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»Ich weiß, wo ich hinkomme«

Fabian Bäcker will beim VfL wieder zu alter Stärke zurückfinden

Vor der Saison wechselte Fabian Bäcker ablösefrei von Borussia Mönchengladbach in die Zweite Liga zu Alemannia Aachen, um den nächsten Schritt zu machen. Dieser gelang dem 21-Jährigen dennoch nicht. Und gerade deshalb, weil Torjäger Elias Kachunga kurz vor einem Wechsel nach Osnabrück steht, kam es, dass Borussia Mönchengladbach bei dem Angreifer angeklopft hat und ihn primär für die Regionallliga-Mannschaft unter Vertrag nehmen will. Kurzerhand machte er sich mit der U23 auf den Weg ins Trainingslager nach Belek. In der Türkei haben wir uns mit dem Angreifer getroffen und mit ihm über seine bevorstehende Rückkehr zum VfL gesprochen.

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Wieder für den VfL im Einsatz - Fabian Bäcker. Foto: Andreas Plum, Fohlen-Hautnah.de

Fohlen-Hautnah: Fabi, im Sommer bist du mit den Zielen, eine neue Herausforderung zu suchen und dich in einer höheren Liga durchzusetzen, zu Alemannia Aachen in die Zweite Bundesliga gewechselt. Warum ist all das misslungen bzw. was lief falsch?

Fabian Bäcker: Die Sache war von Beginn an eigentlich verkorkst. Ich bin mit einer Verletzung, wo ich dachte, dass diese auskuriert war, nach Aachen gewechselt. Bereits aber am ersten Tag ist die Verletzung wieder aufgebrochen. Dass war direkt ein schlechter Start. Ich hatte zwar Schmerzen, man konnte aber nicht erkennen, woher sie resultierten.

So war es für mich schwierig, damit umzugehen und ich wusste nicht, wann ich wieder Vollgas geben kann. Teilweise habe ich dann auch falschen Ehrgeiz gezeigt und mit Schmerzen trainiert, weil ich mich dem neuen Verein zeigen und Gas geben wollte. Da habe ich aber gelernt, dass nur mit 100 Prozent etwas möglich ist. So bin ich nicht richtig in Schwung gekommen, wie ich wollte und ich es eigentlich auch kann.

Dann lief es auch in der Mannschaft nicht gut. Und als dann mit Friedhelm Funkel ein neuer Trainer kam, war in den Vorstellungen nicht mehr vertreten. Man hat mir dann am 01. Dezember auch offen und ehrlich gesagt, dass sie erst mal nicht mehr mit mir planen. Natürlich ist das nicht schön. Auf der anderen Seite konnte es so aber auch nicht weitergehen - der Club war unzufrieden und ich war unzufrieden. Dann muss man sich überlegen, ob es so noch Sinn macht.

Fohlen-Hautnah: Und dann „musstest" du letzten Mittwoch ad hoc deine Koffer packen und bist mit der zweiten Mannschaft der Borussia ins Trainingslager nach Belek gereist. Wie kam es dazu?

Fabian Bäcker: Ich bin sehr froh, dass das so spontan geklappt hat und das Gladbach mir die Chance geben will, in dem halben Jahr wieder auf mein Level zu kommen. Und dabei bin ich auch Aachen und Eric Meijer sehr dankbar, dass das buchstäblich in einer Nacht- und Nebelaktion geklappt hat, man mir kurzfristig eine Gastspielgenehmigung erteilt hat und ich am Trainingslager teilnehmen kann.

Fohlen-Hautnah: Das heißt, es ist eine Ausleihe bis zum Saisonende geplant. In trockenen Tüchern ist das aber noch nicht?

Fabian Bäcker: Nein, dass hängt noch mit dem möglichen Wechsel von Elias Kachunga zum VfL Osnabrück zusammen.

Fohlen-Hautnah: Hattest du neben der Borussia auch noch andere Optionen?

Fabian Bäcker: Natürlich habe ich meine Fühler überall hin ausgestreckt und mir alles angehört. Aber im Prinzip habe ich ja in einer Zweitliga-Mannschaft, die keine allzu starke Hinrunde gespielt hat, keine große Rolle gespielt.

Und wann man da durchrutscht, dann ist die Nachfrage nach einem Spieler, der im bezahlten Fußball fast ein halbes Jahr gar nicht gespielt hat, relativ gering. Von daher war mir schon klar, dass es schwierig werden könnte. Es war wichtig, etwas zu finden, wo ich die Chance habe Spielpraxis zu bekommen.

Fohlen-Hautnah: Und diese Chance siehst du nun hier. Wie kam dann der Kontakt zum VfL und im speziellen Fall zur U23 zu Stande?

Fabian Bäcker: Da Aachen, Gladbach und Aldenhoven, wo ich wohne, glücklicherweise nicht so weit auseinander liegen, hatte und habe ich immer Kontakt mit den Jungs und war auch gegen Schalke im Stadion. Und auch mit Trainer Sven Demandt stand ich immer im Austausch. Ende November kam dann der erste Anruf von Borussia, ob ich mir das vorstellen könnte. Dann habe ich erst mal geschaut und alles auf mich zukommen lassen.

Ich habe mich dann für Borussia entschieden, weil ich das Umfeld, den Trainer und die Mannschaft gut kenne und weiß, was ich habe bzw. vorfinde und wo ich hinkomme. So bin ich in dem Sinne wieder relativ schnell zuhause, weil ich mich an nichts gewöhnen muss und weiß, dass mich auch der Trainer schätzt.

Fohlen-Hautnah: Dennoch kann man diesen Schritt ja als einen Rückschritt sehen ...

Fabian Bäcker: Wenn man es von oben betrachtet, ist es auf jeden Fall ein Rückschritt - das kann man schon so sagen. Allerdings muss man es auch ganz nüchtern betrachten und sagen, dass das letzte halbe Jahr eins war, in dem einfach viel schief gelaufen ist und das ich verschenkt habe. Es ist dumm gelaufen, aber dass passiert.

Jetzt bin ich einfach froh, dass ich die Möglichkeit habe, auf einem guten Niveau wieder an mein Leistungslimit heranzukommen. Und wenn ich es mit den Jungs dann schaffe, lange oben mitzuspielen und am Ende vielleicht ganz oben zu stehen, dann ist die Saison 2011/2012 auch nicht ganz verkorkst gewesen. Denn dann habe ich etwas erreicht und bei einem Mannschaftserfolg kann sich jeder Einzelne wieder anbieten. Dann muss man sehen, was im Sommer passiert.

Fohlen-Hautnah: Demzufolge ist deine Zeit also zunächst bis Saisonende ohne weitere Optionen begrenzt?

Fabian Bäcker: Genau. Das ist der momentane Stand. Der Plan ist, dass ich erst mal ein halbes Jahr auf Leihbasis von Aachen nach Gladbach komme. Was dann passiert, muss man im Sommer sehen und sich noch mal neu unterhalten. Ich weiß ja nicht, was Aachen und auch Borussia im Sommer planen.

Ich mache mir aber auch nicht so viele Gedanken darüber, was im Sommer ist. Jetzt ist Januar und ich glaube, in dem Geschäft muss man einfach auch von Tag zu Tag und Woche zu Woche denken und sehen, was passiert.

Fohlen-Hautnah: Was hat dich denn primär zu der Überzeugung gebracht, wieder „nach Hause" zu kommen?

Fabian Bäcker: Dass ich einfach eben das Umfeld, den Trainer und die Mannschaft, die sich im Gegensatz zum letzten Jahr nicht groß verändert hat, kenne. Die Mannschaft hat großes Potenzial, ich kenne den Trainer und weiß, dass er meine Stärken kennt und auch auf diese baut. Darüber hinaus wusste ich, dass ich hier wieder zu alter Stärke zurückfinden kann, weil ich mich eben nicht eingewöhnen muss. Dass alles waren die ausschlaggebenden Faktoren. Ich wusste einfach, was ich bekomme und weiß, dass ich es hier wieder schaffen und Spielpraxis sammeln kann.

Fohlen-Hautnah: Natürlich kannst und wirst du für die zweite Mannschaft eine Verstärkung sein, aber man kann auch provokant sagen: Fabian Bäcker hat nichts Anderes oder Besseres gefunden und lässt sich beim VfL ‚auffangen' ...

Fabian Bäcker: Ich sehe das nicht so. Ich glaube, dass der Verein mir natürlich auch helfen möchte, weil ich sieben Jahre bei ihm war und glaube ich auch im Guten gegangen bin. Auf der anderen Seite ist es ja so, dass durch Elias Kachunga, der eine super Hinrunde gespielt hat, natürlich auch ein Top-Stürmer gegangen ist und ich in den letzten Jahren bewiesen habe, dass ich auch knipsen kann.

Und ich glaube, dass sich der Verein einfach auch erhofft, dass ich den Weggang von Elias kompensieren kann. Darum geht es mir einfach und das möchte ich machen. Alles andere zählt nicht. Ich muss auf mich schauen und schauen, dass ich wieder ans Spielen und an mein Limit komme.

Fohlen-Hautnah: Was dir in der Zweiten Liga bei Aachen und auch zuvor beim VfL zumindest in einer höheren Liga als die Regionalliga nicht gelungen ist. Also könnte man ebenso provokant sagen: Zweimal den Durchbruch nicht richtig geschafft, nun wieder einen Schritt zurück und durchgereicht...

Fabian Bäcker: Das kann man nüchtern betrachtet sicherlich so sehen. Das ist mir aber egal. Ich bin relativ jung und weiß, was ich kann bzw. nicht kann und dass ich auch auf höherem Niveau spielen kann. Das habe ich auch schon gezeigt. Es hat bei Borussia nicht sollen sein und habe dann den Schritt nach Aachen gemacht.

Es hätte dort auch ganz anders verlaufen können, wenn ich gesund gewesen wäre. Es hat alles unter einem guten Stern gestanden. Dann ist es aber schief gelaufen, weil ich einfach nicht gesund war. Und dann kam es einfach nicht so in die Gänge, wie es hätte kommen sollen. Jetzt muss man vielleicht noch mal einen Schritt zurück machen, um dann vielleicht auch wieder einen Schritt nach vorne zu machen und um zu sehen, welche Optionen man in seiner Karriere noch hat.

Ende der Saison bin ich 22 Jahre. Dann kann man immer noch schauen und sich darüber unterhalten, ob man es nie schafft oder wie auch immer. Aber ich sehe die Fälle noch nicht dahin schwimmen.

Fohlen-Hautnah: Was nimmst du denn aus deiner Zeit bisherigen bei Aachen für Erfahrungen mit auf deinen weiteren Weg?

Fabian Bäcker: Eine ganz wichtige Sache habe ich dort gelernt: Dass man nur dann Top-Leistungen bringen und abrufen kann, wenn man zu 100 Prozent gesund ist. Nur so geht's. Wenn man nur 80 Prozent oder noch weniger geben kann, dann macht es keinen Sinn, auf den Trainingsplatz zu gehen. Dann verkauft man sich unter Wert und das bringt einem selber und dem Verein natürlich auch nichts.

Fohlen-Hautnah: Wo das Tor stehst, weißt du definitiv. Steuerst du nun deine Tore zum Aufstieg der zweiten Mannschaft in die 3. Liga bei?

Fabian Bäcker: Das ist eine gemeine Frage. Ich muss erst mal wieder dahin kommen, dass ich meine Tore mache. Das Gute ist, dass mich die Jungs gut kennen und wissen, wie ich die Bälle brauche. Von daher denke ich, dass es keine große Ein- bzw. Umgewöhnungsphase gibt.

Natürlich ist es schon so und ganz klar, dass ich nach dem halben Jahr ohne regelmäßige Spielpraxis wieder in meinen Rhythmus kommen muss. Deswegen ist es auch gut, dass ich mit ins Trainingslager fahren konnte und schon mal erste Spiele machen kann.

Ob es dann nach hinten heraus mit dem Aufstieg zum großen Wurf klappt, weiß man nie. Aber ich werde natürlich alles geben. Und ich glaube auch, dass wir eine gute Rolle spielen können und ich werde versuchen, dass ein oder andere Tor beizusteuern.

Fohlen-Hautnah: In der Regionalliga eine gute Rolle spielen, sagst du. Die Konkurrenz ist oben mit Eintracht Trier und den Sportfreunde Lotte groß. Was meinst du, ist für euch möglich?

Fabian Bäcker: Klar ist die Konkurrenz groß. Und natürlich wird einem da auch nichts geschenkt, das ist ganz klar. Aber wir haben auch eine gute Qualität, die hatten wir schon vor einem Jahr. In dieser Saison haben es die Jungs bisher wieder überragend gemacht. Nach ganz oben sind es vier Punkte. Es ist also alles möglich. Wir spielen noch gegen die Favoriten und von daher hat man es auch selbst in der Hand. Wenn man diese Chance beim Zopfe packt, dann kann man es schaffen.

Fohlen-Hautnah: Vielleicht beim VfL eine neuerliche Chance beim Zopfe packen könntest auch du, wenn du in der U23 mit deinen Leistungen nachhaltig überzeugst und herausstichst... Oder sind solche Ambitionen für dich erst mal zweitrangig bzw. kein Thema?

Fabian Bäcker: Über solche Dinge mache ich mir keine Gedanken, weil ich es nicht beeinflussen kann. Ich will mein Ding machen, wieder auf mein Level kommen, Tore schießen und mit den Jungs Spiele gewinnen. Was dann darüber hinaus passiert, wird man dann sehen. Natürlich bin ich aber für alles offen.

Fohlen-Hautnah: Mal was anderes. Ein sehr guter Freund von dir ist Marco Reus. Er hat mit seinem Wechsel zum BVB in den letzten Tagen für Schlagzeilen gesorgt. Habt ihr mal unter Kumpels darüber gesprochen und was sagst du zu dem Wechsel?

Fabian Bäcker: Klar haben wir uns darüber unterhalten. Ich denke, dass es für seine Karriere ein richtiger Schritt ist, den er sich aber auch nicht leicht gemacht hat. Denn er hängt schon sehr an Gladbach und ist dem Club auch sehr dankbar. Und deshalb sollte man ihm da auch nichts vorwerfen.

Aber er möchte jetzt halt den nächsten Schritt machen und zu einem Top-Club wechseln. Ich finde den Schritt richtig und bin froh, dass er nicht so weit weg ist, sodass wir uns weiter öfters sehen können. Und ich hoffe und glaube, dass er es dort packt. Zudem glaube ich, dass er für Gladbach noch eine riesen Rückrunde spielen wird, weil er einfach ein geiler Zocker ist.

Fohlen-Hautnah: Wenn du abschließend mal deine Wünsche und Ziele definierst ...

Fabian Bäcker: Ich möchte das nächste halbe Jahr und am besten die nächsten zehn Jahre verletzungsfrei durch die Karriere gehen. Darüber hinaus möchte ich die Zeit nutzen, um wieder zu meiner Torgefährlichkeit zurückzufinden und um viele Spiele zu machen. Und mit den Jungs noch mehr Spiele gewinnen, sodass wir am Ende auf eine sehr gute Saison zurückblicken und sagen können: Diese Saison war geil und ich habe auch meinen Beitrag dazu geleistet.


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