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2011 - Ein fantastisches Jahr für die Borussia

Stolzer Blick zurück, volle Kraft nach vorn

Die Fußball-Bundesliga befindet sich im Winterschlaf. Mit dem Weihnachtsfest stehen allerorten die besinnlichen Tage ins Haus. Diese wird auch Borussia Mönchengladbach nutzen, um das abgelaufene Jahr zu analysieren. Dabei gilt es, sowohl auf eine glücklich zu Ende gegangene letzte Saison, als auch auf eine sensationelle Hinrunde 2011/2012 zurückzublicken.

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Ein häufiges Bild im Jahr 2011 - Jubelnde und feiernde Borussen. Foto: Dirk Päffgen, für Fohlen-Hautnah.de

Man müsste lügen um zu behaupten, 2011 wäre kein turbulentes Jahr für die Borussia gewesen. Wir alle erinnern uns mit Grausen an die Vorsaison; jene Zeit da der VFL, der sichergeglaubte Absteiger, nur noch als Randnotiz der Sportpresse wahrzunehmen war.

Es sei denn, er handelte sich eine dieser historischen Klatschen, wie das 0:7 in Stuttgart oder das 0:4 gegen Eintracht Frankfurt, ein.

Sicherlich gab es hier und dort auch in der letzten Saison ein paar gute Spiele unserer Mannen zu bestaunen. Das 4:0 und das 5:1 gegen den Erzrivalen 1. FC Köln können hierbei als genugtuende Beispiele herhalten.

Auch gab es ein paar doch sehr unglückliche Niederlagen, wie beim 2:3 gegen Stuttgart nach 2:0 Führung oder die vollkommen überflüssige 2:3-Schlappe gegen Mainz 05.

Ganz zu schweigen von den immer noch schwer nachvollziehbaren Schiedsrichterentscheidungen, die uns ein ums andere mal um unsere Spielmoral und nicht selten um einen unserer Spieler brachten (beispielsweise die Rote Karte von Igor de Camargo gegen St. Pauli nach Lehmann-Schwalbe, oder das unberechtigte Gelb-Rot von Schiedsrichter Aytekin für Hanke in Mainz).

Getreu der unumstößlichen Weisheit Andi Brehmes „Hast du Scheiße am Fuß, hast du Scheiße am Fuß", dümpelte unsere Borussia ungebremst in Richtung Zweite Liga und jeder wahre Borussen-Fan sah sich mit unerträglicher Verzweiflung und schmerzhaften Enttäuschungen konfrontiert. Bis, ja bis ‚Fohlenflüsterer' Lucien Favre das Zepter übernahm und, einem Wunder gleich, den VfL in die Relegation rettete, gegen den VfL Bochum in zwei spannenden Spielen die Oberhand behielt und so den Verbleib im Oberhaus des deutschen Fußballs sicherte. Die anschließenden Feierlichkeiten ließen an einen Titel erinnern - für die Borussen war der nicht mehr für möglich gehaltene Klassenerhalt durchaus nahezu mit einem solchen gleichzusetzen.

Unter dem Schweizer holte die Borussia in 12 Spielen 20 Punkte und kassierte nur 9 Tore. Vorher waren es bei 22 Spielen kümmerliche 16 Punkte bei schwindelerregenden 56 Gegentoren. Kurzum - unsere Borussia schaffte das Unglaubliche und die Fans konnten am Ende mit erleichterndem Aufschnaufen die verkorkste Saison 2010/11 ad acta legen.

Vergessen wurde Sie dadurch jedoch nicht. Überhaupt haftet an der Borussia diese altbekannte Unberechenbarkeit. Wie sonst könnte man das Phänomen beschreiben, dass eine Mannschaft die Saisonvorrunde mit puristischen 10 Punkten abschließt und am Ende doch nicht absteigt. Oder dass man den Herbstmeister Bayern München in der Allianz-Arena 1:0 abschmeckt und dann Wochen später gegen den damaligen Tabellenletzten FC Augsburg mit gleichem Resultat sang- und klanglos untergeht.

Was also kann vor diesem Hintergrund von der Borussia für 2012 erwartet werden? Dürfen wir weiterhin nur vorsichtig unsere Siege genießen? Müssen wir immer noch Angst haben, dass der VFL in der Rückrunde wieder in die Tiefen der Tabelle abstürzen könnte?

Oft genug vernahm man am Anfang der Saison bei Interviews mit den Gladbacher Kickern eine Gewisse Vorsicht, ja Skepsis den eigenen Erfolgen gegenüber. »Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen und wo wir noch vor Wochen mit der gleichen Mannschaft waren«. Das waren Aussagen, die wir vom Fohlen-Trainer Favre nach jedem guten Spiel zu hören bekamen.

Diese Sätze sind gegen Ende der Saisonhinrunde aber kaum mehr gefallen. Die Zweifel verstummen. Es ist nun unverkennbare Tatsache, dass sich die Borussia im Aufwind bewegt und dabei zu Recht in der Spitzengruppe der Fußball-Bundesliga mitmischt. Die Hinrunde wurde für alle überraschend, aber hochverdient, auf dem 4. Platz mit 10 Punkten Vorsprung auf den ersten nicht internationalen Platz beendet.

10 von 17 Spielen hat der VfL für sich entschieden und dabei sogar unglücklich noch Punkte verschenkt. Die Niederlagen in Freiburg und Schalke hätten nicht zwingend sein müssen, und gegen Leverkusen wäre ein 3:0 oder 4:0 dem Spielverlauf angemessener gewesen, als das unglückliche 2:2 Unentschieden.

"Wir haben wieder eine Mannschaft, die in die Bundesliga passt!", hatten die VfL-Fans bei der Níederlage auf Schalke ein Plakat ausgerollt. In der Tat. Und für diese erfreuliche Entwicklung unserer Mannschaft gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist da natürlich die Arbeit vom Trainer des Jahres Lucien Favre. Was dieser Fußball-Kenner und Taktikfuchs innerhalb kürzester Zeit aus der Mannschaft, vor allem aus der Fohlen-Defensive um Dante & Co. gemacht hat, ist unfassbar.

Filip Daems erlebt unter Favre seinen zweiten fußballerischen Frühling, kaum jemand hat pro Spiel mehr Ballkontakte als Jantschke und um Stranzl´s Zweikampfbilanz beneiden ihn die meisten Defensivkicker der Liga. So stehen nach 17 Spielen lediglich elf Gegentreffer zu Buche.

Und auch der übrige Teil der Mannschaft ist im Vergleich zur letzten Saison kaum wiederzuerkennen. Alles in einem kann getrost gesagt werden, dass unsere Borussia von allen Bundesliga- Teams den größten Quantensprung gemacht hat und als die Überraschung der Hinrunde gelten darf. Und dazu die im Übrigen erfolgreichste Hinrunde des Vereins seit 35 Jahren gespielt hat.

»Wir sind solide und spielen gut. 33 Punkte, das Viertelfinale - unglaublich. Wir haben die gleiche Mannschaft, die noch vor sechs Monaten 18. und dann 16. war«, sagte Favre nach dem 3:1-Sieg gegen Schalke und meinte: »Es ist mehr als ein Wunder«.

Was die Jahrestabelle mit Platz 4 nachhaltig und wundervoll unterstreicht. 59 Punkte stehen im Kalenderjahr 2011 nach 34 Spielen zu Buche. Der VfL holte 1,74 Punkte im Schnitt und kassierte lediglich 29 Gegentreffer. Dieser Meinung war und ist auch Tony Jantschke. »Es war ein perfektes Jahr«, sagte der 21-Jährige nach dem Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals und ergänzte: »Und ich glaube, das liegt vor allem daran, weil wir als Mannschaft auftreten«.

Ohne Zweifel ist der Erfolg ein Verdienst des Kollektivs. Jedoch gibt es außer den Fähigkeiten Favres, der Qualitäten Kicker und der mannschaftlichen Geschlossenheit einen weiteren, nicht minder wichtigen Grund für die Erfolge der Borussia. Womit an der Stelle die VfL-Fans zu nennen und zu loben sind.

Die Borussia ist gerade auch zu Hause wieder eine Macht und nur schwer zu knacken. Man bemerke die Art und Weise, wie unsere Mannschaft im heimischen Stadion auftritt; wie frei und locker vom Fußgelenk sie Mannschaften wie Werder Bremen an die Wand spielte.

Und auch die zugegeben gewöhnungsbedürftigen Tanzeinlagen nach erzielten Toren, die man sonst so selten in unserem Stadion zu sehen bekam, beweisen doch eines: Die Jungs fühlen sich im Borussia-Park pudelwohl. Und das nicht zuletzt, weil sie spüren, dass die Fans- mit Kind und Kegel und mit Mann und Maus voll hinter ihrer Mannschaft stehen.

Zum Ende des Jahres hat sich die Borussia selbst und auch die Anhänger mit dem Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals beschenkt und somit ein herausragendes Sportjahr gekrönt. Das schweißtreibende und lange Jahr lag den Borussen merklich schon seit Tagen sichtbar schwer in den Knochen, was die zahlreichen Blessuren der letzten Tage und Wochen unterstrichen. In den Schlussminuten der Achtelfinal-Begegnung gegen den Tabellen-Dritten Schalke 04 war man sogar nahezu stehend K.O - und gewann trotzdem 3:1.

Ein letzter Kraftakt, bei dem die Borussen noch einmal alles aus sich herausholten und in die Waagschale gelegt hatten, war geschafft. »Mich hat die Mannschaft beeindruckt, wie sie nach so einem schweren Jahr noch mal alles gegeben hat. So ein Abschluss wie heute ist natürlich wie gemahlen. Es tut uns gut und es tut dem Verein gut. Wir sind mächtig stolz«, sagte Max Eberl und meinte: »Ich denke, dass dieses Jahr bei Borussia Mönchengladbach reif für ein Buch ist. Mit allen Geschichten drum herum war es ein Jahr, was unvergessen bleibt«.

»Es war ein super Jahr und ich bin für alle extrem zufrieden«, strahlte Lucien Favre nach dem Sieg gegen Schalke und freute sich ebenso wie seine Schützlinge auf ein paar Tage Erholung.

Ein zweifelsohne super und sicherlich unvergessenes Jahr, in dem der VfL gerade auch die Experten überraschte. Die englische Tageszeitung ‚The Guardian' redet mittlerweile schon von „Borussia Barcelona" und auch Bundestrainer Joachim Löw lobt die Borussia in hohen Tönen und traut der jungen Mannschaft zu, auch am Ende noch in der oberen Tabellenregion zu stehen. Und für den Bundestrainer ist Lucien Favre ,von den VfL-Fans ehrenvoll "Hennes Lucien Favre" geadelt, szu Recht gar der eigentliche Trainer des Jahres. Der VfL wird also immer beliebter und gefragter.

„Letztes Jahr noch am Boden, heute auf dem Weg nach oben - Danke Jungs! Danke Lucien!", zierte beim Pokalspiel gegen Schalke ein Plakat die Nordkurve im Borussia-Park. »Über das Jahr 2011 braucht man nicht diskutieren. Das war absolut positiv und es ist Wahnsinn, was wir geleistet haben«, resümierte Martin Stranzl. »Vielen Dank an alle, an den Verein und an alle Fans. Es war ein sehr schönes und tolles Jahr. Der Zusammenhalt hat mich sehr beeindruckt«.

Somit verabschiedet sich Borussia Mönchengladbach, genauso wie Fans und deren Begleiter von einem fantastischen Fußballjahr, um dieses in den kommenden Tagen Revue passieren zu lassen, um sich von den Strapazen zu erholen und um den Akku neu aufzuladen - und in der Hoffnung, dass auch das Jahr 2012 das Jahr des VfL wird und sich das Wunder fortsetzt.

»Wir sind eine Überraschungsmannschaft und haben schon viel erreicht. Aber wir dürfen nicht anfangen zu träumen«, warnt Favre. Unser Ziel ist, Spiel für Spiel zu nehmen und um jeden Punkt zu kämpfen«. Und das werden die Borussen auch in den ersten drei Spielen, bei denen zum Rückrundenauftakt der FC Bayern München in den Borussia-Park kommt, müssen. Danach stehen mit dem VfB Stuttgart und dem VfL Wolfsburg zwei Auswärtsspiele auf dem Programm.

In dem Sinne - allen FH-Lesern, den dazugehörigen Angehörigen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest sowie vorab einen guten und sanften Rutsch ins neue Jahr! Und auf das im Jahr 2012 die Seele im positiven Sinne brennt und es aus allen Kehlen hallt: "Oooohhh VFL, du schöööner VFL. Wir holen...".


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