Die Hinrunde der Saison 2011/2012 ist passé und so bietet die Winterpause auch die Gelegenheit, die einzelnen Mannschaftsteile von Borussia Mönchengladbach unter die Lupe zu nehmen. Marc André ter Stegen musste in der abgelaufenen Hinrunde lediglich 11 Mal hinter sich greifen. Damit stellt der VFL nach Spitzenreiter FC Bayern München die zweitbeste Defensive der Bundesliga. Insgesamt sicherlich ein Verdienst der gesamten Mannschaft.
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| Fels in der Brandung - Innenverteidiger Dante. Foto: Dirk Päffgen, für Fohlen-hautnah.de |
Marc André ter Stegen: Borussias neue Nummer eins fehlte in keines der 17 Hinrundenspiele, stand zudem bei allen drei Pokalspielen auf dem Platz und brachte es somit auf 1830 Spielminuten. In seiner ersten kompletten Halbserie hat sich der 19-jährige Keeper von Anfang an als sicherer Rückhalt für das Team bewiesen.
Bemerkenswert, wie abgeklärt, souverän und zeitweise auch kompromisslos der junge Schlussmann agierte. Dabei konnten ihn auch ein Trainingsunfall mit Uwe Kamps, bei dem er sich zwei Schneidezähne abbrach, und zuletzt eine Rippenprellung nicht aufhalten.
Der 19-Jährige verkörpert das moderne Torwartspiel, hat über die gesamte Hinrunde weitestgehend Bestnoten gesammelt und so den in der letzten Saison ergatterten Stammplatz spätestens nach der Hinrunde auch rechtfertigt.
Die ruhige und besonnene Art des noch jungen Torwarts, gepaart mit starken Reflexen, gab der Mannschaft, vor allem der Defensive die Sicherheit, die in der letzten Saison fehlte. Im Auftaktspiel bei Bayern München zeigte ter Stegen seine beste Leistung. Erst zum Ende der turbulenten und kraftraubenden Hinrunde schlichen sich auch beim Fohlen-Torwart allmählich Fehler ein.
Einen kleinen Patzer in Augsburg konnte er noch bereinigen, bei dem Gegentreffer zum 2:1 im DFB Achtelfinale gegen Schalke 04 aber sah ter Stegen nicht gut aus. Dennoch kann das die insgesamt gute Leistung des Keepers in dieser Halbserie nicht schmälern.
Fakten: Der Junge Keeper hielt 82,8 % aller Schüsse, vereitelte dabei elf Großchancen und spielte siebenmal zu Null. Eine tolle Bilanz, die in der Bundesliga den Spitzenwert bedeutet und die auch erklärt, warum Gladbach in der Hinrunde lediglich 11 Gegentore kassierte.
Folgerichtig liegt der Torhüter bei der Wahl zum Torhüter der Hinrunde auf ‚Bundesliga.de' derzeit mit großem Abstand auf den Zweitplatzierten Sven Ulreich vom VfB Suttgart auf Platz 1. In der Kicker-Rangliste wurde Borussias Eigengewächs in die ‚internationale Klasse' eingestuft und rangiert in dieser Manuel Neuer, Bernd Leno und Roman Weidenfeller auf Platz vier.
Derweil sieht Oliver Kahn Borussias Nummer eins direkt hinter Manuel Neuer. »Meine Nummer zwei heißt ter Stegen«, sagte der Ex-Nationaltorhüter dem Kicker. »Der Keeper aus Mönchengladbach hielt auch sogenannte unhaltbare Bälle und wirkt auf mich ungeheuer stabil für sein Alter«.
Der Klassenerhalt und der Höhenflug des VfL ist zweifelsohne eng mit ter Stegen verbunden. Die Borussia hat auf lange Sicht wieder einen richtig guten und starken Torhüter, der mit seinem ‚Latein' sicher noch nicht am Ende ist ... Note: 1,5
Roel Brouwers: Der 1,92 m große Niederländer brachte es in der Hinrunde zu 9 Einsätzen. Sechsmal spielte er dabei von Beginn an und wurde dreimal eingewechselt. Gleich zum Bundesliga-Auftakt legte der Innenverteidiger für Igor de Camargo auf und hatte somit Anteil am 1:0-Sieg beim FC Bayern. Und stand der 30-Jährige auf dem Platz, so war und ist auf ihn stets Verlass. Auch nach längerer Spielpause spulte der Innenverteidiger sich in den Dienst der Mannschaft stellend sein Programm routiniert ab und überzeugte mit soliden Leistungen.
Fakten: Brouwers gewann 56 % der insgesamt 84 geführten Zweikämpfe, was die doch passable Leistung des Ex-Paderborners in der abgelaufenen Hinrunde etwas verfälscht. Ein weiterer Wehrmutstropfen ist die unglücklich zu Stande gekommene gelb-rote Karte gegen den VFB Stuttgart.
Unter dem Strich ist auf den Innenverteidiger stets Verlass, was der VfL durchaus zu schätzen weiß und mit der Vertragsverlängerung unterstrich. Eigentlich war kein großer Unterscheid zu spüren, wenn der Niederländer Martin Stranzl vertrat. Zudem war Brouwers auf dem Punkt immer da und leistete sich nie große ‚Böcke' erlaubt hat. Note: 3,0
Dante: Wie Marc André ter Stegen, hat auch Dante Bonfim Costa Santos bei allen Punktspielen von Anfang bis Ende mitgewirkt und brachte es so auf insgesamt 1530 Minuten. Der 28-jährige Vorzeigeverteidiger hat die Hinrunde mit durchschnittlich 63 % gewonnenen von 255 geführten Zweikämpfen beendet und hatte nach Tony Jantschke beim VfL die meisten Ballkontakte (1250). Zudem zeigte sich der Brasilianer sehr passsicher. Von 969 Pässen fanden 90,1 % den richtigen Weg.
Bereits im ersten Spiel der Saison beim FC Bayern München hat Dante nach seinen zu den Akten gelegten Wechselabsichten neben Roel Brouwers eine gut und souveräne Leistung gezeigt. In den darauffolgenden Spielen hat sich Dante als Ruhepol in der Defensive bewiesen, schreckte aber auch nicht zurück, auszuteilen wenn es brenzlig wurde.
Mit fünf gelben Karten in der Hinrunde hat er die meisten Verwarnungen des Teams zu verbuchen und muss im ersten Rückrundenspiel gegen Spitzenreiter Bayern München aussetzten. Dantes Spiel, das nun auch sicherer ist, ist enorm wichtig für Gladbach. Bei schwachen Spielen von Dante, wie in Augsburg oder Hoffenheim, fällt es der Mannschaft unheimlich schwer, dies zu kompensieren. Sein bestes Spiel zeigte er beim 5:0 gegen Werder Bremen.
Der 28-Jährige spielte eine konstant gute Hinrunde und war Borussias bester Abwehrspieler. Folgerichtig steht er auch in der Sky-Elf der Hinrunde. Zudem stufte ihn das Sportmagazin Kicker in seiner Rangliste der Innenverteidiger Hinrunde 2011/2012 neben Holger Badstuber, Mats Hummels und Daniel van Buyten in die internationale Klasse ein und rangiert dort auf Platz vier. Note: 2,0
Filip Daems: Borussias Mannschaftskapitän spielt mittlerweile in der 8. Saison für die Fohlen. Filip Daems stand bei 15 Partien von Beginn an auf dem Platz und kommt somit auf insgesamt 1350 Spielminuten. Zudem wirkte der linke Verteidiger auch in allen drei Pokalspielen von Anfang bis Ende mit.
In der letztjährigen ‚Katastrophen'-Saison konnte auch der Belgier keine positiven Akzente setzen. Unter Lucien Favre hat der Belgier jedoch seine Leistung deutlich steigern können und sich somit als feste Größe in der Viererkette etabliert. Gerade die in der letzten Saison stark verbesserungsbedürfte Zusammenarbeit mit Juan Arango klappte in der Halbserie nahezu hervorragend.
Zudem konnte der 33-Jährige mit seinen drei sicher verwandelten Strafstößen wichtige Punkte einfahren. Filip Daems ist unter den Abwehrspielern des VFL der einzige Spieler ohne Verwarnung. Fakten: Von 577 gespielten fanden 85,6 % den richtigen Weg und von 248 geführten Zweikämpfen konnte er 55,2 % für sich entscheiden. Note: 2,75
Martin Stranzl: Der Österreicher kam in der letzten Winterpause und konnte mit seiner Erfahrung die Abwehr der Borussia ohne Eingewöhnungsphase stabilisieren. Der 31-Jährige hat mit 67,9 % gewonnenen Zweikämpfen die beste Bilanz der Mannschaft und belegt damit einen Spitzenplatz in der Liga. Stranzl kam verletzungsbedingt lediglich zu 10 Einsätzen von Beginn an und wurde einmal eingewechselt.
Er wirkte auf dem Platz stets souverän sowie unaufgeregt und konnte vor allem mit seinem sehr guten Stellungsspiel überzeugen. Im Aufbauspiel hingegen, bevorzugt er eher den ‚Sicherheitspass'. In Gladbach konnte er sich sehr schnell zu einer festen und nahezu unverzichtbaren Abwehrgröße etablieren. Bei der Begegnung gegen Freiburg am 8.Spieltag führte ein abgefälschter Ball von Stranzl zum 1:0-Siegtreffer der Breisgauer. Ansonsten blieb der Österreicher nahezu fehlerfrei und ist ein starker Rückhalt für die Gladbacher Defensive.
Fakten: Von 381 gespielten fanden 91,6 % den richtigen Weg und von 168 geführten Zweikämpfen konnte er 67,9 % für sich entscheiden. In der Kicker-Rangliste wurde der Österreicher in den ‚erweiterten Kreis' eingestuft und belegt dort Rang fünf. Nimmt man die Einstufungen von Dante und Stranzl zu Grunde, so hat der VfL nach dem FC Bayern das beste Innenverteidiger-Duo. Note: 2,5
Tony Jantschke: Der U21-Nationalspieler hat in seiner ersten ‚richtigen' Bundesliga-Halbserie beim VfL mit 1338 die meisten Ballkontakte pro Spiel aufzuweisen und rangiert damit auf Platz vier der Bundesliga. In den 17 Einsätzen und 1522 Spielminuten arbeitete er viel und brachte große Laufwege hinter sich.
Er ist zudem der Abwehrspieler mit den meisten Offensiv-Vorstößen. Aus diesen Angriffsaktionen resultierte eine Torvorlage, die zum 1:0-Erfolg gegen den 1. FC Kaiserslautern geführt hat. Bei Torschussbeteiligungen liegt der Youngster im Vergleich zu seinem Gegenüber Filip Daems (9) mit 19 in dieser Statistik klar vorne, während die beiden Außenverteidiger bei angekommen Flanken mit 28,6 % und 25 % nahezu auf einer Höhe liegen.
Dem jüngsten Defensiv-Kicker fehlt noch etwas die spielerische Konstanz. Er ist ein sehr spielstarker Verteidiger, der den Ball behaupten kann und entsprechend Druck nach vorne aufbaut. Seine Formkurve weist aber Schwankungen auf, die beispielsweise an der guten und konzentrierten Leistung gegen Werder Bremen und dann drei Wochen später an der eher mäßigen in Augsburg zu erkennen waren.
Fakten: Von 826 gespielten Pässen kamen 83,4 % an den Mann und von 320 geführten Zweikämpfen konnte er 59,1 % für sich entscheiden. Note: 3,0
Oscar Wendt: Zur neuen Saison vom schwedischen Meister FC Kopenhagen mit großen Ambitionen zur Borussia gekommen, sollte er als linker Verteidiger in der Abwehr für Stabilität sorgen. Doch auf Grund der vielleicht etwas überraschend konstant guten Leistungen von Kontrahent Filip Daems brachte es der schwedische Nationalspieler zu lediglich drei Einsätzen, in denen er sein Leistungspotenzial nicht gänzlich unter Beweis stellen konnte.
Gerade aufgrund der bisher insgesamt 183 Spielminuten, die ihn vorrübergehend auch seinen Platz in der Nationalmannschaft kosteten, ist die wahre Qualität des Schweden daher nur schwer einschätzbar. Da Filip Daems auch in der Rückserie auf der linken Abwehrseite gesetzt sein dürfte, bleibt abzuwarten, ob der Schwede weitere Gelegenheiten bekommt, um sein Können unter Beweis zu stellen. Ohne Note.
Christofer Heimeroth: Aufgrund der starken Leistungen von Marc André ter Stegen ist Borussias Nummer zwei noch ohne jeglichen Einsatz. Der Vertrag des 30-Jährigen läuft zum Saisonende aus, der VfL wird diesen aber wohlmöglich verlängern. Und das deshalb, weil man mit dem 30-Jährigen einen ruhigen und nie murrenden Torhüter in der Hinterhand hat, der da sein wird, wenn er gebraucht wird. Ohne Note.
Matthias Zimmermann: Vor der Saison aus der Zweiten Liga vom Karlsruher SC gekommen stand der 19-Jährige bisher lediglich acht Minuten auf dem Feld. Und das gerade auch deshalb, weil sich ‚Mitbewerber' Tony Jantschke keine großen ‚Böcke' leistete und weil er in der Vorbereitung aufgrund seiner mittlerweile abgeschlossenen Ausbildung einige Trainingseinheiten fehlte. So sammelte der Rechtsfuß überwiegend Spielpraxis in Borussias zweiter Mannschaft und brachte es dort auf 8 Regionalligaeinsätze. Im Winter ist der Verteidiger nun voll dabei und dürfte sich angriffslustig zeigen. Ohne Note.
Fakten zur gesamten Abwehrleistung der Hinrunde 2011/2012:
Bei insgesamt 11 Gegentreffern ist die Abwehrleistung der Borussen im Gegensatz zum Vorjahr sicherlich mehr als zufriedenstellend. Und das nicht ‚nur', weil die Defensivabteilung stets auf der Hut war und wenig bis gar nichts zu ließ, sondern gerade auch deshalb, weil die gesamte Mannschaft geschlossen gegen den Ball arbeitete, kompakt stand und die Räume dicht machte. Derweil untermalen bzw. belegen die nachfolgenden Zahlen, dass der VfL zu Recht auf dem 4. Tabellenplatz überwintert.
Borussia Mönchengladbach hat mit 183 nach dem FC Bayern München und dem 1. FC Nürnberg die wenigsten Torschüsse zu gelassen, zum Ende der letzten Hinrunde hatte man hier mit 288 noch den Spitzenwert inne. Bei 63 Torchancen des Gegners fanden 11 Chancen den Weg ins Tor - also jede 5,72 Chance ein Tor. Letztes Jahr waren es bei 127 Torchancen 47 Gegentorte - also jede 2,63 Chance ein Tor. Eine klare Verbesserung also, die auch Lucien Favre zu verdanken ist.
Auch bei der Abseitsstellung des Gegners belegt Borussia mit Platz eins einen Spitzenplatz. Insgesamt gelang es nur 100 Mal, den Gegner Abseits zu stellen. Im Vergleich: Spitzenreiter Bayern München gelang dies nur 26 Mal. Dies ist natürlich nur möglich, da die Mannschaft unter Favre insgesamt höher steht und früher angreift. Selbst ins Abseits gelaufen sind die Borussen lediglich 30 Mal. In dieser Statistik ist der FSV Mainz 05 76 Mal der Spitzenreiter.
Noch zum Ende der letzten Hinrunde war auffallend, dass Borussia in der 2.Halbzeit mehr als doppelt so viele Gegentore bekam (33), als in der ersten (14). Diesmal ist diese Bilanz mit fünf und sechs Gegentoren ausgeglichen. Was zeigt, dass Borussias Trainer die Mannschaft in Sachen Kondition und Konzentration auch hier in die obere Tabellenhälfte geführt hat.
Auch ein Indiz der guten der Abwehrleistung ist, dass Borussia lediglich 215 Foulspiele begangen hat - die wenigsten in der Liga. Und auch in der Anti-Fair-Play-Tabelle hat der VfL zusammen mit dem SC Freiburg mit 31 Karten nach Borussia Dortmund die wenigsten. Zudem ist Borussia ist nach dem FC Bayern München die Mannschaft mit dem meisten Ballkontakte 685,6 pro Spiel.






