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Ein Ausrufezeichen zum Rückrundenstart

Starke Kollektivleistung des VfL beim Sieg gegen Bayern

Die Überraschungsmannschaft der Liga sorgt weiter für Überraschungen. Beim verdienten 3:1-Sieg über den FC Bayern München überzeugte Borussia Mönchengladbach mit einer exzellenten Defensivleistung und taktischen Meisterleistung und bleibt nach diesem Paukenschlag dem Tabellenführer auf den Fersen.

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Filip Daems im Duell mit Arjen Robben. Foto: Dirk Päffgen, für Fohlen-Hautnah.de

Es war ein usseliger Freitagabend im Borussia-Park. Doch die Art und Weise, wie die Borussen den Ballbesitz überlegenen FC Bayern in die Schranken verwies und über weite Strecken ideenlos daherlaufen ließ, war gleichermaßen beeindruckend und ließ die Fans auf den Rängen warm ums Herz werden und Träume ein Stückchen näher kommen.

Immer wieder erstickten die taktisch perfekt eingestellten Borussen die Angriffsversuche der deutlich mit mehr Spielanteilen ausgestalteten Truppe von Jupp Heynckes im Keim, verteidigten intelligent und konterten auf der anderen Seite exzellent.

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Und nutzten in der 10. Minute einen solchen - wenn auch unter tatkräftiger Mithilfe von Nationaltorhüter Manuel Neuer, der Marco Reus genau in den Fuß spielte - um sich in Führung zu bringen. »Das hat Marco sehr gut gemacht«, sagte Filip Daems. »Es sieht vielleicht einfach aus, aber der Ball war schwer zu verwerten«.

»Ich musste sofort schießen. Natürlich ist auch etwas Glück dabei, aber das soll mir egal sein, schaute Reus auf sein 11. Saisontor zurück«. Die Führung gab den Fohlen zudem natürlich noch mehr die nötige Sicherheit, um den von den spielerischen Möglichkeiten sicher überlegenen Rekordmeister in Schach zu halten. »Dieser Fehler hat der Borussia in die Karten gespielt«, sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes. »Danach konnten sie sich noch mehr auf ihr Spiel konzentrieren: Gut und organisiert verteidigen und exzellent auf Konter spielen«.

Da alles taten die Borussen in der Tat - und zwar mit Bravour. »Wir haben Bayern keine Lücke gelassen und es war sehr schwer für sie, Torchancen zu bekommen«, lobte Favre. Dabei zogen sich seine Mannen weit in die eigene Hälfte zurück, verteidigten mit Köpfchen und beschränkten sich vornehmlich auf Konter. »Wenn du gegen Bayern defensiv keine Topleistung bringst, dann hast du keine Chance«, sagte Lucien Favre. »Du bist topmotiviert und musst vielleicht verteidigen wie nie«.

So akzeptierte der Schweizer dann auch, dass sich seine Mannschaft im Gegensatz zu seinen sonstigen Vorhaben, mehr Spielanteile zu haben, vornehmlich auf die Defensive beschränkte. »Gegen Bayern ist immer ein spezielles Spiel. Da ist es schwer, anders zu spielen«, erklärte Favre.

»Wir haben sehr gut verteidigt und kaum eine Lücke gelassen. Das war gegen Bayern die Grundvoraussetzung«, stimmte Tony Jantschke zu. »Sie haben so viele gute Fußballer. Da ist es schwer, selber das Spiel zu machen. Aber wir haben das phänomenal gemacht«.

Doch bereits vier Minuten nach der Führung hätte die Marschrichtung wieder eine andere sein können. Denn Mario Gómez war per Kopf auf dem Weg zum Ausgleich, scheiterte jedoch am glänzend reagierenden Marc-André ter Stegen. »Das war eine super Parade«, lobte Favre. Eine zugleich starke und für den Spielverlauf wichtige. »Das hätte das 1:1 sein können und ich weiß nicht, ob wir hätten reagieren können«, sagte Favre.

Reagieren konnte auf der andere Seite der FC Bayern nicht. Der Spitzenreiter hatte nach wie vor keine zündelnde Idee, den VfL zu knacken. Und das nicht aufgrund der von Schweinsteiger angeprangerten Platzverhältnisse - die hatten die Borussen schließlich auch - sondern deshalb, weil die taktisch perfekt eingestellt Borussen weiter äußerst diszipliniert zu Werke gingen und defensiv intelligent agierten. »Die Mannschaft hat phantastisch verteidigt«, lobte Max Eberl.

Den Ausgleich verhindert, stark verteidigt, sehr organisiert gespielt und dem FC Bayern dabei auch in der Folgezeit wenig Luft zum atmen gegeben. »Wir haben taktisch sehr klug gespielt, im Kollektiv richtig gut verteidigt, schnell umgeschaltet und kaum Torchancen zugelassen«, sagte Mike Hanke.

»Ich bin einfach müde und kaputt«, holte Reus nach der Partie erst mal tief Luft. Wir wussten, dass es ein verdammt schweres Spiel wird. »Wir mussten über Konter kommen, weil Bayern natürlich das Spiel macht. Ich denke, wir haben es dreimal überragend gemacht und sind froh, dass wir das Spiel gewonnen haben«.

Zudem auf der anderen Seite weiter eiskalt zugeschlagen. So auch vier Minuten vor der Pause, als Patrick Herrmann von Mike Hanke glänzend in Szene gesetzt zum 2:0 einnetzte. Und während es Roman Neustädter kurz nach dem Seitenwechsel die endgültige Entscheidung verpasste, so erhöhte der Rekordmeister zwar die Schlagzahl, fand aber weiterhin keine entscheidenden Mittel, den VfL in Bedrängnis zu bringen.

Erfreulich für den VfL, der seinerseits neunzehn Minuten vor dem Ende zum dritten Mal eiskalt zuschlug. Wieder war es Patrick Herrmann, der nach einem Traumpass von Reus die Ruhe behielt und für die Entscheidung sorgte. »Wir haben hinten wenig zugelassen und vorne die Chancen eiskalt genutzt. Das hat heute den Unterschied gemacht«, resümierte der Doppeltorschütze.

Am Ende stand ein Sieg, mit dem die Borussen zum Rückrundenstart gleichermaßen für ein Ausrufezeichen und für einen Paukenschlag gesorgt haben. Wie in den letzen beiden Wochen nahezu täglich beteuert, hat man sich von dem Wirbel der Wechsel um Marco Reus und auch Roman Neustädter nicht beirren lassen.

»Es ist schön, gegen Bayern zu gewinnen und es ist schön, die Rückrunde so zu beginnen«, freute sich Max Eberl. »Wenn man dann noch sieht, was in den letzten 14 Tagen um uns herum passiert ist, dann ist es umso wichtiger und umso schöner, dass die Mannschaft diese Reaktion gezeigt hat«.

Womit der VfL mit nunmehr 37 Punkten eiter im Titelrennen mitmischt und sich wohl bald gegen ambitioniertere Ziele, wie zunächst den Klassenerhalt nicht mehr wehren kann. Denn die magische 40-Punkjtemarke dürfte schnell erreicht sein. »Wir haben gegen Bayern einen wichtigen Startsieg eingefahren und sind mit 36 Punkten was unser erstes Ziel betrifft, natürlich absolut im Soll«, sagte Eberl. »Alles andere wird dann als zweiter und dritter Schritt folgen«.

»Wenn man so in die Rückrunde starten kann, dann kann man nur zufrieden sein. Wir wollten da weitermachen, wo wir in der Hinrunde aufgehört haben. Da haben wir heute mit angefangen und das wollen wir in den nächsten Spielen auch wieder machen«, strahlte Roel Brouwers, der hinten wie nahezu selbstverständlich nichts anbrennen ließ. »Wir müssen auf dem Boden bleiben und weiter von Spiel zu Spiel schauen. Wir wollen da oben bleiben, das ist logisch. Dafür werden wir auch alles tun aber wir wissen auch, dass das schwierig wird«.

»Darüber sprechen wir nicht. Wir wissen genau, woher wir kommen. Wenn wir zwei oder drei Spieltage vor Schluss immer noch da oben stehen, dann können wir darüber reden«, will Mike Hanke (noch) nichts von einer gehörigen Rolle im Titelkampf wissen. »Wir haben jetzt drei Brocken vor uns. Auswärtsspiele, wo wir bisher noch nicht so konstant in unseren Leistungen waren. Da müssen wir hinkommen. Wenn wir das schaffen, dann können wir weiter oben bestehen«.

„Macht Träume war. Borussia wieder in Europa", zierte ein Plakat die Nordkurve. Diesem Traum jedenfalls, ist der VfL nach dem Sieg gegen Bayern auch nach den Ergebnissen am Samstag einen gehörigen Schritt näher gekommen. Und galoppieren die stark aufspielenden in den kommenden Wochen auf diesem Niveau weiter, dann dürfte er schnell erfreuliche Wirklichkeit werden. Der derzeitge Tabellenstand des VfL jedenfalls ist alles, aber alles andere als eine Momentaufnahme ...


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