Zwar mit drei Stunden Verspätung, aber mit guter Laune kehrte Borussia Mönchengladbach am Donnerstagvormittag aus Berlin zurück. Im Gepäck den Halbfinaleinzug im DFB-Pokal Dank des 2:0-Siegs tags zuvor bei Hertha BSC Berlin. Lange genießen können und wollen die Borussen den Erfolg aber nicht, denn bereits nach der Ankunft im Borussia-Park begann die Vorbereitung auf das kommende Heimspiel gegen den FC Schalke 04.
![]() |
| Jubelnde Borussen in Berlin. Foto: Dirk Päffgen, für Fohlen-Hautnah.de |
Als die Borussen am Donnerstag nach der Rückkehr aus Berlin aus dem Bus ausstiegen, da stieg einer ihrer Kollegen bereits wieder ein. Martin Stranzl hatte am Vormittag erstmals nach seinem schweren grippalen Infekt wieder eine Laufeinheit absolviert.
Wohlmöglich wird der Österreicher bereits am Freitag wieder in das Mannschaftstraining einsteigen können. »Wenn der Körper nicht negativ reagiert, wird es wohl für Freitag reichen«, sagte Stranzl am Donnerstag.
Derweil drehten die ‚Pokalhelden' unter der Leitung von Konditionstrainer Christian Weigl ihre Runden auf dem Trainingsplatz, während der übrige Teil der Mannschaft eine normale Trainingseinheit durchführte. Das galt jedoch nicht für Marco Reus. Der Nationalspieler hatte aus Berlin Probleme an der Leiste mitgebracht und ließ diese bei Mannschaftsarzt Dr. Hertl genauer untersuchen. Detailierte Aufschlüsse über etwaige Probleme und wie es um Borussias ‚Rakete' im Bezug auf einen Einsatz gegen Schalke bestellt ist, sollte die Pressekonferenz am Freitag geben.
Davon ab gab es beim Auslaufen der Borussen am Donnerstag gerade für die anwendenden Journalisten selbstredend nur ein Thema: Die Oscar verdächtige Schauspieleinlage, von Igor de Camargo in Berlin, die mit einem von Filip Daems sicher verbandelten Strafstoß endete und dem VfL somit den Einzug in das DFB-Pokal-Halbfinale ebnete.
Sich an die Szene zurückerinnern oder sie gar Revue passieren lassen, wollte Borussias Angreifer aber nicht. »Guten Tag zusammen und bis morgen«, fasste sich de Camargo auf die Frage kurz, ober sich denn nicht zu der spielentscheidenden Szene äußern wollte, und verließ den Borussia-Park.
Anstelle des Belgiers mit brasilianischen Wurzeln schauten dann seine Mannschaftskollegen nochmals auf die Szene zurück. »So eine Aktion passiert schon mal in Fußball«, warb derweil Tony Jantschke für die Szene des Spiels, über die sich ganz Deutschland unterhält, um Verständnis. »Klar hat uns diese Entscheidung in die Karten gespielt. Trotz allem war der Sieg meiner Meinung nach aber am Ende auch nicht unverdient. Wir stehen im Halbfinale, mehr will ich dazu auch nicht sagen«.
»Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich es auch erst einmal im TV gesehen habe. Von der Ersatzbank aus war es für mich ein klarer Elfmeter«, meinte Patrick Herrmann, lenkte dann aber ein: »Nach den TV Bildern muss ich meine Aussage revidieren. Aber wird sind im Halbfinale, der Rest ist Fußball«.
Und im Fußball passiert es dann mitunter auch, dass man einen auf den Schlappen oder gar auf den Kopf bekommt. Letzteres traf auf Patrick Herrmann zu, der in Berlin im ersten Durchgang mit Herthas Kobiaschwili zusammengeprallt war. »Ich habe trotz des Zusammenpralls keine Kopfschmerzen oder ähnliche Probleme«, gab Herrmann nach dem Auslaufen Entwarnung und begründete seine Auswechslung in Minute 69: »Mein Wechsel war rein taktischer Natur«.
»Wir haben nicht gut gespielt, aber gewonnen. Nur das zählt«, brachte es indes Mike Hanke auf den Punkt und blickte auf die Auslosung am Samstagabend im ZDF-Sportstudio: »Jetzt wünsche ich mir und den Fans im Halbfinale ein Heimspiel. Egal gegen wen, wir können gegen jeden bestehen und wollen im Mai an den Ort von gestern Abend wieder zurückkehren. Das ist unser gemeinsames Ziel«.
Damit war dann das Pokalspiel in Berlin für die Borussen aber auch abgehakt, und die volle Konzentration galt und gilt dem Topspiel am kommenden Samstag gegen den FC Schalke 04. »Jetzt es heißt volle Konzentration auf Schalke. Das wird schwer genug«, ist sich Tony Jantschke bewusst.
»Schalke hat mit Huntelaar, der im Moment alles trifft, eine überragende Offensive«, weiß Borussias Rechtsverteidiger um die Stärken der ‚Knappen'. »Warum sollte uns aber gegen Schalke nicht wieder ein Sieg gelingen wie im Pokal-Achtelfinale? Da haben wir ein richtig gutes Spiel gemacht. Und daran wollen wir am Samstagabend im Bundesligaspiel anknüpfen«.
»Jetzt konzentrieren wir uns wieder auf die Bundesliga. Mit Schalke kommt eine offensiv- und spielstarke Mannschaft in den Borussia-Park«, stimmte Patrick Herrmann zu. »Schalke hat eine gute Mannschaft. Sie stehen nicht umsonst da oben, wir aber auch nicht«, so der Youngster weiter. »Das werden wir versuchen am Samstag auf dem Platz zu zeigen«.
»Wir haben Schalke im Pokal geschlagen, das wollen wir Samstag bestätigen. Ich hoffe, dass wir die drei Punkte im Borussia-Park behalten«, gab sich Hermann vor dem „Spiel um Platz 3" zuversichtlich.
Für Roman Neustädter ist das Spiel gegen die ‚Knappen' vielleicht kein Spiel wie jedes andere. Schließlich wechselt der 23-Jährige zu kommenden Saison nach Gelsenkirchen. Und so geht es in diesem Duell nicht ‚nur' um den dritten Platz in der Bundesliga, wo sich der Sieger dann ein wenig Luft zu den nicht direkten Champions League Plätzen machen kann, sondern für Neustädter eben auch gegen seinen zukünftigen Verein. »Ich bin nicht nervös. Warum auch?«, entgegnete Neustädter der Frage, ob dieses Spiel für ihn ein besonderes sei und unterstich: »Ich spiele bis Saisonende für Borussia. Der Rest zählt für mich noch nicht«.
Und was für die Borussen seit geraumer Zeit generell zählt, ist stets das nächste Spiel. »Wir werden auch weiterhin von Spiel zu Spiel schauen, auch wenn das euch Journalisten das nervt«, sagte Herrmann mit einem Grinsen im Gesicht. »Jeder Spieler hat den Traum einen Titel zu gewinnen, aber soweit sind wir noch nicht«.
Weit vielleicht noch nicht, aber dennoch schon sehr nahe bzw. auf einem guten Weg dorthin. Zumindest der Traum von Europa könnte sich schon bald verwirklichen. Einen weiteren Schritt in diese Richtung könnten die Borussen am Samstag machen, wenn Mitkonkurrent FC Schalke in die Schranken verwiesen wird.
»Natürlich ist das ein Topspiel. Es spielt der Dritte gegen den Vierten«, freut sich auch Marc-André ter Stegen auf das Spiel gegen die ‚Knappen'. »Wir wollen uns so lange wie möglich da oben festsetzen und werden alles daran setzen, um dieses Spiel zu gewinnen. Wir sind seit elf Monaten zu Hause ungeschlagen und wollen das auch weiter bleiben«.






