So wie die Profis von Borussia Mönchengladbach grüßt auch die zweite Mannschaft des VfL von oben. Nach acht Spielen und nunmehr sechs Siegen in Folge belegt die Truppe von Trainer Sven Demandt mit 18 Punkten und einem Spiel weniger als der Tabellenführer Sportfreunde Lotte den zweiten Tabellenplatz in der Regionalliga West. Und genau wie Lucien Favre bleibt auch Sven Demandt weiterhin auf dem Boden. Wir sprachen mit dem U23-Trainer über den bisherigen Saisonverlauf.
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| Sieht ebenso keinen Grund zur Euphorie: U23-Coach Sven Demandt. Foto: Andreas Plum, Fohlen-Hautnah.de |
Fohlen-Hautnah: Herr Demandt, am Samstag gelang ihnen und ihrer Mannschaft der sechste Sieg in Folge. Wer soll bzw. kann sie im Moment schlagen?
Sven Demandt: Da gibt es noch genügend Mannschaften.
Fohlen-Hautnah: Weil ihnen gerade auch trotz des 4:2-Sieges bei der zweiten Mannschaften des 1. FC Kaiserslautern die wiederholten Nachlässigkeiten in der Defensive nicht gefallen haben?
Sven Demandt: Ja. Das war vor dem Spiel schon so und daran hat sich auch nichts geändert. In der ersten Halbzeit haben wir phasenweise nicht gut verteidigt und haben dadurch irgendwo den Sieg in Gefahr gebracht. Es war zwar von Beginn an schon ersichtlich, dass wir die bessere Mannschaft sind und das wir nach vorne richtig gut spielen, aber hinten hatten wir schon unsere Probleme.
Sowas kann letztendlich auch mal nach hinten gehen. Wir haben jetzt zwar in zwei Spielen jeweils vier Tore geschossen, das ist sehr gut. Aber wir haben eben auch zweimal vier Tore schießen müssen, um diese Spiele zu gewinnen. Und das wird nicht immer so funktionieren, aber das wissen die Jungs auch und gehen da selbstkritisch mit sich um.
Fohlen-Hautnah: Auf der anderen Seite ist ihre Offensive mit zwanzig geschossenen Toren die derzeit stärkste der Regionalliga West ...
Sven Demandt: Es ist einfach so, dass wir offensiv aufgestellt sind. Wir nehmen das Risiko und sind uns schon bewusst, dass wir aufgrund dieser offensiven Ausrichtung in der Defensive vielleicht mehr Probleme bekommen. Trotzdem müssen wir auch in einigen Situationen ein bisschen defensiver denken. Dann bekommen wir auch in dieser Ausrichtung weniger Tore und können trotzdem gefährlich nach vorne spielen.
Fohlen-Hautnah: Nach zwei Auftaktniederlagen folgte eine beeindruckende Serie mit sechs Siegen in Folge. Woran machen Sie den derzeitigen Erfolg fest?
Sven Demandt: Ich glaube schon, dass die Jungs gemerkt haben, dass wir gute Möglichkeiten haben, unsere Spiele zu gewinnen, wenn wir unsere Leistung abrufen. Vielleicht sogar mehrheitlich Spiele zu gewinnen, weil wir eben einfach auch eine gute Qualität haben.
Und das egal, wer spielt oder in welcher Konstellation wir spielen. Denn wir haben ja bisher nicht einmal mit der gleichen Mannschaft auflaufen können. Trotzdem haben wir es hinbekommen, eine Mannschaft auf dem Platz zu haben, die genügend Qualität hat, eben die bisherigen Gegner zu schlagen.
Das war auch in den ersten beiden Spielen so, aber da ist es uns eben nicht so gelungen, unsere Leistung abzurufen. Wir machen zwar noch Fehler, schaffen es aber trotzdem, große Teile von dem, was wir können, abzurufen.
Fohlen-Hautnah: Eine gute Qualität, die eben auch in der Offensive vorhanden ist. Da hat allen voran Elias Kachunga derzeit einen starken Lauf. Nach acht Spielen stehen bei ihm sieben Tore und zwei Vorlagen auf der Habenseite, im letzten Jahr lediglich ein Tor in 24 Spielen. Eine sehr erfreuliche und positive Entwicklung. Wie ist diese Explosion zu erklären?
Sven Demandt: Ich glaube, er selber hat begriffen, dass es für ihn schon ein sehr wichtiges Jahr ist. Das letzte Jahr kann einfach nicht sein Anspruch sein. Da hatte er im ersten halben Jahr sogar zwei Bundesligaeinsätze, hat aber bei uns in 24 Spielen lediglich ein Tor geschossen.
Das kann letztendlich nicht sein Anspruch sein und dann kommt er auch nicht mehr dahin, wo er schon mal auf einem guten Weg war. Wenn er das begreift, dann sieht man, was machbar ist. Und da ist er momentan auf einem guten Weg, mehr aber auch nicht. Das Entscheidende ist, dass da bei ihm etwas eingesetzt hat. Hoffentlich hält das noch lange an.
Fohlen-Hautnah: Er weiß sicherlich, wo das Tor steht, wird aber auch derzeit mehr als gut in Szene gesetzt ...
Sven Demandt: Klar. Wir spielen als Mannschaft insgesamt gut nach vorne. Davon profitiert Elias natürlich auch. Und er hat jetzt natürlich vor dem Tor auch eine gewisse Sicherheit, die man als Stürmer ganz einfach auch braucht, um Möglichkeiten zu verwandeln. Gerade seine ersten beiden Tore gegen Kaiserslautern muss man auch erst mal machen. Aber er hat da eben jetzt die Sicherheit, die er sich durch Erfolgserlebnisse geholt hat.
Fohlen-Hautnah: Und auch ihre Truppe hat Sicherheit und bewahrt gerade auch dann die nötige Ruhe, wenn sie wie in Kaiserslautern früh in Rückstand gerät. Sicherlich auch dem derzeitigen Selbstvertrauen ‚geschuldet' ...
Sven Demandt: Klar, wir haben Selbstvertrauen. Das sollte man auch haben, wenn man sechsmal hintereinander gewinnt. Entscheidend ist, dass es nicht in zu viel Selbstgefälligkeit umschlägt. So nach dem Motto: Es läuft. Das bekommen wir momentan gut hin.
Die Jungs gehen nicht überheblich in die Spiele, sondern mit Selbstvertrauen und mit der Sicherheit zu wissen, dass es für jeden Gegner ganz schwer wird, uns zu schlagen, wenn wir unserer Leistung abrufen. Deshalb wirft uns dann auch ein Rückstand nicht aus der Bahn.
Fohlen-Hautnah: Lucien Favre tritt trotz des Höhenflugs derzeit auf die Euphoriebremse und sieht keinen Grund, die Bodenhaftung zu verlieren. Und Sie?
Sven Demandt: Wir müssen die Jungs nicht auf dem Boden halten, aber es gibt auch keinen Grund, großartig abzuheben. Es ist derzeit sehr angenehm, aber mehr auch nicht. Es sind erst acht Spiele gespielt. Nach den ersten beiden Spielen war alles mehr oder weniger schlecht.
Jetzt haben wir zwar ein paar erfolgreiche Spiele hinter uns, aber letztendlich ist das nicht von großer Bedeutung. Wir konzentrieren uns jetzt auf das nächste Spiel. Und dort wartet mit Bayer Leverkusen eine schwierige Aufgabe auf uns.
Fohlen-Hautnah: Nun rangiert man mit einem Spiel weniger und einem Punkt Rückstand auf die Sportfreunde Lotte auf dem zweiten Tabellenplatz. Wenngleich erst acht Spiele absolviert sind - was ist zumindest nach derzeitigem Stand in dieser Saison möglich?
Sven Demandt: Es ist einiges möglich, aber das interessiert mich jetzt erst mal nicht. Für mich zählt jetzt nur die kommende Aufgabe, die da Leverkusen heißt. Das ist für mich interessant, alles andere nicht.
Fohlen-Hautnah: Kommen wir mal zu ihrer Verteidigung. Dort kam Bernhard Janeczek in dieser Saison bisher noch nicht zum Einsatz. Was ist derzeit maßgeblich verantwortlich dafür, dass er eher hinten ansteht?
Sven Demandt: Man muss ganz einfach sagen, dass wir in der Innenverteidigung mit Tim Heubach und Niklas Dams einfach sehr gut aufgestellt sind. Das sind zwei Jungs, die momentan einfach noch vor ihm sind. Da muss Berni einfach ein bisschen Geduld haben. Dass das manchmal schwierig ist, ist vollkommen klar. Aber er trainiert gut und wird zwangsläufig auch seine Chancen bekommen. Er muss einfach dran bleiben.
Fohlen-Hautnah: Sie haben Tim Heubach angesprochen, der derzeit auch ihr Kapitän ist. Ist er derzeit der beste Heubach, den es bisher bei Borussia gab?
Sven Demandt: Er fällt natürlich insofern auf, weil er schon sechs Tore gemacht hat. Drei davon waren drei Elfmeter, die er nicht geschossen hätte, wenn Dennis Dowidat fit gewesen wäre. Dann hätte er immer noch drei Tore, was auch viel ist. Aber ich glaube schon, dass er den nächsten Schritt gemacht hat.
Wir beginnen momentan mit ihm als einzigen älteren Spieler, alt in Anführungszeichen, denn er ist ja auch erst 23. Diese Rolle füllt er einfach auch gut aus und ist defensiv schon derjenige, der sehr viel abräumt und der ruhende Pool ist. Auch wenn wir so viele Gegentore bekommen haben, dann lag dass sehr wenig an den Innenverteidigern.
Fohlen-Hautnah: Mal was anders. Seit nunmehr zwei Wochen ist Oliver Neuville bei ihnen als Praktikant tätig. Was haben Sie für einen Eindruck von ihm, macht es ihm Spaß?
Sven Demandt: Ja. Ich habe schon den Eindruck, dass ihm das Spaß macht. Er ist voll bei der Sache und fiebert auch mit den Jungs mit. Gegen Wuppertal hat er mit auf der Bank gesessen, in Kaiserslautern war er nicht mit, weil er freitags mit den Jungs trainiert hat, die nicht mit gefahren sind. Von daher ist er auch mit eingebunden und ich denke mal, dass er sagen wird, dass es ihm momentan sehr viel Spaß macht, wenn man ihn fragen würde.
Fohlen-Hautnah: Abschließend: Bei dem derzeitigen Blick auf die Tabelle ist erfreulicherweise festzustellen, dass beide Borussen-Teams von oben grüßen. Ein durchaus schöner Anblick, den auch Sie sicherlich erfreut zur Kenntnis nehmen ...
Sven Demandt: Es ist eine sehr angenehme Situation, aber ich bin schon so lange dabei, sodass ich weiß, wie schnell es gehen kann. Verlieren beide Mannschaften zweimal, dann ist die ganze Grundstimmung nicht mehr so positiv. Ich glaube aber schon, dass wir das auch mal genießen sollten.
Unabhängig davon sollte man im Hinterkopf immer wissen, dass es auch wieder anders laufen kann. Aber ich glaube, dass sowohl die Profis als auch wir, sehr stabil sind, so wie beide momentan auftreten. Und es ist auch kein Zufall, dass die Dinge bei beiden so gut funktionieren, wie derzeit.






