Suchfunktion

facetwiet
Rss-Feed
HomeSeitenlinieSaison 2010 / 2011Marc-André ter Stegen auf Abwegen? - Von wegen

Marc-André ter Stegen auf Abwegen? - Von wegen

Borussias neue Nummer eins vor goldener Zukunft

Gegen Borussia Dortmund war es erst sein drittes Bundesligaspiel überhaupt. Marc-André ter Stegen hütet seit dem 29. Spieltag das Tor von Borussia Mönchengladbach. Lediglich zwei Gegentore musste der erst 18-Jährige in seinen bisherigen Auftritten hinnehmen und geht dabei schon erstaunlich abgeklärt und wie ein ‚Großer' zu Werke.

ter_stegen_nach_dortmund_sl
Marc-André ter Stegen hat eine große Zukunft vor sich. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de

Relativ auseinander gingen die Meinungen gerade auch bei den Anhängern des VfL, als sich anbahnte, dass Marc-André ter Stegen nach den erneuten Unsicherheiten von Logan Bailly vielleicht doch früher als vom VfL geplant, zwischen die Pfosten rücken könnte. Schließlich sollte der gebürtige Mönchengladbach behutsam aufgebaut werden und frühestens bei einem Gang in die 2. Liga die neue Nummer eins sein.

Doch bekanntlich kam es anders, und nach dem Lucien Favre den Nachwuchstorhüter beim Spiel gegen den FC Bayern München noch nicht ins kalte Wasser werfen wollte, ‚entjungferte' der Schweizer Fußballlehrer den Youngster im darauffolgenden Spiel. Und das ausgerechnet im Derby gegen den 1.FC Köln.

Dabei hatte der Nachwuchstorhüter sicherlich einen großen Rucksack zu tragen, denn schließlich galt und gilt der ‚Schnapper' gerade auch bei den Fans als Hoffnungsträger. Doch das alles schien den 1,89m großen Torhüter nicht zu belasten.

Im Gegenteil. Es sollte ein gelungenes Profidebüt werden. Bemerkenswert, wie selbstbewusst ter Stegen, der am 30.April neunzehn Jahre alt wird, bei seinem ersten Bundesligaauftritt ohne zumindest erkennbare Nervosität zu Werke ging. Sicher in der Strafraumbeherrschung und bei hohen Bällen und beim Gegentreffer machtlos, spulte der Youngster sein Programm runter.

Das tat der 18-Jährige auch in Mainz, wenngleich er dort nicht großartig unter ‚Beschuss' genommen wurde. Auch hier hatte Borussias Schlussmann beim Gegentor keine Abwehrmöglichkeit.

Nun stand das Spiel gegen den Spitzenreiter aus Dortmund an. Während seine Mutter auch hierbei nicht im Borussia-Park weilte, das aber nur, weil das Kartenkontingent erschöpft war, so hatte der Sprössling ter Stegen dort einiges abzuwehren. 21-Mal nahm der BVB den Youngster unter Beschuss, doch den Weg ins Gladbacher Gehäuse fand keiner der Versuche des Tabellenführers.

Sicherlich auch, weil ter Stegen gerade mit zwei Pfostenschüssen und der Rettungstat von Tony Jantschke auch das Glück auf seiner hatte. Das aber gehört bekanntlich zum Fußball dazu und erarbeitet sich der Tüchtige.

Und das gerade auch, weil ter Stegen auf dem Platz erneut mit seiner Präsenz beeindruckte, Bälle im Spiel hielt und keine blinden Abschläge nach vorne tätigte. »Das gibt uns manchmal Zeit zum atmen, was auch wichtig ist«, sagte Lucien Favre. »Marc-André strahlt Ruhe im Tor aus. Das ist für einen 18-jährigen schon beeindruckend«, lobte Filip Daems seinen Schlussmann.

Für sein Alter ist ter Stegen, der im letzten Jahr sein Fachabitur erfolgreich abgeschlossen hat, ohne Zweifel ein sehr abgeklärter Torhüter, der Ruhe ausstrahlt und der auch kein Problem damit hat, lautstark zu agieren und beispielsweise einen fast 30-Jährigen Roel Brouwers auf seinen Platz zu weisen. »Ein stabiler Torwart ist sehr wichtig und er hat auch wieder ein paar gute Bälle rausgeholt«, sagte Roel Brouwers, der erstmalig mit dem Youngster zusammenspielte und ergänzte: »Ich hatte ein gutes Gefühl vor ihm zu spielen. Er strahlt sehr viel Ruhe aus«.

Auch bei einem international erfahrenen Dante nimmt der DFB U19-Nationalspieler im positiven und wahrsten Sinne des Wortes kein Blatt vor den Mund. Zu Gute kommt dem Rechtsfuß sicherlich auch, dass die Abwehr bzw. der Defensivverbund unter Lucien Favre eine gehörige Portion stabiler ist.

»Die Mannschaft macht es mir aber auch einfach. Ich habe eine Mannschaft vor mir stehen, die mir Halt und Sicherheit gibt, sagt ter Stegen. »Wir stehen höher als sonst und das ist sehr wichtig für uns. Jeder springt für den anderen in die Bresche und jeder hängt sich richtig rein«.

»Jeder weiß, dass er das Potenzial hat, welches er zurzeit einfach sehr gut abruft. Für uns als Abwehr ist das verdammt wichtig und du brauchst jemanden, der auch mal was wegräumt, damit du auch etwas höher stehen kannst«, sagte Martin Stranzl nach dem Sieg gegen den BVB. »Auch bei Distanzschüssen hat er es sehr gut gemacht.

Richtig rein hängte sich der 18-Jährige in der Tat auch gegen Dortmund und legte dabei eine beeindruckende Abgeklärtheit an den Tag, mit der er mit Glanzparaden den Sieg festhielt und sich so die Bestnote Eins verdiente. Auch spornt sich der Schlussmann selber an und ist mit Leib und Seele und voller Konzentration bei der Sache. So auch nach der Parade gegen den Dortmunder Sobotic, als er sich mit einer 'Bäcker-Faust' selbst anfeuerte.

»Marc-André ter Stegen hat schon im ersten Spiel gegen Köln bewiesen, dass er ein sehr großes Talent ist. In Mainz hat er sehr gut gehalten. Das hat er heute fortgesetzt und war ein wichtiger Rückhalt der Mannschaft, lobte Max Eberl. »Marc hat natürlich auch dadurch seinen Teil dazu beigetragen, dass er sehr offensiv spielt. Er läuft auch die Bälle ab und erkennt dabei, wenn sie kritisch werden«.

Auch in diversen Top-Elfs des Spieltags taucht der ‚Herr der Lüfte' zurecht auf, doch der sympathische Schlussmann bleibt mit beiden Beinen auf dem Boden. »Man bekommt Lob und manchmal Kritik. Man muss immer wissen, wie man damit umzugehen hat«, sagt der 18-Jährige und ergänzt: »Wie jeder andere bin ich ein Teil der Mannschaft und nur als solche kannst du erfolgreich sein. Ich möchte der Mannschaft von hinten heraus Sicherheit geben und mitspielen. Bis jetzt hat das ganz gut geklappt«.

»Ich hoffe für ihn, dass er das nervlich hinbekommt. Da würde er sicher auch seine Erfahrungen sammeln«, hatte  sein Torwarttrainer Uwe Kamps vor dem Spiel gegen München gesagt und hinzugefügt: »Aber er muss sich dann, wenn es soweit ist, beweisen«. Das hat der Nachwuchstorhüter bis dato bei seinen drei Einsätzen durchaus hinbekommen und getan. Marc-André ter Stegen ist angekommen in der Fußballbundesliga. »Es ist einfach ein schönes Gefühl, in der Bundesliga im Tor zu stehen und es macht gerade mit dieser Mannschaft sehr viel Spaß«, strahlt das Nachwuchstalent und lebt seinen Traum.

Sein Auftreten erinnert an das des früheren Nationaltorhüters und 'Torwart-Titan' Oliver Kahn, der ebenso wie ter Stegen heute mit Leidenschaft, Emotionalität, Selbstbewusstsein und Aggressivität agierte. »Einige Sachen haben mir an seinem Torwartspiel sehr gefallen, abgeschaut habe ich mir bei ihm aber nichts. Da ist jeder eigen«, unterstreicht ter Stegen. »Es sind einfach reine Emotionen, die zum Fußball dazugehören. Das ist meine Art zu spielen«.

Im Mai nimmt ter Stegen mit der U19-Natioalmannschaft des DFB an der Eliterunde in der Türkei teil, um sich für die Europameisterschaft 2011 zu qualifizieren. Der Youngster ist davon ab derzeit auf dem besten Wege, sich für die Eilte seiner Zunft zu qualifizieren. Alles jedoch behutsam.

Ob Marc-André ter Stegen die Entwicklung eines Oliver Kahn oder eines Manuel Neuer nimmt und/oder gar ein solcher wird, bleibt abzuwarten und wird die Zukunft zeigen. Aktuell sieht diese jedoch durchaus rosig aus und eine Konstellation, wie sie Michael Rensing beim FC Bayern München erfahren musste, ist zumindest derzeit nicht zu erwarten.

Auf Abwegen ist und auf den Boden holen muss man den 18-Jährigen dazu jedenfalls nicht. Da steht er aktuell mit beiden Beinen - im Leben und im Tor der Borussia.


letzte Foren-Beiträge

Konter I schnell & direkt