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»Festzustellen, dass Gladbach einfach da oben hingehört«

Gladbacher Borussen zeigten sich im Spitzenspiel gegen den BVB auf Augenhöhe

Beim 1:1-Unentschieden im Gipfeltreffen gegen Borussia Dortmund stellte Borussia Mönchengladbach erstens unter Beweis, dass man es auch ohne einen der Schlüsselspieler Marco Reus kann, und das man gegen eine Top-Mannschaft der Fußball-Bundesliga nicht „nur" mithalten kann, sondern sich durchaus auf Augenhöhe befindet. Darin waren und sind sich auch die Protagonisten einig.

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Mike Hanke sorgte mit einem perfektem Schuss für den Ausgleich gegen Dortmund. Foto: Dirk Päffgen, für Fohlen-Hautnah.de

Als Schiedsrichter Zwayer das Spitzenspiel zwischen dem VfL und BVB im Borussia-Park abgepfiffen hatte, schlichen die Gladbacher Borussen mehr oder weniger in die Nordkurve, um ihren Fans für die abermals tolle Unterstützung zu danken. Aber nicht deshalb, weil sie dies trotz einer Niederlage taten, sondern weil die 93 Minuten zuvor schon einiges an Kraft gekostet hatte, ehe am Ende ein gerechtes 1:1 auf der Anzeigetafel stand.

»Es war ein sehr intensives Spiel«, waren sich beide Trainer auf der Pressekonferenz nach dem Spiel einig. Eine Meinung, der sich auch Borussias Torschütze zum Ausgleich anschloss. »Ein sehr intensives und packendes Spiel, das von außen gut anzusehen war«, stimmte Mike Hanke zu.

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»Machen Sie schnell, ich bin müde«, hatte es Lucien Favre bei der obligatorischen Journalistenrunde nach der Partie eilig und wollte nur noch seine Ruhe. Durchaus nachzuvollziehen, denn zuvor hatte der VfL-Trainer an der Seitenlinie eine schweißtreibende und arbeitsreiche Partie beobachtet. »Das Spiel hat beiden Mannschaften einiges abverlangt«, befand BVB-Trainer Jürgen Klopp.

Und das galt im ersten Durchgang allen voran für die Gladbacher Borussia, die sich gegen den amtierenden deutschen Meister schwer tat, ins Spiel zu finden. »In der ersten Halbzeit war es sehr schwer für uns. Da war Dortmund klar besser«, musste Favre eingestehen und lieferte prompt die Gründe. »Wir haben gut verteidigt, aber Dortmund hat zwischen unseren Linien zu viele Lücken gefunden. Es hat die richtige Bewegung gefehlt und der letzte Pass war nicht top«.

Doch mit zunehmender Spieldauer bekam der VfL mehr Zugriff und blieb auf der Hut, sodass der BVB zu wenig zwingenden Einschussmöglichkeiten kam und es hüben wie drüben primär nach Standardsituationen gefährlich wurde.

Und durch eine solche brachte sich Dortmund fünf Minuten vor dem Pausentee in Front. Nach dem bis dahin sechsten Eckstoß war es Lewandowski, der im Strafraum die Oberhand behielt und nur Führung für den BVB ein köpfte. Ein Gegentor, an dem Marc-André ter Stegen vielleicht nicht gänzlich unbeteiligt war.

Zunächst machte Borussias Schlussmann einen Schritt nach vorne, legte dann aber wieder den Rückwärtsgang ein und konnte so trotz Abwehrversuch mit den Fingerspitzen die Führung nicht verhindern. »Natürlich habe ich auf den Ball reagiert. Und als ich ihm hinterher geschaut habe, sah es für mich eigentlich auch ganz gut aus«, blickte ter Stegen auf die Szene zurück. »Leider schlägt er dann knapp neben dem Pfosten ein und Filip kann ihn leider auch nicht mehr klären, weil er eingerückt war. Schade, dass es dann an dem Pfosten passiert«.

Eine Gästeführung, die zwar nicht unbedingt in der Luft gelegen hatte, aber »nicht unverdient« war, wie auch Lucien Favre meinte.

So musste der VfL im zweiten Durchgang einem Rückstand hinterherlaufen. Und das taten die Fohlen nun mit mehr Einsatz. »In der zweiten Halbzeit wollen wir mehr zeigen«, hatte Favre seinen Mannen mit auf den Weg gegeben.

An diese Vorgabe hielten sich die Gladbacher Borussen auch, wenngleich man sich gegen die gut organisierten Gäste zunächst nicht zwingend in Szene setzten konnte. Was sicherlich auch daran lag, dass in Marco Reus ein Spieler fehlte, der offensiv für Wirbel und Verwirrung in der gegnerischen Abwehr sorgen kann. »Es ist klar, dass etwas fehlt, wenn ein Spieler mit den Qualitäten von Marco Reus nicht dabei ist«, sagte Trainer Lucien Favre. »Aber wir können das im Moment nicht ändern«.

»Natürlich ist es so, dass Marco eine hohe Individualität hat, viel bewegen kann und nicht einfach zu ersetzten ist«, stimmte ter Stegen zu. »Aber insgesamt haben wir es trotzdem sehr gut gemacht«. Und Mike Hanke meinte: »Ich glaube auch für Marco war es gut zu sehen, dass nicht alles auf seinen Schultern lastet. Letztendlich haben wir heute bewiesen, dass es auch ohne ihn geht«.

Aber die Gladbacher Borussen konnten sich auch deshalb offensiv nicht wie gewollt in Szene setzten, weil der BVB mit der Führung im Rücken die Räume weiter eng gestaltete. Dennoch bewahrten die Borussen ob des Rückstands Ruhe und bemühten sich, den Ausgleich zu erzielen.

Eine zwingend notwendige Herangehensweise, um nicht in einen Konter zu laufen. »Du darfst in so einer Situation nicht deine Organisation verlieren, sonst steht es schnell 2:0 oder 3:0 und dann hast du keine Chance mehr«, war sich Favre bewusst. »Du darfst keine Panik haben und musst deine Organisation halten, sonst bist du tot. Wenn du gegen Dortmund deine Geduld und Nerven verlierst, dann kann es sehr schwer werden«.

Und so verlor der VfL nicht den Geduldsfaden, sondern schalteten im Gegensatz zu den ersten 45 Minuten einen Gang höher. »Da haben wir mehr Engagement gezeigt, mehr nach vorne, mit mehr Risiko gespielt und Dortmund unter Druck gesetzt«, sagte Favre und wusste: »Das war auch nötig, denn sonst wäre es für uns unmöglich gewesen, zurückzukommen«.

Viele Möglichkeiten, zum Ausgleich zu gelangen, ergaben sich für die Borussen zwar nicht, aber dennoch nutzten sie im Stile einer Spitzenmannschaft eine und kamen nach einem tollen Spielzug über Dante, Bobadilla und Hanke zurück. »Eine sehr schöne Kombination mit zwei Ballkontakten und ein perfekter Schuss«, lobte Favre den Spielzug und den Torschützen.

»Es war ein super Ball von Raul Bobadilla. Er hat gesehen, dass ich rein gelaufen bin. Ich hatte dann nicht lange Zeit zu überlegen und habe einfach draufgehalten«, freute sich Hanke.

Und mit dem Ausgleich wollte auch der VfL mehr. »Der Ausgleich hat uns Selbstvertrauen gegeben«, sagte Lucien Favre. »Danach war dann alles möglich«. »Es ging hin und her und jeder wollte bis zum Ende das Spiel gewinnen«, fügte Mike Hanke an.

Am Ende konnten und durften sich der VfL mit der Punkteteilung durchaus zufrieden sein. Denn schließlich hatte man gegen den deutschen Meister nicht „nur" gut mitgehalten, sondern Paroli geboten. »Es war eine Partie auf Augenhöhe und ich glaube, die Dortmunder hatten auch viel Respekt vor uns«, sagte Roman Neustädter.

Und das hatten sie in der Tat. »Falls es den Beweis gebraucht hätte, was ich nicht glaube, dann war heute festzustellen, dass Gladbach einfach da oben hingehört, eine überragende Saison und einen richtig guten Ball spielt«, fand BVB-Trainer Jürgen Klopp lobende Worte. »Sie sind schwer zu bespielen und ziehen ihr Ding durch«.

»Wir alle genießen einfach den Moment und überdrehen nicht. Wenn wir so weitermachen, ist noch einiges möglich«, sagte Mike Hanke. Aber wir müssen diese Leistung über einen langen Zeitraum zeigen, um zu den Spitzenmannschaften zu gehören«.

»Wir spielen im Moment guten Fußball und sind zu Recht oben dabei, sagte Patrick Herrmann. »Die Punkte, die wir haben sind nicht unverdient, aber wir dürfen uns darauf nicht ausruhen, sondern müssen weiter Gas geben«.

»Jetzt haben wir nach 15 Spieltagen 30 Punkte, das ist nicht schlecht. Wir sind eine Überraschungsmannschaft, aber wir haben uns diese 30 Punkte verdient«, zog Favre ein kleines Fazit. »Aber wir schauen weiter von Spiel zu Spiel, müssen so weiter machen und wollen weiter punkten.

Und das bereits am kommenden Wochenende, wenn es zum Aufsteiger FC Augsburg, den Co-Trainer Manfred Stefes im Auswärtsspiel beim FC Schalke 04 unter die Lupe nimmt, geht. Zwar rangieren die Schwaben am Tabellenende, im Vorbeigehen wird der mit zahlreichen Ex-Borussen gespickte Aufsteiger allerdings nicht zu schlagen sein.

»In Augsburg ist es nicht einfach punkten. Auch dort wird es für uns schwer«, prophezeite Favre. »Es war schwer für Bayern sowie Bremen und Wolfsburg hat dort 2:0 verloren. Aber es ist für die Spieler kein Problem sich zu motivieren, weil sie wissen, dass in Augsburg alles möglich ist«.

Und auch für die Gladbacher Borussia ist zumindest nach derzeitigem Stand in dieser Saison vieles möglich ...


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