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HomeSeitenlinieSaison 2010 / 2011Kyle Berger: »Haben einen großen Schritt nach vorne gemacht«

Kyle Berger: »Haben einen großen Schritt nach vorne gemacht«

Frauenfußball der Borussia auf dem Weg in die 2.Bundesliga

Seit Oktober 2008 leitet und koordiniert Kyle Berger bei Borussia Mönchengladbach die Geschicke im Frauen- und Mädchenfußball. In dieser Zeit hat der 34-jährige Ex-Profifußballer und Counter-Part zu Sportdirektor Max Eberl im Verbund mit dem Profifußball der Männer einiges auf den Weg und den Frauenfußball der Borussia nach vorne gebracht. Bis 2011 hatte der frisch gebackene Fußball-Lehrer bei Amtsantritt das Ziel 2.Bundesliga ausgegeben, doch dieses Ziel könnte nun schon in wenigen Wochen erreicht sein. Fohlen-hautnah sprach mit dem gebürtigen US-Amerikaner unter Anderem über seine bisherige Amtszeit und über die Strukturen im Frauenfußball.

Fohlen-Hautnah: Kyle, zunächst herzlichen Glückwunsch zum Bestehen des Lehrgangs zum Fußball-Lehrer. In der Vergangenheit gab es in diesem Zusammenhang gute und auch weniger gute Beispiele, wenn es heißt, eine Aufgabe im Verein und den Lehrgang in Einklang zu bringen. Dir ist das gelungen …

Kyle Berger: Wenn du um dich herum ein gutes Team hast, dann gestaltet sich das natürlich alles viel einfacher. Das ist bei Borussia der Fall und so konnte ich beides gut in Einklang bringen. Ich bin stolz darauf, dass ich den Lehrgang bestanden habe, denn ich bin erst der dritte US-Amerikaner, der diesen Lehrgang in Deutschland geschafft hat.

Fohlen-Hautnah: Mit dem Erreichen des Fußball-Lehrers wird es sicherlich das Ziel sein, auch als Chef-Trainer zu arbeiten …

Kyle Berger: Zunächst zählt für mich ganz klar nur die Aufgabe bei der Borussia, denn ich versuche hier etwas aufzubauen. Ich habe noch bis zum 31.12.2010 Vertrag und werde diesen auch erfüllen. Was danach kommt, wird man sehen.

Fohlen-Hautnah: Wann wird es dahingehend Gespräche geben?

Kyle Berger: Erst mal gilt es, die Saison bestmöglich zu Ende zu spielen. Das ist das Wichtigste. Wir haben noch drei Spiele, sind Tabellenführer und haben es so als Aufsteiger selbst in der Hand, in die 2.Bundesliga aufzusteigen. Dann kann man Gespräche über die Zukunft führen.

Fohlen-Hautnah: Bist du denn generell gewillt, weiterhin bei der Borussia tätig zu sein?

Kyle Berger: Ja klar. Wenn du in einem Bundesligaclub arbeiten darfst und diese Unterstützung wie hier bei der Borussia erfährst, dann ist das schon eine gute und schöne Sache. Die Erfahrungen, die ich hier bei Borussia mache, machst du nicht in so vielen Vereinen. Es ist ein tolles Miteinander und sehr sozial.

Fohlen-Hautnah: Kommen wir mal zur Borussia, bei der du im Oktober 2008 angefangen hast. Damals hast du das Ziel ausgegeben, vom Breiten- zum Leistungssport zu kommen. In wie weit ist dir dies schon gelungen?

Kyle Berger: Wir haben einen großen Schritt nach vorne gemacht. Da braucht man eigentlich nur auf die Tabelle der ersten Mannschaft schauen. Für mich zählt aber die ganze Abteilung. Tabellen sind da für uns nicht so wichtig, sondern eher die Entwicklung der Mädchen ist entscheidend. Das sie also den Sprung von den Jugendmannschaften in die die erste Mannschaft schaffen. Auch dahingehend haben wir einen großen Schritt nach vorne gemacht. Es wird immer besser.

Fohlen-Hautnah: Gerade die erste Mannschaft ist da derzeit durchaus ein Aushängeschild ...

Kyle Berger: Absolut. Keiner hat erwartet, dass wir mit einer neuformierten Mannschaft so weit oben stehen würden. Das zeichnet uns aber aus. Auf der einen Seite die gute Arbeit von  unserem Trainer Friedel Baumann und seinem Team und auf der anderen Seite die gute Arbeit der Mannschaft und der ganzen Abteilung.

Fohlen-Hautnah: Dabei hat es ja vor der Saison einen großen personellen Umbruch gegeben. Was ist also das Erfolgsrezept für den derzeitigen Erfolg?

Kyle Berger: Ich glaube, dass es einfach unsere ehrliche Arbeit auf und neben dem Platz ist. Wir haben eine ganz klare Linie, in die wir unsere Mädchen auch einbinden. Jeder weiß, was wir von ihm erwarten und voran er ist. Man geht mit Spielern und Verantwortlichen immer am besten um, wenn man offen, ehrlich und direkt ist.

Ich gehe so mit meinen Kollegen um und ich erwarte, dass sie auch genauso mit mir umgehen. Das gleiche gilt für unsere Spielerinnen. Wir wollen Typen sowie verschiedenen Persönlichkeiten, die auch Verantwortung übernehmen. Die Spielerinnen sollen ohne Angst zu uns kommen können.

Wenn du also mit jemanden vernünftig umgehst, dann bekommst auch Leistung entgegen gebracht. Es ist allen ein Geben und Nehmen. Das spiegelt sich in unserer Abteilung wieder. Natürlich fällt alles einfacher, wenn du Erfolg hast. Den haben wir mit unserer jungen Mannschaft, die auch einen guten Charakter hat.

Fohlen-Hautnah: Rolf Königs hat bei der letzten Mitgliederversammlung gesagt, das man den Frauenfußball weiter fördern und ausbauen wird. Dazu wurde am ‚Haus Lütz‘ in Neuwerk bereits ein Leistungszentrum errichtet. Weiterhin wurde ein Kunstrasenplatz erbaut. Es tut sich also einiges und es geht auch im Bezug auf die Strukturen voran…

Kyle Berger: Ich kann mich da ‚nur‘ in dem wiederholen, was ich zu meinem Amtsantritt gesagt habe. Wir haben in der Frauen- und Mädchenabteilung das Glück, dass wir von und bei Borussia voll integriert sind. Es gibt manche Bundesligaclubs, wo das im Bezug auf den Frauenfußball vielleicht nicht ganz so ist, aber dass ich hier im Borussia-Park sitze, mein eigenes Büro habe, engen Kontakt mit Max Eberl und Roland Virkus habe, ist für uns ein riesen Vorteil.

So können wir versuchen, die vorhandenen Strukturen des Männerbereichs eins zu eins zu übernehmen. Alles ist zwar nicht machbar, aber wir versuchen das in unserem Rahmen. Auch dahingehend sind wir auf einem guten Weg und machen Vorschritte.

Fohlen-Hautnah: Andere Vereine, wie zum Beispiel der 1.FC Köln haben Vereine übernommen. Gab es solche Überlegungen bei der Borussia auch mal?

Kyle Berger: Nein. Bei Borussia hat die Frauen- und Mädchenabteilung schon einige Jahre bestand. Man hat also klein angefangen. Das ist natürlich schön, weil du Spielerinnen hast, die sich mit dem Verein identifizieren können. Dazu hast du eine Basis. Diese nutzen wir, um nun die Strukturen zu verbessern und um das Ganze Gebilde zu professionalisieren.

Fohlen-Hautnah: Dazu gehört mit Sicherheit auch die Nachwuchsförderung, sprich die Ausbildung des Unterbaus. Borussia hat ein bekanntlich im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnetes Jugendinternat. Ist dies auch für den Mädchenfußball angedacht?

Kyle Berger: Wie schon gesagt. Wir gehen den Weg der kleinen Schritte und wir sind dabei, diese Strukturen zu installieren. Unser Ziel ist, alles zu professionalisieren. Dazu gehört auch ein Jugendinternat, was jedoch zunächst hinten ansteht.

Fohlen-Hautnah: Die Jugendabteilung um Roland Virkus und die Borussia selber hat ein Scoutingsystem, mit dem man junge Talente an den Borussia-Park holt. Nutzt ihr auch da die vorhandenden Strukturen der Borussia, oder wie ist eure Nachwuchsakquise?

Kyle Berger: Auch das ist ein positiver Aspekt, wenn ich die Zusammenarbeit mit den Männern sehe. Marc Tröstel organisiert und betreibt im Jugendbereich die Kooperation mit den Mönchengladbacher Schulen. Von ihm haben wir bereits talentierte Mädchen empfohlen bzw. an die Hand bekommen. Es gibt viele talentierte Mädchen in Mönchengladbach und Umgebung.

Die Jugendmannschaften der Borussia spielen oftmals gegen Jugendmannschaften, die teilweise Mädchen in ihren Reihen haben. Dann sagen mir die Trainer, dass da ein talentiertes Mädchen dabei ist. Dieses schauen wir uns dann an. Also auch hier arbeiten wir als Frauenabteilung mit der Profiabteilung der Männer zusammen. Wir selbst haben keine Scouts. Das machen die Trainer selbst.

Fohlen-Hautnah: Für gewöhnlich wird auch stets der nächste Gegner ‚gescoutet‘. Wer übernimmt diese Aufgaben beispielsweise für die erste Damenmannschaft?

Kyle Berger: Natürlich haben wir auch Personen, die für uns die Mannschaften anschauen und uns dann Tipps oder dergleichen geben. Also auch da machen wir zwar unsere Hausaufgaben, schauen jedoch in erster Linie auf uns.

Fohlen-Hautnah: Stichwörter Etat und Sponsoring. Habt ihr ein eigenes euch zur Verfügung stehendes Budget und bleibt bzw. ist die Santander Bank auch in Zukunft euer Hauptsponsor?

Kyle Berger: Die Frauen- und Mädchenabteilung hat einen eigenen Etat und einen eigenen Hauptsponsor. Aber wir werden wie bei Allem von Borussia voll unterstützt. Wir sind eben ein Verein.

Fohlen-Hautnah: Du hast schon die Professionalisierung angesprochen. Du bist ja aktuell der einzige, der hauptamtlich tätig ist. In wie weit ist da auch mehr möglich?

Kyle Berger: Das sind alles Dinge, die momentan noch nicht thematisiert werden. Wir müssen erst mal abwarten und schauen, wo es sportlich hingeht. Dann kann man das konkretisieren. Wenn wir sportlichen Erfolg haben, dann haben wir alle Möglichkeiten. In welchen Bereichen wir uns dann verstärken, muss man sehen.

Fohlen-Hautnah: Stichwort Verträge. Die Spielerinnen sind ja aktuell mit solchen nicht ausgestattet. In wie weit gibt es dort Überlegungen?

Kyle Berger: Dazu müssen wir erst mal aufsteigen, was unsere Arbeit in jeder Hinsicht erleichtern würde.

Fohlen-Hautnah: Ist dafür auch eine Lizenz nötig?

Kyle Berger: Ja. Diese haben wir für die 2.Bundesliga erhalten. Dazu gehört auch, dass alle Spielerinnen genau wie bei den Männern, einen Medizincheck absolvieren mussten. Also es wird vom Aufwand her auch dahingehend schon professionell.

Fohlen-Hautnah: Würde man bei den Männern in die 2.Bundesliga aufsteigen, dann hätte man bekanntlich ein Vollprofitum. Wäre das dann bei der Damenabteilung bei Borussia auch der Fall?

Kyle Berger: Nein. Man darf und soll den Männer- nicht mit dem Frauenfußball vergleichen. Das sind noch zwei Welten. Wenn du einen Club der 1.Frauenbundesliga als Vergleich nimmst, dann sind da vielleicht vier, fünf oder sechs Spielerinnen, die Profis sind. Der Rest arbeitet, studiert, macht eine Ausbildung oder geht zur Schule.

Fohlen-Hautnah: Dennoch würde auch ein Mehraufwand an Reisezeit auf euch zukommen…

Kyle Berger: Es ist klar, dass wir weitere Anfahrtswege in Kauf nehmen müssen, aber das machen wir gerne, denn die 2.Liga ist eine tolle und reizvolle Aufgabe. Wir werden dann auch das ein oder andere Mal einen Tag früher anreisen und in ein Trainingslager gehen.

Fohlen-Hautnah: Apropos Training. Würden sich bei einem Aufstieg auch die Trainingszeiten sowie die Trainingsintensität ändern?

Kyle Berger: Nein. Das bleibt alles gleich. Wir trainieren ja schon viermal die Woche und das abends um 19:30 Uhr. Das musst du machen, wenn du Mädchen und Frauen hast, die sich in der Ausbildung befinden, arbeiten gehen oder studieren.

Fohlen-Hautnah: Die Saison neigt sich bekanntlich dem Ende entgegen. Demzufolge werden die Planungen für die neue Saison einerseits weit vorangeschritten und andererseits wohl zweigleisig sein …

Kyle Berger: Wir sind dabei, mit unseren Spielerinnen Gespräche zu führen. Mit ihnen wollen wir auch in der kommenden Saison planen. Dahingehend sieht es gut aus. So einen Umbruch, wie es ihn im letzten Jahr gegeben hat, wird es in diesem Jahr nicht mehr geben. Klar ist, dass wir uns auch verstärken möchten und werden, wenn wir aufsteigen. Auch da sind wir in guten Gesprächen.

Fohlen-Hautnah: Mit Carina Flemming steht bereits eine aufstrebende Jugendnationalspielerin in den Reihen der Borussia. Bereits im letzten Jahr lagen ihr Angebote von höherklassigen Vereinen vor. Dennoch konnte sie gehalten werden. Wird sie auch in der kommenden Saison bei der Borussia spielen und wie schätzt du die Chance ein, in Zukunft auch eine überaus erfolgreiche Spielerin, wie Fatmire ‚Lira‘ Bajramaj nach Gladbach zu locken?

Kyle Berger: Ja. Carina Flemming, die nach ihrem Kreuzbandriss eine sehr gute Rückrunde gespielt hat, hat uns signalisiert, dass sie auch in der nächsten Saison bei uns spielt. Davon ab ist es einfacher, solche Spielerinnen, wie Lira Bajramaj zu gewinnen, wenn wir Erfolg haben und in die 2.Liga aufsteigen. Wir haben ein tolles Umfeld, ein Stadion und die WM im eigenen Stadion. Dann kannst du solche Mädchen und Frauen besser gewinnen.

Fohlen-Hautnah: Voraussetzung für all diese Dinge ist also der Aufstieg in die 2.Bundesliga. Was macht dich zuversichtlich, dass Borussia Mönchengladbach in der kommenden Saison bei den Damen Zweitligafußall zu Gesicht bekommt?

Kyle Berger: Ich und wir hoffen, dass das der Fall sein wird, aber wir schauen von Spiel zu Spiel. Wir stehen auf dem ersten Tabellenplatz und wollen natürlich auch aufsteigen. Es liegt in unserer Hand, aber wir haben auch das schwierigste Restprogramm. So schauen  wir zunächst auf die kommende Partie gegen den Tabellendritten TUS Harpen.


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