Immer mittwochs vor Heimspielen ist es beim Mönchengladbacher Radiosender 90,1 Zeit wieder Zeit für die Sendung ‚Borussia hautnah'. Und so stand vor dem abschließenden Punktspiel am kommenden Sonntag im Borussia-Park gegen den 1. FSV Mainz 05 Max Eberl Rede und Antwort. Mit Moderatorin Petra Koch sprach Borussias Sportdirektor unter anderem über die mehr als ordentliche Hinrunde, über eventuelle Transfers in der Winterpause und über das kommende Heimspiel gegen Mainz . Fohlen-Hautnah hat das Interview an der Stelle zusammengefasst.
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| Stand bei Radio 90,1 Rede und Antwort - Max Eberl. Foto. Marc Schöne, Fohlen-Hautnah.de |
Petra Koch: Komfortable 30 Punkte. 40 sollen es erst mal werden. Ihr habt aber nicht gesagt, dass ihr die Punkte in der Hinrunde einfahren wolltet...
Max Eberl: Wir haben vor der Saison das Ziel ausgegebenen, dass wir so schnell wie möglich die 40 Punkte plus holen wollen. Wir wollten endlich mal wieder die 40 Punkte mit Borussia Mönchengladbach knacken, denn es ist lange her, dass wir das geschafft haben.
Petra Koch: Wenn dir vor der Saison jemand gesagt hätte, dass ihr zu diesem Zeitpunkt auf Platz vier der Tabelle steht, dann hättest du nicht ja gesagt, oder?
Max Eberl: Nein. Ich glaube, dass niemand der mit Borussia fiebert, an so etwas gedacht hätte. Das man natürlich in jedem Bundesligaspiel Wünsche hat etwas zu erreichen, dass ist auch klar. Dafür stehen wir jeden Samstag auf dem Platz und wollen jedes Spiel gewinnen.
Aber ich wäre froh gewesen, wenn man mir vor der Saison gesagt hätte, es wird eine ruhige Saison. Dass wir jetzt so spielen, zeigt auf welchem Niveau wir sind, natürlich gibt es auch mal einen Ausrutscher nach unten. Das Niveau an sich ist sehr hoch und daher sind diese 30 Punkte auch hochverdient.
Petra Koch: Was ist seit der letzten Rückrunde bis hin zu dieser Konstanz passiert?
Max Eberl: Es sind viele Kleinigkeiten, die mit großer Wirkung passiert sind. Wir haben diese 26 Punkte in der Rückrunde gebraucht und haben diese erreicht. Dann dieses extrem positive Gefühl nach der Relegation mit einer fantastischen Stimmung im Borussia-Park, welches der Mannschaft unglaublich viele positive Emotionen gegeben hat.
Die jungen Spieler haben aus dieser schwierigen Situation sehr viele positive Erfahrungen mitgenommen. Dann fängst du die neue Saison mit einem schweren Auftaktprogramm an und du gewinnst sofort gegen Bayern. Dann hat die Mannschaft den Schalter umgelegt und gemerkt: Hey, wir können überall und gegen jeden gewinnen.
Dieser Mix aus Euphorie und diesen Automatismen, dass du fast immer mit der gleichen Mannschaft spielen konntest bei der sich Abläufe eingestellt haben, haben dazu geführt, dass wir 30 Punkte haben. Aber das letzte Wochenende hat auch gezeigt, dass es kein Selbstläufer ist. Du musst jedes Wochenende wieder an deine Grenze gehen und 100 Prozent geben.
Petra Koch: Warum klappt es zwischen dieser Mannschaft und Lucien Favre so gut?
Max Eberl: Sicherlich war die Entscheidung im Februar, welchen Trainer man nach Michael Frontzeck holt, eine wichtige Entscheidung. Wir haben einfach aus der Analyse heraus erkannt, dass wir in den 2,5 Jahren eine Mannschaft geformt haben, die einige arrivierte Spieler, wie Dante, Martin Stranzl, Mike Hanke, Juan Arango und Roel Brouwers, aber auch viele junge Talente hat. Also haben wir einen Weg angefangen, den wir nicht komplett über den Haufen werfen wollten.
Natürlich war das erste Augenmerk, den Klassenerhalt zu schaffen. Da haben wir gemerkt, dass wir viele Fehler gemacht haben. Keine gravierenden, aber doch immer spielentscheidende Fehler. Lucien Favre ist ein Trainer, der unglaublich akribisch arbeitet, sich stundenlang auf Details stützt und der Mannschaft eben mitgeben wollte, dies zu verbessern.
Wir wussten, dass wir eine Mannschaft haben, die Fußball versteht und fühlt. Und diese Kombination einen Trainer zu finden, der den Hebel umlegen und die Fehler abstellen kann, trotzdem aber mit jungen Spielern arbeiten will und den Weg, den wir angefangen haben weiter zu gehen, dass war unser Ansatz daran. Das sind genau die Stärken, die wir für unsere Mannschaft gebraucht haben.
Petra Koch: Lucien Favre bietet die Lösungen an und wenn die Mannschaft sie umsetzt, dass es funktioniert?
Max Eberl: Es ist genauso. Lucien Favre hat sich das Ziel gesetzt Fehler zu minimieren, dass heißt, die Defensive zu stabilisieren. Parallel dazu, es nicht zu versäumen, trotzdem weiter selber Fußball sowie auf Ballbesitz zu spielen und mit Geschwindigkeit in die Tiefe zu kommen.
Er hat schon oft angesprochen, dass er eine Mannschaft vorgefunden hat, die versteht was er meint und spielintelligent. Und der beste Trainer mit den besten Ideen ist nichts wert, wenn die Mannschaft es nicht versteht oder von den Qualitäten nichts umsetzten kann. Deswegen ist es ein sehr, sehr guter Griff gewesen, den die Mannschaft gebraucht hat.
Petra Koch: Es sind kleine psychologische Momente, mit denen man jetzt umgehen muss. Das hat die Mannschaft bis jetzt relativ gut bewältigt...
Max Eberl: Die Mannschaft hat diese Saison einige Aufgaben vor der Brust gehabt. Das schwere Auftaktprogramm, was sie gut gestalten konnte. Jetzt die Situationen, wo wir als Favorit ins Spiel gegangen sind, das hat die Mannschaft gut weg gesteckt. Im letzten Spiel in Augsburg, wo neben dem Fußballspiel auch dieser Kampf angesagt war, hat die Mannschaft gemerkt, dass es nur mit Fußball nicht geht.
Kampfbereitschaft muss mit in die Waagschale geworfen werden. Auch das ist in dem Prozess ein wichtiger Schritt. Wir haben momentan die optimale Ausbeute von 30 Punkten gemacht. Natürlich hoffe ich es nicht, aber die Mannschaft wird eine Situation bekommen, wo es mal 3-4 Spiele nicht so funktioniert, und das sind dann die nächsten Schritte des Lernens.
Aber wie gesagt, die 30 Punkte haben wir erst mal. Wir können nicht davon ausgehen, dass es immer so weiter geht, aber wir wollen jedes Spiel gehen und gewinnen. Das sagen wir immer bewusst von Wochenende zu Wochenende schauen. Wir haben jetzt gegen Mainz, die Möglichkeit das Kalenderjahr 2011 richtig abzurunden.
Petra Koch: So ein kleiner Warnschuss, wie die Niederlage von Augsburg, kann auch mal ganz gut sein?
Max Eberl: Warnschuss. Ich weiß was du meinst. Ich weiß auch, dass viele Leute enttäuscht sind, dass wir in Augsburg verloren haben. Aber wir dürfen natürlich bei aller Euphorie und bei aller Freude die wir haben, nicht vergessen, wo wir herkommen. Wir brauchen und werden auch weiter Schüsse vor den Bug bekommen. Die Spieler müssen aber damit umgehen können.
Das hat die Mannschaft bisher gut gemacht. Gegen Freiburg, Hoffenheim und Schalke verloren, und die Mannschaft ist danach immer wieder zurück gekommen. Das hoffen wir jetzt natürlich auch gegen Mainz, das ist auch wichtig. Trotzdem dürfen wir jetzt nicht denken, dass wir jetzt alle Mannschaften gegen die Wand spielen, denn wir sind in der 1. Liga.
Petra Koch: Die Erwartungen steigen, merkt ihr das schon?
Max Eberl: Ja natürlich. Wenn du dann so eine Niederlage hast gegen Augsburg, wo viele Menschen enttäuscht sind und sagen: Wir haben eigentlich gedacht ihr gewinnt da jetzt 2 oder 3:0 , dann ist das schon keine leichte Situation. Wir wollen diese Situation genießen. Die ganzen Anhänger von Borussia Mönchengladbach sollen das auch mal mitnehmen.
Die haben es auch mal verdient, in so einer Situation zu sein. Aber trotzdem darf man dann nicht den Boden unter den Füßen verlieren und von irgendwelchen Dingen träumen, die dann doch nicht realistisch sind. Man kann fest davon ausgehen, dass wir versuchen wollen jedes Spiel zu gewinnen, das ist klar, aber das wird in der Bundesliga nicht gelingen.
Petra Koch: Hannover hat bestimmt auch nicht gedacht, nach dem sie den Abstieg entsprungen sind, wir kommen ins internationale Geschäft...
Max Eberl: Natürlich nicht, aber sie haben es auch vorbildlich gemacht, in dem sie immer wieder gesagt haben: Nicht vergessen, dass was die Saison davor war. Ich glaube, das ist auch ein bisschen unser Gremium. Wir haben ja in der letzten Rückrunde dieses schwierige Spiel mit Kaiserslautern verloren und haben dann das Derby mit 5:1 gewonnen.
Das war ein fantastischer Nachmittag, aber die Leute haben gesagt, jetzt kommen Dortmund, Mainz, Freiburg, Hamburg - da ist es zwar schön, das Derby gewonnen zu haben, aber es wird nicht mehr funktionieren. Wir haben uns gesagt: Nein, jedes Spiel an sich kannst du gewinnen und ich glaube, diese Konzentration immer auf dieses eine Spiel, hat auch dazu geführt.
Wenn wir überlegt hätten, aus diesen 5 spielen musst du noch 12 punkte machen, dann ist der Weg sehr, sehr lang. Pro Spiel zu schauen, was möglich ist - diese Etappen haben uns weiter gebracht, und das ist auch das Kredo, was wir jetzt haben. Da komme ich auch von dem Ziel, das wir uns vor der Saison mit den 40 Punkten gesetzt haben, nicht weg. Die wollen wir so schnell wie möglich erreichen.
Petra Koch: Wir denken von Spiel zu Spiel - gibt es irgendeinen Trainer, der anders denkt?
Max Eberl: Jeder denkt von Spiel zu Spiel. Aber beim einen ist es eine Floskel, bei uns ist es gelegt. Wir haben es Gott sei Dank letzte Saison positiv erfahren, was es heißt, sich wirklich nur auf dieses eine Spiel zu konzentrieren. Der BVB hätte bei uns deutscher Meister werden können, aber wir gewinnen 1:0 was niemand geglaubt hätte.
Ich glaube wirklich, das dieses sich darauf zu konzentrieren, ein Spiel wirklich so vorzubereiten, in unterschiedlichen Stärken und Schwächen einer Mannschaft, die auf einen zu kommen in unterschiedlichen Situationen, dass es eben für eine Mannschaft, die das verinnerlicht hat, eine Stärke sein kann.
Das ist eine große Stärke von uns. Dass sich die Mannschaft wirklich auf das nächste Spiel konzentriert und nicht in irgendwelche Träumen verfällt, die wunderschön sind, die aber momentan auch sehr weit weg scheinen. Deswegen Sonntag gegen Mainz. Das ist es die Aufgabe, ein gutes Jahr positiv zu beenden.
Petra Koch: Schulterklopfen von allen Seiten. Das ist ein schöner Pfad, den man momentan geht, oder?
Max Eberl: Ich bin da sehr realistisch und kann das gut einschätzen. Wenn es mal nicht läuft, war es die Unfähigkeit der Entscheidungsträger. Und wenn es mal gut läuft, ist es nur Glück gewesen. Die Wahrheit liegt in der Mitte. Es ist in beiden Punkten, im positiven wie im negativen Sinne, viel Arbeit. Das ist das Konstrukt was du brauchst und was du dir erarbeitest.
Und wer sich was erarbeitet wird auch Glück haben. Diese Mischung ist es. Wir fangen jetzt nicht an durchzudrehen und sagen alles ist rosig und Gold. Wir wissen schon, dass wir noch viel Arbeit vor der Brust haben, das wir auch noch komplizierte Spiele haben und eine komplizierte Rückrunde haben werden.
Petra Koch: Kauft man jetzt in der Winterpause irgendwas, was uns den internationalen Platz sichert?
Max Eberl: Ich glaube die Spieler, die uns den internationalen Platz sichern können sind a) utopisch und b) weiß ich nicht, ob das jetzt bei uns so rein passt, Transfers zu tätigen. Ich weiß, viele Leute sagen, man muss doch jetzt nachlegen, man muss doch jetzt den Kader weiter stabilisieren. Es ist jetzt eine Situation, wo man sich intensiv Gedanken machen muss, was man macht und ob man was macht, weil es eben auch ein schwieriger Grad ist.
Es ist kein Computerspiel, wo man einen Spieler kauft, der dann sofort funktioniert. Es ist eine Mannschaft, die mit Charakteren bestückt ist. Mit Transfers kann man viel kaputt machen, weil vielleicht ein Spieler nicht passt und weil es dann untereinander Probleme gibt. Wir haben momentan eine sehr gute Mannschaft, mit der wir sehr zufrieden sind.
Wir haben im Sommer bewusst auf große Transfererlöse verzichtet, um aber eben auch einen wichtigen Stammspieler zu behalten und um junge Spieler, die von hinten Druck machen sollen, dazu zunehmen. Das ist die Konstellation, die wir momentan haben. Damit haben wir eine sehr gute Hinrunde gespielt und jetzt muss man sich genau überlegen, ob und was man macht.
Petra Koch: Ist Tolga Cigerci vom VFL Wolfsburg einer, der interessant ist?
Max Eberl: Wir können jetzt 10,15,20 Namen durchgehen. Da sind viele interessante Spieler bei. Tolga Cigerci war im Sommer schon ein Thema, da hat es nicht funktioniert. Aber wie gesagt, in dieser Gedankenwelt sind wir noch nicht so intensiv eingetaucht, sondern wir wollen jetzt einfach diese beiden für uns wichtigen Spiele bestreiten und dann auch Nägel mit Köpfen machen, oder wirklich der Mannschaft, die wir haben und der wir auch total vertrauen, sagen: Nein, da machen wir gar nix.
Wir haben ja auch eigene junge Talente im Verein, denen wir natürlich auch nix verbauen wollen. Und das ist eben gerade die Gedankenwelt, in der wir uns mit der sportlichen Leitung noch intensiv austauschen.
Petra Koch: Sagt der Trainer denn, ich habe noch den ein oder anderen Wunsch zu Weihnachten, obwohl er betont, wie zufrieden er mit der Mannschaft ist?
Max Eberl: Die Adventszeit ist die Zeit des Wunschzettels und natürlich hat ein Trainer auch noch Vorstellungen. Aber wie du richtig sagst. Der Trainer ist mit dem Kader, mit dem wir momentan sehr gut und erfolgreich spielen, sehr zufrieden. Das ist dann das Hauptaugenmerk.
Mit den Möglichkeiten werden wir uns dann befassen, wenn wir das Pokalspiel bestritten haben. Denn das Pokalspiel ist auch noch mal eine Möglichkeit der Einnahme. Neben dem sportlichen Erfolg, den wir dann haben können, ist es finanziell auch eine interessante Geschichte. Da warten wir mal ab, was die Vorraussetzungen sind.
Petra Koch: Wer von den jungen Spielern, die von hinten Druck machen ist so der nächste wo du dir vorstellen könntest, der springt da mal dann rein?
Max Eberl: Ich denke erst mal, dass wir in der laufenden Hinrunde Patrick Herrmann in dieser Konstellation hatten. Und das durch den Ausfall von Igor de Camargo eine neue Situation entstanden ist, wo der Trainer Marco Reus ins Zentrum gesetzt hat, um Mike Hanke herum und mit Patrick Herrmann den jungen die Chance gegeben hat.
Ich glaube, dass das von der Mischung her gut passt. Patrick Herrmann hat es eindrucksvoll gezeigt, dass er auf der Position nicht nur eine Alternative, sondern Stammspieler ist. Das ist er momentan, und das ist der erste Schritt von einem jungen Spieler, der es geschafft hat. Zu Beginn der Saison war Lukas Rupp sehr nah dran an der Mannschaft. Ich denke, dass Mathew Leckie eine sehr gute Entwicklung genommen hat. Er kommt immer wieder rein und hat auch in den letzten zwei Einwechslungen gegen Dortmund und Augsburg immer wieder was versucht.
Dann haben wir Matthias Zimmermann, der gut trainiert und der auch unter dem Trainer eine Entwicklung genommen hat. Dass ist ja das, was man bei jungen Spielern haben will. Ich erinnere gerne an Roman Neustädter, der auch länger gebraucht hat, um richtig Fuß zu fassen und momentan im Mittelfeld nicht zu ersetzen ist, aber auch eine gewisse Zeit benötigt hat.
Diese Zeit werden auch die anderen jungen Spieler brauchen, aber sie sind hungrig, sie wollen, und das merkt man auch im Training. Sie wollen unter die ersten 11 kommen und das ist auch die Konstellation, die wir haben wollten. Diesen Druck von hinten auf die etablierten Spieler.
Petra Koch: Spieler wie Marco Reus und Marc-André ter Stegen drehen aber nicht durch weil sie momentan so gefragt sind?
Max Eberl: Nein, denn auch sie spüren und wissen, dass sie die Mannschaft benötigen, um auch Leistungen zu bringen. Natürlich gibt es unterschiedliche Wertigkeiten, von außen auch wahr genommen, das in der Regel bei Offensivspielern und Torhüter anders wahr genommen werden als arbeitende und fleißige Mittelfeldspieler. Das ist einfach so, aber man braucht auch diese Spieler, die eben auch den Unterschied machen können.
Aber den Unterschied machen diese Spieler nur dann, wenn der Rest der Mannschaft auch funktioniert. Und das hat glaube ich, wissen solche Spieler wie Dante, Marco Reus und Marc-Andre ter Stegen aber ganz genau. Dass ist das, was unsere Mannschaft ausmacht und auszeichnet. Wir funktionieren wirklich als Mannschaft, jeder mit seinen Qualitäten. Und jeder der seine Schwächen hat, versucht diese Auszumerzen und seine Qualitäten wieder in die Spur zu bringen und.
Petra Koch: Wie schwer wird es für euch, Marco Reus, Marc-André ter Stegen oder Dante weiterhin zu halten?
Max Eberl: Erst mal ist Dante im Sommer geblieben. Natürlich hat ein Spieler wie Dante auch Ansprüche international spielen zu wollen. Ich denke diese Ansprüche haben wir alle. Ich möchte auch mal irgendwas in der Hand halten was einen Pokal bedeutet. Das sind Wünsche und Träume, die jeder Sportler haben muss, um auch Bestleistung bringen zu können. Dante ist trotzdem geblieben und hat gesagt: Okay, ich will diesen Weg weiter mitgehen.
Marc-André ter Stegen hat den Vertrag sogar von der Zeit her verlängert. Bei Marco Reus ist bekannt, das viele und die großen Bundesligisten um so einen Spieler buhlen. Ein Junge, der die Qualität und die Voraussetzungen hat, überall zu spielen. Aber er ist auch ein Junge, der den Weg mitgehen möchte. Das hat er ja letztes Jahr auch relativ frühzeitig gesagt, dass er in Gladbach bleiben möchte und dass es seine Intention ist.
Marco Reus fühlt sich bei uns sehr wohl. Wie die Mannschaft ihn aufnimmt, wie er in der Mannschaft auch auflebt, dass können die Hörer nicht sehen. Aber es ist schön zu sehen und das ist diese homogene Truppe. Die Jungs wollen sich wohl fühlen, sie wollen spielen und erfolgreich sein und da sind wir momentan gemeinschaftlich auf dem Weg und entscheiden gemeinschaftlich, wie es denn weiter geht. Aber ich bin da sehr zuversichtlich, dass die Mannschaft auch nächste Saison ein sehr inniges Gesicht haben wird.
Petra Koch: Es ist wichtig, dass man sich in seinem Umfeld wohl fühlt, um seine Leistung abzurufen?
Max Eberl: Ein Marco Reus, wie alle anderen auch. Ich denke, da ist wieder die Gemeinschaft ein ganz wichtiger Aspekt. Marco Reus will Fußball spielen und er will Spaß haben. Das ist ein super Junge, wie alle anderen auch, und sie wollen erfolgreich sein. Das ist der Hunger den sie haben.
Petra Koch: Was macht denn Marco Reus' Zeh?
Max Eberl: Der Zeh sieht gut aus. Es ist eine unangenehme Geschichte. Wir haben die Hoffnung, es diese Woche in den Griff zu kriegen. Der komplette Zeh ist gebrochen und wir wollen jetzt natürlich kein unnötiges Risiko eingehen. Es nützt uns nichts, wenn Marco Reus ein Spiel spielt, niemand an seinen Zeh denkt und seine Leistung nicht abrufen kann. Dann steigt einer drauf und es ist wieder was kaputt. Das ist jetzt ein Abwägen der Woche. Ich bin optimistisch und hoffe, dass es funktioniert. Und wenn nicht, müssen die anderen in die Bresche springen.
Petra Koch: Mainz wird wieder ein anderes Spiel als Augsburg?
Max Eberl: Ich denke, dass Mainz eine sehr gute Fußballmannschaft ist. Das haben sie letztes Jahr gezeigt. Sie haben natürlich einige Ausfälle zu verkraften. Schürrle und Fuchs, die gegangen sind, dazu noch 2-3 andere Spieler. Sie haben junge Leute dazu genommen und haben eine Mannschaft, die zusammen funktioniert. Das haben sie gegen Bayern eindrucksvoll gezeigt und haben in Köln gerade in der zweiten Halbzeit ein sehr, sehr ordentliches Auswärtsspiel gemacht. Aber nichtsdestotrotz haben wir Zuhause noch kein Spiel verloren und auch eindrucksvoll gespielt. Das wollen wir am Sonntag fortsetzen.
Petra Koch: Pokalspiel gegen Schalke. Chancen 50:50. Würdest du dem zustimmen?
Max Eberl: Pokalspiel hat ein Stückweit Finalcharakter. Einer wird raus gehen, daher gebe ich dir mit 50:50 recht. Wir spielen Zuhause gegen den amtierenden Pokalsieger und mehr gibt es dazu nicht zu sagen, das ist noch mal ein Fußballfest.
Petra Koch: Wird die Rückrunde schwieriger, da die Mannschaften sich jetzt auf euch einstellen und ihr nicht mehr die Überraschungsmannschaft seid?
Max Eberl: In der Rückrunde wird es eine andere Konstellation sein. Wir werden nicht mehr der Underdog sein, der sich im letzten Spieltag in die Relegation gerettet hat, sondern wir werden ernsthafte Konkurrenz für alle Mannschaften sein und in vielen Spielen als vermeintlicher Favorit auch in das Spiel gehen.
Das wird die neue Konstellation sein, auf die wir uns als Mannschaft einstellen müssen. Das sind eine neue Voraussetzung und auch eine neue Herausforderung. Das Auftaktprogramm vor der Saison war schon nicht leicht. Nun mit Bayern zuhause, dann in Stuttgart, Wolfsburg zuhause, ist jedes Spiel für sich wieder eine schwere Aufgabe, der wir uns aber dann stellen werden, müssen und auch wollen. Es wird eine schwere Sache. Wenn wir dann jetzt die beiden Spiele absolviert haben, werden wir uns darauf konzentrieren.
Petra Koch: Bist du auf der Bank immer noch so angespannt wie letzte Saison?
Max Eberl: Ich bin immer noch Rumpelstilzchen, aber es sind andere Voraussetzungen. Aber natürlich, wenn du im Spiel bist, vergisst du auch die Gesamtkonstellation und du sagst, du willst dieses eine Spiel gewinnen und erwartest das von den Jungs mit ihrer Leistung auf dem Platz auch. Da ist man immer noch mit Leib und Seele dabei, aber das gehört auch dazu. Ich bin eben nicht der ruhige Bürohengst, ich bin halt der, der auf dem Platz mit Herz und Leidenschaft dabei ist. Das wird sich bei mir auch nicht ändern.






