Weiter geht die Berg- und Talfahrt
Rückschritt für den Fortschritt?
Nach dem Sieg gegen die Bayern gab es für Lars Stindl & Co. in Wolfsburg nichts zu holen. Foto: Dirk Päffgen
  Kommentar
05.12.2017 10:49 Uhr
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Verfasst von Hannah Gobrecht

Borussia Mönchengladbach hat sich in den letzten drei Spielen gegen Berlin, Bayern und Wolfsburg sechs von neun möglichen Punkten erspielt. Das ist ein guter Schnitt gegen drei ambitionierte Mannschaften der Bundesliga. Nach dem Höhenflug gegen den Rekordmeister ist man in Wolfsburg aber wieder knallhart auf frostigem Boden gelandet.

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Eines möchten wir vorweg feststellen: Borussia liegt nach 14 Spieltagen auf Rang vier der Tabelle, was gleichzeitig bedeutet, dass man im Rennen um Europa voll im Soll ist. Fünf Punkte weniger bedeuten allerdings schon wieder Platz zehn. Das zeigt abermals, wie eng die Liga gestrickt ist und dass es am Ende tatsächlich auf jeden einzelnen Punkt ankommen wird. Jedes Unentschieden kann helfen, sich im Mai einen vierten, fünften, sechsten oder siebten Platz zu sichern.

Für Passivität bestraft

Umso ärgerlicher ist es, dass es der Fohlenelf nicht gelang, in Wolfsburg eine ähnliche Leistung wie eine Woche zuvor abzurufen. Das Spiel war nach zwanzig Minuten praktisch gelaufen. Das Team von Dieter Hecking wirkte gerade zu Beginn gehemmt. Vor allem beim zweiten Gegentor waren alle Beteiligten viel zu passiv, wodurch sich die Wolfsburger ganz einfach durch das Zentrum kombinieren und die Führung somit sehenswert ausbauen konnten.

Danach merkte man zwar, dass die Borussen sich um Torchancen bemühten, doch spätestens zu Beginn der zweiten Halbzeit war zu erkennen, dass es an diesem Sonntag nicht mehr zu einem, geschweige denn zu weiteren Torerfolgen reichen wird. Die Leidenschaft und die Gier auf den Dreier waren im Gegensatz zur Vorwoche nicht zu erkennen und damit verpasste Borussia die Chance, sich ein wenig von der direkten Konkurrenz abzusetzen.

Kopfsache?

Erfolge gegen den Rekordmeister sorgen in der gesamten Liga für ein Aufhorchen. Das war in der letzten Woche in Mönchengladbach ebenfalls so. Solche Spiele beflügeln die Fans, die diesen Sieg besonders gerne auskosten. Für die Spieler gibt es Schulterklopfen und Lob von allen Seiten, der Interview-Marathon nach Abpfiff zieht sich besonders in die Länge. In den Tagen danach verliert der ein oder andere dabei den Fokus auf die nächsten Aufgaben. Das würde natürlich niemand so behaupten, denn das passiert vor allem unterbewusst und ist am Ende menschlich. Keiner möchte das und doch ist es gerade im Spitzensport Alltag, dass vieles im Kopf entschieden wird. Bleibt zu hoffen, dass die Spieler aus solchen Spielern lernen und endlich auch mal zeigen, dass sie über mehrere Wochen hinweg konstant ihre Leistung abrufen können. Dass man dann nicht automatisch fünf Spiele hintereinander gewinnt, sollte jedem Anhänger ebenfalls klar sein.

Die wilde Achterbahnfahrt

Eines hat die Sache dann ja doch: Borussia bleibt in dieser Woche und mit Vorbereitung auf Schalke 04 von schwachsinnigen Bezeichnungen wie „Bayern-Jäger“ verschont, denn das ist die Elf vom Niederrhein nicht. Borussia ist auch kein Spitzenteam, sondern eine Entwicklungsmannschaft mit Spielern, die ihr Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft haben. An guten Tagen kann man gegen Hoffenheim oder Bayern brillieren, an schlechten Tagen wie gegen Leverkusen und Dortmund untergehen. Das ist gerade für die Fans kein einfaches Unterfangen, das ständige Auf und Ab sorgt dafür, dass man nach grandiosen Siegen schon ahnt, dass bald das böse Erwachen folgt.

Doch Rückschritte gab es in dieser Saison schon einige, genannt seien erneut die Spiele gegen Dortmund, Leverkusen oder das gegen Wolfsburg. Trotzdem punktete man im Anschluss wieder. „Rückschritt für den Fortschritt“ – so könnte man die bisherige Achterbahnfahrt bezeichnen. Solange Borussia dabei allerdings nach jedem Rückschritt nochmal zwei Schritte nach vorne macht, dürfen sich die Fans schon bald wieder über tolle Leistungen und einige Punkte freuen. Auch wenn das bedeutet, dass am Ende der Saison das eine oder andere graue Haar dazu gekommen ist.

                                                

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