Suchfunktion

facetwiet
Rss-Feed
HomeFohlenelfNews & Hintergründe»Dürfen nicht schlafen und müssen weiter hart arbeiten«

»Dürfen nicht schlafen und müssen weiter hart arbeiten«

Interview mit Håvard Nordtveit

Seit mittlerweile einem Jahr spielt Håvard Nordtveit nun bei Borussia Mönchengladbach. Unter Trainer Lucien Favre hat sich der Norweger in die Stammformation gespielt und stand in der abgelaufenen Hinrunde in 16 Spielen auf dem Platz. Im Trainingslager des VfL im türkischen Belek haben wir uns mit dem 21-Jährigen auch über die bevorstehende Rückrunde unterhalten.

nordtveit_09_01_12
Stets gut gelaunt - Håvard Nordtveit. Foto: Andreas Plum, Fohlen-Hautnah.de

Fohlen-Hautnah: Håvard, hast du unter dem Weihnachtsbaum noch einmal das aufregende und tolle Jahr 2011 geschaut?

Håvard Nordtveit: Ich war bei meiner Familie in Norwegen und hatte dort eine schöne Zeit. Und natürlich habe ich auch an das letzte Jahr gedacht. Das Jahr 2011 und die Hinrunde waren sehr gut. Ich glaube nicht, dass uns das vor der Saison viele Leute zugetraut haben.

Aber wir wollen an die gute Hinrunde anknöpfen und da weiter machen. Wir sind im Viertelfinale im DFB-Pokal und stehen auf dem vierten Tabellenplatz. Das ist ein gutes Gefühl und bringt Selbstvertrauen für jeden Spieler. Ich hoffe, dass es für uns so weiter geht.

Fohlen-Hautnah: Fern ab des Fußballs gab es in deinem Land im letzten Jahr eine traurige Katastrophe mit den schlimmen Anschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya. Wie hast du das fern ab der Heimat erlebt?

Håvard Nordtveit: Den Namen des Täters möchte ich nicht nennen. Viele Familien tragen Trauner um ihre Angehörigen. Er hat einen Freund von mir an der Schulter getroffen. Körperlich geht es ihm gut, aber mit dem umzugehen, was er gesehen und erlebt hat, ist das Schwerste für ihn. Das alles hat mich schwer getroffen, aber das Leben geht weiter. Man muss positiv denken. Das Leben ist zu kurz, um nicht jeden Tag auch zu lachen. Ich bin eine Frohnatur und das habe ich von meinen Eltern.

Fohlen-Hautnah: »Dieses Jahr ist für Borussia Mönchengladbach ein Jahr, was reif ist, darüber ein Buch zu schrieben. Ein Jahr was unvergesslich bleibt«, sagte Max Eberl nach dem Pokalsieg gegen Schalke. Siehst du das auch so?

Håvard Nordtveit: Ich kann zwar kein Buch schreiben, aber natürlich würde ich es gerne lesen und darüber reden. Wir hatten mit dem 1:0-Sieg beim FC Bayern München einen sehr guten Saisonstart. Der Sieg war sehr wichtig für unseren Kopf und für unser Selbstvertrauen. Wir haben auch in den kommenden Spielen an uns und unser Spiel geglaubt. Und das ist im Fußball sehr wichtig.

Fohlen-Hautnah: Was glaubst du denn, ist in dieser Saison möglich?

Håvard Nordtveit: Wir müssen in der Rückrunde auf jeden Fall eine Top-Leistung bringen. Und wir müssen an uns glauben und Vertrauen haben, dass wir zu den Top-Mannschaften der Liga gehören können. Denn warum spielst du Fußball, wenn du kein Vertrauen hast. Als Fußballer brauchst du Vertrauen, denn man will ja Titel gewinnen. Aber wir schauen von Spiel zu Spiel und dann schauen wir, wo wir am Ende stehen.

Fohlen-Hautnah: In Abstiegsnöte werdet ihr aber nicht mehr geraten ...

Håvard Nordtveit: Ich hoffe nicht, aber wir müssen konzentriert bleiben und so weiterspielen, wie wir es in der Hinrunde getan haben. Wir dürfen jetzt nicht schlafen, denn dann kann alles passieren. Man hat es im letzten Jahr bei Eintracht Frankfurt gesehen.

Sie haben nach der Hinrunde gesagt, dass sie sich für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren wollen, haben keine gute Rückrunde gespielt und sind dann abgestiegen. Wir müssen weiter hart arbeiten und alles geben. Dann glaube ich, dass wir nicht in eine ähnliche Situation kommen, wie im letzten Jahr.

Fohlen-Hautnah: Und im Gegensatz zum letzten Jahr solltet ihr nun ja gerade auch vom Kopf her ganz anders in die letzten 17 Spiele gehen...

Håvard Nordtveit: Klar. Letztes Jahr hatten wir sehr viel Druck. Wir mussten quasi jedes Spiel gewinnen, andernfalls wären wir vielleicht tot gewesen. In dieser Saison können wir ein bisschen relaxter in die Rückrunde gehen, weil wir kein Messer im Hals stecken haben.

Aber wir müssen auch jetzt weiter viele Spiele gewinnen. Wir haben zwar 33 Punkte, aber wie ich schon gesagt habe: Wir dürfen nicht schlafen und müssen weiter hart arbeiten. Wir brauchen noch einige Punkte, um einen internationalen Platz zu erreichen.

Es wird sehr schwer, denn es gibt in der Bundesliga viele gute Mannschaften. Um das zu erreichen, müssen wir weiter alle zusammen an einem Strang ziehen. Wir müssen alles was wir können, auf den Platz bringen und immer 100 Prozent geben.

Fohlen-Hautnah: Du hast in der Hinrunde in 16 Spielen auf dem Platz gestanden. Wie bist du mit deiner Leistung zufrieden?

Håvard Nordtveit: Die ersten Monate waren okay. Wir hatten einen guten Start und haben Spiele gewonnen. Aber ich glaube, die letzten Monate waren für mich persönlich besser. Da hatte ich mehr Selbstvertrauen und auch das Zusammenspiel mit Roman Neustädter klappte immer besser. Ich finde, dass wurde von Spiel zu Spiel besser. Aber wir haben viele gute Spieler im Mittelfeld und jeder muss hart arbeiten, um in der ersten Elf zu bleiben.

Fohlen-Hautnah: Ein Zusammenspiel mit Roman Neustädter, dass es ab der kommenden Saison nicht mehr geben wird, wie ein solches mit Marco Reus ...

Håvard Nordtveit: So ist der Fußball. Man kann nicht mit einem Mitspieler zwanzig Jahre zusammenspielen, das ist unmöglich. Aber wir haben jetzt noch eine Rückrunde und ich freue mich, dass wir diese noch zusammen bestreiten können. Was nach der Saison passiert, ist jetzt kein Thema. Wir konzentrieren uns auf Fußball und fokussieren uns auf das Hier und Jetzt.

Noch ist er genau wie Marco hier und wir wollen alle zusammen noch etwas erreichen. Das zählt jetzt und ist das Wichtigste. Jetzt spekuliert keiner mehr, wohin Marco geht. Er hat jetzt den Kopf frei und kann sich zu 100 Prozent auf den Fußball konzentrieren.

Fohlen-Hautnah: Wie wichtig ist denn Marco Reus für euer Spiel?

Håvard Nordtveit: Er ist ein sehr wichtiger Spieler für uns. In der Relegation gegen Bochum hat er mein Eigentor ausgeglichen und hatte so auch großen Anteil daran, dass wir den Klassenerhalt geschafft haben. Ohne ihn haben wir zwar 1:1 gegen Dortmund gespielt, aber ich hatte das Gefühl, dass noch ein Spieler gefehlt hat - und das war Marco. Er kann gerade offensiv immer für was Spezielles und für Überraschungsmomente sorgen.

Fohlen-Hautnah: Gerade im Zusammenhang mit dem Wechsel von Marco Reus wurde in Teilen der Medien nahezu von einem ‚Zerfall' des VfL berichtet und von außen an euch herangetragen. Wie habt ihr das innerhalb der Mannschaft aufgenommen und beeinträchtigt euch das?

Håvard Nordtveit: Ich rede nicht so viel über das, was die Medien schreiben. Ich weiß, dass dabei viele Prozente falsch sind. Man darf auch nicht zu viel Energie in solche Dinge investieren, das ist nicht gut. Ich habe auch keine negativen Gefühle festgestellt. Alles in der Kabine ist normal. Wir haben nach wie vor eine Top-Stimmung in der Mannschaft.

Spieler kommen und gehen. Wir dürfen nicht jede Stunde daran denken, bleibt er oder geht er. Jetzt haben wir eine sehr gute Mannschaft mit sehr guten Spielern. Unsere Mannschaft ist auch vom Zusammenhalt her so stark, dass da schon sehr viel passieren muss, ehe wir keine positive Stimmung mehr in der Kabine haben.

Fohlen-Hautnah: Mit Tolga Cigerci und Alexander Ring wurden gleich zwei Spieler geholt, die auch auf deiner Position spielen können. Machst du dir Sorgen um deinen Platz?

Håvard Nordtveit: Ich kann nicht nein sagen, denn im Fußball weiß man nie, was passiert. Im Fußball ist es so, dass du viel Konkurrenz hast. Du musst dich jeden Tag beweisen und verbessern. Ich bin ein Fußballer, der seine Ziele hat und diese erreichen will. Dafür harte ich jeden Tag hart.

Tolga und Alexander sind Spieler mit Qualität. Aber ich glaube, dass meine Leistung in der Hinrunde in Ordnung war, sodass ich weiter mit Roman spiele. Wichtig ist aber auch, was das Beste für die Mannschaft ist.

Fohlen-Hautnah: Jeden Tag arbeiten. Woran arbeitest du denn, um dich zu verbessern, sprich was sind deine Schwächen?

Håvard Nordtveit: Ich muss noch viel schneller spielen und torgefährlicher werden. Aber ich muss auch bedenken, dass ich erst 21 Jahre bin und diese Position erst seit anderthalb Jahren spiele. Zuvor habe ich nur Innenverteidiger gespielt. Ich glaube aber, dass es gut für mich ist, auf der „6" zu spielen.

Davon ab bist du nach jedem Spiel ein besserer Fußballer. Du lernst in jedem Spiel. Wenn du Fehler machst, dann ist das normal. Auch Weltklasse Spieler, wie Messi und Ronaldo machen Fehler. Auch ich mache Fehler und kann viele Dinge lernen. Ich muss einfach weiter hart arbeiten und es dann im Spiel so gut machen, wie im Training. Wenn du keine Dinge zu verbessern hast, dann bist du der weltbeste Spieler. Aber ich glaube eben, dass jeder Dinge zu verbessern hat.

Fohlen-Hautnah: In jedem Fall bist du ein Spieler, der offenbar Begehrlichkeiten weckt. So soll der FC Liverpool seine Fühler nach dir ausgestreckt haben ...

Håvard Nordtveit: Ich bin Spieler von Borussia Mönchengladbach. Darauf konzentriere ich mich genauso wie auf die Dinge, die auf dem Platz passieren. Für alle anderen Dinge ist mein Berater zuständig. Er sagt mir, wenn etwas wichtig ist. Ich sage ihm aber auch, dass ich von anderen Clubs nichts hören will. Wenn sie mich verfolgen sollten, dann ist das sicherlich nicht negativ, aber ich fokussiere mich auf Borussia und die bald beginnende Rückrunde.

Fohlen-Hautnah: Ebenso war in den letzten Wochen in der norwegischen Presse zu lesen, dass dein bis Sommer 2013 laufender Vertrag beim VfL vorzeitig verlängern werden soll...

Håvard Nordtveit: Ich fühle mich in Gladbach sehr wohl und habe hier sehe viele Freunde, mit denen ich mich außerhalb des Platzes treffe. Aber ich habe noch anderthalb Jahre Vertrag. Da ist noch viel Zeit, um über eine Verlängerung zu reden. Ich mache mir da keinen Stress. Aber wir stehen in gutem Kontakt mit dem Club.

Fohlen-Hautnah: Seit nunmehr einem Jahr spielst du beim VfL. Hast du deinen Wechsel in der Zeit mal bereut?

Håvard Nordtveit: Nein. Als ich zu Borussia gekommen bin, standen wir auf dem letzten Platz und die Situation war nicht schön. Aber wir hatten jeden Tag in der Kabine das Gefühl, das wir den Klassenerhalt schaffen würden. Das haben wir dann auch geschafft. Für mich war es in meiner Karriere ein großes Ding, zu Borussia zu kommen.

Ich bin noch so jung und spiele fast jede Woche vor 50.00 Zuschauer. Das ist unglaublich. Ich trainiere jeden Tag hart, um besser zu werden. Ich möchte, dass die Fans mögen, was sie sehen. Das Wichtigste ist aber, dass wir Spiele gewinnen und in der Rückrunde nicht schlafen.

Fohlen-Hautnah: Sowohl als Mensch als auch als Fußballer hat man Träume, Wünsche und Ziele. Welche hast du persönlich für das neue Jahr?

Håvard Nordtveit: Als Fußballspieler habe ich natürlich den Traum und das Ziel, einen Titel zu gewinnen. Wir stehen im Viertelfinale des DFB-Pokals und spielen gegen Hertha BSC Berlin. Da ist genauso alles möglich wie in der Bundesliga, wo wir auf Platz vier stehen.

Ansonsten wünsche ich mir, dass meine Familie und ich weiterhin gesund bleiben. Das ist das Wichtigste. Wenn so Dinge wie mit dem Terror in Norwegen passieren, dann ist Fußball nicht wichtig. Wenn Leute ihr Leben verlieren, dann ist das unglaublich. Ich bin sehr zufrieden, dass meine Familie gesund ist. Sie kommen gegen Bayern ins Stadion. Das finde ich sehr schön und darauf freue ich mich.

Fohlen-Hautnah: Was wird in der Rückrunde entscheidend dafür sein, dass ihr weiter in der derzeitigen Tabellenregion vertreten bleibt?

Håvard Nordtveit: Für die Top-Clubs ist es nahezu normal, wenn sie oben bleiben. Wir müssen in der Rückrunde mental sehr stark sein. Natürlich wollen wir einen internationalen Platz erreichen, aber wir müssen dennoch von Spiel zu Spiel schauen. Wenn du zu weit vorausschaust, dann wirst und bist du nachher vielleicht enttäuscht.

Wenn noch drei Spiele zu absolvieren sind, dann ist es einfacher zu sagen, welchen Platz wir erreichen können. Jetzt sind noch 17 Spiele und davon kannst du viele gewinnen, aber auch verlieren. Ich wiederhole mich, aber wir schauen zunächst von Spiel zu Spiel und konzentrieren uns zunächst auf das Spiel gegen Bayern München. Dann werden wir am Ende sehen und schauen, wo wir stehen.


letzte Foren-Beiträge

Konter I schnell & direkt