Nachdem wir im ersten Teil unserer Hinrundenbilanz die Torhüter und die Abwehrspieler beäugten, so haben wir uns nun dem Mannschaftsteil Mittelfeld von Borussia Mönchengladbach gewidmet und dabei die einzelnen Spieler unter die Lupe genommen.
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| Borussias bester Vorlagengeber - Juan Arango. Foto: Dirk Päffgen, für Fohlen-Hautnah.de |
Juan Arango: Auch der venezolanische Nationalspieler ließ sich in der letzten Saison vom allgemeinen Unmut, der beim VFL herrschte, anstecken. Der 31-Jährige wirkte zu dieser Zeit manchmal mitunter lethargisch und präsentierte sich eher als ein laues Lüftchen und nicht wie der gefürchtete ‚Hurrikan der Karibik'. Man sah ihm den Spaß am Fußball nicht mehr an. Nichts schien mehr funktionieren zu wollen. Ganz anders ist sein Auftreten aber in dieser Saison.
Der begnadete Techniker hat nun endlich die Rolle in der Mannschaft übernommen, die man bei seiner Verpflichtung im Juli 2009 für ihn vorgesehen hatte. Nämlich die des Schalters und Walters im offensiven Mittelfeld. Mit einer gewissen Überraschung konnte man in der Vorsaison beobachten, dass Arango in der Nationalmannschaft ganz ordentliche Leistungen zeigte, während er im Bundesliga-Alltag nicht zu seinem Spiel fand.
Ganz offensichtlich profitiert nun auch der Linksfuß von der Harmonie, die Lucien Favre in das Spiel der Borussia gebracht hat. Er übernimmt immer mehr Verantwortung im Spiel nach vorne, ‚gönnt' sich im Spiel weniger Auszeiten, abreitet nach hinten und scheint auch in der schwierigsten Situation stets eine zündende Idee aus dem Ärmel ziehen zu können.
Zudem erzielte der Offensiv-Kicker die mit Abstand schönsten Tore für die Borussia - und das nicht ‚nur mit seinem Feingefühl bei Freistößen. Man erinnere sich an den Volley-Schuss gegen Kaiserslautern oder den Winkel-Kracher gegen Bremen. Gegen die Truppe von der Weser lieferte er beim grandiosen 5:0-Sieg mit einem Tor und zwei Vorlagen wohl seine beste Partie ab.
Insgesamt erzielte Juan Arango drei Tore und brachte es zudem gemäß dem Sportmagazin Kicker auf sechs Assists. Der Ausnahmefußballer entschied von 367 geführten Zweikämpfen 54,5 % für sich und hatte mit 1196 Ballkontakten mehr als doppelt so viele wie zum Ende der vergangenen Hinrunde was auch zeigt, dass er mehr in das Spiel des VfL eingebunden ist. Zudem fanden von 762 gespielten Pässen 73,6 % den richtigen Weg. Der 31-Jährige gab 45 Torschüsse ab und hatte eine Torschussbeteiligung von 110.
Wie es sich für eine feste Größe im Kader gehört, spielte Arango in allen 17 Partien der Hinrunde von Anfang bis Ende durch und kommt somit auf 1530 Arbeitsminuten. In seiner Heimat wird die Nummer 18 des VfL „Arangol" genannt. Ein Spitzname, an den man sich bei Borussia durchaus auch in Zukunft gewöhnen könnte. Dazu müsste es aber mehr werden, als lediglich jeder 15. Schuss ein Tor... Note: 2,5
Patrick Herrmann: Der U21- Nationalspieler spielte zum Anfang der Hinrunde noch keine sonderlich große Rolle im System Favre. Wenn überhaupt, dann wurde der 20-Jährige nur für wenige Minuten eingewechselt. Erst zum 9. Spieltag ließ ihn der VfL-Coach von Beginn an spielen. Herrmann schaffte es danach ein ums andere Mal seinen Fußballlehrer von seinem Talent zu überzeugen und brachte es auf insgesamt 1033 Spielminuten.
Fortan zeigte seine Leistungskurve steil nach oben. Drei wunderschön erzielte Tore und fünf Assists zeugen von der Effizienz des offensiven Mittelfeld-Akteurs. Gegen Mainz 05 zeigte Herrmann eine gute Leistung und sicherte mit seinem Tor der Mannschaft, die es sich in diesem Spiel schwer tat, drei Punkte. Auch gegen Bremen, Köln, Leverkusen und Hannover konnte das Team sich guter Leistungen des jungen Kickers erfreuen. Herrmann befindet sich dennoch im Reife-Prozess.
Die Entwicklung des Fohlens geht einher mit der der Borussia: Überraschend gut und überraschend schnell. Bleibt gleichermaßen abzuwarten und zu hoffen, dass beide in der Rückrunde die Reife besitzen, das erreichte Niveau auch bis zum Ende zu behaupten. Während von 224 Pässen 75 % an den Mann kamen, so ist bei dem Youngster noch die Zweikampfquote verbesserungswürdig. Von 204 geführten konnte er lediglich 41,7 % für sich entscheiden. Note: 2,5
Thorben Marx: Der 30-Jährige stand in der abgelaufenen Hinrunde in 14 Bundesliga-Partien auf dem Platz und brachte es dabei auf 530 Spielminuten. Unter VfL-Coach Favre fungierte der Mittelfeldspieler vornehmlich als Einwechselspieler sowie als Backup für die beiden „6er" Roman Neustädter und Håvard Nordtveit. In dieser Rolle agierend, fiel er zwar nie mit sonderlich vielen Fehlern auf, konnte aber auch selten auffallende Akzente setzen.
Bei der 1:0-Niederlage in Augsburg spielte der gebürtige Berliner für den verletzten Nordtveit von Beginn an und erlebte seinen wohl schwärzesten Tag dieser Hinrunde. Er wurde in der 76. Minute ausgewechselt und erhielt für sein schlechtes Spiel durchweg mangelhafte Bewertungen. Insgesamt aber hat er in seinen Einsätzen seine Reservistenfunktion in ausreichendem Maße erfüllt.
Der Ex-Bielefelder gewann 58,4 % seiner 77 geführten Zweikämpfe und schlug 241 Pässe von denen 83 % ankamen. Note: 3,75
Roman Neustädter: Der 23-jährige Ex-Mainzer ist der einzige Kicker im Kader der Borussia, der alle 37 Pflichtspiele des gesamten Jahres 2011 bestritten hat. Hierbei stand der defensive Mittelfeldspieler immer im Anfangskader. In dieser Saison kommt er somit inklusive DFB-Pokal Einsatz auf insgesamt 1793 Spielminuten.
Die Zweikampfbilanz von 55,9 % ist für einen Mittelfeldspieler ganz passabel und von den 826 Pässen des in der Ukraine geborenen Borussen, fanden 83,5 % den richtigen Adressaten. Roman Neustädter hat sich weiterentwickelt und genießt die volle Unterstützung Favres und dankt es ihm, indem er vor der Abwehrkette in schöner Regelmäßigkeit die meisten Kilometer im Spiel läuft, viel ackert und viel kämpft.
Dies mag aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Spiel Neustädters gerade auch offensiv noch die nötige Würze fehlt - das wäre zum Beispiel mal ein Scorerpunkt auf der Habenseite.
Beim 5:0 gegen Werder Bremen bekam Neustädter von der Bild-Zeitung eine glatte 1,0. Vier Wochen zuvor wurde er in Hoffenheim von Favre nach 75 Spielminuten und einer nahezu inakzeptablen Leistung ausgewechselt. Die Spielveranlagung des jungen Borussen lässt jedoch klar erkennen, dass er absolut das Zeug dazu hat, in der Zukunft die Regie im defensiven Mittelfeld der Borussia zu übernehmen.
»Ich habe mir einen Stammplatz erkämpft. Aber ich weiß, dass die Entwicklung weitergehen muss und bleibe bodenständig«, sagt Neustädter. Diese Selbsteinschätzung ist durchaus realistisch. Note: 2,75
Håvard Nordtveit: Sicherlich ist dem 21-jährigen Norweger viel zu verdanken, denn er ist in der Vorsaison einer der wichtigsten Faktoren bei der Mission Klassenerhalt gewesen. Werfen wir einen Blick zurück in die Saison 2010/2011. Im defensiven Mittelfeld waren damals die Doppel-Sechs Marx/Bradley aufgestellt und mit der Aufgabe betraut, die gegnerische Offensive vor der Abwehrkette abzufangen bzw. zu stören.
Das Zusammenspiel zwischen Marx und Bradley funktionierte aber nicht. Vor allem die eklatanten Stellungsfehler der beiden „6er" sorgten für riesige Löcher in der Nahtstelle zwischen Abwehr und Mittelfeld. So konnte man mit sehr wenig Aufwand gefährlich vor die VfL-Abwehr gelangen. Häufige Gegentore waren da vorprogrammiert. Erst mit Nordtveit kehrte Ruhe im defensiven Mittelfeld ein.
Das Mittelfeld wirkte dadurch insgesamt viel sicherer und kompakter. Die Entlastung der Abwehr drückte sich in der viel kleineren Zahl kassierter Gegentore aus. Ohne Frage kam dem ehemaligen Kicker von Arsenal London eine Schlüsselstellung beim plötzlichen Erfolg und dem daraus resultierenden Klassenerhalt der Borussia zu.
Der norwegische U21-Nationalspieler wurde schon als Garant für eine bessere Zukunft der Borussia gesehen. Bisher hat sich diese Hoffnung jedoch nicht bestätigt. Seltsamerweise ist bei Nordtveit in dieser Hinrunde eher ein leichter Leistungsabfall gegenüber der Vorsaison zu beobachten. Seine besten Spiele gegen Bremen und in Köln erinnerten teilweise an seine früheren Leistungen. In den übrigen Spielen jedoch war sein Auftritt meist durchschnittlich.
Gegen Bayer Leverkusen blieb er wirkungslos und wurde nach 68 Minuten ausgewechselt, während der Rest der Borussen-Truppe eine weitgehend ordentliche Partie zeigte. Ohne Zweifel wird das Spiel der Borussia im Mittelfeld spürbar besser werden, wenn der norwegische Nationalspieler zu seiner alten Form zurückfindet. Nordtveits Bilanz ähnelt der seines etwas offensiveren Gegenparts Roman Neustädter. 82,9 % seiner 532 gespielten Pässe kamen an und 52,8 % seiner 197 geführten Zweikämpfe hat er bei 1114 gespielten Bundesliga-Minuten gewonnen. Note: 3,25
Yuki Otsu: Vor der Saison aus Japan gekommen, brachte er es auf bisher Zwei Bundesliga-Kurzeinsätze, bei denen er 23 Minuten auf dem Platz stand. Dem gegenüber stehen 7 Auftritte in der Regionalliga West, in denen er zwei Torvorlagen erzielte und ein Kurzeinsatz im DFB-Pokal. Vor allen Dingen in Testspielen konnte Borussias erster Japaner seine Qualitäten unter Beweis stellen. Ohne Note
Lukas Rupp: Der 20-Jährige kam zu Saisonbeginn im Doppelpack mit Matthias Zimmermann von Zweitligist Karlsruher SC und brachte es bisher auf drei Bundesligakurzeinsätze mit insgesamt 32 Spielminuten. Zudem kam der Youngster in der Erstrundenpartie des DFB-Pokals beim SSV Jahn Regensburg zum Einsatz. Und hier zeigte er als Vertreter für Juan Arango im linken Mittelfeld eine ordentliche Leistung, bereitete einen Treffer beim 3:1-Sieg vor und bestätigte seine zuvor guten Eindruck der Vorbereitung.
Um sich gänzlich in der Bundesliga und beim VfL durchsetzten zu können, muss der gebürtige Heidelberger weiter Geduld bewahren und insgesamt noch eine Schippe drauflegen. Das wird er sicherlich tun und dann darf man gespannt sein, ob und wann zu den bisherigen Kurzeinsätzen weitere und auch längere hinzukommen. Ohne Note.
Fakten zur Mittelfeldleistung:
Es ist eindeutig erkennbar, dass der VfL das Spiel breit macht und über die außen spielt, da es aus dem zentralen Mittelfeld nicht zu seinem einzigen Scorerpunkt gereicht hat. Dagegen brachte es die Flügelzange Herrmann/Arango auf 6 Tore und 11 Vorlagen. Und dadurch, das alle mitmachen, das man insgesamt höher steht und geschlossen gegen den Ball arbeitet, hat das Mittelfeld auch seinen Anteil daran, dass man weniger Schüsse aus der zweiten Reihe zulässt und erst elf Gegentore ‚schlucken' musste.






