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Borussias Offensive: Marco Reus überragt

Der Sturm nach der Hinrunde in der Einzelkritik

Nachdem wir im ersten und zweiten Teil unserer Hinrundenbilanz die Torhüter, die Abwehrspieler und die Mittelfeldspieler beäugten, so haben wir uns abschließend der Offensivabteilung von Borussia Mönchengladbach gewidmet. 25 Tore erzielte der VfL in der Hinrunde, alleine zehn gehen dabei auf das Konto von Marco Reus.

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Sorgt für das Salz in der Suppe - Marco Reus. Foto: Dirk Päffgen, für Fohlen-Hautnah.de

Raúl Bobadilla: Der 24-Jährige kam in der Hinrunde in 15 Partien zum Einsatz und brachte es auf 525 Spielminuten. Am 3. Spieltag für den verletzten Igor de Camargo in die Startelf gerückt, zeigte der Angreifer beim 4:1-Sieg gegen den VFL Wolfsburg eine grandiose Partie und verdiente sich eine Bestnote.

Und was der bullige Stürmer drauf hat und im Stande ist zu leisten, zeigte er allen voran in der ersten Halbzeit. Lauffreudig und zweikampfstark sorgte der Argentinier in der Offensive für Wirbel und war stets anspielbar. Bobadilla war präsent, giftig und schnell.

Eine Galavorstellung gegen die ‚Wölfe', die er mit der tollen Vorlage zum 1:1-Ausgleich von Marco Reus und mit einem Tor untermauerte. »Er hat heute Fußball wie fast von einem anderen Stern gespielt«, überschlug sich der Sky-Moderator in der Nachanalyse förmlich.

Bei vielen Fans und Beobachtern hinterließ der ‚Büffel' damals den Eindruck, als sei bei ihm nun der Knoten nach einer verkorksten Vorsaison geplatzt. Doch der starken Vorstellung sollten aber leider durchweg lediglich schwankende und eher durchschnittliche Auftritte folgen, wenngleich gegen den BVB noch eine Torvorlage hinzukam. Seine Leistung ließ zusehends nach.

Zudem war der kräftige Argentinier, der seinen massigen Körper in Zweikämpfen betont einsetzte, jedoch des Öfteren unvorteilhaft bei den Schiedsrichtern aufgefallen und so recht früh im Spiel mit der gelben Karte verwarnt worden (26. Minute gegen VFB Stuttgart und 63. Minute bei Schalke 04 - vier gelbe Karten insgesamt in der Hinrunde). Diese Unberechenbarkeit schmeckt Lucien Favre nicht, der auf die gewohnte Konstanz des Offensiv-Duos Reus/Hanke setzte.

So kam ‚Boba' vornehmlich von der Bank. Ein Bemühen und Reinhängen konnte man dem Argentinier bei seinen Auftritten zwar nicht absprechen, allerdings konnte er sich auch nicht nachhaltig für einen Startelf-Einsatz aufdrängen. Wenn Igor de Camargo in der Rückrunde von Verletzungen verschont bleibt, dürfte es für den Argentinier schwer werden, sich bei der Borussia durchzusetzen.

Tendenz: Der 24-Jährige wird sich wohlmöglich im Winter verändern. Und das wohl gerade deshalb, um primär von Beginn an spielen zu können, denn der klassische Joker ist er eher nicht. Er versucht es bei Kurzeinsätzen bzw. Einwechslungen zu genau zu machen und will zu viel.

Fakten: Der Argentinier verzeichnete 289 Ballkontakte, gab 22 Torschüsse ab und hatte eine Torschussbeteiligung von 33. Zudem brachte er 76,7 % seiner 133 Pässe an den Mitspieler und gewann 41 % seiner 222 geführten Zweikämpfe. Note: 3,5

Igor de Camargo: Der belgische Nationalspieler, mit dafür verantwortlich, dass der VfL überhaupt weiter im Oberhaus des deutschen Fußballs mitmischt, kam in der Hinserie verletzungsbedingt auf lediglich 9 Einsätze, 5 davon stand er von Beginn auf dem Platz. So brachte er es auf insgesamt 520 Spielminuten und sorgte in 180 dieser mit zwei Toren für sechs Punkte. So schoss er den 1:0- Siegtreffer zum Auftakt beim FC Bayern und legte somit den Grundstein für eine erfolgreiche Hinrunde des VfL. Zudem sicherte er mit seinem Treffer den 1:0-Sieg beim Hamburger SV.

Die Fans schauen ein bisschen wehmütig auf die Entwicklung des im Sommer 2010 verpflichteten Stürmers. Jeder weiß um die eigentlichen, aber leider selten zu sehenden Qualitäten des Ex-Lüttichers. Die Verletzungsanfälligkeit des Borussen und das daraus resultierende Fehlen von konstanter Spielpraxis, wird es dem Stürmer auf Dauer selbst erschweren, sein spielerisches Können realistisch einzuschätzen.

Noch scheint er davon unbefangen zu sein. Wurde er eingesetzt, zeigte der belgische Nationalspieler größtenteils ordentliche Leistungen und deutete an, warum ihn der VfL an den Niederrhein gelotst hat.

Es bleibt gleichermaßen zu hoffen und zu wünschen, dass der sympathische und mit Qualitäten ausgestattete Belgier in Zukunft weniger von Verletzungssorgen geplagt ist. Denn ein Stürmer mit dem Spielvermögen eines Igor de Camargos kann die Borussia ohne Zweifel immer gut gebrauchen.

Fakten: Der 28-Jährige war 204 Mal am Ball, gab 16 Torschüsse ab und hatte eine Torschussbeteiligung von 30. Von 154 geführten Zweikämpfen konnte er 37 % für sich entscheiden und von 99 gespielten Pässen fanden 72,7 % den richtigen Weg. Note: 3,0

Mike Hanke: Der Ex-Hannoveraner fehlte in der gesamten Hinrunde nur am 6. Spieltag beim HSV und stand zudem in allen Pokalspielen auf dem Platz. In seinen 1273 Bundesligaminuten traf der Angreifer 3 Mal und gab 2 Assists. In den Spieltagen 13-15 zeigte Hanke seine besten Leistungen. Erfreulich hierbei waren die 2 Treffer beim 3:0-Sieg gegen den Erzrivalen 1.FC Köln und der 1:1-Ausgleichstreffer gegen Borussia Dortmund.

Zum Ende der Hinrunde ließen die Kräfte beim im System-Favre vornehmlich als Ballverteiler eingesetzten Angreifer jedoch nach. Seine Leistungen gegen Augsburg und Mainz blieben daher eher dürftig. Im DFB-Pokal gegen den FC Schalke 04, dem letzten Spiel des Jahres, musste er dann nach mäßiger Leistung und völlig entkräftet ausgewechselt werden.

Hanke erwies sich bei der Borussia nicht als reiner Angreifer, sondern als ein mitspielender Stürmer, der nicht immer den direkten Weg zum Tor sucht, sondern auch mal nach hinten mitarbeitet, viel läuft und sich sehr oft anbietet. Seine Verpflichtung im letzten Winter brachte Stabilität in die Offensive der Borussia. Bei Ballbesitz der gegnerischen Abwehr setzt der gebürtige Westfale vor allem intensiv nach und macht mit seinen Teamkollegen in der Offensive sofort die Räume eng, was der gegnerischen Defensive den Spielaufbau sehr erschwert.

Diese Spielweise erfordert ein hohes läuferisches Pensum und ist die Erklärung dafür, dass dem Stürmer irgendwann die Power ausging. In jedem Fall hat der oftmals gescholtene 28-Jährige auch seinen Anteil an der tollen Hinrunde des VfL. Nicht zuletzt aufgrund dessen dürfte er auch in der Rückrunde zunächst gesetzt sein.

Fakten: Der Angreifer gab insgesamt 37 Torschüsse ab und hatte eine Torschussbeteiligung von 64. Neben 770 Ballkontakten gewann er 39 % seiner 397 geführten Zweikämpfe und von 495 seiner gespielten Pässen kamen 76,8 % an den Mann. Note: 3,0

Marco Reus: Über Borussias Rakete ist in diesem Jahr so viel gesprochen und geschrieben worden, dass es etwas schwer fällt, Neuigkeiten zu berichten. Gewiss, dass VfL-Juwel ist bei mehreren Vereinen heiß begehrt. Wohl wenig verwunderlich, denn seine Bilanz spricht für sich.

Der 22-Jährige war der herausragende Spieler in der abgelaufenen Hinrunde und steht auf der offiziellen Seite der Deutschen-Fußball-Liga (DFL) zu Recht mit zur Wahl zum besten Spieler der Hinrunde. Bei 15 Bundesliga-Einsätzen, erzielte der vornehmlich als Stürmer eingesetzte Wirbelwind 10 Treffer, bereitete 4 Tore vor und holte 3 Elfmeter heraus. Hannover und Berlin besiegte er fast im Alleingang und schoss bei den beiden Spielen alle Borussia-Tore.

Beim 4:1-Sieg gegen den VfL Wolfsburg gab es ebenfalls ein Doppelpack und mit den zwei Elfern, die er gegen Nürnberg und Stuttgart rausholte, bescherte er der Borussia alleine 4 Punkte. Auch gegen Mainz bereitete er das einzige Tor des Abends vor. Ganz zu schweigen von den 3 wunderschönen Toren gegen Werder Bremen.

Der Nationalspieler ist immer für besondere Momente gut, gibt dem VfL-Spiel die besondere Würze sowie Note und ist unverzichtbar. Und fehlte er mal verletzungsbedingt, so tat sich die Mannschaft unheimlich schwer, ihr sonst so starkes Spiel durchzusetzen. Gegen Borussia Dortmund schaffte man ohne die Rakete zu Hause noch ein 1:1-Unentschieden. Aber bei der 0:1-Niederlage in Augsburg war das Fehlen des 22-Jährigen deutlich spürbar. Der Erfolg bzw. das Spiel der Borussia steht und fällt mit dem Spiel von Marco Reus.

Wie bereits erwähnt: Das VfL-Juwel ist bei mehreren Vereinen heiß begehrt. Da bleibt nur die Frage: Wie lange kann die Borussia solch ein Ausnahme-Talent noch halten? - Hoffentlich noch sehr, sehr lange...

Fakten: Mit 931 Ballkontakten liegt der Nationalspieler bei der Offensive deutlich vorne. Und auch seine Passquote kann sich sehen lassen. Von 558 Zuspielen fanden 80,1 % den richtigen Weg. Reus gab 61 Torschüsse ab und hatte eine Torschussbeteiligung von 107. Zudem gewann er 45 % seiner Zweikämpfe. Note: 1,5

Joshua King: Für die Leihgabe von Manchester United stand das erste halbe Jahr in der Bundesliga unter keinem guten Stern. Häufig von Verletzungen gebeutelt, brachte es der Norweger in der Hinrunde auf lediglich 2 Bundesliga-Kurzeinsätze.

»Die Bundesliga ist eine sehr starke Liga und es ist in meiner Karriere der nächste große Schritt«, sagte Joshua King am Tag seiner offiziellen Vorstellung und hatte sich das Ziel gesetzt: »Ich bin zu einem großen Club in der Bundesliga gekommen und möchte der Mannschaft helfen, Spiele zu gewinnen und werde mein bestes dafür geben, dass Borussia in der Bundesliga so gut wie möglich abschneidet«.

Mehr als gut abgeschnitten haben die Borussen in der Hinrunde sicherlich - jedoch ohne Unterstützung des 19-Jähigen, der in vier Regionalliga-Einsätzen zweimal in die Maschen traf. »Die Bundesliga ist eine große Chance und Gelegenheit für mich«, sagte King anfangs.

Gerade aufgrund seiner zahlreichen Verletzungen, die ihn allen voran in der Vorbereitung außer Gefecht setzten, konnte er diese beim VfL leider nicht nutzen. So wird der Angreifer die Borussia bereits nach einem halben Jahr wieder in Richtung England verlassen, um wohlmöglich von da aus erneut bei einem anderen Club sein Können unter Beweis zu stellen. Für dieses Vorhaben ist dem sympathischen 19-Jährigen vor allen Dingen zu wünschen, dass er von Verletzungen verschont bleibt. Ohne Note.

Mathew Leckie: Zu Saisonbeginn von Adelaide United nach Gladbach gewechselt, stand der Australier in der Hinrunde in 5 Bundesliga- sowie 2 DFB-Pokalpartien auf dem Platz und brachte es dabei auf 112 Einsatzminuten. Zudem lief er sechsmal für Borussias zweite Mannschaft in der Regionalliga auf und erzielte dort 3 Tore.

Agierte er bei seinen ersten beiden Einsätzen noch etwas nervös, so fand sich der schnelle Australier in den folgenden Einsätzen immer besser in der Bundesliga zu Recht, hängte und biss sich rein und stellte sein Potenzial mehr und mehr unter Beweis. »Ich denke, dass Mathew Leckie eine sehr gute Entwicklung genommen hat«, ist Max Eberl der Meinung. »Er kommt immer wieder rein und hat auch in den letzten zwei Einwechslungen gegen Dortmund und Augsburg immer wieder was versucht«.

Und in der Vorbereitung auf die Rückrunde wird der 20-Jährige weiter versuchen und alles dafür tun, um in der Bundesliga und beim VfL weiter auf sich aufmerksam zu machen bzw. um sich nachhaltig für einen Einsatz in der Favre-Truppe zu empfehlen. Man darf gespannt sein, ob und in wie weit ihm das gelingt. Ohne Note.

Elias Kachunga: Der Nachwuchsstürmer kam bei Lucien Favre bisher nicht zum Zuge. Und das vielleicht auch gerade deshalb, weil die Konkurrenz in der Offensive für den Youngster zu groß zu sein scheint. »Das Problem ist, dass wir fünf Stürmer haben. Da ist es schwer für ihn und es ist nicht einfach, mit so vielen Stürmern zu trainieren«, erkläre Lucien Favre im September.

Derweil präsentierte sich der talentierte und mit Qualitäten ausgestattete Stürmer, bei dem in der Vergangenheit oftmals Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander lagen, in der abgelaufenen Hinrunde von seiner besten Seite. Anders als in den Jahren zuvor wusste der U20-Nationalspieler mit konstant guten Leistungen zu überzeugen. 12 Tore und 5 Vorlagen in 18 Regionalligaspielen sind der aktuelle Arbeitsnachweis - einer, der sich durchaus sehen lassen kann.

Diese positive Entwicklung gilt es nun fortzusetzten bzw. zu bestätigen. Und um zu sehen, ob der Angreifer diese auch auf höherem Niveau abrufen und nachhaltig bestätigen kann, wird ihn der VfL zur Rückrunde mit großer Wahrscheinlichkeit zu Drittligist VfL Osnabrück ausleihen.

Sicherlich nicht die schlechteste Lösung, dass sich Kachunga auf Leihbasis anderweitig auf höherem Niveau als die Regionalliga präsentieren, auf sich aufmerksam machen und Spielpraxis sammeln kann. Und das auch, um sich zu beweisen und weiterzuentwickeln, damit der Schritt in die Erste Bundesliga nicht zu groß wird. Ohne Note.

Fazit: Es wäre sicherlich wünschenswert, wenn der Sturm neben Marco Reus, der ohne Zweifel herausragt und das Salz in der Suppe ist, einen annähernd so erfolgreichen Scorer hätte. Denn die Differenz zwischen Reus, Hanke, de Camargo und Bobadilla ist erkennbar zu groß, wenngleich zu bedenken ist, dass letztgenannte natürlich geringere Einsatzzeiten verbuchen konnten.


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