Seit März 2010 besitzt Bernhard Janeczek bei Borussia Mönchengladbach nun einen Profivertrag. Doch so richtig durchstarten konnte der Österreicher bisher nicht. Auch gerade deshalb, weil ihn diverse Verletzungen immer wieder zurückwarfen. Im kommenden Winter zieht der Abwehrspieler, der beim VfL noch bis Sommer 2013 unter Vertrag steht, nun einen Tapetenwechsel in Erwägung. Und das primär, um Spielpraxis zu sammeln.
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| Derzeit eher im Trainings- als im Spieldress: Bernhard Janeczek. Foto: Andreas Plum, Fohlen-Hautnah.de |
Dabei hatte für Bernhard Janeczek beim VfL alles so gut angefangen. 2008 von Rapid Wien ablösefrei nach Gladbach gewechselt, wuchs der österreichische Jugendnationalspieler in der U17 der Fohlen direkt zu einer festen Größe und wusste dort mit mehr als ansprechenden Leistungen zu überzeugen.
So wurde der beidfüßige Verteidiger bereits in seinem ersten Jahr Westdeutscher Meister mit Borussias U17 und schied im Ringen um die deutsche U17-Meistersachaft erst im Halbfinale gegen den VfB Stuttgart aus.
In der Folgesaison wurde er als damals 17-Jähriger in die U19 der Jungfohlen hochgezogen und avancierte auch dort zu einer tragenden Figur im Defensivverbund.
Der Abwehrspieler war also auf einem mehr guten Weg und schickte sich an, bei den Fohlen die Karriereleiter steil nach oben zu galoppieren. Konnte er in der Saison 2009/2010 bis in den Dezember hinein aufgrund einer Verletzung nur wenige Einsatzminuten sammeln, so sollte der 1,77m große Verteidiger dennoch in der gleichen Saison erste Früchte seiner vorherigen Arbeit ernten.
Im Januar 2010 durfte Janeczek erstmals Profiluft schnuppern. Ex-Trainer Michael Frontzeck nahm den Youngster mit ins Wintertrainingslager ins spanische La Cala de Mijas. Und auch dort wusste der Verteidiger ebenso zu überzeugen, wie beim anschließenden Wintercup-Turnier in Düsseldorf. Da war es wohl die nahezu logische Konsequenz, dass ihm der VfL im März mit einem Profivertrag ausstattete.
Doch mit dem Arbeitspapier in der Tasche, sollten erste Rückschläge kommen. Im April des gleichen Jahres ereilte ihn die erste schwere Verletzung. Außenknöchel gebrochen, Riss des Innenbandes und Riss des Syndesmosebandes - und das ohne Fremdeinwirkung. Ein halbes Jahr Fußballpause war die Folge. Nach einer langen Rehamaßnahme und hartem Aufbautraining kämpfte sich der Österreicher zurück und war bereit, wieder anzugreifen.
Das tat der Jungprofi dann ab August, nachdem er sich im Sommer-Trainingslager der Profis im österreichischen Saalfelden wieder herangearbeitet hatte. Im Derby der U19 gegen den 1. FC Köln stand er erstmalig 90 Minuten auf dem Platz und hatte mit dafür gesorgt, dass die Jungfohlen am Ende als 3:2-Sieger vom Platz gehen konnten.
Fünf Tage später schnupperte der Innenverteidiger erstmals nach seiner Verletzung Profiluft, als er im Testspiel bei Drittligist Rot-Weiss Ahlen eine Halbzeit zum Einsatz kam. Weitere 90-Minuten Einsätze erfolgten Mitte September in der A-Jugendbundesliga bei der 1:2-Niederlage gegen den MSV Duisburg und bei der 0:1-Niederlage gegen den FC Schalke 04. Und auch in der Nachwuchsrunde stand er beim 2:2-Remis gegen Standard Lüttich 60 Minuten auf dem Platz.
Der gebürtige Wiener war also auf dem besten Weg, an seine alte Form anzuknüpfen und sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Doch abermals musste er einen Rückschlag wegstecken. Im November 2010 setzte ihn eine Innenbanddehnung im Knie außer Gefecht, mit der er bis Mitte Januar des Folgejahres zu kämpfen hatte und brachte es so in der vergangenen Saison auf lediglich 12 U19- und 2 Regionalligaeinsätze.
»Das ich in der Vergangenheit immer mal wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte, ist zwar nichts Schönes, aber ich habe nie den Kopf in den Sand gesteckt und mich nie aufgegeben«, beschreibt sich Janeczek als Kämpfernatur.
»Klar stand ich recht schnell im Rampenlicht und es ging in jungen Jahren mit dem Profivertrag alles zügig. Natürlich kamen die Verletzungen dann zu einer unpassenden Zeit, aber das ist Fußball«, beschreibt der 19-Jährige. »Wenn du dann den Kopf in den Sand steckst, kann der Schuss schnell nach hinten los gehen. Man muss immer weiter machen und an sich glauben«.
Auch in der Vorbereitung auf die laufende Spielzeit glaubte der Youngster an sich und kämpfte sich nach einer Bauchmuskelzerrung, die ihm im Sommer die Teilnahme an der U20- Weltmeisterschaft in Kolumbien kostete, wieder zurück. Seitdem ist der Verteidiger verletzungsfrei und angriffslustig. Dennoch steht bisher lediglich erst ein Kurzeinsatz über 13 Minuten in Borussias zweiter Mannschaft zu Buche.
Und das deshalb, weil er sich nach langer Verletztenzeit nicht zu Unrecht sicherlich zunächst einmal hinten an stellen muss und auch gerade deshalb, weil das derzeitige Innenverteidiger-Duo Tim Heubach und Jungprofi Niklas Daems mit konstant guten Leistungen überzeugt. »Man muss ganz einfach sagen, dass wir mit diesen beiden einfach sehr gut aufgestellt sind. Das sind zwei Jungs, die momentan einfach noch vor ihm sind«, sieht Trainer Sven Demandt verständlicherweise keinen Grund, an dieser harmonischen Besetzung etwas zu ändern.
»Da muss Berni einfach ein bisschen Geduld haben und dran bleiben. Aber er trainiert gut und wird zwangsläufig auch seine Chancen bekommen«, hatte der U23-Coach den Österreicher im Gespräch mit unserer Redaktion Ende September nach bis dato acht Spielen nicht gänzlich abgeschrieben.
Und obwohl sich am vergangenen Wochenende beim 2:1-Sieg von Borussias U23 gegen die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund eine solche durchaus hätte ergeben können, bekam der Österreicher diese nicht.
In der 57. Minute nämlich musste Innenverteidiger Niklas Daems verletzungsbedingt das Feld räumen. Doch wider erwartend nahm mit Muhittin Bastürk ein gelernter defensiver Mittelfeldspieler die Position in der Innenverteidigung ein, während Janeczek weiter auf der Bank schmorte.
Eine zumindest diskutierbare Entscheidung und vielleicht auch ein kleiner Fingerzeig, der den Österreicher zum Nachdenken bringt. »Ich möchte spielen und bin natürlich mit der aktuellen Situation nicht zufrieden«, hat Janeczek wie jeder Fußballer den Anspruch, ständig auf dem Platz stehen zu wollen.
Demzufolge gibt er sich mit seiner derzeitigen Rolle logischweise alles andere als zufrieden. »Ich muss für mich schauen, dass ich spielen kann, um mich weiterzuentwickeln, damit ich wieder Spielrythmus und das Selbstvertrauen bekomme um daran anknüpfen zu können, wo ich schon mal war«, hat sich Janeczek seine Ziele gesteckt.
Da das beim VfL zumindest derzeit weder bei den Profis, noch bei den Amateuren nicht gänzlich oder nur unzureichend möglich zu sein scheint, zieht der Österreicher im Winter einen Tapetenwechsel für beispielsweise ein halbes Jahr in Erwägung. »Wir werden uns im Winter zusammensetzten, die Situation besprechen und dann eine Lösung finden, die im Sinne aller Beteiligten ist«, sagt Janeczek.
»Wir sind mit Borussia und mit Max Eberl bezüglich einer Ausleihe in Gesprächen«, verriet Berater Harald Werner im Gespräch mit unserer Redaktion und fügte hinzu: »Jetzt ist es meine Aufgabe, geeignete Vereine zu finden, wo er auch die Chance hat, zu spielen und sich weiterzuentwickeln«.
Und wohlmöglich führt dazu der Weg vorläufig zurück in sein Heimatland. »Es wurden auch schon Kontakte mit Vereinen geknüpft. Darunter auch Vereine aus der österreichischen Bundesliga, wo auch Interesse besteht«, so Werner abschließend.
Bleibt abzuwarten, in wie weit sich die Situation für Bernhard Janeczek gerade durch einen möglichen Ausfall von Niklas Dams bis zur Winterpause vielleicht doch noch verbessert und wie die Gespräche mit den Verantwortlichen des VfL verlaufen.
Gerade aber im Sinne der Spielpraxis und um in der Entwicklung nicht zu stagnieren ist ein vorläufiger Tapetenwechsel des talentierten und mit Qualitäten ausgestatteten Verteidigers sicherlich nicht die schlechteste Lösung, um dann gestärkt und mit frischem Selbstvertrauen ausgestattet zum VfL zurückzukehren und neu anzugreifen. Und um dann langsam in die Fußstapfen seines Landsmanns Martin Stranzl zu treten, der im Sommer 2013 seine Laufbahn beendet ...






