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HomeSeitenlinieSaison 2011/2012Die „Explosion“ des Raúl Bobadilla

Die „Explosion“ des Raúl Bobadilla

Starker Auftritt des Argentiniers gegen Wolfsburg

Aufgrund der Verletzung von Igor de Camargo kam Raúl Bobadilla in der vergangenen Woche im Spiel gegen den VfB Stuttgart erstmals nach seiner Rückkehr aus Saloniki zu seinem ersten Einsatz für Borussia Mönchengladbach. Wie gewöhnlich rackerte der Argentinier auf dem Spielfeld, aufdrängen konnte er sich hingegen nicht, wenngleich es nach dem Wurf ins kalte Wasser auch nicht weiter für ihn war. Dennoch vertraute Lucien Favre seinem Schützling auch im Spiel gegen den VfL Wolfsburg. Und dieses Mal zahlte der bullige Stürmer das Vertrauen mehr als zurück.

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Voller Einsatz: Raúl Bobadilla zeigte gegen Wolfsburg eine starke Vorstellung. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de

Gegen die Schwaben hatte der 24-Jährige den Vorzug vor Mathew Leckie und Joshua King erhalten, die Favre gerade in diesem Spiel für einen Startelfeinsatz noch nicht bereit gesehen hatte.

So kam es, dass Raúl Bobadilla erstmals seit dem Spiel gegen Hannover 96, in dem er dem VfL am 04. Dezember 2010 mit seiner ‚dummen' roten Karte einen Bärendienst erwiesen hatte und in der Folgezeit im Profikader vorerst nicht mehr berücksichtigt und im Januar zu Aris Saloniki ausgeliehen wurde, wieder im Borussen-Dress auflief. Dies tat er an der Seite von Mike Hanke.

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»Was in der letzten Saison passiert ist, ist vorbei. Ich fange jetzt bei null an«, hatte Bobadilla das letzte Jahr bereits beim Trainingsauftakt zur neuen Saison abgehakt. »Ich bin jetzt wieder da und ich möchte jetzt alles besser und keine Fehler mehr machen«.

Und gegen den VfB zeigte sich der bullige Stürmer sichtlich hochmotiviert. Sicherlich sind die fehlende Spielpraxis und der gegen die Schwaben schwierige Stand mit zu berücksichtigen, richtig zu überzeugen wusste er aber dennoch nicht. Oftmals wollte er mit dem Kopf gegen die Wand und verrannte sich bei überhasteten Einzelaktionen. Nahezu folgerichtig war der erste Auftritt nach 70 Minuten beendet.

Eines konnte man ihm allerdings ganz und gar nicht vorwerfen: Mangelnden Einsatz. »Es war nicht einfach für ihn, aber seine Leistung war okay«, befand Lucien Favre nach dem Remis gegen den VfB Stuttgart und zeigte sich mit der Leistung des Argentiniers einverstanden und merkte gleichzeitig an: »Aber er hat noch enorm viel zu lernen«.

Eine einverstandene Leistung, aber eben auch keine, die einen förmlich vom Hocker gerissen hatte. Demzufolge wurde im Vorfeld des Spiels gegen den VfL Wolfsburg erneut über die Besetzung der Offensive spekuliert und berichtet. Dort wurde gerade Mathew Leckie an der Seite von Mike Hanke ins Spiel gebracht.

Doch von all dem ließ sich gerade der bullige Stürmer nicht beirren. »Nach dem Spiel gegen Stuttgart hatte ich viel Wut im Bauch und habe die ganze Woche über sehr hart gearbeitet«, gab Bobadilla nach seinem grandiosen Auftritt gegen die „Wölfe" zu Protokoll.

Das hatte auch Lucien Favre unter der Woche wohlwollend zur Kenntnis genommen und schenkte dem Argentinier somit auch gegen den VfL Wolfsburg sein Vertrauen. »Das Vertrauen vom Trainer ist sehr wichtig. Aber auch das von der ganzen Mannschaft, von allen Leuten, vom Verein und vom Trainerteam«, sagte Bobadilla nach dem Spiel gegen die „Wölfe". »Sie haben jetzt Vertrauen zu mir und ich muss zeigen, was ich kann«.

Und was der bullige Stürmer drauf hat und im Stande ist zu leisten, zeigte er allen voran in der ersten Halbzeit. Lauffreudig und zweikampfstark sorgte der Argentinier in der Offensive für Wirbel und war stets anspielbar. Bobadilla war präsent, giftig und schnell.

Der 24-Jährige gewann mit 17 Zweikämpfen nach Roman Neustädter (22) die meisten und legte 24 Sprints hin, womit er sich unter den Top-5-Sprintern des Spieltags befindet. Zudem legte er auf dem Spielfeld rund 11 km zurück.

Und mit 39 Ballkontakten in den ersten 45 Minuten, die beiden Wolfsburger Stürmer Helmes und Mandžukić hatten zusammen 28, unterstrich er, welch starken Auftritt er vor dem Seitenwechsel auf den Rasen brachte. Und diesen mit einem Tor und einer Torvorlage krönte.

»Raúl hat sich in den letzten Wochen im Training immer wieder angeboten. Er macht im Moment ein außergewöhnlich gutes Spiel«, lobte Borussias Vize-Präsident Rainer Bonhof in der Halbzeit im Interview mit ‚Sky'. »Er ist auch mit seinem Körper präsent, er deckt den Ball gut ab und legt schön für Marco Reus auf«.

Gerade auch vor dem Ausgleich durch Reus zeigte sich der Argentinier hellwach, luxte Simon Kjær nach dessen Fauxpas den Ball ab und legte uneigennützig sowie mit Auge für den Mitspieler für Marco Reus auf, der ‚nur' noch in das leere Tor einschieben musste. »Stürmer sind natürlich Egoisten, aber wenn ein Mannschaftskollege alleine vor dem Tor steht, muss ich den Ball abspielen«, sagte Bobadilla.

»Die Vorlage hat ihm Vertrauen gegeben«, stellte Lucien Favre nach dem Spiel fest. Und das ohne Zweifel, denn auch in der Folgezeit explodierte der Argentinier förmlich und erarbeitete sich Möglichkeiten. Stand dabei gerade auch Wolfsburgs Schlussmann Benaglio im Weg, so krönte er mit dem Tor zur 3:1-Pausenführung kurz vor dem Seitenwechsel seine starke Leistung im ersten Durchgang.

Auch im zweiten Durchgang rackerte der Argentinier unermüdlich, wenngleich er mit ‚nur' noch sechs Ballkontakten nicht mehr so im Spiel war. Doch der bullige Stürmer hatte sich stark zurückgemeldet, völlig verausgabt, und verließ so neun Minuten vor dem Ende unter dem verdienten Beifall der Borussen-Fans das Spielfeld. »Ich habe mich sehr darüber gefreut, wie mich die Fans gefeiert haben«, strahlte Bobadilla nachher in der Mixed-Zone.

Sicherlich eine seiner besten Leistungen im Trikot, wenn nicht die beste nach dem 4:0-Derbysieg in der Hinrunde der letzten Saison, wo er mit zwei Toren und einer Vorlage ebenso kaum zu stoppen war. »Ich versuche immer besser zu werden und ein tolles Spiel zu machen. Und in jedem Training und in jedem Spiel versuche ich mich zu beweisen«, so der 24-Jährige und fügte hinzu: »Heute hat das ganz gut geklappt. Ich hatte ein gutes Gefühl und viel Spaß«.

Und geklappt hat das mit einer wahrlichen Galavorstellung, mit dieser er maßgeblichen Anteil am 4:1-Sieg gegen den VfL Wolfsburg hatte. »Er hat heute Fußball wie fast von einem anderen Stern gespielt«, überschlug sich der Sky-Moderator förmlich.

Auch Lucien Favre rieb sich ob der starken Vorstellung des Argentiniers im Anschluss ein wenig die Augen: »Seine Leistung hat mich schon ein wenig überrascht. Ich habe Raúl nicht so gut erwartet«, sagte Borussias Trainer und lobte: »Er hat eine sehr gute Leistung gebracht und war nur sehr schwer zu stoppen. Man hat gesehen, dass er Pressing spielen, in die Tiefe gehen und den Ball behaupten kann, damit hilft er der Mannschaft«.

»Ich freue mich über mein Tor, für die ganze Mannschaft und für Borussia, dass wir heute ein so tolles Spiel abgeliefert und gewonnen haben«, strahlte Bobadilla nachher. »Wir sind alle sehr glücklich«.

Und auch die Mannschaftskollegen fanden mehr als lobende Worte. »Raúl ist ein unglaublicher Spieler. Gerade in der ersten Halbzeit hat er unglaublich viel für die Mannschaft gearbeitet und hat viele Torchancen erarbeitet. Es war ein super Spiel von ihm«, sagte Mike Hanke und fügte hinzu: »Das Tor hat mich für ihn besonders gefreut, weil er sich sowohl bei Borussia als auch in der Mannschaft geändert hat. Er ist für uns auf jeden Fall ein guter Typ«.

»Das Spiel in der letzten Woche hat Raúl zur Eingewöhnung gebraucht. Heute hat er das gezeigt, was er auch wirklich kann«, lobte Roman Neustädter. »Wir haben ihm geholfen und er hat uns mit der Abschirmung der Bälle geholfen. Er hat verdient ein Tor vorbereitet und eins gemacht. Zudem hat er vorne sehr viel gearbeitet und ist jedem Ball hinterher gegangen«.

»Bei Raúl Bobadilla wissen wir alle, was er spielen kann. Alle wissen, was er für einen Körper und was für eine gute Technik er hat. Heute hat er fast alles richtig gemacht«, sagte Thorben Marx und ergänzte: »Wenn er so weiter spielt, ist er für uns eine riesen Verstärkung«.

In dieser Verfassung ist der bullige Stürmer tatsächlich eine Verstärkung. »Ich denke, er hat Qualität«, war Lucien Favre stets von seinem Schützling überzeugt. »Aber er muss hart arbeiten«.

Und genau dieses hat der Argentinier bisher getan und sich somit seine Einsätze verdient. Nun gilt es allerdings zu beweisen, dass der starke und explosionsartige Auftritt gegen Wolfsburg keine Eintagsfliege war. »Wir sollten nicht vergessen, dass es nur ein Spiel war«, hält Lucien Favre durchaus zurecht den Ball flach und lieferte dafür den Beweggrund: »Er muss noch weiter sehr viel lernen, beispielsweise in Bewegung mit einem Ballkontakt zu spielen. Aber das braucht noch viel Zeit«.

Lucien Favre, der laut eigener Aussage »nichts Spezielles« mit ihm gemacht hat, scheint den bulligen Stürmer jedenfalls aktuell mehr als zu erreichen. Bisher ist der Argentinier auf einem sehr guten Weg, scheint sich einiges zu Herzen genommen zu haben und hat dazu schon sehr viel gelernt. Und setzt er diesen Prozess weiter fort, dann ist der ‚neue' Raúl Bobadilla durchaus einer, an dem man seine wahre Freude haben kann und wird ...


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