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HomeSeitenlinieSaison 2011/2012Oliver Neuville: Fußballtrainer in Lauerstellung

Oliver Neuville: Fußballtrainer in Lauerstellung

1.Arbeitstag als Trainer-Praktikant bei Borussia

Nach Abschluss der Bundesliga-Saison 2009/2010 beendete Oliver Neuville bei Borussia Mönchengladbach zunächst seine aktive Profikarriere, um kurze Zeit später doch noch mal in der Zweiten Bundesliga bei Arminia Bielefeld die Fußballschuhe zu schnüren. Dort beendete der ehemalige deutsche Nationalspieler dann endgültig seine aktive Laufbahn. 493 Tage nach seinem letzten Auftritt für die „Fohlen" im Spiel gegen Bayer Leverkusen ist der heute 38-Jährige wieder zurück beim VfL - allerdings als Trainer-Praktikant in der Jugend- und Amateurabteilung. Und hatte dazu am Dienstag seinen ersten Arbeitstag.

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Oliver Neuville trat am Dienstag seinen Dienst als Trainer-Praktikant an. Foto: Andreas Plum, Fohlen-Hautnah.de

»Es war ja schon vor meinem Wechsel nach Bielefeld abgesprochen, dass ich bei Borussia ein Praktikum machen kann wenn ich aufhöre. Aber wo ich aufgehört habe, gab es die damalige sportliche Situation nicht her, um mit Max Ebel zu reden«, erläuterte Oliver Neuville noch mal das Zustandekommen. »Jetzt gab es dazu die Gelegenheit und dann haben wir uns letzte Woche zusammengesetzt und alles abgemacht«.

Und es war genau 10:09 Uhr, als Oliver Neuville am Dienstagmorgen wieder im Borussen-Dress gekleidet Mönchengladbacher Rasen betrat. Das tat er aber nicht wie früher beim VfL gewohnt im Outfit mit der Rückennummer zehn, sondern in Arbeitskleidung mit der Nummer 70 ausgestattet, betrat der mit den Spielern von Borussias zweiter Mannschaft das Trainingsgelände am Borussia-Park.

Zuvor hatte Jugend- und Amateurkoordinator Roland Virkus den Spielern der U23 in deren Kabine mitgeteilt, dass der frühere Angreifer nun als Praktikant und Co-Trainer mit von der Partie sein wird. »Ansonsten brauchte man ihn ja nicht direkt vorstellen«, meinte Sven Demandt und hatte damit sicherlich recht. »Er kannte ja auch noch ein paar Jungs vom Profitraining«.

Und während die Spieler der U23 ihre Aufwärmungen drehten, kam der Ex-Profi zu seiner ersten Aufgabe als Praktikant. Stangen für einen Parcours aufstellen hatte Chef-Trainer Sven Demandt dem Ex-Profi aufgetragen. Und dieser schaute den Spielern bei den anschließenden Passübungen mit auf den Rücken verschränkten Händen genau auf die Füße.

Ab und an nahm ihn dann VfL-Coach Demandt zu Smalltalks zur Seite. »Da habe ich ihm etwas über den ein und anderen Spieler erzählt«, erklärte Demandt. »Ich muss die Spieler ja erst kennenlernen, auch wenn ich mit einigen noch zusammengespielt habe«, skizzierte Neuville einer seiner ersten Aufgaben.

Derweil schien die „Jungfohlen" die Anwesenheit des früheren Nationalspielers noch mehr anzuspornen. »Wenngleich die Jungs unabhängig davon im Training immer Gas geben, so war es heute schon ersichtlich, dass die Jungs noch mehr engagierter sind, wenn so ein bekannter Spieler wie er dabei ist und ab und zu noch mit macht«, hatte Demand den Eindruck. »Das gibt dann vielleicht nochmal fünf Prozent mehr«.

Beim abschließenden Trainingsspiel machte der ehemalige deutsche Nationalspieler dann auch aktiv mit. »Heute hat einer gefehlt und da musste ich direkt mit ran«, erklärte Neuville. Das tat er dann im Sturm an der Seite von Elias Kachunga.

Gerade auch einem jungen Angreifer, wie Kachunga, kann der Ex-Profi sicherlich viel mit auf den Weg geben. »Er bringt als Spieler Erfahrungen mit, die glaube ich auch für die jungen Spieler ganz wichtig sind, das ist ganz klar«, sagt Sven Demandt. »Ich hoffe, dass ich den Stürmern helfen und ihnen ein paar Tipps geben kann und hoffe, dass sie davon profitieren«, so Neuville.

Und das der 38-Jährige nicht mehr so im Saft steht, war ihm dabei anzumerken. Durchaus aber auch verständlich, denn hatte er schließlich am 04. Dezember des vergangenen Jahres beim Spiel der Bielefelder Arminia gegen Greuther Fürth seinen letzten Einsatz als Profisportler und im Anschluss bis auf ein paar wenige Einsätze bei der Weisweiler-Elf neun Monate überwiegend pausiert. »Die Routine und der Rhythmus fehlen natürlich ein bisschen. Früher hab ich ja fast immer jeden Tag trainiert«, holte Neuville nach seinem Trainingsspielchen erst einmal tief Luft.

Dennoch ist der frühere Publikumsliebling froh, nach langer Abstinenz nun wieder auf dem Fußballplatz stehen zu können. »Ich wollte nach meiner langen Pause jetzt wieder etwas machen. Dazu habe ich in Gladbach die Gelegenheit und das freut mich«, strahlte Neuville nach seiner ersten Einheit als Praktikant, die um 11:36 Uhr beendet war.

Ob er denn bei seinem Einsatz das Spiel bereits von einer anderen Sichtweise betrachtet hat, wollten die Journalisten dann im Anschluss wissen. »Natürlich ist es jetzt anders, als wenn du als Spieler trainiert hast, da hast du nicht so viel nachgedacht«, erklärte Neuville. »Jetzt musst du anders denken, musst alle Spieler sowie all ihre Stärken und Schwächen kennen«.

Während der Trainer in Lauerstellung zunächst also den Kader der U23 genauestens studieren wird, so wird er in den kommenden Monaten auch prüfen, ob ihm der Wechsel vom Platz an die Seitenlinie zusagt. »Ich möchte schauen, ob mir dieser Job Spaß macht«, sagt der 38-Jährige.

»Ich glaube, für ihn geht es erst mal grundsätzlich darum, einen genauen Eindruck und gewisses Bild davon zu bekommen, was ein Trainer eigentlich macht«, sagt ‚Ausbilder' Demandt. »Wenn man immer nur Spieler war, dann beschäftigt man sich zwar viel mit Fußball, aber eben nicht genau damit, was ein Trainer auf dem Platz im Hintergrund so alles macht und was für Aufgaben er hat. Das ging mir ja ähnlich«.

Und dazu wird Neuville sowohl in Borussias Jugend-und Amateurabteilung reinschnuppern als auch die ersten Trainerlizenzen erwerben. »Ich absolviere zunächst bei U23 für drei Monate ein Praktikum. Danach werde ich bei der Jugend reinschauen«, skizziert Neuville. »Zudem werde ich in dieser Zeit den B- und A-Schein machen. Ich glaube, im November fange ich damit an«.

Bei seinem ersten Praktikumstag wurde der 38-Jährige zwar noch nicht großartig gefordert, was sich aber sicherlich ändern wird. »Er soll ja nicht nur nebendran stehen und nur zuhören, was ich sage, sondern er soll ja auch selber sehen, wie das ist und was das für eine Arbeit ist, Trainer zu sein«, erklärt Demandt.

Dazu wird der Cheftrainer seinem ‚Lehrling' zu gegebener Zeit auch gewisse Trainingsabschnitte überlassen. »Wenn er mal ein bisschen geschaut hat, wie so die Abläufe, dann wird sicherlich auch mal so sein, dass wir sagen: So, jetzt mach mal was«.

»Wenn er sich das zutraut. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es schon etwas anders ist, jetzt da zu stehen und dann selber etwas zu machen. Dann merkt man, dass es nicht ganz so einfach ist«, so der U23-Trainer weiter. »Aber darum geht es ja letztendlich für ihn, ob es was ist oder eben nicht. Deshalb ist es ganz gut für ihn, einen Einblick zu erhalten«.

»Bei Sven kann ich viel lernen, denn überall wo er bisher als Trainer gearbeitet hat, hatte er Erfolg. Das ist auch jetzt bei der U23 so«, sagt Neuville. Ob er allerdings nach erfolgreich absolvierter Ausbildung auch in das Profitrainergeschäft einsteigen wird, weiß er zum hiesigen Zeitpunkt noch nicht. »Um das zu sagen und ob ich generell Trainer werde, ist es noch zu früh. Heute war erst mein erster Tag. Ich muss erst mal meine Trainerscheine machen und schauen, ob mir der Job Spaß macht«, will der 38-Jährige erst mal reinschnuppern und seine Lizenzen machen.

Von welchen Trainern er sich vielleicht etwas abgeschaut hat, wollten die Journalisten abschließend wissen. »Ich habe von jedem Trainer etwas gelernt. Persönlich habe ich immer gemocht, wie Dick Advocaat trainiert hat, auch wenn er zumindest in Gladbach nicht so erfolgreich war. Aber er ist ein Trainer, unter dem ich viel gelernt habe«, sagte Neuville. »Und auch unter Christian Ziege habe ich in Bielefeld im taktischen Bereich richtig viel gelernt, auch wenn die Ergebnisse nicht gut waren«.

»Das ist schwer zu sagen, so der 38-Jährige auf die Frage, welch Trainertyp er denn mal werden möchte. Wichtig ist, was auf dem Platz passiert«, sagt Neuville und nimmt Borussias Cheftrainer als Beispiel: »Man sieht es bei Lucien Favre. Gladbach spielt erfolgreich. Ich weiß nicht, ob er ein harter Hund ist, aber der Erfolg gibt ihm recht. Im Fußball geht es immer um Sieg oder Niederlage«.

Am kommenden Samstag wird Oliver Neuville erstmals als Praktikant im Spiel von Borussias U23 gegen den Wuppertaler SV Borussia im Grenzlandstadion an der Seitenlinie Platz nehmen und erste Eindrücke davon gewinnen, wie es ist, eine Mannschaft zu führen. Und dann beim geplanten Mannschaftsabend wohlmöglich seinen Einstand geben.

Auf dem Platz hat sich der 38-Jährige zweifelsohne stets wohl gefühlt, war mit Spaß sowie vollem Einsatz bei der Sache und erfolgreich. Nun darf man durchaus gespannt sein, ob dies alles auch an der Seitenlinie der Fall sein wird, zuzutrauen ist es ihm allemal. »Borussia ist mein Verein, ich war nie so richtig weg«, sagt Neuville. Nun ist er wieder da - und das ist durchaus erfreulich.


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