Drei Minuten fehlten Borussia Mönchengladbach im mit 20.300 Zuschauern ausverkauften Mainzer Bruchwegstadion, um nach vor allen Dingen guter Defensivleistung mit zehn Mann zumindest noch einen Punkt mitzunehmen. Doch André Schürrle brachte den 1.FSV Mainz 05 mit einem Sonntagsschuss am Freitagabend auf die Siegerstraße. Zu allem Übel flog Mike Hanke nach 53 Minuten mit Gelb-Rot vom Platz.
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| Bittere Rückkehr für Neustädter nach Mainz. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de |
Borussias Trainer Lucien Favre setzte auch in Mainz auf Offensive und vertraute getreu dem Motto ‚Never change a winning Team' genau der Elf, die in der Vorwoche für den 5:1-Derbysieg gesorgt hatte. Und auch taktisch behielt der Schweizer wie bereits im Vorfeld angekündigt sein 4-4-2 System bei, so dass zum zweiten Mal unter seiner Regie in zwei darauffolgenden Spielen die Startformation unverändert blieb.
Auf Seiten der Rheinland-Pfälzer stand mit dem Ex-Borussen Eugen Polanski ein alter Bekannter in der Anfangself. Der zweite Ex-Borusse Bo Svensson stand aufgrund einer Gelbsperre nicht im Aufgebot.
„Vollgas für den VfL" hatten die Gladbach-Fans in ihrer Kurve auf einen Banner geschrieben. Doch weder die Borussen, noch die Gastgeber hielten sich in den ersten Spielminuten an die Vorgabe, wenngleich den Mainzern bereits nach 87 Sekunden die erste gute Gelegenheit vorbehalten war.
Nach Zuspiel von Fuchs war es Schürrle, der aus fünfzehn Metern aus der Drehung abzog. Marc-André ter Stegen war jedoch hellwach und parierte den Schuss mit einem starken Fußrefelx (02).
Die Borussen hielten sich in der Anfangsphase kompakt stehend überwiegend in der eigenen Hälfte auf und ließen Mainz kommen, weshalb die Gastgeber zwar ein optisches Übergewicht zu verzeichnen hatten, sich offensiv jedoch nur selten in Szene setzten konnten. Das gelang lediglich per Distanzschüssen, wovon Eugen Polanski seinen aus achtzehn Metern weit über das Tor drosch (11.). Auch die nächste Gelegenheit gehörte dem Ex-Borussen, als er aus der zweiten Reihe abzog, das Leder jedoch am linken Pfosten vorbei rauschte (14.).
Die Fohlen präsentierten sich in der Defensive gut organisiert und zeigten sich nach vorne zwar engagiert, hatten im Vorwärtsgang dennoch zu viele Ballverluste. Das bot der Tuchel-Truppe Raum zum kontern, zwingende Möglichkeiten ergaben sich aber nicht.
Gerade hatte sich das Spiel ein wenig beruhigt, da kam die Borussia zu ihrer ersten dicksten Chance. Mike Hanke setzte auf der rechten Seite Marco Reus in Szene, der aus sechzehn Metern sofort abzog, doch das Leder zischte nur wenige Zentimeter am linken Pfosten vorbei (21.).
Auf der anderen Seite bissen sich die Mainzer am gut organisierten und kompakten Defensivverbund des VfL weiter die Zähne aus. Die Borussia ließ hinten nichts anbrennen, trat offensiv jedoch wenig in Erscheinung. Folgerichtig blieben in dem intensiv geführten Spiel Torraumszenen Mangelware.
Nach gut einer halben Stunde setzte Mainz wieder eine Duftmarke. Schürrle tankte sich im Strafraum durch, bleib jedoch an Dante hängen, der das Spielgerät zur Ecke bugsierte. Diese klärte Gladbachs Schlussmann ter Stegen im Anschluss sicher mit der Faust (35.).
Mainz 05 hatte zwar weiter mehr vom Spiel, konnte dennoch wenig Durchschlagskraft entwickeln. Und das auch deshalb, weil sich der VfL im Abwehrverbund nach wie vor gut organisiert und kompakt präsentierte. Die Truppe von Lucien Favre hielt gut dagegen und zeigte bis zu diesem Zeitpunkt eines ihrer besten Auswärtsspiele.
In der Schlussphase erhöhten die Rheinhessen zwar noch mal den Druck, konnten dabei aus ihren erspielten Eckstößen aber kein Kapital schlagen (40., 42.). Da eine Minute vor dem Pausenpfiff der erste Eckstoß für den VfL nichts einbrachte (44.), ging es mit einem torlosen Remis in die Kabine. Borussia ließ in den ersten 45 Minuten wenig anbrennen und setzte auch nach vorne Impulse.
Während Thomas Tuchel zum zweiten Durchgang einen Wechsel durchführte, so betraten die Borussen unverändert das Spielfeld. Die Borussen kamen recht schwungvoll aus der Kabine, ergriffen die Initiative und erspielten sich kurz nach Wiederanpfiff gleich zwei Eckstöße. Zum gewünschten Erfolg führten diese, ausgeführt von Juan Arango (49.) und Marco Reus (50.), jedoch nicht.
Drei Minuten später ein bitterer Rückschlag für Gladbach. Mike Hanke stieg von hinten gegen Eugen Polanski ein, sah für sein Foulspiel die zweite Gelbe Karte und folg somit mit Gelb-Rot vom Platz (53.). Ein mehr als diskutierbarer Platzverweis für den Stürmer, denn zumindest die erste Verwarnung erschien nicht zwingend notwendig, wenn nicht gar völlig unnötig. Auf der anderen Seite muss sich Hanke wohl auch die Frage gefallen lassen, als vorbelasteter Spieler so in einen Zweikampf zu gehen.
Lucien Favre reagierte und stellte um. Mo Idrissou agierte fortan als einzige Spitze, Marco Reus besetzte die rechte Mittelfeldseite. Während Mainz 05 in der Folgezeit das Spiel machte, so zog sich der VfL zurück und setzte auf Konter. Nach einem solchen ergab sich in Minute 68 ein Eckstoß durch Juan Arango, führte jedoch nicht zum erwünschten Erfolg.
Eine Minute später hätte es gut und gerne Elfmeter für die Fohlen geben können ja müssen, nach dem Polanski Reus im Strafraum zu Fall brachte, die Pfeife von Deniz Aytekin jedoch stumm blieb (69.). Der Unparteiische nahm hier wolh deutlich Einfluss auf die Partie. Auch in Unterzahl agierten die Borussen in der Defensive weiter sehr sicher und ließen die Mainzer offensiv nicht zwingend zum Zuge kommen.
Mittlerweile war die Schlussviertelstunde im Bruchwegstadion eingeläutet. In dieser hatten die Mainzer bis dato dreizehn Mal in des Gegners Maschen getroffen. Doch die Rheinhessen fanden weiterhin keine Mittel, ein Loch in den Beton der Borussia zu bohren. Folgerichtig gab es vor den Toren keine nennenswerten Gelegenheiten.
Während den seit sechs Heimspielen sieglosen Mainzern lief die Zeit davon lief, so hielt die Borussia mit zehn Mann dagegen und brachte die Gastgeber bis zur Verzweiflung. Bis drei Minuten vor Schluss. Wie aus dem Nichts traf André Schürrle von der Strafraumgrenze mit einem Sonntagsschuss am Freitagabend zur 1:0-Führung ins rechte obere Eck (87.).
Lucien Favre reagierte und brachte mit Roel Brouwers und Karim Matmour zwei frische Spieler, Nordtveit und Jantschke verließen den Platz (89.). Der VfL versuchte bis zum Schluss alles, musste dennoch am Ende durch eine späte Einzelleistung die bittere 1:0-Niederlage hinnehmen und hat es somit verpasst, nachzulegen. Dazu haben aber auch zwei mehr als fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen zu Ungunsten der Borussia beigetragen. Für die Fohlen wird die Luft im Tabellenkeller nach der unglücklichen und bitteren Niederlage gerade aufgrund des Restprogramms nun wieder erheblich dünner.
Die Kurzstatistik zum Spiel:
1.FSV Mainz 05: Wetklo - Caligiuri, Bungert, Kirchhoff, Fuchs - Polanski, Soto - Risse (46. Gopko / 84. Florian Heller), Holtby (77. Slišković), Schürrle - Allagui
Weiter im Kader: Pieckenhagen (ETW), Fathi, Zabavník, Löw
Borussia Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke (89. Matmour), Stranzl, Dante, Daems - Nordtveit (89. Brouwers), Neustädter - Reus, Arango - Idrissou, Hanke
Weiter im Kader: Heimeroth (ETW), Levels, Herrmann, Marx, Fink
Tor: Schürrle (87.)
Gelbe Karten: Fuchs / Hanke, Idrissou
Gelb-Rote Karte: Hanke (53.)
Bes. Vorkommnisse: keine
Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Oberasbach)






