Am Ende ist es doch passiert. Einige hatten bis zuletzt nicht daran glauben wollen. Andere hatten es schon befürchtet, aber die Hoffnung immer tief im Herzen getragen, dass es vielleicht doch nicht dazu kommt. Aber am Ende ist es doch passiert. Marco Reus wechselt im kommenden Sommer zum Start der Bundesliga-Spielzeit 2012/2013 von Borussia Mönchengladbach für eine Ablöse von 17,5 Millionen Euro zurück zu seinem Heimatverein Borussia Dortmund. Ein sicherlich herber Verlust, aber was unter dem Strich zählt, ist der VfL.
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| Jublen ab Sommer nicht mehr zusammen: Neustädter, Reus und Hanke. Foto: Dirk Päffgen, für Fohlen-Hautnah.de |
Viele mögen sagen, dass es letztendlich abzusehen war. Aber die Entscheidung von Marco Reus kam nicht nur für Sportdirektor Max Eberl und VfL-Trainer Lucien Favre überraschend.
Auch das Dortmunder Management-Team um Sportdirektor Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke verblüffte der Nationalspieler wohl bereits Dienstagabend mit seiner plötzlichen, schnörkellosen und knappen Zusage. Reus, den auch der Bayern München gerne in seinen Reihen aufgenommen hätte, erhält in Dortmund einen Arbeitsvertrag bis Juni 2017.
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Der Offensivspieler hatte seinen Vertrag bei Borussia Mönchengladbach zwar bis 2015 verlängert, allerdings unter dem Vorbehalt, gegen eine Ablöse von rund 17,5 Millionen Euro schon zum Ende der aktuellen Spielzeit wechseln zu können. Ein wenig überraschend hierbei ist vielleicht auch der für den VFL unglückliche Umstand, dass 'ausgerchnet' der BVB nach Jahren der Konsolidierung wieder im Stande ist, solche hohen Summen für einen Spieler aufzubringen.
Dazu sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke: »Wir haben jahrelang Transferüberschüsse erzielt, genau für eine solche Situation. Für Reus sind wir bereit gewesen, auch mal etwas Außergewöhnliches zu tun. Er ist ein Dortmunder Junge, und wir holen ihn jetzt zurück an den Borsigplatz«. Manager Michael Zorc schwebt indes auf Wolke Sieben: »Mit Marco Reus verpflichten wir unseren absoluten Wunschspieler für die Offensive. Wir freuen uns, dass sich Marco trotz hochkarätiger Konkurrenz für den BVB entschieden hat«.
So bleibt zuletzt für alle VFL-Fans die traurige Gewissheit, das Vorzeige-Fohlen und den besten Gladbacher Spieler der letzten Jahre abgeben zu müssen. Max Eberl ist hier aber kein Vorwurf zu machen: »Wir wären bis ans Äußerste gegangen, um Marco zu halten, haben ihm ein neues Vertragsangebot bis 2016 vorgelegt«, hatte Borussias Sportdirektor um ‚sein' Juwel gekämpft.
Auch Reus bestätigte in einem Interview diese Aussage: »Ich habe mich wirklich bis Weihnachten nicht mit diesem Thema beschäftigt, sondern das alles meinem Berater überlassen«, untermauerte der Nationalspieler im Gespräch mit Borussias Internetseite. »Borussia hat mir vor Weihnachten noch einmal ein sehr gutes Angebot für eine Verlängerung meines Vertrags bis 2016 gemacht und dies in dieser Woche noch einmal bekräftigt«.
Unmissverständlich erklärte der 22-Jährige auch den Grund, sich gegen eine weitere Zeit bei Gladbach entschieden zu haben. Auf der Gladbacher Homepage betonte er, er wolle »bei seinem nächsten Schritt« bei einem Klub spielen, der ihm garantieren könne, »um die Meisterschaft mitzuspielen und in der Champions League«.
Dieser Schritt ist ihm bei aller Enttäuschung nicht zu verdenken. Auch private Gründe mögen den Stürmer veranlasst haben, in seine Heimatstadt zurückzukehren. Seine Freundin wohnt in Dortmund, und auch sportlich ist Reus in der größten Stadt des Ruhrgebiets verwurzelt. Er begann bei Post SV Dortmund mit dem Fußball, wechselte später zur großen Borussia, wurde dort als Jugendlicher buchstäblich für zu leicht befunden, ging nach Ahlen und wurde dort in der Zweiten Liga von Max Eberl entdeckt.
In einem ähnlichen Licht erscheint auch der Wechselwille von Roman Neustädter. Der Ex-Mainzer wird seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängern und den VfL ablösefrei verlassen. Bayer Leverkusen und der FC Schalke stehen als potenzielle Kandidaten im Raum.
Auch hier versichert Max Eberl, bis zum Limit gegangen zu sein: »Wir wollten mit ihm verlängern, weil er sich zu einem wichtigen Spieler entwickelt hat. Mit dem Angebot, das wir ihm gemacht haben, hätte sich sein Gehalt vervielfacht«, erklärte der Sportdirektor. »Aber er hat uns mitgeteilt, dass er es nicht annehmen wird. Ich weiß, dass er woanders deutlich mehr Geld verdienen kann, auch in diesem Fall müssen wir das leider so hinnehmen«.
So bleibt die Erkenntnis, dass nach dem Abgang zweier wichtiger Spieler, auf Max Eberl und Lucien Favre in der kommenden Saison sehr viel Arbeit wartet. Gute Spieler fallen der Konkurrenz ebenso sehr auf, wie die Tatsache, dass Gladbach mit seinen finanziellen Mitteln nicht gänzlich in der Lage ist, sie langfristig in seinen Reihen zu halten. Es ist ein Leichtes, die Schuld Reus, Neustädter und allen anderen Spielern, die Gladbach in Zukunft noch verlassen werden, in die Schuhe zu schieben.
Verdient haben sie es aber natürlich nicht. »Mir ist es ganz wichtig, klarzustellen, dass dies keine Entscheidung gegen Gladbach ist. Ich hatte hier bis jetzt eine wunderbare Zeit. Borussia hat mir die Chance gegeben, mich in der Bundesliga zu zeigen und mich zu dem Spieler zu entwickeln, der ich jetzt bin«, sagte Reus. »Nach wie vor fühle ich mich in der Mannschaft, in der ich viele gute Freunde habe, und in der Stadt sehr wohl und es wird mir weh tun, dieses für mich wichtige gute Umfeld zu verlassen«.
Jeder, der das nicht zu würdigen weiß und Marco Reus und Roman Neustädter nicht dankbar ist für ihre tolle Arbeit bei der Borussia, muss ein Ignorant sein. Das Problem der Borussia liegt nicht bei den abwandernden Spielern, sondern am Fehlen sportlicher Erfolge. Diese Saison besteht die Möglichkeit, daran endlich etwas zu ändern.
Und dabei kann sich der VfL Dabei immer noch auf die wichtigen Dienste von Reus und Neustädter verlassen. »Gas geben bis zur letzten Spielminute der Saison. Am liebsten würde ich mich hier mit einem Titel verabschieden, und der ist im Pokal ja auch noch drin. Und ich möchte dazu beitragen, dass wir mit der Mannschaft unsere tolle Hinrunde bestätigen«, will die Rakete bis zur letzen Minute für den VfL zünden und alles in die Waagschale werfen.
Da möchte und wird man ihn natürlich genauso wie Roman Neustädter beim Wort nehmen und sich drauf verlassen. Denn so schmerzlich und schwerwiegend der Abschied des Ausnahmetalents sicherlich auch ist, am Ende geht es immer um Borussia Mönchengladbach. Den Club wieder ins sportliche Licht zu rücken und endlich wieder Erfolge zu feiern, muss das oberste Ziel sein.
Der VfL wird wohl noch viele Talente kommen und gehen sehen. Aber irgendwann, ja vielleicht sogar recht bald, wird auch Borussia einen Superstar halten können. Stelle man sich doch nur vor, man hätte letzte Saison, statt in der Relegation zu spielen, die Meisterschale geholt und wäre in dieser Saison wieder Meisterschaftsfavorit. Vielleicht hätten wir dann Marco Reus behalten und Mario Götze verpflichtet...






