FOHLENHAUTNAH
Sponsoring im E-Sports - Nachgefragt bei Andreas Cüppers

Ziel ist es, neue Sponsoren im Profifußball zu etablieren

Kurz & Knapp
10.02.2020 14:44 Uhr
Andreas Cüppers ist bei Borussia Abteilungsleiter für "Digitale Entwicklung". FOTO: BORUSSIA MÖNCHENGLADBACH/ CHRISTIAN VERHEYEN
Verfasst von Andreas Plum und Daniel Schnichels

Auch im E-Sports-Bereich von Borussia Mönchengladbach ist das Thema Sponsoring weit fortgeschritten. Mittlerweile verfolgt Borussia das Ziel, Unternehmen über den E-Sports auch im Profibereich zu etablieren. Zudem soll vermehrt das junge Publikum angesprochen werden. 

Borussia Mönchengladbach ist aktuell auf der Suche nach einem neuen Hauptsponsor, denn der Vertrag mit der Postbank läuft zum Sommer aus. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Bonn ziert schon in der zehnten Saison die Brust der Trikots. Im Trainingslager in Jerez deutete Sportdirektor Max Eberl bereits an, dass es viele gute Gespräche gibt und es kein Unternehmen aus China wird.

Wichtiger Partner im E-Sports

Auch Andreas Cüppers, Borussias Abteilungsleiter für ‚Digitale Entwicklung‘, beschäftigt sich mit seinem Team beim Thema E-Sports mit Sponsoren. Mit der AOK haben die Fohlen für diesen Bereich einen Partner gefunden, der auch schon im Stadion wirbt. »Einen Hauptpartner zu finden, der auf der Brust unserer Trikots wirbt und eine Partnerschaft in diesem Gebiet über mehrere Jahre eingeht, das war schon eine Herausforderung«, sagt Cüppers. 

Die Gesundheitskasse ist aber weitaus mehr als nur ein normaler Sponsor: »Mit der AOK haben wir einen Gesundheitspartner an unserer Seite, von dem wir auf mehreren Ebenen profitieren. Gemeinsam treten wir etwa den Vorurteilen gegenüber E-Sports entgegen. Die Belastung für unsere Spieler ist enorm, neben körperlicher braucht man vor allem mentale Fitness. Wir können dank unseres Sponsors von einem großen Netzwerk profitieren. So haben unsere Spieler beispielsweise schon mehrere umfangreiche Tests an der Deutschen Sporthochschule durchlaufen, bei denen es unter anderem um die Reaktionsfähigkeit oder die Auge-Hand-Koordination ging«, erklärt der 40-Jährige die Win-Win-Situation.

Mehr Möglichkeiten 

Im Gespräch mit unserer Redaktion betont der 40-Jährige aber auch, dass »die Summen im E-Sports nicht mal ansatzweise mit denen im Profifußball vergleichbar sind«. Für uns nicht allzu verwunderlich, schließlich ist der Fußball seit Jahrzehnten ein Millionen-Geschäft, Sport an der Konsole boomt er seit ein paar Jahren. Trotzdem ist Cüppers mit der Entwicklung mehr als zufrieden, schließlich beschäftigten sich immer mehr Unternehmen mit E-Sports und einem damit verbundenen Sponsoring bei den Fohlen. 

Ein großer Vorteil im Gegensatz zu den Profis ist, dass auf den Trikots von Yannick „Jeffry95“ Reiners, Stefan „Topik“ Beer und Richard „Der_Gaucho10“ Hormes weitaus mehr Möglichkeiten gegeben sind. »Die Werbung auf den Trikots ist noch nicht reglementiert. Wir haben schon jetzt drei Partner auf den Trikots (Brust und Ärmel), der Nackenbereich ist angesichts der üblichen Kameraeinstellungen auch sehr interessant«, erklärt Borussias Abteilungsleiter ‚Digitale Entwicklung‘.

Noch mehr Möglichkeiten bieten sich für Unternehmen in den digitalen Kanälen: »Da sind uns beispielsweise bei der Zahl der von unseren Partnern präsentierten Formaten auf Kanälen wie YouTube oder Twitch eigentlich keine Grenzen gesetzt.« Vor ein paar Jahren war der Platz für Sponsoren limitiert: Trikotwerbung, Bandenwerbung oder Business-Seats, irgendwann war Schluss. Die digitale Entwicklung kommt Borussia also zugute, denn dadurch können neue Sponsoren angelockt werden. 

Apropos: Inzwischen kommt es sogar immer häufiger vor, dass verschiedene Unternehmen an die E-Sports-Abteilung herantreten und auf verschiedene Art werben wollen. »Im Falle von Hoya Lens ist das Unternehmen, weil es zum einen eine hohe E-Sports-Affinität mitbringt und zum anderen aus Mönchengladbach kommt, aktiv auf uns zugekommen, was uns natürlich sehr gefreut hat«, sagt Andreas Cüppers. Auch bestehende Sponsoren fragen vermehrt auch den Bereich ab.

Ziel: Unternehmen in den Profibereich locken 

Interessierte Unternehmen können also für vergleichsweise wenig Geld bei den Fohlen einsteigen und somit den Verein und die Strukturen kennenlernen. Das Ziel ist laut Cüppers dabei ganz klar: »Es ist nicht auszuschließen, dass ein Partner, der uns über den Bereich E-Sports kennen gelernt hat, sein Engagement auch mal auf den Profifußball ausweiten möchte. Auf diese Weise könnten wir perspektivisch auch Kontakt zu Unternehmen aufbauen, die sich bislang nicht im Fußball engagiert haben.« Es ist also nicht ausgeschlossen, dass ein neuer Hauptsponsor für die Profiabteilung mal „klein anfängt“. 

Zudem versucht Borussia auch eine neue Zielgruppe ins Stadion zu bekommen, die Generation Y. Das Angebot für Jugendliche wird durch die Streamingdienste immer vielfältiger, sodass Fußball nur eines von vielen Facetten ist. »Unsere Wunschvorstellung ist es, die Zuschauer vom E-Sports-Stream ins Stadion zu bekommen. Das ist für manch einen vielleicht ein hochgegriffenes Ziel, aber eines das wir definitiv verfolgen«, so der 40-Jährige.