann bist du in einem negativen Sumpf, wo du einfach wirklich nicht mehr rauskommst, wo du alles probierst und wo dann oft eine Trainerentlassung wirklich der letzte weg ist. Das hat natürlich super funktioniert. Seit Lucien Favre da ist, haben wir natürlich wieder eine Basis geschaffen, wo es ständig aufwärts ging.

Petra Koch: Guckst du heute mehr DVDs als früher? Du guckst ja gerne DVDs, aber meine jetzt auch von Spielen. Und zeigt Lucien Favre euch mehr DVDs als andere Trainer, oder ist das gleich?

Tony Jantschke: Das würde ich nicht sagen. Ich glaube nicht mehr wie andere. Was aber wirklich ein Phänomen ist, an was für Details der Trainer arbeitet. Das sind Dinge, da rechnet man manchmal gar nicht mit - einfach was für Fußbewegungen ein Gegenspieler macht, oder einfach nur wie der Gegner den Ball führt und was er für eine Eigenart hat. Das sind schon Dinge, wo du selber sagst: Wie kommt er jetzt darauf? Es ist einfach diese Akribie, die ihn schon auszeichnet.

Petra Koch: Wenn man so eine Situation durchgemacht hat, wie ihr im letzen Jahr und dann relativ so zusammenbleibt wie ihr wart: Macht das auch was aus - dass das eine Mannschaft mehr zusammenschweißt, oder war das auch schon vorher da?

Tony Jantschke: Das war auf jeden Fall vorher da, aber durch negative Erlebnisse bröckelt so etwas natürlich immer. Vor allem dann, wenn es in so einer Dauer ist. Wir haben ja in der Hinrunde nur zehn Punkte geholt. Dann ist es natürlich bei jedem Spieler so, dass er erst mal die Fehler bei sich sucht, dann aber natürlich auch nach links und rechts guckt - das ist normal und irgendwo menschlich. Dann fällt so ein System mit der Zeit natürlich auseinander.

Wenn es dann wieder läuft, dann schweißen sich wieder alle zusammen. Und wenn man dann so etwas wie wir in der Relegation schafft, dann ist das „Wir-Gefühl" natürlich noch größer. Und wenn man dann noch so in die Saison wie jetzt startet, dann wirft uns eine negative Serie nicht so schnell auseinander.

Petra Koch: Jetzt sagst du, dass du dich hier wohl fühlst, das ist meine dritte Heimat, wo ich mich zu Hause fühle und habe meine Jungs, mit denen ich zurecht komme. Wann merkt man denn bei all der Harmonie: So jetzt ist es Zeit, doch mal etwas anderes zu machen. Sprich was sind deine Planungen über diesen Vertrag hinaus?

Tony Jantschke: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich da gar keinen richtigen Plan habe. Ich habe jetzt für 2,5 Jahre unterschrieben. Die plane ich auf jeden Fall hier, das ist ganz klar. Deswegen unterschreibe ich das ja auch. Keine Ahnung, was danach passiert. Ich habe gesagt, dass ich mich hier wohl fühle.

Aber es kann ja keiner in den anderen Menschen reingucken. Es kann natürlich sein, dass ich in zwei Jahren sage, dass ich etwas anderes brauche. Ich habe damals in Dresden den Zeitpunkt recht gut erkannt. Da habe ich gesagt, dass ich hier erst mal weg musste, obwohl ich mich da auch wohl gefühlt habe.

Aber man merkt es dann selber. Wenn man abends ins Bett geht und sagt, dass man irgendwo eine Veränderung braucht. Genauso war es damals. Aber das spüre ich im Moment gar nicht und deswegen mache ich mir darüber im Moment auch keine Gedanken.

Petra Koch: Aber ich glaube, dass du als Fußballprofi auch im richtigen Moment die richtige Entscheidung treffen musst, oder? Ich glaube, dass das bei euch sehr wichtig ist, oder?

Tony Jantschke: Natürlich. Das spielt im Fußball immer eine große Rolle. Auch ein bisschen Glück gehört dazu. Zum richtigen Zeit am richtigen Ort ist im Fußball ganz wichtig. Jeder muss für sich entscheiden, jeder damit leben können und sich dann nicht beschweren, wie es oftmals rüberkommt, dass man da oder da nicht wegkommt. Für mich ist immer es so: Wenn ich irgendwo für eine gewisse Zeit unterschreibe, dann ist es auch so. Und dann habe ich mich festgelegt und dann möchte ich da auch bleiben.

Petra Koch: Entscheidest du das selber, entscheidet das dein Berater, holst du dir auch Rat von anderen - wer ist da so ausschlaggebend?

Tony Jantschke: Das entscheide eigentlich nur ich mit meiner Familie und mit meinen engsten Freunden. Bei so etwas spielt der Berater eigentlich keine Rolle. Der Berater ist dazu da, dass er über den Vertrag, über die Klauseln, die Paragrafen und die Zahlen etc. schaut.

Aber der Berater kann auch nicht in mich reingucken und er kennt mich nicht. Also meistens nicht so gut wie meine Familie. Bei mir ist es ein bisschen was anderes, weil ich meinen Berater wirklich schon ewig kenne und eigentlich schon Freund der Familie ist. Aber normalerweise kennt die Familie einen am besten und da kann man sich richtig gut austauschen.

Petra Koch: Tony, kommen wir zum kommenden Gegner Hannover 96. Wir gehen davon aus, dass du dann wieder auf der rechten Seite spielen wirst und Martin Stranzl wieder in der Innenverteidigung. Wir lassen uns überraschen. Letztes Jahr warne sie die Überraschungsmannschaft. Das kann man jetzt nicht mehr sagen, sondern sie haben sich schön da oben stabilisiert ...

Tony Jantschke: Ja, auf jeden Fall. Das ist irgendwo wirklich schon phänomenal, was Hannover gleistet hat. Sie haben ja jetzt auch nicht die riesen Mittel. Europa League - auch das ist schon Wahnsinn. Da spielen sie richtig gut.

Es ist eine gefestigte Mannschaft, die durchaus auch rotiert und irgendwie eine gute Mischung erwischt haben. Und vorne haben sie mit Abdellaoue einen Knipser, der im Moment irgendwie alles trifft.

Dass ist auf jeden Fall ein harter Brocken, aber ich kann eigentlich wieder nur das sagen, was ich vor jedem Heimspiel sage: Wir wollen das Heimspiel gewinnen, das ist klar. Es kommen wahrscheinlich wieder 52.000 Zuschauer, was ja Wahnsinn ist. Und wenn man da in das Spiel gegen und sagen würde, dass wir einen Punkt holen wollen, ist ja absoluter Schwachsinn. Wir wollen ein Heimspiel immer gewinnen und so werden wir auch auftreten.

Petra Koch: Weißt du, warum man sie die „10-Sekunden-Truppe" nennt?

Tony Jantschke: Ja, weil sie recht schnell kontern und dafür laut Statistik zehn Sekunden brauchen. Sie haben ja auch mit Schlaudraff, Ya Konan und Abdellaoue schnelle Leute. Aber die haben wir auch. Klar, Hannover ist eine gute Mannschaft, aber wir haben sie letztes Jahr schon in Hannover mit 1:0 geschlagen.

In Hannover haben nicht viele Mannschaften gewonnen, was man dieses Jahr auch schon wieder gesehen hat. Wenn wir das machen, was wir können und vorne die Dinger machen, dann haben wir auf jeden Fall eine gute Chance.

Petra Koch: Das Letztere wäre auch wichtig ...

Tony Jantschke: Ja klar. Das passiert im Fußball. Am Anfang der Saison haben wir recht viele gemacht, auch letztes Jahr haben wir eigentlich recht gut getroffen. Im Moment ist ein bisschen der Wurm drin, aber das passiert jedem mal. Das passiert einem Mario Gomez, der 35 Tore macht, wahrscheinlich aber 50 machen könnte.

Aber es sind alles nur Menschen und deswegen ist der ein oder andere Fehlschuss dabei. Aber wenn wir hinten gut stehen, dann können die Stürmer auch das eine oder andere Mal mehr versemmeln. Wenn sie dann einen machen, sind wir alle zufrieden.

Petra Koch: Tony, es war wie immer ein Vergnügen. Danke für's Kommen und alles Gute für den weiteren Weg.

Tony Jantschke: Absolut. Danke, hoffen wir.


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