FOHLENHAUTNAH
Alexander Zickler kümmert sich vor allem um Borussias Offensive

»Die Stürmer sind heute viel kompletter und haben schon mehrere Qualitäten vereint«

Interview
07.07.2019 19:43 Uhr
Der ehemalige top-Stürmer hat stets den Ball im Blick und schaut genau hin. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de
Verfasst von Andreas Plum

In Alexander Zickler hat Marco Rose seinen Co-Trainer von RB Salzburg mit zu Borussia Mönchengladbach gebracht. Der ehemalige Top-Stürmer und Champions League-Sieger von 2001 soll bei den Fohlen vor allem die Offensive auf Trab bringen. Der 45-Jährige freut sich auf seine neue Aufgabe am linken Niederrhein.

Alexander Zickler schaut ebenso wie sein Chef Marco Rose genau hin, was die Borussen bei der täglichen Arbeit auf dem Platz so ‚treiben’. Vor allem dann, wenn es um Standards und Torabschlüsse geht, hat Zickler einen genauen Blick. Nicht ohne Grund. Schließlich hat der ehemalige Top-Stürmer in insgesamt 531 Pflichtspielen für seine Klubs 145 Tore erzielt und 51 vorlagen gegeben.

Eine beachtliche Quote des 45-Jährigen, der also genau weiß, wo das Tor steht. Da liegt es auf der Hand, dass er sich bei den Fohlen vor allem um die Offensive kümmern soll. Gerade auch bei Standards gibt es ja bei den Borussen großes Verbesserungspotenzial. »Standards sind mit Sicherheit ein großes Thema, bei dem man extrem viel rausholen kann. Gerade offensiv. Ruhende Bälle, Eckbälle, Freistöße, direkte Freistöße«, weiß Zickler. »All das werde ich mir anschauen. Aber darum werde ich mich sicherlich nicht alleine kümmern, sondern das werden wir wie auch beim Defensivverhalten bei Standards im Team machen.«

Ratgeber und mitunter auch Psychologe

»Natürlich achte ich auch im Detail auf die Stürmer, auf ihre Bewegungen miteinander und gegeneinander, auf ihre Abstände und ihre Abschlüsse«, beschreibt der 45-Jährige seine Arbeit. »Aber wir haben gute Stürmer, das habe ich im Training schon gesehen. Deshalb brauche ich da auch nicht permanent einwirken. Aber es gibt natürlich schon Details, wo ich mit Tipps zur Seite stehen kann, weil es natürlich schon neue Aufgaben gibt, die auf die Stürmer zukommen.«

Apropos Stürmer. Was ist denn anders an den heutigen Angreifern im Vergleich zur Zeit von Alexander Zickler? »Ich glaube schon, dass die Stürmer von heute anders sind, als noch zu meiner Zeit. Sie sind heute viel kompletter und haben schon mehrere Qualitäten vereint«, meint Zickler. »Dennoch gibt es immer wieder Situationen, bei denen man mit seiner Erfahrung zur Seite stehen kann, wenn es um spezielle Spiele, um spezielle Verteidiger oder Gegenspieler geht.«

Lob an Plea

Natürlich können Stürmer auch mal eine Flaute haben. So wie Alassane Plea in der vergangenen Rückrunde. »Ich habe Alassane Plea in den ersten Einheiten als überragenden Stürmer kennengelernt. Er ist ein Stürmer mit sehr viel Potenzial. Er hat sehr viel individuelle Klasse und weiß, wo das Tor steht«, lobt der 45-Jährige und weiß, was dann zu tun ist: »Auch andere Weltklasse-Stürmer haben mal eine Krise, das ist ganz normal. Dann muss man einfach versuchen, an den Dingen zu arbeiten, ihnen das Selbstvertrauen zurückgeben und Mut zusprechen, damit sie auch mit einer gewissen Überzeugung aufs Spielfeld gehen. Und das nötige Glück kannst du dir nur über harte Arbeit zurückholen. Da kann ich dann viel mitgeben und werde mit Rat und Tat zur Seite stehen.«

Dazu ist es wie in allen Situationen eh unabdingbar, dass alle im Training genau hinhören und mitziehen. »Wir erwarten von unseren Spielern natürlich, dass sie mitziehen und dass sie 100 Prozent bereit sind, Dinge anzunehmen und sich jeden Tag verbessern zu wollen, auch wenn mal etwas nicht gelingt«, fordert der 7-malige Deutsche Meister. »Dann an sich zu erarbeiten und diese neuen Dinge, die wir mitgeben, aufzusaugen und umzusetzen und einfach auch Spaß an dem haben, was sie machen.«

Einen kleinen Traum erfüllt

Spaß hat Alexander Zickler generell an seinem Job bei Borussia Mönchengladbach. Und als die Anfrage über seinen ‚Chef’ kam, nach Deutschland zu wechseln, musste der 45-Jährige dann auch nicht allzu lange überlegen, wie man heraushören kann. »Wenn du bei Borussia als Trainer arbeiten darfst, dann ist das schon so, dass ein kleiner Traum in Erfüllung geht. Als Marco uns mitgeteilt hat, dass es da ein Angebot gibt, waren alle begeistert«, schwärmt Zickler.

»Meine ersten Gedanken waren natürlich dann die damaligen Spiele mit Bayern München gegen Borussia. Das waren einfach überragende Spiele und auf diese Duelle freut man sich dann auch wieder. Borussia hat eine unglaublich coole Fankultur und viel Tradition im Klub«, sagt Zickler. »Dann macht das einfach Spaß. Wir wissen, dass es keine einfache Aufgabe ist. Aber so wie wir die Menschen in den ersten Tagen kennengelernt haben, ist das ein extrem freundliches und familiäres Umfeld. Da fühlt man sich wohl und hat Spaß zu arbeiten. Und wir werden alles dransetzen, dass wir zusammen erfolgreich sind.«

»Für die neue Saison eine gute Mischung finden«

Und dazu will Marco Rose die Borussen verändern, ihr eine neue Spielidee vermitteln. Ein Salzburg 2.0 wird es aber nicht geben. Das unterstreicht auch sein Co-Trainer Alexander Zickler. »Wir waren mit unserem System in Salzburg sehr erfolgreich. Aber da muss man auch fairerweise sagen, dass die österreichische Bundesliga zwar keine schlechte Liga, aber auch nicht die deutsche Bundesliga ist«, sagt Zickler.

»Gladbach ist eine Mannschaft, die sehr guten Fußball gespielt und in der letzten Saison einen hervorragenden 5. Platz belegt hat. Dadurch spielen wir international. Da ist es unsere Aufgabe, beides miteinander zu verknüpfen, Dinge zu übernehmen und neue Dinge langsam reinzubringen. Das wird Zeit brauchen, das wissen wir«, so der ehemalige Top-Stürmer. »Deshalb werden wir das langsam angehen. Wir werden uns Dinge von der letzten Saison anschauen und uns dann Gedanken machen. Spielerisch haben wir eine hervorragende Qualität. Und davon kann man sicher auch das eine oder andere übernehmen und für die neue Saison dann eine gute Mischung finden.«

Unterdessen hat sich Zickler in den wenigen Tagen in Mönchengladbach schon gut eingelebt. »Salzburg ist eine schöne Stadt. Aber auch das, was ich bisher von Gladbach gesehen habe, kann sich sehen lassen. Es ist eine Stadt, in der man sich wohlfühlen kann«, so der 45-Jährige. »Das einzige, was man wahrscheinlich vermissen wird, sind die Berge. Aber das Wichtigste ist für uns, dass wir sehr gut aufgenommen worden sind und die Menschen freundlich sind. Und dann fühlt man sich von Hause aus wohl. Egal, was es für eine Stadt ist.

Eine Stadt, die nicht zuletzt durch das Aushängeschild Borussia weit über die Landesgrenzen hinaus und in Europa bekannt ist. in Zukunft wird Alexander Zickler mit dabei helfen, dass die Fohlen gerade auch in Europa wieder für tolle Momente und Spiele sorgen.