11.Spieltag: Borussia Mönchengladbach - FC Bayern München 3:3 (1:2)
Mit einem 3:3-Remis trennt sich Borussia Mönchengladbach vom FC Bayern München und hat dabei den ersten durchaus möglichen Heimsieg verpasst. Vor 54.057 im ausverkauften Borussia-Park erzielten Patrick Herrmann, Marco Reus und Igor de Camargo die Tore für den VfL. Sechs Minuten vor Ende der Partie taf Philipp Lahm zum Ausgleich für die Bayern ins Netz.
Borussias Trainer Michael Frontzeck musste im Spiel gegen den Rekordmeister auf Thorben Marx verzichten. Der 29-Jährige hatte in Kaiserslautern die fünfte Gelbe Karte gesehen und musste somit pausieren. Dazu stand Borussias derzeitige Nummer zwei Logan Bailly nicht zur Verfügung. Für den Belgier, der unter der Woche mit einer Grippe das Bett hütete - sich das Spiel jedoch von der Tribüne aus ansah - nahm wie auch schon in den letzten beiden Spielen Marc-André ter Stegen auf der Bank Platz.
Auf der anderen Seite stand Roel Brouwers wieder zur Verfügung. Der 28-Jährige hatte seine Blessur am Knie überstanden und rückte wieder in das Aufgebot. Für den Niederländer musste Michael Stuckmann weichen. Auch Raúl Bobadilla stand wieder im Kader, nachdem der in Kaiserslautern aus dem bekannten disziplinarischen Grund gefehlt hatte.
Im Gegensatz zum vergangenen Samstag neu in der Startelf waren Roman Neustädter und Raúl Bobadilla. Im gewohnten 4-4-2 System spielte Neustädter bei seinem zweiten Einsatz von Beginn an für Thorben Marx an der Seite von Michael Bradley auf der „Doppel-6“, während Bobadilla anstelle von Mo Idrissou als einzige Sturmspitze agierte. Der Kameruner wechselte dafür auf die rechte Mittelfeldseite.
Marco Reus, in der Pfalz noch auf der rechten Mittelfeldseite eingesetzt, kam als ‚Schattenstürmer‘ hinter Bobadilla zum Einsatz. Zudem stand als Alternative für die Offensive neben Fabian Bäcker auch Karim Matmour im Aufgebot. Für den Algerier, der seine Achillessehnenprobleme überstanden hatte, musste Elias Kachunga weichen.
Im ausverkauften Borussia-Park hatte die Partie einen furiosen Beginn. Der FC Bayern nach eigenem Anstoß um Ballkontrolle bemüht, doch den ersten Warnschuss gab die Borussia ab. Nach Zuspiel von Patrick Herrmann war es Raúl Bobadilla, der auf Höhe der Strafraumgrenze ungedeckt abzog, das Leder Bayern Torhüter Jörg Butt jedoch direkt in die Arme setzte (02.).
Auf der anderen Seite traf Bastian Schweinsteiger nach einem Freistoß von Toni Kroos am langen Pfosten lauernd lediglich das Außennetz (03.). Zwei Minuten später die Führung für den VfL. Tobias Levels setzte auf der rechten Seite gegen die in dieser Situation zu zaghaft zu Werke gehenden Gäste nach und spielte auf Patrick Herrmann.
Der 19-Jährige zögerte auf Höhe der Außenlinie nicht lange und brachte seine Flanke in den Strafraum. Der Ball wurde immer länger und senkte sich über den etwas zu weit vor seinem Tor stehenden Jörg Butt zur 1:0-Führung in die Maschen (05.). Ein Tor des Youngsters, das es durchaus verdient hat, zur Auswahl zum Tor des Monats zu stehen.
Mit der frühen Führung im Rücken versuchte es die Borussia gegen geschockt wirkende Bayern weiter, doch Mo Idrissou blieb bei einem Angriffsversuch an Andreas Ottl hängen (8.). Der Truppe von Louis van Gaal fiel im Angriffsspiel zunächst wenig ein, um die gut organisierten „Fohlen“ in Gefahr zu bringen.
Doch den Gästen reichte eine Standardsituation, um den Rückstand zu egalisieren. Patrick Herrmann stoppte Toni Kroos mit einem Foul kurz vor dem Sechzehner. Den fälligen Freistoß brachte der Gefoulte an den langen Pfosten, wo Mario Gómez lauerte. Bamba Anderson verschätzte sich bei der Flanke, so dass der deutsche Nationalspieler aus kurzer Distanz unbehelligt einköpfte (11.).
In der Folgezeit übernahmen die Gäste das Kommando im Borussia-Park. Der FC Bayern München hatte mehr Ballbesitz und setzte den sich überwiegend in der eigenen Hälfte befindlichen VfL unter Druck. Dabei lief vieles über Hamit Altintop, mit dem Sebastian Schachten auf der Gladbacher linken Seite seine Mühe hatte.
So auch nach gut einer Viertelstunde, als der Türke nach Zuspiel von Anatoliy Tymoshchuk aus halbrechter Position nicht lange fackelte, jedoch in dem zur Ecke klärenden Christofer Heimeroth seinen Meister fand (17.). Drei Minuten später zeigte sich Borussias Schlussmann erneut hellwach, als er nach einem Rückpass von Tobias Levels gegen Mario Gómez zur Stelle war und zur Ecke klärte (20.).
Von der Borussia war bis dato offensiv rein gar nichts zu sehen. Einzig Raúl Bobadilla sorgte nach gut zwanzig Minuten für so etwas wie eine Torgelegenheit, doch der Argentinier setzte seinen Schuss aus etwa zwanzig Metern weit neben das Tor (22.). Der FC Bayern bestimmte weiter das Geschehen auf dem Spielfeld und erarbeitete sich Möglichkeiten. Zunächst brachten dabei jedoch die Versuche von Mario Gómez (26.) und auch von Bastian Schweinsteiger, der nach Flanke von Hamit Altintop seinen Kopfball an die Unterkante des Querbalkens (30.).
Sechs Minuten hätten die feldüberlegen Bayern in Führung gehen müssen, doch erneut scheiterte Gómez nach Zuspiel von Schweinsteiger am Gladbacher Keeper Christofer Heimeroth, der nach vorne abprallen ließ. Den Rebound setzte Toni Kroos aus etwa zwanzig Metern an das linke Lattenkreuz (36.).
Mit der nächsten vielversprechenden Möglichkeit belohnten sich die Bayern dann für ihre Bemühungen. Danijel Pranjić setzte von der rechten Seite aus Bastian Schweinsteiger in Sezen. Der Nationalspieler setzte sich im Strafraum gegen Bamba Anderson durch und überlistete Christofer Heimeroth mit einem Hackentrick aus kurzer Distanz zur hochverdienten 1:2-Führung für den amtierenden deutschen Meister (40.).
Nur drei Minuten hätte Schweinsteiger für die Vorentscheidung sorgen können. Nach Foulspiel von Sebastian Schachten zögerte Schiedsrichter Knut Kircher keine Sekunde und entschied auf Strafstoß. Diesen setzte Schweinsteiger nach kurz gewähltem Anlauf jedoch an den rechten unteren Pfosten (43.). So ging es nach 45 Minuten mit zwar mit einer knappen, jedoch verdienten Gäste-Führung in die Kabinen, bei der sich der VfL insgesamt zu passiv und viel zu ängstlich zeigte.
Während Louis van Gaal seine Truppe unverändert auf das Spielfeld schickte, so reagierte Michael Frontzeck auf die Probleme im ersten Durchgang. In die Viererkette kam Roel Brouwers für Sebastian Schachten in die Partie. Der Niederländer rückte in Innenverteidigung, während Kapitän Filip Daems die linke Abwehrseite besetzte. Zudem kam Igor de Camargo für den in den ersten 45 Minuten unauffälligen Mo Idrissou in die Partie.
Borussia kam entschlossen und bissig aus der Kabine. Die Truppe von Michael Frontzeck agierte nun weitaus mutiger nach vorne und erarbeitete sich gegen keinesfalls ‚galaktische‘ Bayern Möglichkeiten. Vier Minuten nach dem Wiederanpfiff die erste Ecke für die Fohlen-Elf, nach dem Raúl Bobadilla diese nach einem ungefährlichen Freistoß von Michael Bradley herausgeholt hatte. Zum gewünschten Erfolg führen sollte der Eckstoß jedoch nicht (49.).
Dafür aber die Möglichkeit sieben Minuten später. Zunächst verlor Gómez im Mittelfeld das Laufduell gegen den solide spielenden Roman Neustädter. Dann ging es schnell durch die Mitte. De Camargo spielte am Strafraum Marco Reus frei, der die „Torfabrik“ vorbei an Torhüter Butt ins rechte untere Eck zum verdienten 2:2-Ausgleich in die Maschen schiebt (56.).
Die „Fohlen“ blieben am Drücker und galoppierten weiter nach vorne. Nur vier Minuten nach dem Ausgleich bebte der Borussia-Park erneut… Danijel Pranjić kann Marco Reus im Mittelfeld nicht aufhalten. Der Youngster spielte zunächst quer auf die rechte Seite, wo Daniel van Buyten nicht gegen Igor de Camargo an den Ball kommt. Der Brasilianer mit belgischem Pass hatte nur noch Bayern Keeper Butt vor sich, schaute sich die linke Torhälfte aus und vollendete ins lange Eck zur 3:2-Führung für die Borussia (60.).
Borussia hatte mit toller Moral und mit mutiger Spielweise das Spiel gedreht. Im weiteren Spielverlauf erhöhte der FC Bayern München den Druck wieder. Doch gegen nun selbstbewusste und gut verteidigende Borussen sollten zunächst keine zwingenden Torchancen herausspringen. Oftmals waren es Einzelaktionen und Standards, die die Bayern in Tornähe brachten. Hamit Altintop setzte dabei seinen Distanzschuss aus etwa 25 Metern weit neben das Tor (78.).
Zwei Minuten später nahm Michael Frontzeck den letzten Wechsel vor. Karim Matmour kam für den erschöpften Patrick Herrmann in die Partie (81.). Es schien, als könnte der VfL gegen die verwundbaren Bayern den ersten Heimsieg verteidigen und unter Dach und Fach bringen, doch sechs Minuten vor Abpfiff zappelte der Ball im Netz von Christofer Heimeroth. Philipp Lahm stand im 16er rechts plötzlich ‚blank‘. Der Bayern Kapitän schaute sich Borussias Schlussmann aus und als dieser das kurze Eck zumachte, setzte Lahm das Leder in das lange Eck zum 3:3-Ausgleich (84.).
In den letzten Minuten hielt es die Zuschauer nicht mehr von den Sitzen. Borussia wackelte etwas, hielt jedoch am Ende den einen Punkt fest, der aufgrund der zweiten Halbzeit mehr als verdient ist. Es wären sicherlich drei Punkte drin gewesen, doch Borussia bewies im zweiten Durchgang Moral und sollte den Punkt nun in der kommenden Woche im Derby vergolden, um sich entscheidend von unten befreien zu können…
Die Kurzstatistik zum Spiel:
Borussia Mönchengladbach: Heimeroth - Levels, Anderson, Daems, Schachten (46. Brouwers) - Neustädter, Bradley - Herrmann (81. Matmour), Idrissou (46. De Camargo) - Reus, Bobadilla
Weiter im Kader: ter Stegen (ETW), Wissing, Meeuwis, Bäcker
FC Bayern München: Butt - Lahm, van Buyten, Demichelis, Pranjić (81. Alaba) - Tymoshchuk, Ottl (70. T. Müller) - Hamit Altintop, Kroos, Schweinsteiger - Gómez
Weiter im Kader: Kraft (ETW), Braafhaid
Tore: 1:0 Herrmann (05.), 1:1 Gómez (11.), 1:2 Schweinsteiger (40.), 2:2 Reus (56.), 3:2 de Camargo (60.), 3:3 Lahm (84.)
Gelbe Karten: Schachten / -
Bes. Vorkommnisse: Sebastian Schweinsteiger verschießt Foulelfmeter (43.)
Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottenburg)





