Im „Fohlenland" am Niederrhein wurde schon immer kontrovers über die Kicker von Borussia Mönchengladbach diskutiert, aber bei einem Spieler stimmen alle Gladbacher Meinungen interessanterweise exakt überein. Um mal einen oft genannten O-Ton wiederzugeben: „Igor de Camargo ist ein Guter, wenn der nur nicht ständig verletzt wäre... ". Dennoch steckt der Angreifer alles andere den Kopf in den Sand.
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| Immer gut gelaunt und angriffslustig - Igor de Camargo. Foto: Andreas Plum, Fohlen-Hautnah.de |
Der belgische Nationalspieler wurde im Sommer 2010 mit großen Erwartungen verpflichtet, die er jedoch bis dato nicht gänzlich erfüllen konnte. Und das gerade deshalb, weil ihn die Verletzungsmisere ein ums andere Mal zurück warf, weshalb er seine oft sehr ambitionierten Entwicklungsbemühungen kurzerhand ad acta legen musste.
Der ständig vom Pech verfolgte belgische Nationalspieler, der seit seinem Wechsel zum VfL schon mit diversen Knie-, Kapsel- und Sprunggelenksverletzungen zu kämpfen hatte, bereitet gerade auf seine körperliche Verfassung bzw. auf seinen Gesundheitszustand immer wieder mal Kopfzerbrechen. »Ich bin stark genug, um immer wieder zurückzukommen«, lässt sich der Angreifer dennoch nie unterkriegen.
»Ein gutes Vorbild ist Ronaldo. Jeder weiß, was ihm passiert ist. Er war auch viel verletzt und ist immer wieder zurückgekommen. Das ist ein gutes Vorbild für mich«, nimmt sich der 28-Jährige dahingehend auch an dem ehemaligen Fußballstar und Landsmann ein Beispiel. »Ich denke immer positiv und hoffe, dass die Rückrunde und das Jahr 2012 erfolgreich verlaufen«.
In der abgelaufenen Hinrunde brachte es der Stürmer lediglich zu neun Einsätzen, nur fünf davon von Beginn an. Natürlich ist das sowohl für einen Stammplatz als auch für die Ansprüche des belgischen Nationalspielers zu wenig. Niemand ist sich dessen mehr bewusst, als de Camargo selbst.
»Kollektiv gesehen bin ich sehr zufrieden, persönlich natürlich nicht. Kein Spieler möchte so lange verletzt bleiben«, reagiert de Camargo nahezu peinlich berührt, auf die diesbezüglich bohrenden Fragen der Journalisten im Trainingslager des VfL in Belek, die ihn ständig auf sein Verletzungspech ansprechen.
Obwohl er das im Grunde gar nicht bräuchte. Denn die Sympathiewerte des Ex-Lüttichers bei den Fans sind trotz sporadischer Dienstbekundung hoch. Das liegt zum einen an der bescheidenen, höflichen, ja schüchternen Art des gebürtigen Brasilianers, der sonst auf dem Platz eher extrovertiert, diskussionsfreudig und manchmal sogar durchtrieben wirkt.
Dazu kommt, dass Gladbach de Camargo viel verdankt. Schließlich hatte der Brasilianer mit belgischem Pass mit seinem Tor in der Relegation gegen den VfL Bochum gehörigen Anteil daran, dass der VfL weiter im Oberhaus des deutschen Fußballs mitmischt. Und mit seinem Tor im ersten Saisonspiel beim FC Bayern läutete er einen tollen, weil psychologisch wertvollen, Saisonstart ein. »Wenn man mit einem solchen Sieg in die Saison startet, dann ist der ganze negative Druck sofort weg«, sagt de Camargo.
Während der VfL von dort an überwiegend auf der Überholspurt lief, so kamen bei dem Angreifer eben leider mal wieder Verletzungen, die ihn abermals zurückwarfen. »Das war jedes Mal einfach nur Pech. Im Fußball spielst du so viele Zweikämpfe, und in jedem Zweikampf, nach jedem Foulspiel kann alles passieren«, erstickt der Angreifer eventuelle Vermutungen im Keim, auch nur annähernd die „Seuche am Fuß" oder dergleichen zu haben. »Du kannst zwei Wochen verletzt ausfallen oder sechs Monate. Ich hatte leider viel Pech«.
Das mag man ihm gerne glauben. In der Tat hatte de Camargo bevor er nach Gladbach kam, kaum nennenswerte Verletzungsserien zu erleiden. Aber gesetzt den Fall, dass der Stürmer, wie erhofft, endlich wieder längere Zeit unverletzt bliebt und die Borussia mit seinen ohne Zweifel vorhandenden Qualitäten erfreut, so muss man sich dennoch fragen - hat diese unglückliche Zeit denn keine Spuren hinterlassen? Wie frei kann de Camargo aufspielen, ohne sich vor erneuten Verletzungen fürchten zu müssen und wie viel Selbstvertrauen hat er überhaupt noch?
»Jeder Profi muss jeden Tag arbeiten und um seinen Platz kämpfen. So bin ich auch. Ich arbeite jeden Tag und jede Woche hart, um meinen Platz in der Mannschaft«, steckt de Camargo nicht den Kopf in den Sand und zeigt sich angriffslustig. »Natürlich ist es dann die Entscheidung vom Trainer, aber ich will jedes Spiel und jedes Wochenende spielen und in der ersten Elf sein. Die Jokerrolle habe ich nicht gern«.
Und so möchte der Angreifer natürlich stets von Beginn an auch mit dabei helfen, die Saison erfolgreich abzuschließen. Im besten Fall mit einem Platz in einem internationalen Wettbewerb. Wo der belgische Nationalspieler aus Erfahrung sprechen kann. »Sicherlich reizt das Niveau in Europa, was ein ganz anderes ist«, weiß de Camargo. »Das ist eine ganz andere Atmosphäre, eine ganz andere Technik und ein ganz anderes System«.
»Aber wir haben noch 17 Spiele vor uns und müssen von Spiel zu Spiel denken. Wir brauchen noch sieben Punkte. Dann können wir nicht mehr absteigen und befreit aufspielen«, hat er mit dem VfL zunächst die magische 40-Punktemarke als Ziel vor Augen. »Dann lastet kein negativer Druck mehr auf uns, was sehr wichtig ist«.
Natürlich ist Igor de Camargo ungehalten über seine Situation, das spürt man. Aber genauso unmissverständlich lässt er erkennen, dass er bereit ist, den Kampf um den Stammplatz anzunehmen. Dazu dürfte er auch allen Grund haben. Gerade nach dem bevorstehenden Weggang von Marco Reus werden die Karten spätestens zur neuen Saison in der Offensive neu gemischt. Der Angreifer weiß dass, will sich voll auf diese neue Konkurrenzsituation konzentrieren und generell bereit bzw. gewappnet sein.
Die Frage, ob sich Gladbach denn noch verstärken müsste, um europäisch mithalten zu können, beantwortet er kurz und lapidar: »Das ist eine andere Frage«. Wiederum eine andere Frage ist, ob sich der sympathische und qualitativ hohe Stürmer in der Rückrunde einen Stammplatz erkämpfen kann. Das Zeug dazu hat er allemal. Und jeder würde es ihm wohl mehr als gönnen.
Dabei kann man sich abschließend den Worten des Angreifers ‚nur' anschließen, mit denen er sich unter Applaus von der Journalistenrunde in Belek verabschiedete: »Ich möchte mit Marco und mit der Mannschaft noch viel Spaß haben - ich hoffe mit einem gesunden Igor de Camargo ...«.






