Die „Initiative Borussia“ fordert Veränderungen im Verein
Aktuell steckt Borussia Mönchengladbach in einer sportlich prekären Situation. Die „Initiative Borussia“ fordert in diesen Tagen Strukturänderungen beim VFL. Fohlen-hautnah wurde nicht zu der am Dienstag einberufenen Pressekonferenz geladen, weshalb wir somit die einzelnen Personen dieser "Initiative" weder vorverurteilen noch bewerten können bzw. auch nicht wollen. An der Stelle wollen wir versuchen, die einzelnen Forderungen aus unserer Sicht zu beäugen und unter die Lupe nehmen.
Die „Initiative Borussia“ tritt mit einer Satzungsänderung an, die eine Strukturreform für Borussia Mönchengladbach bedeuten würde. Die einzelnen Punkte beinhalten eine größere Mitbestimmung, wie zum Beispiel auch einen Fan- oder Fanclubbeauftragten im Aufsichtsrat, Direktwahlen des Präsidiums durch die Mitgliederversammlung und eine Trennung des ehrenamtlichen Vorstands zu der Kapitalgesellschafft, wo bis zu drei Geschäftsführer für die einzelnen Bereiche verantwortlich sind.
Wenn man die zeitliche Entwicklung der Strukturen in der Bundesliga betrachtet, war Borussia Mönchengladbach zusammen mit dem FC Bayern München führend. Die hauptamtlichen Manager waren Helmut Grashoff und Robert Schwan. Nicht umsonst waren diese beiden Vereine in den 70er Jahren auch dadurch die erfolgreichsten. Auch strukturell war die Borussia in diesen Jahren führend. Und das auch im wissenschaftlichen Bereich - Hennes Weisweiler und Karl-Heinz Drygalsky waren Dozenten an der Universität Köln.
Seit dem hat sich vieles getan. Angefangen von der Abhängigkeit von Zuschauereinnahmen, über Verschiebung von TV-Geldern, Sponsoren und Aktiengesellschaften, die wie Dortmund an den Markt gegangen sind.
Der FC Bayern München, von der „Initiative“ als Vorbild genannt, hat sich mittlerweile zu einer AG umgewandelt und auch Beteiligungen von Wirtschaftsunternehmen, wie Adidas oder Audi, als Kapital der AG eingeführt. Gleichzeitig wurde aber auch bei der letzten Mitgliederversammlung eine weitere Beteiligung nur noch mit Zustimmung einer Dreiviertelmehrheit der Mitglieder verabschiedet. Dieser Kontrollpunkt fehlt auch bei der „Initiative Borussia“ und sollte vielleicht als Ergänzung mit ins Spiel gebracht werden.
Ein gerade für die Fans interessanter Punkt dürfte die Forderung der „Initiative“ sein, Fanvertreter in den Aufsichtsrat zu berufen. Ein solches Modell praktiziert aktuell der FC Schalke 04. Hier ist Rolf Rojek, entsendet vom Schalker Fan-Club Verband e.V., im Aufsichtsrat der „Knappen“. »Natürlich ist man im Aufsichtsrat nicht an dem Tagesgeschäft beteiligt, aber man ist für die Budgetierung und andere Dinge zuständig. Der Vorteil ist natürlich, das ich genau wie jedes andere Mitglied im Aufsichtsrat Vorschläge von Fanseite einbringen kann«, erklärt der selbstständige Kaufmann im Gespräch mit unserer Redaktion.
»Als Verteter der Fans habe ich genau das gleiche Recht, wie jedes andere Mitglied im Aufsichtsrat. Das heißt, ich stimme auch in steuerlichen Sachen mit, wo ich natürlich kein Fachmann bin, ich aber die Fachleute so lange fragen kann, bis ich mir sicher bin, wie ich abzustimmen habe. Natürlich unterliege ich jedoch auch der Schweigepflicht, wie alle anderen Mitglieder auch«, sagt Rojek.
Ob der Zeitpunkt des Antrages teilweise und bedingt durch die Einreichung bis zum 31.12.2010 optimal gewählt ist, sei an dieser Stelle dahingestellt. Sicherlich stößt dieser Antrag in der momentanen sportlichen Situation auf eine erhöhte Aufmerksamkeit. Auf der anderen Seite bleibt festzustellen, dass durch diese „Initiative“ der sportliche Aspekt ein wenig in den Hintergrund gerät.
Es wird in diesen Tagen mehr über die „Initiative Borussia“ als über die aktuell prekäre sportliche Lage diskutiert, was der Mannschaft vielleicht mehr die nötige Ruhe gibt, um sich auf das kommende und wichtige Auswärtsspiel beim SC Freiburg vorzubereiten.
Nichtsdestotrotz kann man nicht davon ausgehen, dass eine Beteiligung von Sponsoren einer Kapitalgesellschaft grundsätzlich schlecht ist. Man bindet die Sponsoren längerfristig an den Verein und in gewissen Situationen dürfte der Sponsor bereit sein, gewisses Kapital zuzuschießen.
Natürlich bedarf dies, wie oben angeführt, einer gewissen Kontrolle und man muss sich da auch die richtigen Partner sichern. Durch die Lösung, die der FC Bayern München aufgerufen hat, würde selbst ein Wegfallen der „50+1“-Regel weiterhin nur mit einer Zustimmung von mehr als 75 Prozent der Fans eine Einflussnahme durch einen Anteilseigener möglich sein.
Auch der rheinische Rivale aus der Domstadt ist im Begriff, Strukturänderungen durchzuführen. Borussia sollte sicherlich alle Optionen und Möglichkeiten nutzen, die dabei helfen können, den sportlichen Stillstand der letzen zehn Jahre zu durchbrechen und sich entsprechend aufzustellen, um den Verein wieder dahin zu führen, wo er von den Einnahmen und auch von den Fans her hingehört - ins obere Mittelfeld der 1. Fußballbundesliga.
Ob dazu auch Strukturänderungen zwingend von Nöten und zielführend sind, sei dahingestellt, bleibt abzuwarten und obliegt den Mitgliedern der Borussia. Sollte man sich jedoch zu dazu entscheiden, so darf man durchaus bei erfolgreichen Modellen „vorbeischauen“. Natürlich muss jedes erfolgreiche Modell auf die Gegebenheiten des VfL angepasst werden.
Die Struktur eines Vereins besteht sicherlich nicht nur aus der Infrastruktur („Steine, statt Beine“…), wo der VfL heute natürlich spitze ist. Für die gute Infrastruktur kann und darf man sowohl dem verstorbenen Präsidenten Dr. Adalbert Jordan als auch dem aktuellen Präsidenten Rolf Königs durchaus dankbar sein. Auch die vom DFB geforderten Strukturen im Jugendbereich wurden von Sportdirektor Max Eberl hervorragend umgesetzt. Auch hier ist der VfL Bundesligaspitze.
Die Struktur und Aufstellung abseits des Platzes ist sicherlich wichtig, doch alles zu seiner Zeit, wenn erforderlich. Zunächst zählen die Elf auf dem Spielfeld und es gilt aktuell, die Dinge auf dem Platz zu regeln…





