Der 18-jährige startet vorzeitig in sein erstes Seniorenjahr
Während es für die Profis von Borussia Mönchengladbach erst am nächsten Wochenende mit dem DFB-Pokalspiel beim FC Erzgebirge Aue ernst wird, so geht die U23 bereits morgen in der Regionalliga auf Tore- und Punktejagd. Um 14:00 Uhr empfangen die Jungfohlen die Amateure vom 1.FSV Mainz 05. Mit dabei wird auch Julian Joel Korb sein der, obwohl noch für die U19 der ‚Fohlen‘ spielberechtigt, bereits jetzt in der Truppe von Sven Demandt auflaufen wird. Der 18-jährige will sich in der kommenden Saison im Seniorenfußball etablieren und näher an den Profikader heranrücken.
Gänzlich Neuland ist die Regionalliga für den Youngster aus Neukirchen-Vluyn hingegen nicht. Bereits in der Endphase der abgelaufenen Saison sammelte der defensive Mittelfeldspieler unter Ex-Coach Horst Wohlers in sechs Partien, in denen er jeweils die volle Distanz auf dem Platz stand, erste Erfahrungen im Seniorenfußball.
»Das robuste Spiel in der U23 ist natürlich schon eine Umstellung. In der Regionalliga spielen ausgebuffte Männer, die genau wissen, wann und wie sie ihren Körper einsetzen müssen. Auch vom Tempo her ist das ein Unterschied im Gegensatz zu der A-Jugend Bundesliga. Teilweise habe ich dort gegen fast doppelt so alte Gegenspieler gespielt, die wissen worauf es ankommt und die auch zum Teil auch schon mal in der ersten oder zweiten Liga gespielt haben«, erklärt Korb.
Auch die Spiele in den Auswahlmannschaften des DFB haben den Fachabiturienten weitergebracht. »In Länderspielen ist das Tempo noch einmal höher als in der A-Jugendbundesliga. Da gilt es, sich gegen die besten Jungs der anderen Länder zu beweisen. Manchmal spielt man dann gegen ein Land mit einer ganz anderen Kultur und Spielweise. Die Erfahrungen, die ich in diesen Spielen mache, versuche ich dann auch in die Spiele mit der Borussia mitzunehmen«.
All diese Eindrücke spielen in den Augen Korbs eine wichtige Rolle in der Entwicklung. »Je früher man an diese körperlichen Anforderungen herangeführt wird, desto besser ist es für die Entwicklung, um sich frühst möglich an den Seniorenfußball zu gewöhnen«, befindet Korb. »Deswegen bin ich sehr dankbar, dass der Trainer mir diese Erfahrungen gegeben hat und mir auch in der kommenden Saison gegeben wird«.
War es der 18-jährige zuvor stets gewohnt, in den Jugendbundesligen oben mitzuspielen, so machte er bei seinen ersten Auftritten im Seniorenfußball Bekanntschaft mit dem Abstiegskampf. »Gegen den Abstieg zu spielen ist eine ganz andere Art von Druck, als oben in der Tabelle um Punkte zu kämpfen«, erklärt Korb, der trotz guter Leistungen nicht verhindern konnte, dass unter dem Strich der sportliche Abstieg stand.
»Das war ein absoluter Schock für alle Beteiligten. Sportlich ist wirklich alles gegen uns gelaufen. Wir verloren unsere entscheidenden Spiele jeweils mit einem Tor Unterschied und zudem spielten die Konkurrenten alle gegen uns«, schaut der Youngster nur ungern zurück und ist dennoch um eine Erfahrung reicher. »Trotzdem bin ich nicht nur traurig diese Erfahrungen gemacht zu haben. Auch wenn ich sportlich sicher lieber aus eigener Kraft die Klasse gehalten hätte so denke ich, dass man auch besonders aus negativen Erlebnissen wie diesem sehr viel lernt. Wenn man sich vielleicht irgendwann nochmal in solch einer Situation befindet, weiß man besser damit umzugehen«.
Diversen Lizenzentzügen ist es geschuldet, dass Korb mit den Amateuren glücklicherweise auch in der neuen Saison in der 4.Liga auf Punktejagd gehen darf. »Dass wir doch noch durch eine Hintertür in der Liga geblieben sind, ist natürlich erfreulich und auch wichtig für die Entwicklung aller jungen Spieler«, befindet der 18-jährige.
Zu den jungen Spielern gehört eben auch Julian Korb, dessen Entwicklung in den letzten Jahren stetig vorangeschritten ist. Über den MSV Duisburg führte sein Weg 2006 zur Borussia.
»Nachdem wir damals mit dem MSV in einer Qualifikationsrunde zur Regionalliga scheiterten und ich in der höchsten Liga spielen wollte, um auf einem möglichst hohem Niveau zu spielen, meldete sich der damalige U15- Trainer und jetzige Amateur- und Jugendkoordinator Roland Virkus bei mir. Ihm und meinen Eltern, die mich zu diesem Wechsel ermutigt haben, habe ich es zu verdanken, dass ich bei der Borussia spiele und die bestmögliche Ausbildung, unter Anderem auch drei Jahre unter ihm selbst, genießen konnte. Ich habe sehr viel von ihm gelernt und im Nachhinein war der Wechsel damals das Beste, was ich machen konnte«, beschreibt das Talent seinen Wechsel.
Unter dem heutigen Amateur- und Jugendkoordinator Roland Virkus avancierte Korb dann zum defensiven Mittelfeldspieler. »Nachdem ich bei kleineren Vereinen oft als Stürmer aber auch als zentraler Mittelfeldspieler zum Einsatz gekommen bin, wechselte ich zum MSV. Dort habe ich eine ganze Saison in der Innenverteidigung gespielt. Roland Virkus sah mich dann klar als Verbindungsspieler auf der „6“. Das ist auch meine Lieblingsposition«, beschreibt der gebürtige Essener.
Zuvor hatte er nahezu alle Positionen gespielt. »Ich habe bis auf die Torhüter-Position fast überall gespielt. Vom Linksverteidiger mit der Niederrheinauswahl bis hin zum Rechtsverteidiger gegen Russland mit der deutschen U-17 Auswahl«.
»Egal wo mich der Trainer aufstellt, ich versuche immer meine beste Leistung für das Team zu bringen«, äußert sich der 18-jährige diplomatisch. Dass der in Essen geborene Youngster generell zum Fußball und zum MSV gekommen ist liegt auf der Hand, denn bereits der Vater schnürte als Profi seine Schuhe für die ‚Zebras‘.
So wurde ihm das Talent nahezu in die Wiege gelegt. »Schon in frühester Kindheit bin ich fast täglich mit meinem Vater zu seinem Training gegangen, um nebenbei etwas zu kicken. Wenn Spiele meines Vaters anstanden, hat mich meine Mutter mitgenommen. So wurde ich von klein auf mit dem Fußball konfrontiert, der dadurch schon immer ein großer Teil meines Lebens war bzw. ist. Natürlich bin ich meinem Vater dankbar, dass er mir da was mitgegeben hat«.
Seit vier Jahren spielt Korb nun bei den ‚Fohlen‘ und wohnt seit 2007 im Jugendinternat des VfL, über dieses er nur durchweg Positives zu berichten weiß. »Das Internat der Borussia ist absolut super. Hier wird sowohl eine perfekte Betreuung durch die Familie Lintjens als auch durch den neuen Internatsleiter Heinfred Tippelt gewährleistet. Wenn man einmal Hilfe braucht oder ein Problem hat, gibt es viele Personen, die einem helfen können. Mit Thomas Pulwitt steht sogar ein Sportpsychologe bereit, den man bei Bedarf aufsuchen kann«, lobt Korb.
So hat sich der Jugendnationalspieler, der in diesem Sommer auf dem Gymnasium Rheindalen sein Fachabitur bestanden hat und nun an seinem Abitur bastelt, auch in die Notizblöcke von Michael Frontzeck gespielt.
Mit Elias Kachunga durfte er mit ins Trainingslager nach Saalfelden reisen und in zahlreichen Testspielen der Vorbereitung mitwirken. »Es ist natürlich eine besondere Motivation, wenn man mit den Profis Testspiele absolvieren darf und ein absolutes Highlight, mit ins Trainingslager zu fliegen. Das sind Erfahrungen von unschätzbarem Wert, die ich dort mitgenommen habe. Das hat mir auch Herr Frontzeck gesagt. Er hat mir gesagt, dass ich mich dort auf einer ungewohnten Position gut präsentiert habe und weiter hart an mir arbeiten soll«, beschreibt Korb.
»Natürlich bin ich noch ganz am Anfang meiner Entwicklung, da ich ja eigentlich noch ein Jahr für die U19 spielberechtigt wäre. Es gibt demnach also noch sehr viele Sachen, an denen ich arbeiten muss. Ich muss noch etwas zulegen, um robuster zu werden. Zudem versuche ich auf dem Platz „lauter“ und torgefährlicher zu werden«, beschreibt der Youngster, wo er noch den Hebel ansetzten muss bzw. wird. »Als meine Stärken würde ich Passspiel, Schnelligkeit, Übersicht und Laufbereitschaft nennen. Aber auch all das versuche ich weiter zu verbessern. Es liegt also noch viel Arbeit vor mir«.
Dabei wagt der 18-jährige auch einen Blick über den Tellerrand hinaus und beobachtet die Topspieler auf seiner Position. »Generell schaue ich sehr viel Fußball. Bei der abgelaufenen WM habe ich zum Beispiel fast kein Spiel verpasst. Da schaue ich natürlich genau auf die Spieler, die auch im zentralen Mittelfeld zum Einsatz kommen, um mir positive Dinge von ihnen abzuschauen. Am besten gefällt mir da Xavi. Es ist einfach eine Augenweide ihm zuzuschauen, wie er mit seinem herausragenden Passspiel das Spiel bestimmt. Aber auch Schweinsteiger und Fàbregas schaue ich sehr gerne zu. Das motiviert, um weiter an sich zu arbeiten«, hat der Youngster auch die Großen der Fußballbühne im Auge.
Wie schnell es nach harter Arbeit gehen kann, hat das Beispiel Patrick Herrmann gezeigt. Der Mittelfeldmann stammt ebenso wie Korb aus dem Fohlenstall der Borussia und hat den Sprung in den Profikader geschafft. So gilt der 19-jährige auch für Julian Korb als Paradebeispiel.
»Patrick hat eine Chance bekommen und sie sehr gut genutzt, was mich natürlich auch sehr freut. Doch jeder weiß natürlich, dass das Ausnahmen sind, als A-Jugendlicher auf dreizehn Erstligaeinsätze zu kommen, und das auch von Anfang an gegen Bayern und Köln. Von solchen Geschichten träumt man eigentlich nur, aber Patrick hat sich das auf jeden Fall verdient. Von daher weiß ich, dass so ein Sprung, wie ihn Patrick gemacht hat, natürlich nicht die Regel ist. Trotzdem würde sich sicher niemand davor scheuen, wenn man die Möglichkeit bekommt, so einen Traum wahr zu machen«.
»Solche Entwicklungen hautnah mitzuerleben motiviert sehr. Auch Spieler, wie Fabian Bäcker oder Tony Jantschke, mit denen ich auch früher zusammengewohnt habe, haben schon einige Bundesligaspiele gemacht. Da ist der Ansporn riesig, das auch zu schaffen«, will auch Korb den Sprung in den Profibereich schaffen.
Doch zunächst wird sich der Youngster ab morgen seine Sporen in der Regionalliga verdienen. Dabei wird ihn auch wie in der U19 Sven Demandt trainieren. »Ich denke, dass dort eine optimale Lösung gefunden wurde, denn er hat ja schon fast alle Spieler mindestens ein Jahr in der U19 trainiert und kennengelernt. Dadurch sind gewisse Abläufe schon bekannt und man weiß, was der Trainer von einem erwartet. Er kommt aus dem Fußball und hat so natürlich alle Situationen, die im Fußball passieren können, selbst mitgemacht. So weiß er, was in welcher Situation zu tun ist. Da liegt es jetzt an uns, das auch so umzusetzen«, freut sich der Mittelfeldspieler auf seinen alten und neuen Trainer.
»Wir haben ein sehr gutes Potenzial in der natürlich jungen Mannschaft, die durch drei, vier erfahrenere Spieler ergänzt wurde. Wenn wir so spielen, wie wir uns alle das vorstellen und dazu konstant bleiben, dann hoffe ich, das es erst gar nicht zu so einer Lage wie in der letzten Saison kommt«, blickt der Jugendnationalspieler auf die kommende Spielzeit.
So möchte sich Julian Korb, der bei der Borussia mit einem Vertrag bis 2013 ausgestattet ist, in der kommenden Saison mit harter Arbeit, guten Leistungen und möglichst vielen Einsätzen im Unterbau für die Profis empfehlen.
»Ich will mich als Stammspieler etablieren, im Seniorenbereich durchsetzen, gute Spiele machen und natürlich immer näher an den Profibereich herankommen. Jeder, der bei der Borussia im Jugendbereich spielt, hat das Ziel den Sprung in den Profibereich zu schaffen. Wenn ich weiter sehr hart an mir arbeite, mich jeden Tag fordere und dazulerne, hoffe ich natürlich, dass ich das Ziel erreiche. Also lautet das Motto, arbeiten, arbeiten, arbeiten…«.





