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Borussen können mit dem Punkt in Wolfsburg »gut leben«

VfL erreicht 40-Punktemarke, Europa weiter im Blickfeld

So Recht wusste man vielleicht nicht, wie man das torlose Remis von Borussia Mönchengladbach beim VfL Wolfsburg einordnen sollte. Allen voran die vergebene Chance von Marco Reus lag einem nach dem Spiel genauso schwer im Magen, wie das nicht gegebene vermeintliche Tor von Mike Hanke. Doch unter dem Strich waren sich auch alle Protagonisten einig, dass man mit dem Punkt durchaus zufrieden sein und sehr gut leben kann.

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Hatte in Wolfsburg den Sieg auf dem Fuß - Marco Reus. Foto: Dirk Päffgen, für Fohlen-Hautnah.de

Es war eiskalt in der Wolfsburger Volkswagen Arena. Minus 13 Grad zeigte das Thermometer zum Spielbeginn. Etwas anhaben konnte diese Kälte den Borussen aber gerade in Durchgang eins wenig. »Beim Aufwärmen war es schon etwas kalt, aber wenn du dann warm und im Spiel bist, dann bist du so fokussiert, sodass es dann kein Problem ist«, erklärte Marco Reus.

Ähnlich sah es auch Filip Daems. »Es hat sich im Stadion gar nicht so kalt angefühlt. Es war okay«, hatte der Kapitän mit der extremen Kälte nichts am Mut. »Es war in Ordnung. Im Spiel merkt man das nicht so«, war Roel Brouwers, der für den grippeerkrankten Martin Stranzl in die Startelf gerückt war und von seinem Einsatz am Samstagmorgen erfuhr, gleicher Meinung.

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Ob der Österreicher indes am kommenden Mittwoch im Viertelfinale des DFB-Pokals bei Hertha BSC Berlin mit von der Partie sein kann, bleibt abzuwarten. »Es wäre gut, wenn er dabei ist, aber ich weiß es noch nicht. Er hatte gestern Fieber und hütet heute das Bett«, sagte Lucien Favre am Sonntag.

Und während Martin Stranzl in Wolfsburg das warme Bett hütete, so ließen sich seine Mannschaftskollegen gerade im ersten Durchgang von den Temperaturen nicht beeinträchtigen, sondern machten das Spiel. »In der ersten Halbzeit haben wir das Spiel gemacht und waren die überlegene Mannschaft«, sagte Filip Daems.

Womit der Kapitän durchaus Recht hatte, zwingende Torchancen erspielten sich die Borussen zunächst allerdings nicht. Bis zur 36. Minute. Da zappelte der Ball erstmals im Netz der Wölfe. Mike Hanke hatte getroffen, doch das Tor fand aufgrund einer vermeintlichen Abseitsstellung des Angreifers keine Anerkennung.

Eine Fehlentscheidung des Schiedsrichtergespanns um Peter Gagelmann, wie die TV-Bilder beweisen sollten. »Es war eng, aber auch schwer zu sehen und schwer zu entscheiden«, hatte Lucien Favre trotz dieser unglücklichen Entscheidung Einsicht mit dem Linienrichter. »Es ist für den Linienrichter auch nicht immer einfach, dass so genau zu sehen«, stimmte Filip Daems zu. »Aber natürlich sind wir zu oft und zu einfach ins Abseits gelaufen«.

Und auch bei den zwölf weiteren Abseitsentscheidungen gegen die Borussen lag vor allen Dingen der Linienrichter nicht immer richtig. »Bei unserer heutigen Videoanalyse haben wir gesehen, dass es viermal deutlich kein Abseits war«, haderte Marco Reus am Sonntag.

In der 69. Minute allerdings, hatte dahingehend alles seine Richtigkeit und es gab wohl keine zwei Meinungen, dass der Nationalspieler die Borussen hätte erneut in Führung bringen müssen. Die VfL-Fans hatten wohlmöglich schon den Torschrei auf den Lippen, als die Rakete alleine auf Wolfsburgs-Schlussmann Diego Benaglio zu lief, die Kugel aus kurzer Distanz aber links neben das Gehäuse setzte und zudem den freien Mike Hanke übersah. »Schade, dass Marco ihn nicht reingemacht hat, aber er kann auch nicht immer alles machen«, war Filip Daems nicht nachtragend mit seinem Kollegen. 

»Ich wollte den Ball mit dem Außenrist ins lange Eck schieben, habe den Ball aber nicht richtig getroffen. Mache ich es ganz einfach, dann spiele ich Mike an und die Sache ist gegessen«, rekonstruierte Reus die Szene. »Das habe ich nicht gemacht und die falsche Entscheidung getroffen. Es tut mir leid für die Mannschaft, aber das Leben geht weiter«.

Und wenngleich ein Sieg im Bereich des Möglichen gewesen wäre, so geht das Leben für den VfL auch nach der Punkteteilung in Wolfsburg durchaus positiven Mutes weiter. »Wolfsburg ist schwer zu schlagen. Es werden noch andere Mannschaften Probleme bekommen«, meinte Lucien Favre und nahm den Punkt aus der VW-Stadt gerne mit: »Ich bin mit dem Punkt zufrieden und kann damit gut leben«.

»Wolfsburg ist eine gute Mannschaft, wo es nicht so einfach ist. Am Ende ist das Unentschieden gerecht. Und damit können wir gut leben«, war auch Roel Brouwers zufrieden. »Ich denke, unter dem Strich ist der Punkt okay«, befand Filip Daems.

Zu Recht, denn schließlich haben die Borussen auch im dritten Spiel nach der Winterpause nicht verloren. Wir haben jetzt sieben Punkte aus den ersten drei Spielen geholt. »Wer hätte das vorher gedacht?«, sagte Marco Reus. »Aber wir wissen auch, dass wir besser spielen können und werden weiter versuchen, unsere Spiele zu gewinnen«.

Und dazu kann und muss man dann nach diesem Remis bei Borussia auch nicht von einem Rückschlag im Kampf um die Meisterschaft oder dergleichen sprechen. Denn mit nunmehr 40 Punkten auf der Habenseite haben die Borussen ein Etappenziel erreicht und nehmen als Tabellenvierter weiter Kurs auf Europa.

»Sind Sie verrückt?«, entgegnete Lucien Favre dahingehend der Frage eines Journalisten bei 'Sky'. »Ich denke, dass es ein Scherz von beiden war«, sagte der VfL-Coach am Tag nach dem Remis in Wolfsburg und stellte fest: »Wir haben jetzt 40 Punkte, und die sind klar verdient«.

»Es ist normal, dass man von so etwas spricht. Wir stehen auf dem 4. Platz und haben 40 Punkte. Dass man natürlich den Titelkampf und uns weiter oben dran sehen will, ist klar. Davon lassen wir uns aber nicht beeinflussen«, sagte Marco Reus. »Wir wissen, wo wir herkommen. Die Bundesliga ist nicht einfach. Jedes Spiel ist brutal hart und man muss jedes Wochenende seine beste Leistung zeigen, um etwas mitzunehmen«.

»Wenn du bei diesem schweren Rückrundenauftaktprogramm sieben Punkte geholt hast, dann glaube ich, dass man nicht von einem Rückschlag sprechen kann«, ist Roel Brouwers der Meinung. »Wir haben jetzt 40 Punkte erreicht, das war unser Ziel zu Beginn. Wir möchten natürlich oben bleiben. Und wenn wir so wie in den letzten Wochen weiter machen und punkten, dann haben wir da gute Chancen«.

»Natürlich fühlen wir uns da oben wohl und wollen auch so lange wie möglich oben mitspielen, aber es ist noch ein ganz langer Weg«, ist sich Filip Daems bewusst. »In den nächsten Wochen kommen harte Aufgaben. Wir müssen jeden Tag hart arbeiten, um am Ende etwas Gutes zu erreichen. Ich werde jetzt aber nicht über neue Ziele sprechen«.

Und während in der Bundesliga am nächsten Wochenende mit dem Spiel gegen den FC Schalke 04 endlich wieder ein Heimspiel im Borussia-Park auf dem Programm steht, so wartet auf die Borussen am kommenden Mittwoch zunächst die Pokalaufgabe in Berlin. Dann werden voraussichtlich auch die erkrankten Martin Stranzl und Marc-André ter Stegen wieder mit von der Partie sein.

Und auch Roman Neustädter, der sich in Wolfsbrug eine starke Prellung am Steißbein zugezogen hat, wird dann aller Voraussicht nach mitmischen können. »Ich gehe davon aus, dass es für Mittwoch reicht«, sagte Neustädter am Sonntag.

Derweil wollen die Borussen in dieser Saison nicht zum letzten Mal in die Bundeshauptstadt reisen. »In Berlin wird es nicht einfach. Der Pokal hat bekanntlich seine eigenen Gesetzte«, weiß Roel Brouwers. Es wäre schön, wenn wir das Halbfinale erreichen könnten. Wir werden alles geben und versuchen, eine Runde weiterzukommen. Egal wie«.

»Es kann ein schwieriger und langer Abend werden«, richtete Filip Daems am Sonntag die Blicke auf die Aufgabe bei Hertha BSC Berlin. Hoffentlich mit einem glücklichen Ende für die Borussen ...


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